22. Juni 2021

Letzte Nacht schlief ich den komatösen Schlaf der Gerechten und wache gut ausgeruht auf. Ein kurzer Blick aufs Handy verrät mir, dass ich heute mit maximal 17 Grad rechnen kann. Dazu gesellen sich ein kühler Wind und zwischendurch immer mal wieder kurze Nieselschauer, die nach ein paar Minuten den Geist aufgeben.

Bevor es losgeht, möchte ich noch ein paar Worte zu dem charmanten, nur 20 Kilometer von der Grenze zu Frankreich entfernten Küstenstädtchen verlieren, das gerade mein temporäres Zuhause ist. Trotz der rund 190.000 Einwohner und der durchaus städtischen Infrastruktur wirkt San Sebastián eher dörflich und gemütlich. Drei Strände und drei Hausberge setzen einen gelungenen optischen Rahmen für das unschlagbare Setting der Stadt.

Doch San Sebastián kann nicht nur Altstadt, Strand, Berge und Meer. Seit 1953 ist das jährliche Filmfestival im September aus dem Kalender und der Filmwelt nicht mehr wegzudenken. Und überhaupt jagt hier das ganze Jahr hindurch ein Event das nächste. Kulinarisch, musikalisch, filmisch.

Zwei Sprachen werden hier gesprochen: baskisch und spanisch. Die durchschnittliche Höchsttemperatur im August beträgt moderate 24 Grad – und hat mit den Temperaturen, die wir sonst mit Spanien in Verbindung bringen, wenig bis nichts zu tun.

Und muss ich noch extra erwähnen, dass es ebenso wie Bilbao als Paradies für Feinschmecker gilt? Von der Eckkneipe bis zur hochklassigen Gastronomie ist für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel etwas dabei. Es gilt als offenes Geheimnis, dass sich die Michelin-Sterne in San Sebastián ganz besonders gerne tummeln. Nur im japanischen Kyoto sind sie noch einen Hauch lieber.

Manch eine/r denkt jedoch bei der Erwähnung von San Sebastián auch an ein düsteres Kapitel: die ETA, in deren blutigem Kampf die Stadt eine zentrale Rolle spielte. 800 Menschen fielen den Anschlägen der Terrororganisation zum Opfer. 2011 wurden die Waffen niedergelegt. Doch das Trauma lebt weiter, die Aufarbeitung ist noch im Gange.

So vieles gäbe es noch zu dieser tollen Stadt zu erzählen. Es würde den Rahmen hier sprengen. Stattdessen lege ich euch diese 14-minütige Dokumentation von 3Sat ans Herz, die anlässlich der Ernennung San Sebastiáns zur Kulturhauptstadt 2016 gedreht wurde.

Nun aber raus aus der Bude! Am Ufer des Urumea entlang schlendere ich der Stadt entgegen, bleibe hier und da stehen und schaue umher.

Extraterrestrisch
Was für ein Theater!

Bald biege ich zum Boulevard ab, an dessen Ende ich das Meer schon riechen kann.

Glas und Kunst
Steile Karriere (vom Casino zum Rathaus)

Und dann liegt mir die legendäre, im perfekten Halbrund geformte Playa de la Concha zu Füßen. Sie ziert heute auch das Titelfoto. Um euch einen besseren Eindruck des ganzen Settings zu vermitteln, habe ich ein kurzes 360-Grad-Video gedreht. Schnuppert ruhig mal eine Prise Seeluft!

Wie ihr sehen könnt, ist an diesem Morgen recht wenig los. Mir soll es recht sein. So bleibt mehr für mich!

Strandperle
Abgerutscht

Am Übergang zum Ondarreta Strand schaffe ich es trotz auflaufenden Wassers unfallfrei über die glitschigen Felsen – um dann oben auf der Plattform frontal von einer überschießenden Welle abgeduscht zu werden. Von der Hüfte abwärts bin ich nun klatschnass. Auch die sonst so wetterfesten Schuhe haben kapituliert. Komisch, die Wellen davor und auch danach hielten sich alle brav an die Nettiquette, immer schön unterhalb der Plattform aufzuschlagen. Egal, von oben kommt jetzt auch wieder feuchter Nachschub 😂.

Und falls sich jemand darüber wundert, dass ich draußen am Strand eine – wenn auch sehr stylische – Maske trage: Bis Ende Juni herrschte in Spanien auch draußen Maskenpflicht. Sie wurde genau einen Tag nach meiner Abreise wieder aufgehoben. Ein Schelm, der Böses dabei denkt!

Besonders warm ist es heute nicht, doch ich halte tapfer noch ein Weilchen durch mit der klammen Hose und den nassen Beinen und Füßen. Auch ein kurzer Abstecher zum Miramar Palace ist noch drin.

Nobel, nobel

Auf der Promenade oberhalb der Playa de la Concha laufe ich gemächlich zurück Richtung Innenstadt. Als ich kurz anhalte, um die Aussicht zu genießen, taucht ein älterer Herr neben mir auf und fragt, welche Sprachen ich spreche. Er bietet mir spanisch und französisch an (ich wähle Letzteres), worauf er mir in wohlfeilen Worten einige geschichtliche Hintergründe zum Miramar und den Bauten an der Concha präsentiert und sich dann höflich und galant mit dem Lüpfen seines schicken Hutes verabschiedet.

Ihr wollt auch die Aussicht genießen, wenn ich euch schon den exklusiven historischen Vortrag vorenthalte? Bitteschön!

Edle Stube
Durch die Bank
Treppenflanke
Aufgezeichnet

Zurück zum Hotel. It‘s Siesta Time! Am frühen Nachmittag ziehe ich wieder los. Wie gehabt geht es weiter mit den wilden Wetterwechseln: Sonne, Wolken, Nieselregen – repeat. Gefühlt im Minutentakt.

Die Puente de María Cristina …

Aufgerissen

… führt direkt auf den Bahnhof zu. Unmittelbar dahinter thront die sehenswerte Tabakalera. Bis 2003 wurden hier noch fleissig Zigarren produziert. Heute beherbergt die einstige Fabrik ein lebendiges und vielseitiges Kulturzentrum. Kunstausstellungen, Ballettaufführungen und Kinofilme werden hier geboten. Als Sahnehäubchen obendrauf ist die Architektur ebenso sehenswert wie der Blick oben von der Aussichtsterrasse auf die Stadt.

Glänzende Aussichten
Im Überblick

Die unmittelbare Umgebung der ehemaligen Tabakfabrik schmückt sich mit einiger sehenswerter Street Art. Das lasse ich mir natürlich auch nicht durch die Lappen gehen.

Im Ernst

Gestreift

Anschließend zieht es mich durch weitere Ecken der Stadt, die ich bisher ausgelassen hatte. Es ist und bleibt schön hier!

Schmuckstück
Zu Gottes Diensten

Zum Abschluss zieht es mich am späteren Nachmittag dann doch wieder in Richtung des Meeres. Nicht nur, aber auch weil es mir heute morgen zwischendurch in die Fotomotive regnete und ich das jetzt nachholen will. Na siehste, geht doch!

Belesen
Soloauftritt
Pause!

Was? Schon wieder Hunger? Na ja, ist ja schon 18 Uhr durch. Auf in die Altstadt, wo ich Markus‘ Empfehlung folge und im La Cepa ein paar zünftige Pintxos gustiere.

Seufz …

Anschließend zurück zum Hotel, inklusive heftiger Starkdusche von oben. Ein Wolkenbruch am Tag muss hier einfach sein!

Der Rest ist schnell erzählt: Füße hoch, Bierflasche auf, Fußball-EM 😎. Bis morgen!

4 Gedanken zu “San Sebastián: Tag 9 – Wasserlastig

  1. Pingback: Susanne Haun

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