Acht Wochen sind seit meiner Rückkehr aus Neuseeland vergangen. Das Gefühl tiefer Ruhe, Zufriedenheit und Gelassenheit, das mich dort befiel, hat recht lange angehalten. Neuseeland beglückt! Nicht nur mit seiner grandiosen Natur und Vielfalt, sondern auch wegen seiner Menschen, denen ich dort das Glück hatte, begegnen zu dürfen. So lange schwebte ich auf Wolke Sieben, dass ich darüber fast vergaß, meine vollmundig angekündigte Nachlese zu verfassen, was ich hiermit schleunigst und reumütig nachhole. Denn wie immer verging die Zeit wie im Fluge, und schwups stehe ich schon in den Startlöchern für meine nächste Reise. Also los!

Land und Leute

Das Land habe ich euch bereits anhand zahlreicher Fotos und Texte näher gebracht. Deshalb heute ein paar Gedanken zu den Menschen, die dieses wunderschöne Land bewohnen und bereichern. Vom ersten Tag an fiel mir auf, dass Freundlichkeit, Rücksichtnahme und Respekt im Umgang mit anderen hier eine große Rolle spielen. Das habe ich, die ich seit fast 30 Jahren im eher ruppigen Berlin lebe, sehr genossen. Beispiele gefällig? Bitte schön:

  • Meine Taxifahrt zum Abholpunkt einer Tagestour in Nelson sollte vom Veranstalter der Tour übernommen werden. Nur wurde der Taxifahrer im Vorfeld darüber nicht informiert. Um die Sache nicht auf dem Rücken des Taxifahrers auszutragen, bot ich ihm an, ihn direkt zu bezahlen und mir das Geld dann vom Veranstalter erstatten zu lassen. Er nahm mein Angebot der Vorkasse jedoch nicht an. Seine Begründung: Es sei ja nur eine kurze Fahrt gewesen. Sollte er den Betrag nicht bekommen, sei das deshalb nicht so schlimm. Die Kundin war hier wahrlich Königin.

  • Volles Haus am Samstagabend im „Anchor“ in Nelson. Zwei Leute warten auf einen freien Tisch und stehen dabei dekorativ im Weg herum. Von hinten naht ein Kellner, beladen mit drei vollen Tellern. Um auf sich aufmerksam zu machen, wählt er trotz des Stresses, in dem er gerade ist, eine charmante Art: Er spricht die beiden freundlich und entspannt mit einem „Na, wie geht es euch denn heute so?“ an und wechselt ein paar Worte mit ihnen. So wurden die beiden darauf aufmerksam, dass sie im Weg standen, ohne sich verscheucht oder als Störfaktor zu fühlen. Und der Kellner bekam seine freie Bahn.

  • Ein Café in Dunedin. Durch ein sprachliches Missverständnis ordere ich ein falsches Getränk. Eindeutig mein Fehler. Das Getränk, das ich eigentlich haben wollte, kostet mehr als das, was ich vorne an der Kasse bezahlt habe. Die Kellnerin lehnt es ab, dass ich einen Aufpreis zahle.

  • Kathie, die Besitzerin meines Motels in Nelson: Sie gibt mir nicht nur zahlreiche tolle Tipps für Unternehmungen und Restaurants, sondern fährt mich an meinem Abreisetag auch noch zu dem außerhalb gelegenen Museum, das ich vor meinem Abflug noch besuchen will. Sie wollte angeblich eh noch etwas aus dem Baumarkt in der Nähe besorgen. Nicht ausgeschlossen ist jedoch, dass sie das nur sagt, damit ich, die ja keine Sonderbehandlung wollte, sondern ein reguläres Taxi, mich besser fühle …

  • David, der Besitzer des Hotels in Dunedin, fährt mich am Abreisetag ebenfalls mit seinem privatem PKW zum Bus. Angeblich hat er eh gerade nichts zu tun und bedankt sich bei mir, dass ich seine Langeweile vertreibe 😎. Überflüssig, zu erwähnen, dass er auch nichts dafür haben will … Er hat im übrigen auch schon die Stadtverwaltung und InterCity Bus wegen der ungünstigen Lage des Busbahnhofs angeschrieben und angeregt, diesen in die Nähe des Bahnhofs zu verlagern.

  • Running gag bei meinen Versuchen, an Straßen und Kreuzungen ungestört zu fotografieren: Schwierig! Denn alle Autofahrer stoppen sofort, um die Fußgängerin über die Straße zu lassen ( die das in dem Fall gar nicht will), sobald man sich der Bordsteinkante nur ansatzweise nähert. In Berlin undenkbar!

  • Man achtet aufeinander. Als ich in Napier an einem sehr stürmischen Tag eine Radtour unternahm und mich wegen des heftigen Windes auf den Boden setzte und das Rad hinlegte, um einen Blick auf meine Karte werfen zu können, passierte Folgendes: Eine Autofahrerin stoppte an der oberhalb gelegenen Schnellstraße auf dem Seitenstreifen, stieg aus und stieg die Böschung hinunter zu mir. Sie wollte einfach nur nachsehen, ob alles in Ordnung ist bei mir.

Diese Aufzählung könnte ich endlos fortsetzen. Aber ich denke, es ist angekommen, was ich euch vermitteln will. Das Kontrastprogramm dazu liefern manche Besucher, was mich zum nächsten Thema führt.

Touristen und kulturelle Unterschiede

Das bei Reisenden aus aller Herren Länder immer beliebter werdende Neuseeland hat rund 75% der Fläche von Deutschland. In solch einem kleinen Land mit einer überschaubaren Anzahl von Bewohnern fallen Touristen auf, besonders wenn sie in großen Gruppen unterwegs sind. Wenn an welchem Hotspot auch immer zur gleichen Zeit mehrere Busladungen voller Leute ausgekippt werden, kann das zur Herausforderung werden. Nun spielt es für mich keine Rolle, ob die Busladungen aus Deutschen, Franzosen, Amerikanern, Japanern oder welcher Nationalität auch immer bestehen. Masse ist Masse. Ich bin auch grundsätzlich sehr vorsichtig damit, Vorurteile zu haben und zu verbreiten oder Klischees zu bestätigen. Nach meiner Reise durch Neuseeland lasse ich jetzt aber mal die Hüllen und jegliche politische Korrektheit fallen: Chinesen sind mit Abstand die am schwersten zu ertragenden Touristen! Mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine. Andere Europäer, Neuseeländer, Amerikaner und auch Reisende aus verschiedenen asiatischen Ländern haben meine Eindrücke bestätigt. In China ticken die Verhaltensuhren anders. Und zwar gewaltig. Da wird rücksichtslos gedrängelt und geschubst, das Essen anderer Leute vom Tisch geräumt, damit sie selbst den Platz einnehmen können, laut gequatscht (wenn sie selbst schon kein Englisch verstehen, brauchen andere schließlich auch nicht mitzukriegen, was ein Guide gerade erzählt), für das millionste Selfie Blumen (z.B. die berühmten Lupinien rund um Lake Tekapo) nicht nur fotografiert, sondern gleich ganz abgerissen, in Naturschutzgebieten abseits der Wege wertvolle Pflanzen plattgetrampelt etc. Ganz zu schweigen von dem ungehemmten Gerotze, Gespucke, Geschlürfe und Geschmatze auf der Straße und in Restaurants. Schilder auf Mandarin und eindeutige Piktogramme können meist auch nicht verhindern, dass mit den Füßen auf Toilettenbrillen gestiegen und das benutzte Papier neben die Toilette auf den Boden geworfen wird. Ich habe an diversen Aussichtspunkten auch erleben dürfen, dass trotz eindeutiger Schilder auf Cafétischen rumgetrampelt wurde, um eine noch bessere Fotoperspektive zu haben. Mit „Andere Länder, andere Sitten“, könnte ich mich jetzt in Toleranz üben. Nö, an der Stelle eben nicht. Wer mit den Sitten und Gebräuchen im besuchten Land nicht vertraut und auch nicht willens ist, sich im Vorfeld zu informieren, möge doch bitte seinen Reiseleiter dazu befragen. Chinesen reisen ja meist „betreut“ und selten individuell. Jetzt hat sie sich aber doch in Rage geschrieben auf ihre alten Tage, die Elke. Nun lasse ich es jedoch gut sein 😎.

Hin- und zurück kommen

Von Berlin aus beträgt die reine Flugzeit rund 26 Stunden plus Umsteigezeiten bei zwei Stopps. Auf dem Hinweg habe ich wie immer auf längeren Strecken einen mehrtägigen Zwischenstopp auf ungefähr der Hälfte der Strecke eingelegt. Auf dem Rückweg habe ich ein Experiment gewagt und bin die komplette Strecke an einem Stück durchgeflogen (via Hongkong und Zürich). Das würde ich so beim nächsten Mal nicht mehr machen. Zumindest nicht in der Economy Class! Obwohl ich wirklich gerne fliege und mir auch lange Strecken nichts ausmachen, kam ich da körperlich echt an meine Grenzen. Ich war mit Cathay Pacific unterwegs und war sehr zufrieden damit. Es hätte zahlreiche Alternativen gegeben, was die Fluggesellschaft und die Streckenführung betrifft. Aber ich wollte einen Stopp in Hongkong, und deshalb fiel die Wahl auf Cathay.

Rumkommen

Wer meine bisherigen Blogbeiträge verfolgt hat, weiß, dass ich ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war. Die Busse von Intercity (https://www.intercity.co.nz/) haben mir gute Dienste geleistet. Das Netz ist gut, die Tarife preiswert (ich hatte einen Stundenpass), die vorab gebuchten Fahrten können flexibel und kurzfristig bis zwei Stunden vor Abfahrt wieder storniert werden, die Busse fuhren zuverlässig und meist pünktlich, die Abfahrtszeiten waren für meinen Geschmack nicht zu früh und die Ankunftszeiten nicht zu spät. Die meisten Reisenden bevorzugen es jedoch, mit dem Camper oder Mietwagen unterwegs zu sein. Egal für welches Transportmittel ihr euch entscheidet, solltet ihr bei eurer Planung eines bedenken: Das Land ist zwar klein und überschaubar, aber es gibt so gut wie keine Autobahnen, auf denen man mal schnell Kilometer fressen und Strecke machen kann. Die Streckenführung ist oft eng und kurvig, die Beschaffenheit der Straßen teilweise „buckelpistig“. Mal schnell von A nach B heizen funktioniert dort nicht ohne Weiteres. Plant also genügend Zeit ein und nehmt euch nicht zu viel vor. Durch die in Neuseeland doch, hüstel, häufiger auftretenden Erdbeben sind des Öfteren für längere Zeit Straßen nicht passierbar. Alternativstrecken bedeuten meist größere Umwege.

Action

Neuseeland ist ein Paradies für Wanderer. Für jeden ist was dabei. Kurze Rundwege, richtige Langstrecken, die auch in beliebig viele Teilstücke zerlegbar sind, einfache Strecken mit wenig Steigungen, herausfordernde Touren mit ordentlich Höhenmetern und Kletteranteilen. Und das alles unterlegt mit einer hervorragenden Infrastruktur, ob mit eigenem Fahrzeug oder mit organisiertem Transport. Ich hatte mir vorab den Rother Wanderführer besorgt. Das wäre aber gar nicht notwendig gewesen, da es vor Ort jeweils gute Infos und Kartenmaterial gab. Wer von euch vorhat, einen der bekannteren Fernwanderwege (z.B. Kepler oder Routeburn Track) zu laufen, möge sich bitte RECHTZEITIG um einen Permit bemühen, da die Anzahl der zugelassenen Wanderer und der Unterkünfte in den Hütten dort begrenzt ist.

Unterkunft

Um vor Ort genügend Zeit für Unternehmungen und mein Blog zu haben, hatte ich für diese Tour alle Unterkünfte (gute Mittelklassehotels, meist kleinere Häuser) vorab gebucht. Bei spontanen Planänderungen hätte ich sie jedoch bis auf wenige Ausnahmen bis kurz vor der jeweiligen Anreise auch wieder kostenlos stornieren können. Bei den meisten meiner Ziele hätte ich vermutlich auch spontan noch ein Zimmer bekommen. In der Gegend um Mount Cook/ Lake Tekapo herum war es jedoch schon fünf Monate vor meiner Anreise schwierig, eine freie Unterkunft zu finden. Da ich ohne eigenes Fahrzeug unterwegs war, habe ich bei der Wahl der Hotels auf eine möglichst zentrale Lage geachtet. Bis auf eine Ausnahme war ich mit der Wahl meiner Hotels sehr zufrieden. Bei ausnahmslos allen Hotels waren die Betreiber und Angestellten super freundlich und zuvorkommend. Hier in Kürze meine Hotelliste, allerdings ohne Angabe von Preisen. Diese hängen ja davon ab, zu welcher Zeit ihr reist und wie lange vorab ihr bucht.

Auckland -> Ramada Auckland Federal Street: sehr zentrale, ruhige Lage in der Nähe des Sky Towers, komfortables, geräumiges Appartment

Paihia -> Bay Cabinz Motel: einfacheres Motel in zentraler, ruhiger Lage, gemütlich und mit Blick auf die Bucht

Napier -> espressotel: schickes, großes Zimmer, gute, zentrale Lage in der Straße mit den meisten Art Déco Häusern

Wellington -> CQ Comfort Hotel: größeres Haus in toller Lage direkt auf der Cuba Street mit vielen tollen Läden, Cafés und Restaurants, gutes Frühstück

Picton -> Harbour View Motel: Der Name ist Programm: geniale Sicht auf den Hafen und den Marlborough Sound. Riesiges, komfortables Zimmer mit Küchenzeile, zentrale, ruhige Lage

Nelson -> Harbourside Lodge: am Hafen etwas außerhalb der Innenstadt gelegen, aber in etwa 12 Fußminuten im Zentrum. Schönes Zimmer, liebevoll zubereitetes Frühstück

Dunedin -> Pacific Park Motel and Conference Center: zentrumsnah, aber in Hanglage, deshalb für den Rückweg etwas Kondition einpacken! Schönes, großes Zimmer, tolles Frühstück aufs Zimmer, Bad könnte Renovierung vertragen. Super ruhige Lage im Grünen

Te Anau – > Bella Vista Motel: zentrale Lage, 200 Meter vom Seeufer entfernt. Zimmer klein, aber komfortabel, völlig ausreichend für eine Nacht

Queenstown -> Earnslaw Lodge: etwas außerhalb (ca 15 Minuten Fußweg zum Zentrum), aber geniale Lage am Hang mit unschlagbarem Blick auf den Ort, den See und die Berge, riesiges, komfortables Zimmer, gutes Frühstück

Wanaka -> Lakeview Motel: zentrale, ruhige Lage, schönes Apartment mit Galerie und Terrasse mit tollem Blick auf den Lake Wanaka

Lake Tekapo -> Tekapo 1929: Das ist die angekündigte Ausnahme. Als Einzelreisende bekam ich ein indiskutabel kleines Zimmer (5 qm!). Wer mindestens zu zweit reist, wird dieses Problem jedoch nicht haben. Wen ein Gemeinschaftsbad und wenig Privatsphäre nicht stört, der ist hier gut aufgehoben. Tolles altes Haus in genialer Lage direkt am See, nur 300 Meter von der Church of the good Sheperd entfernt.

Christchurch -> The Grange Motel: tolle Unterkunft um die Ecke von der Christchurch Art Gallery, schönes, komfortables Zimmer, toller Innenhof als „Terrasse“, zentrale, ruhige Lage

Oh Schreck, ich bin gerade auf dem besten Wege, einen Reiseführer zu verfassen. Schnell aufhören! Alles kann ich in diesem Rahmen hier nicht abhandeln. Wenn ihr konkrete Reisepläne für Neuseeland schmiedet und weitergehende Fragen habt, könnt ihr mich gerne jederzeit ansprechen. Es ist so ein tolles Land, und ich war ganz bestimmt nicht zum letzten Mal dort!

8 Gedanken zu “Nachlese: Infos und ein Blick hinter die Reisekulisse

  1. Mir als fleißige Leserin kam natürlich fast alles bekannt vor. Die Chinesen sind schon ein sehr spezielles Völkchen. An den Krka Wasserfällen bin ich mit Mika immer an die Seite gesprungen, wenn uns auf den Holzstegen eine Busladung entgegen kam, sonst hätte ich ihn wohl einige Male aus dem Wasser fischen können.🙄 Die Hotelliste krame ich wieder heraus, wenn es für mich konkreter werden sollte.😊

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  2. Ein sehr schöner und anschaulicher Rückblick. Die Neuseeländer, die du beschrieben hast, sind sehr sympathisch. Deinen Zorn auf die rücksichtslosen chinesischen Touristen kann ich gut verstehen. Das muss wirklich nicht sein. Wohin geht denn deine nächste Reise?

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  3. Wow, super viel Mühe für uns zu schreiben gegeben du dir hast. 🤢 (=Yoda) Das hilft bestimmt den NZL-Interessierten. Und auch der Fernbleibende hat eine Vorstellung von einem schönen Land – von garstigen Touristen mal abgesehen. Bin schon gespannt auf neue Berichte in 2018! 👏🏻👏🏻👏🏻

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