27. – 28. Februar 2023

Heute ist mir nach Strand. Im Nordwesten der Insel schmiegt sich die Playa de Famara fünf Kilometer an der schroffen Steilküste entlang. Der 20er Bus bringt mich direkt dorthin.

Erst einmal muss eine kleine Stärkung her. Das nächste Café ist meins. Um mein Croissant muss ich dabei kämpfen, denn der Zugang ist blockiert.

Protestfahrt

Mein Weg führt mich erst einmal in die der Playa de Famara entgegengesetzten Richtung zur Playa de San Juan, wo an diesem Morgen kaum was los ist. Der kleine Spaziergang macht richtig Spaß, und die Gegend ist ein Traum! La Graciosa immer im Blick, flaniere ich bei schönstem Wetter und gutes Sicht an der Küste entlang.

Her mit den Farben!
Windschnittig
Yoga für Insta
Liegebucht
Nicht barrierefrei
Am Wasserloch

Irgendwann drehe ich um und kehre zu dem kleinen, ganz auf Surfer und Strandurlauber eingestellten Dörfchen Caleta de Famara am südlichen Ende des gleichnamigen Strandes zurück.

Trockenübung
Futterquelle
Fischer in da house
Ortsüblich
Bretterbude

Mit einem Eis in der Hand nähere ich mich der Playa de Famara, die mich für den Rest des Nachmittags nicht mehr loslassen wird. Wie soll ich es beschreiben? Wie die richtigen Worte finden für das pure Glück, das mich durchflutet? Ich habe Zeit, das Wetter, der Strand, der Blick auf die Steilküste und La Graciosa sind ein Traum. Es ist nicht zu viel los, die Stimmung entspannt. Wildes Meeresrauschen, der Wind spielt mit meinem Haar, Strähnen landen im Mund. Ich kann das Salz darin schmecken, obwohl ich gar nicht im Wasser war. Dort tummeln sich nur Surfer, die wissen, was sie tun. Denn die Flagge ist immer auf rot gehisst. Schwimmen ist hier eher nicht angesagt.

Sonne, Strand und Wolken
Strandkonzert
Blick in den Spiegel

Strandspaziergang

Mit Wegweiser
Meeres-Dino
Versteinert
Spuren im Sand
Elke im Glück

So tolle und vielfältige Vordergründe, Steine, Felsen, Farben, Formen! Ich verliere mich und mein Zeitgefühl. Als ich das erste Mal auf die Uhr schaue, wird klar: der Mirador del Rio wird auch heute vergeblich auf mich warten. Auch wenn ich es irgendwie noch hinzirkeln könnte mit einer Kombination aus Bus und Taxi: ich will nicht weg von hier!

Erst am späten Nachmittag nehme ich den Bus zurück nach Arrecife. Dort genieße ich ein Abendessen mit Aussicht und schlendere ein letztes Mal in der Abendstimmung zum Castello. Es ist mein letzter Abend auf Lanzarote, und der Himmel gibt alles für mich zum Abschied. In der Nähe sitzen drei ältere Spanier mit ihren Bierdosen zu Handy-Klängen von Smoke on the water. Doch die Aussicht bleibt klar 😅.

Was für ein schöner Tag! Ich habe Zeit und Raum vergessen, nur genossen, nichts gedacht. Wunderbar! Wie überhaupt der ganze Trip. Ich glaube, ich habe meine Insel gefunden.

Abendlicht zum Abschied

Am nächsten Morgen gibt es ein Abschiedsfrühstück in meinem Lieblingscafé auf der Islote de Fermina. Die Kellnerin erkennt mich, kommt zu mir, freut sich sichtlich, mich zu sehen, berührt meine Schulter und fragt, wie es mir geht. Ihr Qué tal geht über die klassische Wie geht’s-Floskel hinaus. Sie nutzt es als Auftakt zu einem Gespräch. Ich mag das!

Und während ich hier nach dem leckeren Frühstück noch eine kleine Abschiedsrunde durch Arrecife drehe, das Meer rauschen höre, die Wellen, das Spiel der Wolken, das Licht, die Sonne anschaue, fantasiere ich schon von meiner nächsten Reise auf die Kanaren. Ein paar Wochen dem deutschen Winter entfliehen: das hat was! Denn zu dieser Jahreszeit ist es hier einfach so viel schöner und angenehmer als in Deutschland.

An dieser Stelle ein kurzes Fazit zu Arrecife als festem Standort: Ich habe zwei Wochen hier gewohnt und dabei auch die nicht so schönen Ecken gesehen. Wenn man an der Promenade entlang schaut, dann fallen neben den schönen auch die nicht ganz so ansehnlichen Bauten auf. In den Gassen jenseits der kleinen, pittoresken Altstadt ist es auch so.

Ja, die Hauptstadt ist kein Touristen-Ghetto wie manch anderer Ort auf der Insel. Hier seht und erlebt ihr einfach auch das normale Leben, das die Menschen hier führen. Und gerade deshalb hat es mir in Arrecife so gut gefallen. Die Stadt ist jenseits der schönen Promenade, dem Castello, dem künstlich angelegten Teich oder anderen Vorzeigeecken der Stadt nicht so glattgebügelt oder künstlich hochpoliert.

Noch einmal laufe ich vorbei an diesen typischen, spanischen Bars, die eher einfach eingerichtet sind. Plastikstühle, gekachelte Wände, ohne Schnickschnack. Doch hier tobt das echte, einheimische Sozialleben. Unter der Plane direkt gegenüber der Polizeistation und hinter der Bibliothek sehe ich sie wieder, die rund 30 Männer, die an fünf, sechs Tischen sitzen und komplett in ihr Dominospiel vertieft sind. Wie jeden Tag, gefühlt von morgens bis abends. Sehr schön!

Doch jetzt muss ich los. Am frühen Nachmittag nehme ich den Bus zum Flughafen. Netterweise liess mich die Vermieterin zwei Stunden später auschecken als üblich. Am überschaubaren Flughafen ist ordentlich was los. Und doch geht beim Check In und an der Sicherheitskontrolle alles flott über die Bühne.

Mein Flug startet mit etwas Verspätung. Doch wir fliegen die verlorene Zeit wieder rein und landen letztendlich doch sehr pünktlich in Berlin. Ich hatte wieder einen Platz in der ersten Reihe am Fenster mit etwas mehr Beinfreiheit gebucht. Bei rund fünf Stunden Flugzeit gönne ich mir das. Neben mir sitzen zwei nette, ältere Herrschaften: klassische Pauschalurlauber, die sich selbst auf dem Rückflug nicht von ihren roten All-In-Armbändchen des Riu-Hotels trennen können. Das ist mehrheitlich die Klientel, die in meinem Flieger sitzt. Inklusive Klatschen nach der Landung. Ich wusste gar nicht, dass das immer noch angesagt ist 😅. Ich fliege meist wohl die ‚falschen‘ Strecken.

Der Flug ist richtig klasse! Wir fliegen bei bester Sicht, zumindest am Anfang, bevor es dann weiter nördlich wolkig und später richtig dunkel wird. Erst geht es entlang der marokkanischen Küste. Da sieht man richtig gut die Details, auch das Atlasgebirge weiter im Inland. Gefühlt habe ich Einblick in fast jede Gebirgsfalte.

Dann folgt mein geliebtes Tarifa in Andalusien an der Einmündung des Mittelmeeres in den Atlantik. Man kann das Städtchen und seine Lage richtig gut erkennen. Auch der Felsen von Gibraltar ein Stückchen dahinter gibt sich die Ehre, deutlich ins Blickfeld zu geraten. Praktisch die ganze Küste der Costa del Sol entlang ist gut zu sehen, und das aus dieser Flughöhe!

Weiter geht’s über die Sierra Nevada im Dämmerlicht, das die Gipfel glühen lässt. Was für ein Schauspiel! Darauf folgt ein spektakulärer Sonnenuntergang, der das Ende der guten Aussicht einläutet. Wenn ich den Ausführungen des Piloten glauben darf, geht es nach Spanien weiter über Frankreich, dann über die Alpen und den Bodensee. Von dort aus ist es dann nur noch ein Katzensprung bis Berlin.

Kurz vor dem Landeanflug meldet sich der Purser zu Wort. Er verabschiedet seinen jungen Kollegen, der ab morgen für die Airline mit dem Kranich arbeiten wird. Er hält eine so nette und humorvolle Abschiedsrede übers Mikro, dass der so huldvoll Verabschiedete und Gelobte nur noch sprachlos und in Tränen aufgelöst vor den Kollegen und den Fluggästen stehen kann. Nachdem alle an Bord lange und frenetisch klatschen und ihm später beim Aussteigen alles Gute wünschen, strahlt er jedoch schon wieder von einem Ohr zum anderen.

Raus aus dem Flieger nach fünf Stunden Flugzeit. Lässig, wie ich nun mal bin, habe ich auch auf diesem Flug meine Jacke ins Aufgabegepäck getan, weil ich wie immer zu faul war, das Teil im warmen Abflugland, im Flughafen und später im Flieger mitzuschleppen. Na ja, es geht ja vom Flieger gleich über den Finger, pardon, die Fluggastbrücke, ins warme Terminal, wo ich dann mein Gepäck wieder bekomme. Was stören mich da die exakt null Grad, mit denen mich Berlin willkommen heißt?

Aber mein Eurowings-Flieger landet am Terminal 2, und wir müssen zu Fuß über das Rollfeld zum Eingang des Gebäudes. Frischzellenkur mal anders. Mit meinem zwar langärmligen, aber dünnen Pulli stapfe ich durch die Berliner Kälte. Eine echte Elke-Nummer! Doch der Rest geht glatt. Das Gepäck ist schnell da, Bus und U-Bahn spielen sich passend in die Hände, und ich lande gut zuhause. Schön war’s! Kalt ist es hier! Und schon bald geht’s weiter mit den Berichten zur nächsten Reise. Stay tuned.

25 Gedanken zu “Lanzarote – Life is a beach

  1. Na schönen Dank auch, liebe Elke, jetzt will ich auch wieder ganz dringend nach Lanzarote!!! Wie immer – lässige und gleichzeitig so toll präzise Schilderungen der Umgebung, dazu wirklich klasse Fotos. Herzlichen Dank fürs Mitnehmen! …. wir sind damals mit TuiFly zurück nach D geflogen und haben sehr ähnliche Erfahrungen wie du auf dem Rückflug gemacht: Bändchen, Applaus, … ABER da unser gebuchter Flug wegen „mechanical issues“ um einen ganzen Tag nach hinten verschoben wurde, wurden wir in Pauschalurlaubsmanier in einem 4-Sterne-Hotel mit kostenlosem Abendessenbuffet und schnellem Transfer untergebracht. Das alles war sowasvon einwandfrei organisiert! Da nimmt man auch mal das Applaudieren hin :-).

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    1. Gern geschehen, liebe Mareike! Andere anfixen ist mein zweitliebstes Hobby 😁. Danke für dein Kompliment! Das freut mich wirklich total. Ich werde mir auch in Zukunft alle Mühe mit den Fotos und den Texten geben. Eure Erfahrungen mit TuiFly waren dann ja wirklich gut. Da ist das Klatschen ja nur ein kleines Nebengeräusch, was man dann gerne mal hinnimmt 😎.

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  2. #Landeapplaus: in der Tat überraschend, dass es das heute überhaupt noch gibt. Denn die sonnengebräunten Senioren, denen man das ganz früher zuschrieb, sind ja eigentlich die Vielflieger von heute – und entsprechend da rausgewachsen…. könnte man meinen. 😉 Andererseits ist es immer noch witzig, ein bißchen ‚vintage’ und letztlich eine Hommage an die gute Crew-Leistung. Selbst wenn sichere, sanfte Landungen ja zum Standardservice gehören, egal welche Kabinenklasse du fliegst.
    Und selbstverständlich sollst Du auch Deinen Landeapplaus für Deine Liebeserklärung an diese Insel bekommen 👍👏 Ich kenne L. nicht, aber es war wie immer lehrreich. Danke Dir 🙋‍♂️

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  3. Liebe Elke, ich bin zu allererst von Deinen kreativen Fotos, mit dem Blick für das Detail ,begeistert! Sollte ich nicht doch die Insel besuchen und die kargen Schönheiten der Natur entdecken?
    Jetzt gucken wir mal wieder ein YouTube vom kleinen Arschloch und den Alten Sack!
    Liebe Grüße
    Sabine

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    1. Danke, Sabine! Das freut mich natürlich sehr. Ja, vielleicht verschlägt es dich mal wieder nach Lanzarote. Wer weiß? Ich hoffe, ihr hattet viel Spaß mit dem Kleinen A. und dem Alten Sack 😁.

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  4. Da hast du ja wieder tolle Ecken entdeckt, auch wenn der alte Sack wie immer etwas mürrisch schaut! Ich frage mich bei dem Landeapplaus immer, was haben die denn erwartet? Eine Bruchlandung? Da steckt wohl noch ein Stück der alten Unsicherheit drin, aus der Zeit, als man froh war, heil unten anzukommen 😃

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    1. Ja, die Gegend um die Playa de Famara war in der Tat ein Schmuckstück. Und die miese Laune des Sacks ist wohl in diesem Leben nicht mehr in den Griff zu bekommen. So isser halt! @Landeapplaus: da könnte in der Tat auch eine traumatische Erwartungshaltung aus der Zeit der Never come back-Airlines dahinterstecken 😁.

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  5. Tja in Lazarote kann man sich schon verlieben. Die Tage im Urlaub gehen einfach viel zu schnell vorbei. Du schreibst , du hast deine Insel gefunden und somit war der Urlaub einfach perfekt , so interprediere ich das.
    Tolle Beiträge und Fotos von der Insel und ich kann vieles nachvollziehen

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  6. Danke dir, Elke für deine lebhaften und informativen Berichte aus Lanzarote. Mir gefiel wieder, wie plastisch und humorvoll du deine persönliches Reiseerlebnisse vermitteln kannst. Und meine Sehnsucht nach Lanzarote hast du auch wieder geweckt …
    Freut mich, dass dir die für Manche zu karge Vulkaninsel auch so gut gefallen hat.

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  7. Da hast du den letzten Tag genau richtig verbracht. Einfach genießen, nicht nachdenken und glücklich sein. Einen schöneren Abschluss könnte ich mir auf dieser tollen Insel kaum vorstellen.

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