Es hat sich über Nacht ordentlich eingepladdert. Ich nutze die Zeit der morgendlichen Intensiv-Dusche, um ein wenig Orga-Kram für meine Abreise übermorgen zu erledigen. Das Online-Einreiseformular für Deutschland und ein Busticket für den Transfer zum Flughafen wollen ausgefüllt bzw. gebucht werden. Letzteres gestaltet sich unerwartet zeitintensiv – die lästigen Details erspare ich euch. Vermutlich wäre es am Schalter schneller gegangen. Zumal der Busbahnhof nur 400 Meter vom Hotel entfernt liegt 😂. Aber egal, jetzt ist es erledigt.

Zwischendurch nehme ich mir ausgiebig Zeit, das leckere und liebevoll zubereitete Frühstück zu mir zu nehmen. Das Buffett ist aus den einschlägig bekannten Gründen gestrichen. Stattdessen wird nach individuellen Wünschen zusammengestellt und am Platz serviert.

Start in den Tag

Ab 11 Uhr werden mir dann doch tatsächlich vier volle Stunden Trockenheit gegönnt. Der Himmel hat sich offenbar leer geregnet. Das muss ausgenutzt werden. Nichts wie raus mit mir! Die bescheidenen 16 Grad, die heute auch nicht mehr überschritten werden, stören mich nicht.

Ausgedient

Ich laufe einen kleinen Schlenker über die Markthalle, …

Markttag

… und laufe dann am Kursaal (heutiges Titelfoto) vorbei in Richtung des bei Surfern beliebten Zurriola- Strandes.

Gestrandet

Der Wellengang ist hier einfach unschlagbar. Und so wird schon am frühen Morgen losgebrettert, was das Zeug hält. Wem das zu wild ist, schnappt sich lieber ein Stand-up-Paddle-Board. Alternativ könnt ihr auch lässig eure Yogamatten ausrollen und euch damit an Land austoben. Oder ihr macht es wie ich, lasst die anderen sich abmühen, lehnt euch virtuell zurück und schaut entspannt zu.

Die Surfer lungern bäuchlings auf ihren Brettern und warten auf die perfekte Welle. Ich schaue dem Treiben eine ganze Weile zu. Das hat fast was Meditatives 😎.

Ohne Sand zum Strand
Trockenübung

Am Ende des Strandes erblicke ich eine kurios anmutende Skulptur, in der ich nur mit viel Mühe eine Friedenstaube erkennen kann. Sie ist innerhalb der Stadt schon mehrmals umgezogen und hat nun hoffentlich hier eine dauerhafte Bleibe gefunden.

La Paloma

Direkt hinter dem Strand liegt das Stadtviertel Gros. Nach einer mit was auch immer verdienten Kaffeepause …

Kleine Stärkung

… schicke ich mich an, einmal kreuz und quer hindurch zu laufen. Das jung und dynamisch anmutende Viertel ist gespickt mit Cafés, Restaurants, Bars, Boutiquen und kleinen Geschäften aller Art. Es wirkt wenig touristisch und verbreitet ein angenehm unaufgeregtes Flair. Ein gewisser Hipster-Faktor ist nicht zu leugnen. Hat das Viertel doch einen tiefgreifenden Strukturwandel vom Arbeiterviertel zum Surfer- und Studententreff hinter sich gebracht. Auch haben sich einige junge Familien hier angesiedelt. Eine kleine Fußgängerzone bringt Gemütlichkeit in die Szenerie. Die Altbauten wurden großteils ordentlich herausgeputzt. Doch schaut selbst!

Turm und Uhr
(V)erwischt
Häuserpracht
Kirche mit Anbau
Schlemmermeile

Was? Schon nach 13 Uhr? Mein Frühstück liegt schon einige Stunden zurück. Die zahlreichen Restaurants und Bars machen einen einladenden Eindruck. Her mit dem Mittagessen!

😋

Den anschließenden Verdauungsspaziergang verlege ich auf den Paseo Nuevo, die neue Promenade. Sie zieht sich um einen der drei Hausberge, den Monte Urgull, herum. Es ist die mit Abstand schönste Route, um vom Zurriola-Strand zum La Concha-Strand zu gelangen.

Ich lasse mir dabei ganz viel Zeit, um das heute besonders exzessive Schauspiel der Wellen zu beobachten, den intensiven Salzgeruch wahrzunehmen und der ohrenbetäubenden Geräuschkulisse zu lauschen. Herrlich!

Einige besonders energiegeladene Wellen schaffen es sogar über die Kante der geschätzt acht bis zehn Meter hohen Mauer und duschen einige Spaziergänger ab. Doch ich bin heute ausnahmsweise einmal nicht dran 😂. Mein Reiseführer verrät mir, dass der Paseo im Winter zeitweise gesperrt ist, weil die Wellen dann wohl regelmäßig über die Stränge schlagen und es dann richtig gefährlich werden kann. Geprägt von meinen feuchten Erlebnissen an den beiden Tage zuvor, geselle ich mich heute zum Team Vorsicht. Fotos vom Überschwappen der Wellen gibt es heute nur mit dem Handy. Ich würde eine Dusche unbeschadet überstehen. Doch bei meiner Kamera bin ich mir da nicht so sicher.

Tobsuchtsanfall
Über die Mauer
Platsch!

Gegen 15 Uhr setzt zarter Nieselregen ein. Das macht mir nichts aus. Solange es nicht wie aus Eimern kübelt, schreckt mich der Regen nicht ab. Und so schlendere ich noch ein weiteres Stündchen ziellos durchs Städtchen und mache mich dann auf den Rückweg ins Hotel.

Und während es draußen bis zum Ende des Tages munter weiter regnet, vergnüge ich mich im trockenen und behaglichen Hotelzimmer mit zwei Video-Calls mit den Lieben in der fernen Heimat. Dann folgen ein kleiner Lese-Marathon und das obligatorische Fußballspiel. Kurz vor Anpfiff noch eine kleine Schrecksekunde: ich habe das falsche Radler gekauft! Ach, egal. Schmeckt dann letztendlich doch nicht soooo schlecht.

Nullnummer

Ein kurzer Blick aufs Handy verrät mir, dass ich heute nur zehn Kilometer gegangen bin. Ein echter Faulenzer-Tag! Zumindest für meine Verhältnisse.

11 Gedanken zu “San Sebastián: Tag 10 – Gemach, gemach

  1. Wow, hab Deine Eindrücke von San Sebastián mit großem Interesse gelesen und angeschaut. Wie Du weißt, ist Donostia ja meine zweite Heimat, weil ich dort seit über 25 Jahren immer im September auf dem Filmfestival bin. Um so schöner, an Deinem Blick auf die Stadt teilhaben zu können.

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    1. Es freut mich sehr, dass du virtuell mit mir durch San Sebastián geschlendert bist, obwohl du die Stadt ja so gut wie bzw. noch besser als deine Westentasche kennst. Letztendlich warst du es mit deiner unermüdlichen Berichterstattung von San Sebastián und deinen Besuchen beim Filmfestival, der mich angefixt hat, auch einmal dorthin zu reisen. Ich fand es toll und werde ganz bestimmt wieder dorthin zurückkehren!

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