16. – 17. Februar 2026
Am Montag zieht es mich in den Norden der Insel, genauer gesagt nach Vallehermoso. Der erste Bus in diese Richtung startet erst um 10:30 Uhr. Für Wanderer keine Option, da viel zu spät. Für mich hingegen passt es, denn …
… so kann ich es morgens gemütlich angehen lassen.
Zeit für eine Kurzlektion zum Thema Busfahren auf La Gomera. Buspläne weisen nur die jeweiligen Anfangs- und Endstationen der Strecke aus, die Abfahrtszeiten nur für die jeweilige Anfangsstation. Wenn du irgendwo mitten auf der Strecke zusteigen willst, kannste rechnen und grob überschlagen, wann der Bus in etwa dort halten wird. Ja, gibt es denn keine einschlägige App? Doch! Sie heißt Gomera by bus. Sie ist jedoch nur für Androiden nutzbar. Die Apfelbenutzer bleiben außen vor. Kannste dir nicht ausdenken, ist aber so.
Moderner und komfortabler läuft alles rund um die Finanzen. Rein in den Bus, bequem per Apple oder Sonstwie-Pay bezahlen, weder Bargeld noch App sind nötig. Die Kosten halten sich auch sehr in Grenzen. Ganze 4,50 EUR zahle ich bis zur heutigen Endstation. Für verbesserungswürdig halte ich, die ich mit 175 cm Körperlänge gesegnet bin, den Sitzabstand. Dieser ist sehr eng bemessen. Ich kann kaum meine Beine gerade hinstellen und hoffe deshalb immer, dass der Sitz neben mir freibleiben wird, um meine halbwegs artgerechte Haltung sicherzustellen. Mal klappt es, mal nicht.
Kaum habe ich es mir auf meinem Sitzplatz gemütlich gemacht, füllt sich der Bus, und ich bekomme eine sehr nette Sitznachbarin. Jutta ist ein alter Hase, was La Gomera und Wandern betrifft. Dementsprechend versorgt sie mich mit einer Reihe Tipps. In Hermigua steigt sie aus. Vielleicht sehen wir uns ja in San Sebastián wieder.
Nach 75 Minuten Ankunft in Vallehermoso, dem Schönen Tal. Nomen est omen! Die Lage des Dörfchens ist ein Traum. Ansonsten sind hier, wie auch in manch anderem Ort auf der Insel, die Dorfhosen ziemlich tot. Das ist nicht so negativ gemeint wie es klingt! Es ist nur einfach so, dass sich das gesamte Dorfleben rund um die zentrale Plaza abspielt und ansonsten zumindest tagsüber wenig bis nichts los ist. Ein paar Wohnhäuser, eine Handvoll Lädchen, etwas Gastronomie und natürlich drumherum die grandiose Landschaft.

Hat man keine Wanderung in der Umgebung im Sinn, hat man das jeweilige Örtchen recht schnell abgegrast. Macht nichts! So schaffen es auch rastlose Geister wie ich, einen Gang runter zu schalten. Ich erklimme mal hier, mal da ein Hügelchen und genieße die Aussicht auf Vallehermoso und eine Terrassenlandschaft wie aus dem Bilderbuch. Überschaubare 800 Einwohner zählt die Gemeinde, in deren Umgebung hauptsächlich Bananen, Kartoffeln, Mais und Wein angebaut werden. Hier ein kleiner fotografischer Überblick:






Am frühen Nachmittag geht’s zurück nach San Sebastián. Die Ausblicke aus dem Bus werden dunstiger. Willkommen, Calima!
Am Dienstag zieht es mich ans und aufs Wasser. Die Express-Fähre von Fred Olsen bringt mich binnen 30 Minuten zur Playa de Santiago. Die Fahrt ist kurz und klasse! Herrlich, wenn meine nicht ganz so üppige Mähne wild im Wind flattert! Und die Aussichten auf die Süd- und Südwestküste La Gomeras sind natürlich auch nicht zu verachten.
Kaum von Bord gegangen, stolpere ich noch im Hafenviertel über ein paar Murals, die ich mir liebend gerne anschaue.



Vorbei an einer kleinen, mitten in den Fels gebauten Kirche …

… laufe ich Richtung Zentrum, das hauptsächlich aus einer langgezogenen Promenade besteht. Zeit für einen Barraquito, findet ihr nicht? Und ein nettes Gespräch mit der Dame vom Nachbartisch gibt’s gratis dazu. Die Lehrerin aus Bristol entspannt sich hier für ein paar Tage und plaudert ein wenig aus ihrem Job-Nähkästchen als Mathematiklehrerin an einer Rudolf Steiner-Schule. Währenddessen genießt der Herr uns gegenüber den Tag auf seine Weise.


Vor mir liegt nun ein sehr entspannter Tag. Gemächlich bis schläfrig liegen die Playa de Santiago und der gleichnamige Ort in der leicht dunstigen Sonne. Es ist nicht viel los, aber auch nicht komplett ausgestorben. Es herrscht eine schöne Atmosphäre, irgendwie entrückt, schwer zu beschreiben. Das gefühlte Motto: just be!
Ich flaniere an der Promenade entlang und lasse mich hier und da durch davon abgehende Gässchen treiben. Etwas außerhalb des Ortes lasse ich mich in einer kleinen Strandbar nieder und gönne mir ein ortstypisches Mittagessen.


Die Hauptattraktion des Ortes thront hoch oben auf dem Hügel. Da ich mich heute noch nicht allzu viel bewegt habe, laufe ich hoch zur Hotelanlage Jardín Tecina. Sie ist wirklich richtig schön in ein üppiges Gartenambiente hoch oben über der Bucht eingebettet. Das findet bzw. fand unsere ehemalige Bundeskanzlerin übrigens auch: es wird kolportiert, dass sie dieses Hotel einige Male als Unterkunft während ihrer Wanderurlaube auf La Gomera gewählt hat.


Ich schleiche ein wenig durch die weitläufige Gartenanlage und betrachte den Ort von oben herab. Calima ist immer noch zu Gast, doch ein wenig Aussicht ist mir trotz sandigem Dunst vergönnt.

Für den Rückweg begehre ich den short cut. Vom Garten aus fährt ein Aufzug bis hinunter zur Poolanlage auf der Höhe des Strandes. Natürlich nur für Hotelgäste, weswegen ich noch ein wenig herumlungern muss, bis jemand mit Zimmerkarte das gleiche Ziel anstrebt wie ich. Es dauert auch nicht lange, bis das Glück mir hold ist. So bin ich auf dem schnellsten und kürzesten Wege wieder unten auf dem Boden der Strandtatsachen.




Der Nachmittag ist nun schon recht fortgeschritten. Doch mir bleibt noch ein wenig Zeit bis zur Rückfahrt mit der Fähre. Ich könnte alternativ auch mit dem Bus zurückfahren, doch darauf habe ich keine Lust. Eine Fahrt mit dem Schiffchen macht mir wesentlich mehr Freude.
So schlendere ich wieder an der Strandpromenade entlang und widme mich dem Steg, der mir in beide Richtungen eine schöne Kulisse und interessante Schattenspiele liefert.


Doch das ist noch nicht alles. Seht ihr auf dem linken Bild ganz hinten die winzig kleinen Gestalten am Ende des Steges? Das sind zwei Salsatänzer, mit denen ich ins Gespräch komme, als ich mich ihnen nähere. Die junge Polin und der aus Süddeutschland stammende, aber schon lange auf La Gomera lebende Harald bitten mich, ihre Performance mit ihrem Handy aufzunehmen. Immer gerne!
Ihr ahnt, was kommt. Direkt im Anschluss ergreife ich natürlich die Gelegenheit beim Schopf und frage, ob sie den Tanz (Salsita, eine vereinfachte Variante des Salsa) für mich nochmal aufführen mögen und ob ich das mit meinem Handy auch filmen darf. Aber klar!
Und hier ist der Werbeblock dazu: Harald bietet jeden Donnerstag um 17 Uhr an der Strandpromenade im Valle Gran Rey Salsa- bzw. Salsitakurse. Kostenlos – fast. Er bittet lediglich um Zahlung eines symbolischen Cents, den man zurückbekommt, wenn man die vereinfachte Variante des Salsa nach der dritten Wiederholung immer noch nicht beherrscht 😁. Also nichts wie hin mit den Tanzwütigen unter euch, falls ihr es eines Tages ins Valle schaffen solltet! Es geht da bestimmt lustig zu.
Zurück zum Fähranleger. Das Ticket habe ich auf dem Weg dorthin online gebucht. Wie schon öfter auf den Fähren der Kanaren erlebt, wird dieses direkt auf dem Personalausweis gespeichert, der beim Betreten der Fähre eingelesen wird. Großartig, dass die digitale Funktion des Ausweises tatsächlich einmal genutzt werden kann.


Zurück in San Sebastián, treibt mich der Hunger in die nächste Pizzeria. Auf dem Rückweg Richtung Wohnung treffe ich in der Fußgängerzone zufällig wieder auf Jutta, die gestern meine Sitznachbarin im Bus nach Vallehermoso war. Die Welt auf La Gomera ist klein! Sie ist auch gerade mit ihrem Abendessen fertig geworden. Und so ziehen wir gemeinsam auf ein Bierchen in die nächste Bar. Die Gesprächsthemen gehen so schnell nicht aus, wenn man eine gemeinsame Wellenlänge findet. Stay tuned!