Pläne sind dazu da, dass man sie über den Haufen wirft. Cape Kidnappers mit seinen berühmten Felsformationen und die fast noch berühmtere große Tölpelkolonnie, die dort vor sich hin brütet, sind nur über eine 18 km lange Strandwanderung (Hin- und Rückweg) zu erreichen. Der Startpunkt der Wanderung liegt rund 20 km südlich von Napier. Die organisierte Traktortour mit Abholung per Bus in Napier ist für heute schon ausgebucht, als ich gestern in der Info nachfragte. Ich hätte sie auch nur mit Bauchschmerzen gebucht, denn die meiste Zeit sitzt man im Bus oder tuckert mit dem Traktor den Strand entlang. Wie soll ich denn da in Ruhe rumlaufen und fotografieren? Denn der Freigang ist minimal bemessen. Ob das am Namen des Kaps liegt?

Die weitere Einschränkung der Wanderaktivitäten ist natürlicher Art. Die Tour geht komplett am Strand entlang und kann nur bei Ebbe gelaufen werden. Man sollte für die insgesamt fünfstündige Fußtour frühestens drei Stunden nach dem Wasserhöchststand losgehen und spätestens eineinhalb Stunden nach dem niedrigsten Wasserstand den Rückweg antreten. Ansonsten kann es mehr als ungemütlich werden. Das hieße für die heute geltenden Zeiten, verdammt früh zur Wanderung aufzubrechen. Zudem müsste ich ja erst einmal die 20 km von Napier aus überhaupt zum Startpunkt kommen. Selbst mit Taxi hieße das, wieder sehr früh aufstehen zu müssen. Aber dafür bin ich heute zu faul! Das war mir auch gestern schon klar. Und jetzt mal ehrlich: ist man nicht schon im Alltag von genügend Tölpeln umgeben?

Plan B muss her und lässt auch nicht lange auf sich warten. Ich leihe mir ein Rad und schaue, was Hawke’s Bay sonst noch so für mich zu bieten hat! Diesen Schock muss der arme Stefan sicher erst einmal verdauen. Denn ich bin ja eher bekannt dafür, das Fahrrad nur als Transportmittel für den kürzesten Weg von A nach B zu nutzen und nicht unnötig lange und vor allem ohne Ziel durch die Gegend zu gondeln. Ja, da schauste, was?

Also wird heute erst mal zivilisiert ausgeschlafen. Nach einem stärkenden Frühstück …

… hole ich mein schon gestern reserviertes Fahrrad ab. Mir ist klar, dass ganz sicher einer von euch daherkommt und einen Beweis fordert. Bitteschön!

Schon auf den ersten Metern entlang des Küstenradwegs wird klar, dass das ein harter Tag werden wird. Das Wetter sieht auf den Fotos so verdammt harmlos aus, aber es ist krass stürmisch! Ich treffe nur auf recht wenige andere Radler und muss ganz schön in die Pedalen treten, um überhaupt vorwärts zu kommen und freue mich schon auf den Rückweg mit Rückenwind. Aber da ich es nicht eilig habe, geht es eben langsamer voran. Auf meinem Weg finde ich reichlich Deko …

… und sogar seltene Tiere.

Die Strecke führt an diversen Feuchtgebieten entlang, die mich zu dem einen oder anderen Fotostopp animieren.

Nach einer Weile muss eine Pause her. In Clive schließe ich meinen Drahtesel stilecht an, …

… bevor ich mich in dieser zauberhaften Retrobude auf eine Eisschokolade niederlasse.

Auf dem Weg zurück gen Norden halte ich etwa 100 Meter von der Autostraße entfernt unten auf dem Radweg an, um etwas in meinem Reiseführer nachzulesen. Da es immer noch heftig stürmt, versuche ich erst gar nicht, mein Rad abzustellen, sondern lege es gleich flach auf den Boden. Ich hocke mich daneben, um ebenfalls wenig Angriffsfläche zu bieten. Kurze Zeit darauf sehe ich, wie oben an der Straße ein Auto anhält. Eine Frau steigt aus und kommt den Weg runter in meine Richtung. Es stellt sich heraus, dass sie meinetwegen angehalten hat. Sie sah mich und das Rad auf dem Boden und wollte einfach mal nachschauen, ob alles in Ordnung ist bei mir. Sehr fürsorglich, die Neuseeländer! Ich bin echt beeindruckt.

Auf dem weiteren Weg wird mir mitten in den Wetlands noch Open Air Kunst geboten. Sagt ehrlich, sind die Figuren nicht toll?

Wieder in Napier angekommen, lasse ich mich noch etwas weiter bis zum Yachthafen rollen und lege mich dort auf die Strandwiese zum Faulenzen in die Sonne. Das habe ich mir heute echt verdient bzw. erstrampelt.

Zurück in die Innenstadt. Ich gebe mein Rad ab, flaniere ein wenig durch die schönen Straßenzüge und lichte noch ein paar Gebäude ab.

In der Nähe meines Hotels gerate ich mehr durch Zufall in eine kleine Gasse mit Street Art. Die will ich euch keinesfalls vorenthalten.

Dieses Motiv passt besonders gut zu Napier. Denn hier fühlt man sich wegen der vielen tollen, dekorativen Gebäude an so mancher Stelle wie in einer Filmkulisse!

Eine Straßenecke weiter wird dann sichtbar, dass auch hier nun die Saison begonnen hat.

Als Abendessen lasse ich mir anschließend eine leckere Buddha Bowl servieren. Wegen vermehrter Forderungen aus der Leserschaft gibt es heute auch davon ein Foto. Das wird hier aber sicher nicht zum Standard werden!

Jetzt auf ins Hotel und Füße hochlegen. Heute werde ich bestimmt gut und früh schlafen … Bis morgen!

8 Gedanken zu “Tag 12 – Napier: Stürmische Zeiten auf zwei Rädern

  1. Keine Tölpel, aber der erste Kiwi! Nix 🥝…. und dann auch noch auf dem Drahtesel am Quarkteig, sorry Quakteich vorbei! Der Elk hat mal wieder das volle Programm mitgenommen…. Liegt bestimmt an der ausgewogenen Ernährung. Viel Spaß weiterhin wünschen WaWo!

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  2. Wirklich tolle Gegend so in und um Napier – auch wenn gestern vom Winde verweht.
    @Radleihe: .-o (sprachlos)
    @Tölpel: hätte sich zum Fotografieren eh nicht gelohnt, denn dafür brauchst du ein starkes Teleobjektiv. Glaubst doch nicht, deine T-Kollegen hätten dich auf Weitwinkeldistanz herangelassen?! 🤔
    @nette Kiwis: ja die Autofahrer in D würden höchstens mal anhalten, wenn sie uns überrollt hätten. Natürlich nur um den Fußgänger oder Radfahrer zu verklagen, dass wir den Unterboden ihres geliebten Autos verkratzt hätten. Schade, dass wir hier so unentspannt und eigennützig sind …
    Gute Nacht und guten Flug nach Wellington morgen früh. 💖

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  3. Das Frühstück sieht lecker aus! Waren das porchierte Eier? Die Maori-Kunstfiguren sind klasse. Ich staune immer wieder, was man aus Holz formen kann. Auch der rotbraune Kontrast zum blaugrün ist fantastisch! Die „Retrobude“ sieht sehr gemütlich aus. Von den Streetarts gefallen mir die ‚Tür‘ und die ‚Kulisse‘ sehr gut. Schade, dass es mit der Tölpelkolonnie nicht geklappt hat, aber manchmal klappen Pläne eben nicht. Dann immer das beste daraus machen. Die Buddha Bowl sieht sehr interessant aus. Ich sehe ganz gerne mal, was man in anderen Ländern so kredenzt bekommt. Erst recht, wenn es so aussieht wie deine Buddha Bowl.

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  4. Wieder schöne Eindrücke vom anderen Ende der Welt….Fahrrad steht dir gut 👌und funny ein Weihnachtsbaum unter Palmen mit Schneeflockendeko….ach ja, der Weihnachtsmann kommt ja vom Nordpol.Auch ziemlich weit für ihn…..ich hoffe du hast gut ausgeschlafen, Show Must Go on 😅

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