7. – 8. März 2022

Auf in die Hauptstadt! Immer schön am Kraterrand entlang erreiche ich nach etwa 25 Laufminuten Firá. Auf dem Weg dorthin liegt auch das lauschige Dörfchen Firostefáni. Auch hier ist alles sehr geschlossen 😅. Mein Wohnort Imerovigli, besagtes Firostefáni und Firá waren einst eigenständige Orte. Alle drei gehen mittlerweile jedoch mehr oder weniger nahtlos ineinander über.

Heute ist ein traumhaft sonniger Tag. Doch durch den konstant mit 35 km/h pfeifenden Wind fühlt es sich deutlich kühler an als die 16 Grad, die meine Wetter-App anzeigt. Kurz vor dem Ortseingang von Firá komme ich mit einem netten US-amerikanischen Paar aus North Carolina ins Gespräch. Sie erzählen nicht nur von ihrem sechswöchigen Trip durch Südeuropa, sondern geben mir noch den ultimativen Tipp für ein nettes – und geöffnetes 😅 – Café in Firá: das Vales! Das soll mein erstes Ziel für heute sein.

Auf dem Weg dorhtin passiere ich das Dominikanerinnenkloster. Schade, dass das Gelände – drei Mal dürft ihr raten! – bis Mitte März geschlossen ist. Ich schlendere weiter durch die Gassen der Altstadt. Auch hier sind die meisten Läden noch im Winterschlaf.

Zu

Doch im Gegensatz zu Imerovigli ist doch einiges an Gastronomie geöffnet. Allerdings nicht die schicken Touristen-Lokale mit Panoramablick aufs Meer und die Caldera, sondern die von den Einheimischen besuchten Lokalitäten, von denen die meisten entlang der Hauptstraße liegen. Da fehlt natürlich die Aussicht 😂! Aber wie ich im Verlauf dieser Reise noch feststellen werde, lässt es sich hier vorzüglich speisen.

Irgendwann erreiche ich das Café Vales, das ziemlich weit im Süden der Stadt, fast schon am Ortsausgang, liegt. Was soll ich sagen? Der Tipp war Gold wert! Der Kaffee ist klasse, das Ambiente sehr ansprechend. Und an der Wand ist zu lesen, was ich nicht besser hätte ausdrücken können.

Genau!

Unter der Schubkraft des Koffeins mache ich mich auf, die Hügel der Stadt zu erklimmen. Die Stadt in klassischer Hanglage ist ein Traum! „Fast zu schön, um wahr zu sein“, denke ich immer wieder. Und ihr so?

Wie gemalt
Errötet
Sternenhimmel
Stadt und Hügel
Abgeblättert
Trinken mit Aussicht
Verbogen

Später laufe ich die Promenade entlang Richtung Norden. Gerne würde ich die Seilbahn nutzen, um zum Alten Hafen hinunter und wieder hinauf zu gondeln. Doch sie fährt heute nicht, weil es viel zu windig ist. Und da ich wenig Lust verspüre, den sehr steilen Auf- und Abstieg zu Fuß zu bewältigen, verschiebe ich den Ausflug.

Steile These

Nach einem späten Mittagessen in einer der Tavernen an der Hauptstraße findet sich im Magen noch Platz für ein Eis. Anschließend spaziere ich mit Blick auf die sakralen Schönheiten Firás …

Getürmt

Gemischtes Doppel
Verkratert

… an der Promenade entlang zurück nach Imerovigli. Ich verbringe den späteren Nachmittag am heimischen Pool in der Sonne und lese. Für einen Sprung ins erfrischende Nass ist es Anfang März einfach noch zu kalt.

Zum Sonnenuntergang verlasse ich kurz nach 18 Uhr noch einmal das Haus, bevor ich es mir nach dem Abendessen mit meinem Buch und einem Gläschen Wein zuhause gemütlich mache. Prost!

Die Nacht darauf ist kurz und unruhig. Zwischen 3 und 4 Uhr fällt im ganzen Haus der Strom aus. Das hätte ich ja glatt verpennt, wäre nicht in allen Räumen automatisch ein Notlicht angegangen, das der normalen Beleuchtung in punkto Helligkeit in nichts nachstand.

Meine Erleichterung war natürlich groß, dass nicht plötzlich ein ungebetener Gast neben meinem Bett auftauchte. Aber hellwach war ich trotzdem! Nachdem es mir nicht gelang, das Notlicht auszuschalten, um zusätzlich zu meiner geistigen auch noch in tatsächlicher Umnachtung wieder weiter zu träumen, lag ich erst einmal eine Weile wach. Irgendwann war dann der Strom wieder da, das Notlicht wieder weg.

Am nächsten Morgen fahre ich mit dem Bus gen Norden nach Oía. So viel Spaß für 1,60 EUR! Willst du hier den herannahenden Bus besteigen, solltest du winken, auch wenn du ordnungsgemäß an einer Haltestelle stehst. Sonst käme der Busfahrer womöglich noch auf die Idee, du stündest einfach nur so aus Jux und Tollerei in der Gegend herum 😅. Es gibt nicht nur den Fahrer, sondern zusätzlich noch einen Schaffner mit an Bord, der die Fahrgäste direkt am Sitzplatz besucht und die Kohle gegen einen Fahrschein tauscht.

Direkt vor mir gibt es ein großes Palaver. Da ich bis auf eine Handvoll Floskeln kein Wort Griechisch spreche oder verstehe, bin ich immer wieder fasziniert über diese akustischen Beispiele von Lokalkolorit. Sie klingen, da mir der Sinn entgeht, immer wie Musik in meinen Ohren, untermalt vom Motorengeräusch des Busses. Hört doch mal rein!

20 Minuten später spuckt mich der Bus in Oía aus. Es ist bewölkt, aber etwas weniger windig als gestern. Trotzdem fühlt es sich bei 14 Grad leicht ungemütlich an.

Zur Einstimmung erst mal ein Käffchen. Aber wo? Da kommt gerade zur rechten Zeit ein dreiköpfiges Trüppchen junger US-Amerikaner des Wegs. Flott angesprochen, und schon ist ein konkreter Tipp parat. Damit auch bloß nichts schiefgeht, bringen die drei mich fürsorglich bis vor die Tür, obwohl sie in eine ganz andere Richtung unterwegs sind. Eine schöne Gelegenheit für ein kleines Schwätzchen zwischendurch.

Kaum sitze ich unter dem schützenden Dach des Cafés Skiza, geht’s auch schon los. Ein gewaltiger Donner! Rumms! Und dann setzt eine etwa halbstündige Sintflut ein, die sich und den gesamten Ort gewaschen hat.

Die Sintflut

Dann lässt der Regen nach und stoppt kurz darauf. Raus ins pralle Leben! Zur Belohnung serviert mir der Himmel nach dem feuchten Spektakel ordentlich Drama für die Fotos.

Gute Ausgangslage
Eingezäunt
Pole Position
Blaue Stunde
Ferner Regen
Eingekreist
Gewölbt

Ein paar Worte zu Oía, DEM Hotspot hier auf Santorin. Seht ihr Fotos von der Insel, sind sie, wenn nicht in Firá, dann höchstwahrscheinlich hier entstanden. Ein Fotomotiv jagt das nächste, eines ist schöner als das andere. Kein Wunder, dass jährlich unzählige Besucher das kaum 1.000 Einwohner beherbergende Örtchen fluten. Das trifft natürlich vor allem während der Sommermonate zu. Momentan ist es wie in allen anderen bisher von mir besuchten Orten mehr als beschaulich. Nur wenig Gastronomie und Geschäfte sind geöffnet. Doch was hier in der Saison bisweilen abgeht, könnt ihr erahnen, wenn ihr euch die drei folgenden Fotos anschaut.

Instagram und Co. haben hier Trends gesetzt, auf die der Ort und vor allem die Anwohner gerne verzichtet hätten. Zu viele Besucher verletzen für den ultimativen Fotospot die Privatsphäre der Anwohner, indem sie sich ungefragt auf deren Dächer, Mauern, Terrassen, Gelände begeben, um die noch bessere View zu haben. Möchte ich, dass das andere bei mir tun? Nein! Und deshalb lasse ich das auch tunlichst bleiben, auch wenn einige Häuschen zur Zeit verlassen und unbewohnt zu sein scheinen. Alles eine Frage des Respekts.

Ich lasse mich die Gassen kreuz und quer, rauf und runter treiben, werfe einen Blick zur Festung, zu Windmühlen, zu den pittoresken Häuschen. Auch hier muss ich sage: es ist fast zu schön, um wahr zu sein! Und trocken bleibt es zum Glück auch.

Belesen
Turmuhr
Geflügelt
Farbenfroh
Erblüht
Terracotta
Ergraut
Gechillt

Nach einem wieder späten Mittagessen in einer der Tavernen laufe noch ein wenig umher, bevor ich am späteren Nachmittag mit dem Bus zurück nach Imerovigli fahre. Auf der Rückfahrt fehlt der Schaffner. Statt dessen kassiert der Busfahrer höchstpersönlich – aber erst beim Aussteigen.

Als ich nach Hause komme, habe ich Nachbarn. Bisher war ich der einzige Gast in dem Häuschen mit insgesamt fünf Apartments. Jeff und Melissa kommen aus Dallas/Texas, genau wie die Truppe, die meinen Flieger von Athen nach Santorin füllte. Wurde Dallas evakuiert? Ist denn dort überhaupt noch jemand 😂? Ich werde es wohl nie erfahren. Bis morgen!

13 Gedanken zu “Santorin – Firá und Oía

  1. oh je was soll ich hier bloß schreiben ? Für mich bleibt es die schönste Insel die ich bisher gesehen habe. Teilweise sind Aufnahmen hier dabei , ich glaub wir sind sogar auf der gleichen Treppenstufe gestanden so identisch sind sie mit meinen.
    Mit der Seilbahn bin ich damals auch nicht gefahren. Sie ist eigentlich für die Touristen der Kreuzfahrtschiffe gedacht. Schlimm ist, dass diese nicht immer ausreicht und Esel zum Einsatz kommen. Hier gehen Tierschützer schon lange auf die Barrikaden !
    Das mit den Fotografen auf den Dächern habe ich auch gesehen. Gehe da mal hin wenn der Sonnenuntergang zum Einsatz kommt. Die Dächer sind voll mit Fotografen, Models, Stative und Reflekoren.
    Was die Unterhaltung im Bus betrifft hört sich das an, wie wenn einer mit sich selbst redet. Man hört nur ihn !!
    Also ich bin begeistert und ja auf Santorini eine Speicherkarte voll zu knipsen ist jederzeit möglich !

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    1. Ja, das glaube ich dir gerne, dass du viele Foto-Standorte sofort erkannt hast, die du auch ausgewählt hattest. @Esel: das ist Tierquälerei und wirklich völlig daneben. @Monolog im Bus: der ältere Herr vor mir hat den Fahrer und den Schaffner tatsächlich mehr oder weniger ohne Punkt und Komma vollgequatscht 😅. Manchmal versuchte der Busfahrer zaghaft, auch mal was zu sagen (hört man nur nicht so gut auf meiner Aufnahme, weil der weiter entfernt von mir war). Er hat sich aber nicht wirklich durchsetzen können.

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  2. Wieder herrlicher Bericht mit ebensolchen Motiven. Besonders interessant, da ich diesen Teil des Mittelmeeres kaum kenne. Ein weiterer unschätzbarer Vorteil, wenn man außerhalb der Saison bzw. im „touristischen Winterhalbjahr“ reist: Du erlebst die Orte und (wenigen dann dort lebenden) Menschen in ihrer Gelassenheit, Ruhe und in ihrer – auch ökonomischen – Bescheidenheit. Infrastruktur auf Hundertausende ausgelegt, aber das lokale Leben spielt sich an wenigen Orten ab. Die alle ihre (anderen) Reize haben. Und (für Saarländer wichtig) an denen man hervorragend essen und trinken kann. 😋😅
    Bemerkenswert fand ich Deine regelmäßigen Bekanntschaften mit US-Amerikanern. Und Du warst ja noch nichtmal auf Deinem US-Trip vom Juni 😉 In der Tat, 2 Jahre Corona-Reiseverbot, Milliarden Konsumschecks der Regierung und jetzt ein für Amerikaner genialer $-€-Kurs muss derzeit zu einem wahren Exodus führen. Hier in Dalmatien same picture…. wo Du hinhörst auf den Straßen, allenthalben breites Amerikanisch. Viel mehr als früher. Gut so, quasi umgedrehte carry trades 👍🏼🥕🤑
    Was mich noch interessiert: Du schreibst immer dazu, aus welcher Stadt und US-Staat Deine Wahlbekanntschaften stammen …. ob die wohl umgekehrt die Spur einer Ahnung haben, wo um Himmelswillen Saarbrücken/Saarland/Germany/EU liegen mag (falls Du es denen nicht allzu leicht machst und nur Berlin sagst….😎😁)? Just try! Ich vergesse nie, dass mich Anfang der 90er mal in einem hinteren Winkel der kanadischen Gaspésie ein äußerst nettes, bodenständiges Host-Ehepaar fragte, wer gerade König sei in Deutschland 😳🤷‍♂️😊. Aber was ist schon Deutschland gegen die unendlichen Weiten des nordamerikanischen Kontinents…..

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    1. Danke, Andreas. Freut mich! An deinen Ausführungen zum lokalen Leben außerhalb der Saison ist definitiv was dran 😎. Was die „Flut“ an US-Amerikanern betrifft, so hast du alle Gründe aufgeführt, die den Boom erklären. Sie nutzen die Chance! Den Amis und allen anderen, mit denen ich ins Gespräch kam, habe ich es tatsächlich immer leicht gemacht und Berlin als meinen Herkunftsort genannt. @König: ernsthaft 😂? Das ist ja der Hammer 🥳!

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  3. Liebe Elke, mit jedem weiteren Bericht wächst in mir die Lust, Santorini auch mal außerhalb der Saison zu besuchen. Wer braucht schon Restaurants und Cafés, wenn er so schöne und umso wichtiger: einsame Motive aufnehmen kann. Ich kann mir vorstellen, dass sich die Insel in der Einsamkeit erst erschließt. So hat man die Eindrücke für sich alleine, wird nicht gestört von auf Dächer kletternden Influencern… 😉

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