5. – 6. März 2022

Der deutsche Winter will kein Ende nehmen. Und ich lechze nach Licht! Santorin stand schon länger auf meiner Liste. Doch ich bin nicht unbedingt ein Fan großer Hitze. Insofern kam ein Besuch im Sommer für mich nie infrage. Aber jetzt im März sollte es passen.

Zu einer angenehmen Zeit geht es mit Aegean Airlines gegen Mittag nach Athen. Da EasyJet seine Direktflüge nach Santorin erst im Frühjahr aufnimmt, geht es nicht ohne Zwischenstopp. Ich bin pünktlich da. Schade eigentlich! Denn ich muss hier mehr als fünf Stunden überbrücken, bis es am Abend weitergeht.

Nach der Einreise folge ich brav der Beschilderung zu den Inland-Gates. Zumindest bilde ich mir das ein. Doch plötzlich stehe ich in der Eingangshalle des Flughafens. Ok, ich habe also ungeplant den Transitbereich verlassen. Das eröffnet natürlich Möglichkeiten bei so einem langen Zwischenstopp.

Darauf war ich nicht vorbereitet. Deshalb habe ich mich im Vorfeld auch nicht weiter schlau gemacht, was ich Sinnvolles in der Stadt anstellen könnte. Ach, erst mal ein Käffchen 😅.

Letztendlich wird mir die Entscheidung abgenommen. Erstens wird in knapp zwei Stunden bereits die Dämmerung einsetzen. Und zweitens geht jetzt ein zarter Nieselregen an den Start, der keine Anstalten mehr macht, zu weichen. Bleibe ich eben am Flughafen.

Am späteren Abend bringt mich der Anschlussflug in überschaubaren 40 Minuten weiter nach Santorin. Eine amerikanische Reisegruppe aus Dallas/Texas, einheitlich gekleidet in gelben T-Shirts, nimmt gefühlt und auch in echt 95% aller Sitzplätze in der kleinen Maschine in Anspruch. Neben mir sitzt Mary. Sie ist redselig, und quatscht so nebenbei auch ihre Müdigkeit weg. Nun bin ich über alle Details ihrer Reise und auch über ihre Familienbande genauestens im Bilde!

Als ich lande, ist es bereits stockdunkel. Muss der erste Eindruck der Insel eben bis morgen warten. Kostas, mein netter Vermieter, wartet zum Glück aber schon heute auf mich. Ich beziehe meine Wohnung in Imerovigli, die sich in der Realität als etwas kleiner herausstellt, als sie auf den Fotos im Internet wirkte. Aber das ist halb so wild. Denn für mich alleine reicht sie völlig aus.

Mit Stefan im Gepäck wäre es wohl etwas eng geworden. Und oben im Schlafzimmer wäre er mit seinen fast 2 Metern Länge definitiv gescheitert. Denn selbst ich mit meinen bescheidenen 1,75 Metern werde mir in den kommenden Tagen in unachtsamen Momenten den Kopf an der Decke stoßen. Diese misst am höchsten Punkt in der Mitte des Raumes gerade einmal 1,80 Meter. Durch ihre Form eines Tonnengewölbes wird sie zu den Rändern hin entsprechend niedriger. Am Durchgang zum Balkon sind es höchstens noch 1,20 Meter, so dass man sich bücken muss, um ihn zu betreten.

Aber egal! Wer wird sich denn an solchen Kleinigkeiten stoßen, wenn das schon die Decke erledigt 😅. Die Wohnung ist niedlich, die Aussicht bei Tageslicht grandios. Seht selbst!

Nach einer erholsamen Nacht erwarten mich am nächsten Tag eine ordentliche Portion Sonne und 16 Grad. Wenn nicht gerade wieder der Wind auffrischt, fühlt es sich etwas wärmer an. Die Dame des Hauses serviert jeden Morgen zusätzlich zum im Kühlschrank gebunkerten Frühstück eine kleine, warme Köstlichkeit frisch aus dem Ofen. Heute morgen überrascht sie mich mit Teigtaschen mit Käsefüllung. Lecker! Die Portion ist aber so riesig, dass ich mir ein wenig für später aufhebe.

Volle Taschen

Bevor es losgeht mit den ersten Erkundungen, will ich zwei, drei Sätze zur Insel sagen. Santorin ist unter den Kykladeninseln die Größte – und dennoch ein Inselzwerg, gerade einmal rund 75 Quadratkilometer groß. Zum Vergleich: Sylt, auch nicht gerade ein Riese, bringt es auf 99 Quadratkilometer. Etwa 16.000 Menschen bewohnen die Insel dauerhaft. Die Zahl der jährlichen Besucher übertrifft diese um ein Vielfaches! Davon ist Anfang März jedoch noch nichts zu spüren.

Die spektakuläre Natur und Landschaft der Insel ist im Wesentlichen durch einen Vulkankrater, die sogenannte Caldera geprägt. Das werdet ihr auf den kommenden Fotos noch zur Genüge erkennen können. Nun aber raus mit mir!

Es zieht mich ortsauswärts gen Norden, immer entlang der Caldera. Ein wunderschöner Weg führt direkt am Kraterrand entlang. Es ist kaum was los. Ich genieße die Stille – und natürlich die Aussichten!

Tür zu!
Der Durchbruch
Gepflastert
Traumhaus

Bevor ich mich dem Sakralen zuwende, inspiziere ich noch ein zum Lost Place verwandeltes Café. Kaum zu glauben, dass es sich in dieser spektakulären Lage nicht halten konnte. Doch wer weiß, was wirklich hinter seiner Schließung steckt. Jedenfalls fasziniert mich dort dieses originelle Wand-Stillleben, an dem erkennbar der Zahn der Zeit genagt hat.

Bunt gemischt

Von dort aus laufe ich mal bergab, dann wieder bergauf, von einem hübschen Kapellchen zum nächsten. Dieses strahlende Weiß dieser Architektur, mal pur, mal blau umrandet, ist einfach eine Augenweide.

Mit Absatz

Liefe ich jetzt noch weiter, würde ich im berühmten Oia landen. Doch dieses hebe ich mir für einen anderen Tag auf. Denn ich habe ja von dem Örtchen, in dem ich wohne, noch nichts gesehen! Deshalb drehe ich jetzt um und laufe den gleichen Weg am Kraterrand zurück nach Hause. Einen kleinen Schlenker durch die engen Gässchen Imeroviglis kann ich mir allerdings nicht verkneifen.

Verschachtelt
Amphore

Siesta! Zuhause vertilge ich die restlichen Teigtaschen von heute morgen und mache es mir ein wenig auf meinem Balkon mit Aussicht gemütlich. So direkt in der Sonne fühlt es sich wärmer an als es tatsächlich ist. Das soll sich aber in den nächsten Tagen durchaus ändern.

Sommerlich
Logenplatz
Abwärtstrend

Am Nachmittag drehe ich eine Runde durch den still daliegenden Ort. Und nun lerne ich die Kehrseite des Reisens in der hiesigen Nebensaison kennen. Grundsätzlich genieße ich es natürlich sehr, dass jetzt im zu Ende gehenden Winter kaum Touristen auf dieser Insel sind, die von Frühjahr bis Herbst wohl völlig aus den Nähten platzt.

Doch ich entdecke im ganzen Ort kein einziges Café, kein einziges Restaurant, was geöffnet hat! Mit etwas ‚Schwund‘ hatte ich ja gerechnet, aber nicht mit einem Totalausfall 😅! Und das scheint auch nicht daran zu liegen, dass heute Sonntag ist. An der Aufmachung der Läden sehe ich: hier ist noch Winterpause. Es geht wohl erst im April wieder langsam los. An einigen Lokalen wird auch fleißig gewerkelt, ausgebessert und gestrichen. Selbst der Geldautomat in der Ortsmitte dämmert noch im Winterschlaf. Aber wenigstens der Supermarkt hat geöffnet, zumindest bis 14 Uhr. Dort decke ich mich mit dem Nötigsten ein.

Winterschlaf

Jetzt zieht es mich einen Teil der Kraterstrecke Richtung der Hauptstadt Fira entlang, also gen Süden. Ich laufe und schaue. Ein kilometerlanges Band von weißen Häuschen schmiegt sich, eng aneinander geklebt, an die Hänge der Caldera. Sattsehen kann ich mich kaum, weder aus der Ferne noch aus der Nähe. Und mir wird immer klarer, warum Santorin so eine große Anziehungskraft auf seine Besucher hat. Euch auch?

Gebimmel
Anhänglich
Am Abgrund
Bildsprache
Weiße Ware
Aufs Dach gestiegen
Am Abhang
Fleckig
Auf dem Trockenen

Und wie ich da so schlendere und die Aussicht genieße, nähert sich unüberhörbar eine größere Gruppe: die Amerikaner aus Dallas! Und ich sagte gestern im Flieger noch zu Mary: „Die Insel ist klein, es sind wenig Touristen da. Wir laufen uns bestimmt über den Weg.“ So schnell kann‘s gehen.

Am späten Nachmittag auf dem Rückweg zur Wohnung entdecke ich dann doch noch eine offene gastronomische Einrichtung in Imerovigli. Es ist eine wilde Mischung aus Bäckerei, Café, Restaurant und kleinem Supermarkt. Das Ambiente hat eher Imbisscharakter. Doch es gibt Sitzplätze, auch draußen. Der Laden liegt an der – allerdings nur spärlich befahrenen – Durchgangsstraße und nicht mit schönem Ausblick auf Meer und Steilküste. Aber besser als nichts!

Die Rettung!

Hui, jetzt legt der Wind eine Schippe drauf! Nun aber schnell zurück zum Hotel. Es geht auf 18 Uhr zu, der Sonnenuntergang ist nicht mehr weit. Flugs den Wein geöffnet und hoch auf den Balkon. Die Show kann beginnen!

Auf Santorin!
Himmel in Fetzen

23 Gedanken zu “Santorin – Zwei Seiten einer Medaille

  1. Schöner Bericht mit traumhaften Fotos. Als wir einmal im März in Rhodos-Stadt Urlaub machten, war auch fast alles geschlossen. Wenn aber ein Kreuzfahrtschiff anlegte, erwachte die Stadt für ein paar Stunden zum Leben, aber gleich nach der Abfahrt des Schiffs wurden die Bürgersteige wieder hochgeklappt

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    1. Danke! Ja, das was du von Rhodos schilderst, kann ich mir lebhaft vorstellen 😅! Für den kurzen Moment der Masseninvasion hat es sich gelohnt, zu öffnen. Und dann schnell wieder zurück in den Winterschlaf!

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  2. Die liebe Elke ist wieder am schreiben, das ist schön. Stefan will schon länger nach Santorini reisen, aber der Massentourismus hat mich bisher immer abgeschreckt, diesem Gedanken zu folgen. Gut zu wissen, dass es in März noch so verzaubert verschlafen wirkt, wie eine weiße Prinzessin, die gerade erst ihre Augen öffnet, sich streckt und einmal gähnt… 😉

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    1. Ja, off season haste da mehr Ruhe, als dir lieb sein kann 😅. Ich würde euch aber eher den April empfehlen, auch wegen der Temperaturen. Aber auf jeden Fall noch vor Ostern. Der März war teilweise durchaus schattig! Werde noch berichten davon. @Prinzessin: Schöner Vergleich!

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  3. Hi Elke,
    Haha, Hier sind fast 50° C und Du schreibst, der Winter will kein Ende nehmen.. Perfektes Intro.. 😉
    Die Insel gefällt mir aber, wäre mir aber zu beengt. Jedenfalls da wo Du gewohnt hast. Dazu passt die Wohnung in dem Haus (sieht so aus, als wären die Wohnungen da ineinandergeschachtelt) und die ist schon knuffig. Erinnert mich an ein „Tiny-Haus“ – aber luxuriöser ausgestattet. Der Waschtisch direkt neben der Kochzeile ist schon etwas strange – den hätte ich eher im Bad vermutet. Aber man hatte wohl an der Wand mehr Platz und dachte sich: montieren wir doch hier 2 Spülsteine hin. Das Schlafziimer im oberen Bereich hat schon was – vor allem mit der Terasse. Ich glaube, da erkennt man ganz gut, wie die Wohnungen ineindergewoben sind.
    Aber so wie die Häuser da dicht an dicht stehen hätte ich nach einem Besuch in einer Bar wohl Probleme meines wiederzufinden und nach einem längeren Aufenthalt dort akute Anfälle von Klaustrophobie. Dagegen ist ja sogar das dichtbebaute Monaco ein Waisenknabe, was Platzausnutzung angeht.. 😉
    Schön dass Du wieder da bist..
    Bleib gesund
    CU
    P.

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    1. Ja, das passt, wa ? Aber du hast schon gelesen, dass die Reise im März war, oder 😃? Ja, stimmt, die Buden waren schon sehr ineinander verschachtelt. Die Gedanken, die du dir zu der Gestaltung der Wohnung gemacht hast, zeigen mir, dass du noch frische Eindrücke von deiner eigenen Renovierung hast. Ja, kann gut sein, dass es nach dem Besuch einer Bar durchaus passieren kann, dass man die falsche Bude auswählt. Aber im März ist das eher unwahrscheinlich, weil kaum eine Bar geöffnet hat 😂.

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  4. ich muss überlegen aber ich war glaub in Juni dort. Da war dann auch schon einiges los. Allerdings verschwinden viele am Abend wieder auf ihre Kreuzfahrtschiffe. Ich war tagsüber eh am Strand und bin eigentlich nur abends auf Tour gegangen. Ja die Insel ist meine Trauminsel geworden. Vieles gibt es eben nur hier !
    Klar ist vieles vom Tourismus geprägt aber wo ist das nicht auf anderen tollen Fleckchen dieser Erde.
    Blau – Weiß ein Traum für mich jedenfalls !

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    1. Ja, kann ich mir gut vorstellen, dass im Juni dort schon eine Menge los ist. Tagsüber am Strand chillen und abends losziehen, wenn die Kreuzfahrt-Massen wieder verschwunden sind, ist da eine gute Taktik! Stimmt, wo es schön ist, wollen eben alle hin. Und Santorin ist ja wirklich ein Schmuckstück.

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  5. Liebe Elke, schön, wieder von dir zu lesen.
    Santorin muss schon faszinierend sein, deine Fotos sind fantastisch! Mal schauen, irgendwann kommen wir sicher dorthin.
    Im Oktober werden wir erstmal nach Südtirol fahren.
    Liebe Grüße von Susanne

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  6. Wow! Wie wirklich, wirklich schön! Ich bin sehr überrascht und geflasht. Danke fürs „Mitnehmen“ nach Santorin. Die Insel stand bisher immer auf meiner „No-Go“-Liste, weil ich nur die Bilder proppenvoller Gassen und vieler Touristen kannte. Das Geheimnis scheint auch hier die Reisezeit zu sein … hätte ich mir ja denken können! Großartig“! Bin gespannt auf mehr!

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    1. Immer gerne, Mareike! Ja, die Reisezeit ist auch bzw. besonders hier das A und O. Ich würde allerdings beim nächsten Mal den April bevorzugen (aber noch vor den Osterferien). Im März war es zum einen noch ziemlich kühl. Und zum anderen war halt wirklich fast nichts geöffnet.

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  7. Ah wie schön, da werden Erinnerungen wach. Sogar ganz ähnliche, obwohl ich im Juli da war.😅 Aber eben im Corona-Sommer’21. Es war schon echt schwierig, in der Nähe unseres Ortes Megalochori (das ist ja noch etwas weiter südlich) ein Restaurant zu finden, wo wir abends etwas essen konnten. Außer in Fira und Oia war in den anderen Orten fast alles zu. Schon krass. Nix mit „schnell mal ein Eis essen“ oder so. Aber die Ausblicke entschädigen echt für alles. Und 1001 wundervolle Motive! Die Caldera so wunderschön! Deine Wohnung finde ich übrigens richtig niedlich. Der Pool war für dich allein? Aber wahrscheinlich zu frisch, wa?😅

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    1. Ja, ich erinnere mich: du hattest wohl den einzigen leeren Sommer seit Beginn des Massentourismus auf Santorin 😂! Stimmt, die Ausblicke und die Ruhe entschädigten schon dafür, dass man kulinarisch knapp gehalten wurde. Der Pool war für alle Mieter der insgesamt fünf Wohnungen. Es war in der Tat eindeutig zu kalt (auch draußen), um Baden zu gehen. Und er war auch so klein, dass man ihn eher als Plantschbecken bezeichnen müsste 😁. Zum Abkühlen in heißen Sommern ist er sicher gut. Aber nach einem Schwimmzug schlägste schon am anderen Ende an.

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