Abfahrt um 5:30 Uhr. Vor uns liegt eine Strecke von 400 Kilometern, für die wir letztendlich 11 Stunden brauchen werden. Die Straßen- und Verkehrsverhältnisse, ihr wisst schon. Vier Leute aus unserer Gruppe haben sich für rund 40 EUR ein Flugticket für einen Direktflug unter den Nagel gerissen und liegen vermutlich noch in seligem Schlummer, als wir vom Hofe reiten.

Ich hatte auch darüber nachgedacht, diese billige, schnellere und bequemere Variante zu wählen. Doch dann siegte die Neugier. Im Nachhinein betrachtet hat sich die lange Fahrt auch tatsächlich gelohnt wegen der vielen interessanten Dörfer auf der Strecke und dem lebhaften Treiben am Wegesrand.

Auslegware
Improvisiert
Street Food
Mal Vordergrund …
… mal Hintergrund
Präsentierteller

In der Morgendämmerung durchqueren wir den Panna Nationalpark, in dem zu dieser Zeit noch vollkommen tote Hose zu sein scheint. Sollte es hier noch eine Tigerpopulation geben, so lässt sie sich, vielleicht erschöpft von der nächtlichen Jagd, nicht blicken.

Die heutige Strecke ist schnell beschrieben: Baustelle mit Buckelpiste geht über in Autobahn geht über in Baustelle mit Buckelpiste geht über in Autobahn. Und so weiter und so fort im Wechsel. Hier wird nicht hintereinander am Stück ausgebaut. Warum auch immer. Eines fernen Tages wird die Strecke von Khajuraho in Madhya Pradesh bis nach Varanasi in Uttar Pradesh komplett über die Autobahn erreichbar sein. Doch bis dahin ist noch eine Menge zu tun.

Under construction
Umgeleitet

Der Verkehr wird gnadenlos mitten durch die Baustellen geführt. Das geht – abgesehen von der Tortur fürs Sitzfleisch – meistens gut, manchmal aber auch nicht. So sehen wir einmal einen LKW, der seitlich abgerutscht ist und ordentlich „auf Halbacht“ hängt. Doch der Fahrer hockt tiefenentspannt auf Treppe seitlich des Fahrersitzes, raucht erst mal eine Zigarette und telefoniert.

An manchen Motiven kann ich mich nicht satt sehen. Dazu gehören unzweifelhaft die stets reich verzierten LKWs, die verschiedenartigen Nummernschilder und Aufkleber. Achtung! Beim dritten Foto handelt es sich nicht um das, was ihr vielleicht beim ersten Hinschauen denkt, sondern um eine Swastika.

Lasterhaft
Gehörnt
Glückssymbol

Für den Bau der Autobahn werden im übrigen Häuser und teilweise ganze Dörfer entlang der Strecke abgerissen. Die Leute bleiben aber stoisch in schon halb abgerissenen Häusern wohnen, bis der endgültige Abriss naht. Mögen sie wenigstens ordentlich entschädigt werden, wenn sie schon ihr Zuhause verlieren.

Für mich als unbeteiligte Zuschauerin ist das Fahren auf der unfertigen Autobahn indes hochspannend! Die Dörfer liegen direkt an der Straße, das öffentliche und auch das private Leben finden ebenfalls gut sichtbar dort statt. Da es überwiegend recht langsam vorangeht, kann ich ausgiebige Sozialstudien von meiner erhabenen Lage aus dem Bus heraus betreiben.

Mensa
Pausengespräch
Begrüßungskomitee
Am Rad gedreht
Blitzblank
Waschtag
Schnittig
Kuhfladen zu Brenn“holz“
Olé!

Als wir von der Hochebene hinunter ins Ganges-Delta kommen, wird die bisher brandenburgische Landschaft abwechslungsreicher.

Von oben herab

Und schon bald erreichen wir die Suburbs der Heiligen Stadt der Hindus, die gleichzeitig eine der ältesten des Landes ist.

Am späten Nachmittag kurz vor der Dämmerung sind wir da. Das Hotel ist einfach, hat aber eine geniale Dachterrasse, auf der auch das Abendessen des Hotelrestaurants serviert wird. Bettwäsche und Handtücher sind bräunlich-fleckig. Sie wurden vermutlich im Fluss gewaschen und an seinen Ufern getrocknet. Und so verkneife ich mir die Beschwerde und rede mir den Schmutz schön. Wer sagt schon was gegen die Mutter Ganges 😎?

Gleich nach dem Essen falle ich ins Bett. Nach der langen Fahrt bin ich einfach hundemüde. Und morgen wartet ein ereignisreicher Tag auf mich. Gute Nacht!

15 Gedanken zu “Tag 11: Khajuraho – Varanasi

  1. die Bettdecken werden tatsächlich im Ganges gewaschen und auf der Erde getrocknet. Schöne Straßenszenen, diese liebe ich in Indien ganz besonders. Nun freue ich mich auf Varanasi, fast das absolute Highlight in Indien.

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    1. Ja, ich weiß, die werden wirklich im Ganges gewaschen. Den Beweis habe ich am nächsten Tag gesehen 😎. Die Straßenszenen in Indien sind wirklich schwer zu übertreffen. Aber Nepal hält da auch mit, auch wenn es dort etwas ruhiger zugeht. Varanasi war für mich tatsächlich das Highlight in Indien! Ich werde berichten, kann aber noch etwas dauern.

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  2. das Leben an der Strasse bestens fotografisch festgehalten ! Da sind wieder Schnappschüsse dabei die sind unglaublich und vor allem unvorstellbar ! Genial das Foto beim Frisör !!! Das vorletzte !
    Auch das Foto „Waschtag“ zeigt den Alltag und wie die Menschen leben. Wir könnten nicht einen Tag ohne Waschmaschine leben ! Der Mechaniker müsste innerhalb von 1 Tag sofort kommen oder ein Gang zum Elektrofachgeschäft wäre notwendig !
    Ich bin ja beruflich in der Transport und Logistbranche beschäftigt und da fallen natürlich diese bunten LKW sofort ins Auge !
    Also ich bin weiter gespannt !!!

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    1. Danke für das Kompliment! Ja, der Alltag vieler Menschen in Indien ist sehr weit weg von dem, was wir so gewöhnt sind. Häufig kam ich mir vor wie auf einer Zeitreise. Dass die Wäsche von Hand gewaschen wird, ist bei uns ja schon eine Weile her. Und ja, unser Alltag gerät heutzutage ganz schnell ins Schleudern, wenn eine der technischen Annehmlichkeiten einmal ausfällt!

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  3. Liebe Elke,
    habt ihr so oft mit dem Bus gehalten, dass du so viele gute Fotos durch die Scheibe fotografieren konntest? oder schaffst du es tatsächlich aus dem fahrenden Bus so gut Fotos zu machen?
    Auf jeden Fall hat es sich gelohnt, dass du die anstrengendere Strecke gewählt hast!
    Einen schönen Tag von Susanne

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    1. Nee, angehalten haben wir nicht so häufig. Ich habe nach Möglichkeit die Momente genutzt, in denen wir sehr langsam gefahren sind. Das Gerumpel und Geschaukel des Busses auf den schlechten Straßen war aber die größere Herausforderung. Ohne den letzten Schliff durch Lightroom (schneiden, „entdunsten“, Kontrast erhöhen etc.) wäre das Ergebnis aber nicht so gut ausgefallen. Im Fahren durch Scheiben fotografieren ist halt was anderes als draußen im Stehen ohne Hindernis dazwischen. Ja, es hat sich absolut gelohnt, den anstrengenderen Weg zu wählen!

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    1. Freut mich, dass dir die Fotos gefallen! @ Qualität der Fotos: siehe meine Antwort unter Susannes Kommentar. @ Bettwäsche: mir wäre saubere Wäsche auch lieber gewesen 😅. Aber in Indien reist man wesentlich entspannter, wenn man einfach gelassen hinnimmt, was ist. Widerstand stresst nur und hilft kein Stück weiter. 🧘🏻🧘🏻🧘🏻

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  4. Ich werde mit Indien wohl warten, bis die Autobahn fertig ist.😅 Wenn dir so quietschbunte Busse gefallen, solltest du unbedingt mal nach Lateinamerika.
    @Ganges-Delta-Foto: sieht aber immer noch nach Brandenburg aus!👍
    Hattet ihr eigentlich eine 2er Reihe pro Person im Bus?

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