6. Oktober 2021

Der Heilige Bernard hat ganze Arbeit geleistet. Zwar springe ich noch lange nicht wieder herum wie ein junges Reh. Doch wenn ich langsam gehe, klappt es weitgehend schmerzfrei. Einem Ausflug nach Avignon steht also heute nichts mehr im Wege!

Ein Regionalzug bringt mich in flotten 17 Minuten in die weitaus größere Nachbarstadt. Die Sonne wird mir heute den ganzen Tag hold sein. Natürlich immer in Begleitung ihres besten Kumpels namens Mistral, der auch heute ordentlich kalte Luft ablassen wird bei Windgeschwindigkeiten zwischen 35 und 40 Stundenkilometern.

Da mir nur dieser eine Tag für das gar nicht mal so kleine Avignon bleibt, ich dank meiner lädierten Wade erst kurzfristig entscheiden konnte, ob ein Ausflug hierher überhaupt möglich sein würde, und ich entsprechend absolut unvorbereitet bin, mache ich es mir einfach. Ich folge mehr oder weniger streng (mit dem einen oder anderen kleinen Abstecher) dem im Reiseführer beschriebenen Rundgang (im Plan grün eingezeichnet) quer durch die Stadt. Dieser geht als tagesfüllendes Programm durch und deckt wirklich jede Facette des Stadtkerns innerhalb der Stadtmauer ab. Wer an näheren Infos zu Avignon interessiert ist, schaue bitte hier.

Quelle: City Trip Avignon vom Verlag Reise Know How, mit ausführlicher Beschreibung des Rundgangs

Vom Bahnhof aus laufe ich geradeaus zum Startpunkt der Tour. Das zieht sich ein wenig hin, da ich hier und da auf den Auslöser drücken muss.

Eingemauert
London calling
Theatralisch

Doch bevor es richtig losgeht, gönne ich mir auf der lauschigen Terrasse eines traditionellen französischen Cafés einen leckeren Café au lait und ein Croissant.

À la française

Akustisch angereichert wird mein dortiger Aufenthalt von einer kuriosen und deshalb amüsanten Kakophonie aus Pressluftgehämmer, ‚God save the Queen‚ auf dem Leierkasten (nicht zu verwechseln mit diesem musikalisch viel ansprechenderem Song gleichen Namens) und wildem Getrommel putzig gekleideter Italo-Jungs vor dem Rathaus 😅.

Fahnenflucht

Das Thema ‚Italien‘ wird mich übrigens in Kürze mehr verfolgen, als mir lieb ist! Denn nachdem ich die merkwürdig anmutenden Jungs und Mädels bei ihrer Fahnenvorführung auf der Place de l’Horloge gebührend betrachtet und abgelichtet habe, werde ich einen Platz weiter noch mehr da hineingezogen.

Vor dem berühmten und in seinen Ausmaßen kaum fassbaren Palast der Päpste, der wie die gesamte Altstadt Avignons zum Weltkulturerbe gehört, ist ein Markt aufgebaut. Mist! Das kann ich für meine Fotos nun mal so gar nicht gebrauchen. Meiner Erfahrung nach finden Märkte jedoch selten länger als bis kurz nach Mittag statt. Und so wende ich mich hoffnungsfroh an zwei Marktleute hinter dem nächsten Stand und frage nach.

Sie sprechen nur radebrechend Französisch. Bei Italienisch wiederum muss ich passen. Ich habe meine liebe Not, zu verstehen, was sie mir sagen wollen. Aber die Quintessenz kapiere ich: Ab heute läuft hier eine Art Italienische Woche, zu der auch der kostümierte Aufzug gehört. Der Markt wird bis zum Wochenende aufgebaut bleiben. Nun denn, sollen sie ihren Spaß haben 😎. Der gigantische und beeindruckende Palast steht sowieso gerade im Gegenlicht, und zudem ist der linke Teil eingerüstet. Ich mache nur ein schnelles, eher wenig ambitioniertes Beweisfotos. Next time! Statt dessen widme ich mich lieber dem Soziokulturellen auf der Straße.

Päpstlich
Kostümiert
Fesche Mädels
Kohle her!

Hoch zum Jardin des Doms, einem schönen Park oberhalb des Palastes, der tolle Aussichten auf die Stadt und die Umgebung bietet. Eine Fotoausstellung draußen rundet das Angebot ab.

Über den Dächern
Modell Bonsai
Trutzig

Nun weiche ich ein wenig vom vorgegebenen Pfad des Stadtrundgangs ab und drehe eine zusätzliche Schleife. Denn ich will mich nicht mit einem Blick von oben auf den Pont d‘Avignon begnügen, sondern die berühmte Brücke von Nahem sehen. Man kann das wegen Kriegs- und Hochwasserschäden mitten im Fluss endende Fragment auch begehen. Doch das lasse ich bleiben. Man kann ja weder das andere Ufer erreichen noch hat man einen guten Blick auf die Brücke, wenn man drauf steht 😁.

Sur le Pont d’Avignon on y danse, on y danse 🎵
Maurice Béjart (Balletttänzer und Choreograph) & Co., fotografiert von Maurice Costa 1968

Weiter geht’s, nun wieder brav nach Plan. Der Wind pfeift ordentlich. Trotz durchgehendem Sonnenschein fühlt es sich deutlich kälter an als die 18 bis 20 Grad, die das Thermometer anzeigt. Und so bleibt die Jacke an. Die Altstadt von Avignon ist wirklich wunderschön. Ich lege hier und da ein Päuschen ein und lasse die jeweilige Umgebung auf mich wirken. Schaut einfach mal mit rein!

Ein schöner Rücken …
Riese und Zwerge
Fashionista
Auf der Schattenseite
Street Life
Drauf gepfiffen!
Hasenstall

Zaungast

Insgesamt herrscht eine sehr angenehme, heitere und relaxte Atmosphäre in der Stadt. Avignon ist zwar nicht gerade eine Kleinstadt, strahlt jedoch die Gemütlichkeit und Ruhe einer solchen aus. Hektik? Fehlanzeige!

Am Schluss des Rundgangs wird es richtig schick. Teure Geschäfte und Restaurants säumen meinen Weg. Besonders edel geht es am Place Crillon zu.

Verpollert
Edelmeile
Perspektivwechsel

Am Ende des Weges angelangt, lasse ich mich im Café inmitten eines kleinen Parks nieder, bevor ich kurz vor 18 Uhr die Heimfahrt antrete.

Wieder in Arles angelangt, lege ich einen kurzen Stopp in meiner Wohnung ein. Wenn ich schon nichts arbeite, soll wenigstens die Spülmaschine was leisten. Dann – ich kann es einfach nicht lassen! – unternehme ich einen weiteren und gleichzeitig letzten Versuch, das Luma im Abendlicht ordentlich leuchten zu sehen. Nun, es klappt auch dieses Mal nicht. Aber nichtsdestotrotz genieße ich das Farbenspiel mit allen Sinnen.

Als ich gegen 21 Uhr zuhause ankomme, habe ich doch glatt 19 Kilometer auf dem noch nicht vorhandenen Buckel trotz des lädierten Beines! Zwar war ich langsamer unterwegs als sonst. Aber trotzdem bin ich froh und dankbar, dass das wider Erwarten so gut geklappt hat.

Den spärlichen Rest des Tages verbringe ich mit Abendessen, Kofferpacken und dem notwendigen Minimum an Hausarbeit, damit es am morgigen Abreisetag auch schön gemütlich zugehen kann. Das ist mir wichtig 😎! Als ich später den Feierabend einläute, blicke ich auf einen tollen und erlebnisreichen Tag zurück! Und jetzt bin ich müde …

12 Gedanken zu “Avignon – Von Brücken und Päpsten

  1. Ich finde, dein Alibi-Foto vom Palast der Päpste im Gegenlicht hat so eine gewisse, geheimnisvolle Atmosphäre – gerade dank dem Gegenlicht. Und der Markt ist eine schöne Ergänzung 😉

    Gefällt 1 Person

  2. Wenn schon, denn schon („…on y danse, on y danse“), tanzen wir doch heut‘ mal auf Dich! Is‘ ja der 17. 😁 Alles andere findest Du in Deiner Mailbox….. Übrigens, der „Weiße Hase“ ist ja mal wieder so einer dieser genial-skurrilen Restaurant-Namen unserer lieben Nachbarn. Wohl eher keine vegetarische Küche, oder? 🥕🥕🥕🤣
    Liebe Grüße, Andreas

    Gefällt 1 Person

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