Der heutige Tag wird auf eine ganz eigene Weise lustig. Aber davon ahnen wir noch nichts, als wir morgens früh vom Hof reiten. Vor uns liegt eine längere Fahrt. Zwar sind es „nur“ 420 km, aber die Strecke verläuft zur Hälfte über Landstraße (Tempo 70 bis 80) und der Rest über eine teils stauanfällige Autobahn. Letztendlich wird die reine Fahrzeit bei mehr als sechs Stunden liegen.

Es geht wieder zurück in den Süden. Bis Québec City werden wir die gleiche Strecke zurücklegen wie vor drei Tagen in umgekehrter Richtung. In der überschaubaren Warteschlange vor der Fähre steht ein Gefährt, das passender nicht sein könnte für einen Roadtrip durch Kanada.

Unser Navi gerät hingegen etwas aus der Spur, zumindest während der Überfahrt.

Kaum haben wir wieder festen Boden unter den Reifen, jagt uns eine Warnanzeige einen Schreck ein. „Niedriger Reifendruck!“, nölt die Technik. Na super. Wir wundern uns etwas, denn sooo viel sind wir bisher ja noch nicht mit der Karre durch die Botanik geheizt. Ob wir uns wohl was reingefahren haben 🧐?

Der nächste nennenswerte Ort ist rund 15 Kilometer entfernt. Hoffentlich hält die Karre … Tut sie! Die nächste Gelegenheit, die sich bietet, ergreifen wir. Die freundliche Dame hinter dem Tresen der Tankstelle lächelt verständnislos. Ihr ahnt es: sie versteht kein Wort Englisch. Muss die Elke ran mit ihrem Französisch. Mein Automechaniker-Vokabular hält sich ja schon in meiner Muttersprache in Grenzen 😅, aber mit diversen Umschreibungen umschiffe ich das Problem. Da die vorhandene Technik zum Messen und Verbessern des Luftdrucks sehr, äh, altertümlich ist, muss die nette Dame mit Hand anlegen. Schnell ist der zu schlaffe Reifen identifiziert und aufgepumpt. Hoffen wir, dass das Thema damit erledigt ist! Ich nehme es vorweg: ist es zum Glück.

Und so fahren wir guter Dinge weiter die schon bekannten Hügel rauf und runter.

Kurz vor Québec stoppen wir an einer Mall, um der Keramikabteilung einen Besuch abzustatten. Während ich Stefan den Vortritt lasse und derweil im Auto warte, wird es kurios. Kaum ist Stefan Richtung Toilette verschwunden, steigt plötzlich ein Typ mit Kleinkind hinten in unseren Wagen. Er ist so mit den diversen Taschen und dem Nachwuchs beschäftigt, dass er erst stutzig wird, als ich ihn – nachdem ich mich eine Weile still amüsiert habe – anspreche. Falsche Frau! Falscher Wagen! Der Typ ist ja sehr sympathisch, aber ehrlich gesagt bin ich schon mit Stefan und dem grünen Alten Sack ausgelastet 😅.

Er entschuldigt sich tausend Mal, und wir lachen beide ausgiebig. Vor allem über ihn! Meint er: „Oh Mann, es ist nicht mal dasselbe Auto.“ Daraufhin ich mit Blick auf seine Karre nebenan ganz trocken: „Und es hat nicht mal dieselbe Farbe!“ Nun, jedenfalls stellt Stefan bei seiner Rückkehr lakonisch fest, dass er mich wohl künftig besser nicht mehr alleine irgendwo zurücklässt.

Ein paar Kilometer weiter stoppen wir wieder. Ihr erinnert euch vielleicht an den Wasserfall, den wir vor ein paar Tagen aus der Ferne vom Schiff aus gesehen und abgelichtet hatten. Nein? Dann schaut mal hier. Heute ist der Montmorency Fall „richtig“ an der Reihe. Ein lohnenswerter Stopp nach der Hälfte der heutigen Strecke! Der Wasserfall ist zwar nicht so spektakulär wie die Niagarafälle, aber immerhin kann er mit mehr Höhe prahlen. Mit seinen 83 Metern überragt er seinen berühmten Kumpel unten in Ontario um immerhin fast 30 Meter!

Es gibt viele Möglichkeiten, sich den herabstürzenden Wassermassen zu nähern. Den Cable Car, die Seilrutsche und die Hängebrücke lassen wir aus und beschränken uns auf den normalen Boden der Tatsachen und den Panoramaturm mit seinen durchaus zahlreichen Stufen. Es wären da auch noch ein paar sicher wunderschöne Wanderwege im Angebot, aber wir haben ja schließlich noch eine zeitfressende Fahrtstrecke vor uns.

Dieser Boxenstopp ist auch gespickt mit guten Taten: Stefan hebt heruntergefallene Gehstöcke gebrechlicher Mitmenschen auf, während ich diversen indischen Großfamilien bei ihrer Selfie-Mania behilflich bin. Zum Fotografieren kommen wir natürlich auch noch.

Vorbei an unspektakulärer Landschaft und über ansehnliche Brücken …

… rollen wir weiter unserem Ziel entgegen. Stockender Verkehr begrüßt uns schon weit vor Montréal. Etwa 30 Kilometer vor der Stadtgrenze werden wir deutlich ausgebremst. Wochenend-Heimkehrer oder der ganz normale Wahnsinn? Wir werden es nie erfahren, tippen aber auf letzteres.

Ah, die letzte Hürde, äh, Brücke ist geschafft!

Kurz nach 18 Uhr sind wir endlich im Hotel, reißen noch was zum Futtern im Supermarkt und fallen früh ins Bett. Gute Nacht! Morgen stürzen wir uns wieder ins pralle Großstadtleben.

2 Gedanken zu “Tag 24: Von Tadoussac nach Montréal

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