Es geht los! Ich muss gestehen, dass ich schon ein wenig aufgeregt bin. Denn die Tour, die vor mir liegt, zwingt mich dazu, gleich mehrere meiner Komfortzonen zu verlassen.

Die beiden robusten Fahrzeuge mit Allradantrieb sind voll bepackt mit unseren Habseligkeiten, den Zelten, dem „Wohn- und Esszimmer“, der „Küche“ (dazu mehr in einem der nächsten Beiträge) sowie Wasser und Lebensmitteln für eine ganze Woche.

Abfahrt! Fünf Teilnehmerinnen, unser Guide Jérôme und die omanische Crew, bestehend aus Amur und Ali, machen sich auf den Weg. Erst einmal stoppen wir im Souk von Salalah, wo wir Mädels uns eine zünftige Kopfbedeckung zulegen. Der sogenannte Masar wird eigentlich nur von Männern getragen. Aber wer will das schon so genau nehmen? Die Teile, die aus einem Dreieckstuch gebunden werden, sind nun mal sehr praktisch, da sie sowohl Kopf als auch Nacken vor der gnadenlosen Sonne schützen. Sieht doch schick aus, oder?

Raus aus der Stadt, hoch in die Berge, flankiert von einigen für uns ungewohnten „Verkehrsteilnehmern“ nähern wir uns dem Ende der Zivilisation. Die Gegend wird im Laufe der Fahrt zunehmend eintöniger.

Stopp in Thumrait, mehr Versorgungsstation als echter Ort. Aber es gibt alles, was man so zum (Über)Leben braucht: Supermarkt, Bank, Restaurant, Friseur, Telefonladen, Reisebüro und Mini-Moschee. Rein in den Supermarkt, wo an der Kasse ein Omani im Trikot von Borussia Dortmund meine Augen erfreut. Ich betrachte das internationale Warenangebot, …

… und freue mich schon auf das Mittagessen beim Inder um die Ecke.

Dort verabschieden wir uns vorübergehend von der Keramikabteilung, auf die wir in der vor uns liegenden Woche verzichten müssen.

Runter von der ordentlich asphaltierten Straße, rauf auf die Schotterpiste. Es wird auch schon sandiger um uns herum.

Und dann sind wir drin in der Wüste. Wir haben das unfassbare Glück, dass es hier im letzten Sommer so viel geregnet hat wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Wüste blüht! Und so säumen den Pistenrand etliche mobile Bienenstöcke, deren Bewohner endlich genügend Nahrung finden. Wüstenhonig – ein seltenes Vergnügen.

Als wir an unserem heutigen Camp ankommen, ist es Nachmittag. Es liegt wunderschön in einer Art Dünenkessel, in den die Autos in einer kühnen Schussfahrt hinein düsen. Seht ihr die Spuren auf dem heutigen Titelbild? Das waren wir!

Amur breitet den Teppich neben einem der Autos aus und serviert stilecht Kaffee, Tee, Obst und Süßes. Teile der Versorgungseinrichtung sind auch schon am Start: der Mülleimer und die Sprühflasche für eine flüchtige Erfrischung nach den Wandertouren.

Dann geht die Arbeit für uns los: mein erster Zeltaufbau seit etwa 35 Jahren 😅! Da wir so wenige Teilnehmer sind, habe ich das Glück, ein Zelt für mich alleine zu haben. Ich teile es nur mit meinem Rucksack. Aus kulturellen Gründen positionieren wir unsere Schlafplätze und auch die „Toilette“ in gebührendem Abstand zu den Autos, der Küche und dem Essplatz. Denn dort schlafen die beiden Omanis.

Zeit für eine erste Erkundung und Fotosession, bevor die Dämmerung einsetzt. Hier für euch ein kleiner Vorgeschmack auf das, was in den kommenden Tagen auf euch zukommt. Möge der Sand euch aus den Ohren herauskommen! Bei mir indes kam er eher in selbige hinein.

Fasziniert von der Dünenlandschaft schaffe ich es kaum, mich loszueisen. Doch die Sonne brennt ordentlich, und ich habe meine Sonnencreme noch nicht griffbereit.

Die nächste Überraschung lauert beim Abendessen, das wir nach Einbruch der Dunkelheit auf dem Boden sitzend einnehmen. Ich hatte nicht mit solch einem lukullischen Mahl gerechnet. Doch Ali zaubert aus überwiegend frischen Zutaten einen Salat, Hummus, Brot und einen Gemüseeintopf. Zum Reinlegen! Da muss ich mich wohl morgen beim Wandern ordentlich ins Zeug legen, um das wieder abzuarbeiten 😅.

Unser jeweiliges Geschirr (Teller, Schüssel und Besteck) behalten wir für diese Woche und müssen es auch selbst reinigen – mit Sand! Denn Wasser ist knapp, kostbar und rationiert. Da wir unterwegs keinerlei Wasserzugang haben, haben wir alles mitgebracht, was zum Trinken und Kochen benötigt wird. Für sonstigen Luxus wie Spülen und Waschen müssen dann eben Ersatzstoffe herhalten: Sand und Kleenex fürs Geschirr, Feuchttücher als Duschersatz. So ist das!

Die Ökokrone setzen wir uns mit dem Verbrennen des Klopapiers auf. Da dieses zumindest unter Wüstenbedingungen nur sehr langsam verrottet, müssen wir es nach dem Gebrauch verbrennen. Und denjenigen unter euch, die schon im Vorfeld gefeixt und mich verspottet haben, sei gesagt: das Zündeln klappt hervorragend 😂!

Als das Abendessen beendet ist, folgt das Programm, das sich an den folgenden Abenden genau so abspielen wird: Weihrauch verbrennen, Lagerfeuer anzünden, reden, Sterne anschauen (Letzteres eingeschränkt, denn der Vollmond ist im Anmarsch). Ali singt (zumindest heute), Jérôme raucht Shisha. Was für ein wunderbarer Abend!

Zeit fürs Bettchen, äh, Zeltchen. Könnte jetzt mal bitte einer das Licht ausmachen? Ist viel zu hell hier! Die Stirnlampe ist doch schon ausgeschaltet. Ach so, der Fast-Vollmond. Verstehe … Starre ich ihn eben weiter durchs Zeltfenster an. Und dann: Stille. Absolute Stille. Fast höre ich mein eigenes Blut rauschen. Gute Nacht!

18 Gedanken zu “Tag 4: Rub Al-Khali – In die Wüste geschickt

  1. So etwas hat man sich als Kind doch immer gewünscht, ein riesengroßer Sandkasten.Und kann mal jemand den Mond ausknipsen…..ich wünsche dir trotzdem einen guten Schlaf….1001 Nacht

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  2. Sehr schön! Die Wüste in der Abendsonne hat doch immer wieder etwas bezauberndes!🏜Gibt’s auch noch Fotos von euren Zelten und dem Lagerfeuerplatz?⛺️ Sicher in den nächsten Berichten, um Abwechslung zu bieten, wa?😁 Schade, dass das Wetter zum Sternegucken nicht so optimal ist. Die ersten Wüstenbilder sind jedenfalls schon mal sehr gelungen!👍

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    1. Danke 😘! Fotos vom Lagerleben kommen häppchenweise. Genau: der Abwechslung wegen! Ja, der Vollmond war zwar auch schön, hat aber in der Tat einen spektakulären Sternenhimmel verhagelt. Schöne Sternchen habe ich trotzdem gesehen, aber die Fotosession dazu fiel aus. Dazu war das Szenario nicht gut genug. Nach dem Vollmond wurden die Nächte dann etwas diesig.

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  3. Ah, guter Start in eine spannende Woche in der Wüste! Wer war(en) denn die Person(en), die auf einem Foto so entspannt, professionell im Sandkasten sitzen? Bin gespannt auf mehr.

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  4. Liebe Elke,
    ich bin zufällig über den Reader auf deinem Blog gelangt und bin von deinem Reisebericht begeistert. Ich mag die Wüste sehr, obwohl ich erst vereinzelt in Namibia, Arizona und Ägypten Bekannstschaft mit ihr gemacht habe. Jede Wüste ist anders, ich weiss. 🙂 Von welcher Reiseorganisation habt ihr diese Tour gemacht und weisst du, ob sie mit einem Stand auf der itb in Berlin vertreten sind? Ich würde gerne mehr über den Veranstalter erfahren.
    Viele Grüße und danke, dass du deine Fotos und Erfahrungen mit uns teilst,
    Susanne

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    1. Schön, dass du hier auf meinem Blog gelandet bist 😎! Es freut mich sehr, dass dir meine Berichte gefallen. Ich bin mit Puretreks (https://puretreks.de/) gereist. Das ist ein ganz kleiner Veranstalter speziell für Wanderreisen. Viele Touren, darunter auch meine in die Rub Al-Khali, leitet der Inhaber selbst.

      Meines Wissens ist er nicht auf der ITB vertreten, sondern im März schon wieder selbst auf Tour mit einer Gruppe. Ich kann Jérôme sehr empfehlen! Schau dir mal seine Seite an.

      Ende Januar kam ein Beitrag mit ihm im NDR, den ich in meinem Prolog zur Reise verlinkt habe. Das verschafft auch einen guten Eindruck über den „Macher“ der Reisen: https://elkeunterwegs.blog/2019/02/12/prolog-ohmann/#more-7662

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      1. Liebe Elke,
        danke für den Link, ich bin vom Angebot begeistert. Um jedoch eine Reise mitmachen zu können, muss ich noch einige Zeichnungen verkaufen. Der Preis ist angemessen, keine Frage !!!! 🙂 🙂
        Den Beitrag im NDR schaue ich mir nachher auf dem großen Fernseher genüsslich an. Ein Glück kann man heute auch gedanklich verreisen.
        Wir waren mit Nomad Reisen unterwegs, vielleicht kennst du dieses Reiseunternehmen? Es ist weit weniger exklusiv, aber es hat uns auch an vielen Orten gebracht, wo ich vorher noch nicht war.
        Ich bin auf deine nächsten Reisen gespannt, viele Grüße und ein schönes Wochenende, Susanne

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        1. Von Nomad habe ich schon gehört, war mit denen bisher aber noch nicht unterwegs. Wie groß sind bei denen denn so die Gruppen? Ich bin ja so eine „Massen-Phobikerin 😅 … Dir auch ein schönes Wochenende!

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          1. HuHu, Elke, die Größe der Gruppen hängt davon ab, wie beliebt die jeweiligen Teilabschnitte sind. Bei Nomad kannst du wöchentliche Teilabschnitte buchen. Wir sind von Kapstadt bis Victoria Falls mitgefahren. Wir waren 16 meist junge Leute aus den Ländern: Kanada, Südkorea, Brasilien, Italien, Niederlande, Schweiz, U.S.A. und 7 Deutsche. Wir hatten die Zelttour gebucht und haben uns auf Englisch unterhalten, obwohl eine Studentin aus Simbabwe dabei war, die Deutsch studiert hatte und auch Deutsch üben wollte. Es waren weitere 2 Betreuerinnen, an Bord, der Fahrer aus Simbabwe und die Chefin aus Südafrika. An den Haltepunkten in Swakopmund und Windhoek wechselten die Passagiere, manche stiegen aus und andere stiegen dazu. Es war eine sehr gute Atmosphäre. Du kannst auf meinem Blog unter dieser Kategorie von unserer Reise lesen: https://susannehaun.com/category/reiseberichte/suedliches-afrika/ Beim Durchblättern der Fotos bekommst du einen Eindruck von den Zelten, dem Truck und der Gruppe.
            Parallel zu uns fuhr noch ein Nomad Truck mit den Teilnehmer
            inenn der Lodge Tour, da waren es nur 6 – 8 Teilnehmer*innen. Wir waren schon eine ungewöhnlich große Gruppe. Für uns war es wichtig, zu zelten. Es war ein wirkliches Erlebnis, was ich nicht missen möchte. 🙂 Wir haben viel gesehen.
            Ich reise auch nicht gerne in Gruppen, Nomad ist jedoch unschlagbar preiswert und so haben wir uns zu diesem Veranstalter entschlossen. Und wir hatten einfach Glück mit der Gruppe.
            Viele Grüße von Susanne

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          2. Ja, halbwegs 😎! In der Wüste lief nichts in Sachen Blog. Von daher hänge ich ein wenig hinterher. Meist versuche ich es live. Klappt aber auch nicht immer. Ist halt sehr zeitaufwendig!

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          3. Ja, ein Blog in der Art zu schreiben, wie du es tust, ist es sehr aufwendig. Aber es ist auch ein eindrucksvolles Tagebuch, das man mit seinen Freunden*innen teilen kann und über das man neue Interessierte findet. 🙂

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