Die Rub Al-Khali ist die größte Sandwüste der Erde. Mit ihren 650.000 Quadratkilometern ist sie vergleichbar mit der Größe Frankreichs. Sie bedeckt nahezu ein Viertel der Arabischen Halbinsel. Den größten Teil von ihr hat Saudi-Arabien abbekommen. Der nicht allzu kleine Rest verteilt sich auf Jemen und Oman.

Übersetzt bedeutet ihr Name „Leeres Viertel“. Wie wir in den kommenden Tagen feststellen werden, ist dies keinesfalls übertrieben. Vielmehr ist der Name hier Programm und passt wie der Beduine aufs Kamel.

Um 6:00 Uhr werden wir geweckt. Ab 6:45 Uhr steht das Frühstück bereit. Um 7:30 Uhr ist Abmarsch. Dies ist der feste morgendliche Ablauf in den kommenden Tagen. Das Zeitbudget hört sich üppig an, entpuppt sich dann aber als gerade ausreichend.

Denn es ist viel zu tun, auch wenn die Morgentoilette zur Zeit eher mager ausfällt: aufwachen, in der Dunkelheit mit Stirnlampe orientieren, Katzen“wäsche“, anziehen und die eigenen Sachen packen, Schlafsack und Isomatte „kleinkriegen“ und verstauen, Zelt abbauen und entsanden, das ganze Zeug zum Auto schleppen, Sonnencreme und Kopfbedeckung an den Start bringen, 4 Liter Wasser in die mitgebrachten Flaschen füllen, Proviantbeutel packen, frühstücken, Zähne putzen, Geschirr spülen. Ich sage euch: da is nix mit romantisch in den Sonnenaufgang starren 😅!

Ein kleiner Trost ist das für die beschränkten Umstände sehr üppige Frühstück: Eiercrêpes, Toast, diverse Aufstriche, Müsli, Joghurt, Milch, frisches Obst, Kaffee und Tee.

Das Hauptgepäck wird zwar mit den Autos zum nächsten Camp transportiert, doch auch der Tagesrucksack hat es dank der vier Liter Wasser zusätzlich zu dem anderen Zeug, was man so mitschleppt, in sich.

Und so starten wir den ersten Wandertag in dieser traumhaften, fast unwirklich schönen Landschaft. Glatt könnte ich mich jetzt einfach nur hinsetzen und mich vom wechselnden Spiel von Licht und Schatten faszinieren lassen. Aber der Berg bzw. die erste hohe Düne ruft. Und wir müssen weiter, bevor es zu heiß wird. Für heute sind wie gestern Temperaturen von deutlich über 30 Grad angesagt.

Nachdem wir die erste steile Düne erklommen haben, entschädigt der Anblick von oben (siehe heutiges Titelbild) für alle Strapazen. Da kommt die erste Pause – wir legen jede Stunde einen kurzen Break ein – gerade recht. Doch zum Hinsetzen ist die Zeit fast zu schade, wo es doch so viel zu sehen und zu fotografieren gibt! Und so kraxeln Jérôme und ich noch ein wenig umher.

Schon jetzt wird klar: auch wenn wir „nur“ Sand vor uns sehen, strotzt die Szenerie vor Abwechslung. Kaum biegst du um die nächste Kurve, ist der Anblick gleich ein ganz anderer. Die wechselnden Licht- und Schattenverhältnisse tun das Ihre dazu. Doch genug geredet. Her mit den Impressionen!

Im Laufe des Vormittags wird es anstrengend wegen der Hitze, vor der kein Schatten schützt. So ist für mich die Erleichterung groß, wenn ein Teil der Strecke zur Abwechslung durch ein „Wadi“ führt. Ich rede hier nicht von einem echten ausgetrockneten Flussbett, sondern von den zwischen den Dünenfeldern gelegenen Ebenen mit festerem Untergrund, die hier ebenfalls Wadi genannt werden.

Doch wer will hier schon von den beschwerlichen Seiten des Lebens reden, wo es doch soooo viel Schönes zu bewundern gibt?

Gegen Mittag erreichen wir das Camp, wo wir mit einer eiskalten Cola – das Zeug trinke ich sonst nie, aber hier und jetzt tut es so gut! – begrüßt werden. Neben einem der Autos sind schon die Teppiche ausgelegt, die Dachplane als Sonnenschutz gespannt, Tee, Kaffee, Kekse, Halva und Obst bereitgestellt.

Da steht der Siesta doch nichts mehr im Wege! Und diese fällt wahrlich üppig aus, besonders an einem heißen Tag wie diesem. Zwischen 12 und 16 Uhr geht nichts. Gar nichts. Viel! Zu! Heiß! Und so lungern wir abwechselnd sitzend, liegend, dösend, schlafend, lesend und sprechend auf den Teppichen herum und üben uns im Nichtstun. Nur Amur und Ali sind zu etwas mehr Action in der Lage. Mit hör- und sichtbarer Freude toben sie sich bei mehreren Runden Carrom aus.

Nach 16 Uhr kehrt wieder Leben in mich. Das Wetter wird milder, das Licht besser. Hoch mit dem Hintern und die Kamera geschnappt!

Und während ich fröhlich in den Dünen herumschleiche, gibt Amur alles, um Holz fürs heutige Lagerfeuer zu sammeln. Kein Hang ist ihm zu steil.

Zeit, das Zelt aufzubauen. Und bevor es dunkel wird und das Abendessen bereit steht, stelle ich euch unser feudales Esszimmer vor:

Auch heute überzeugt Ali uns von seinen Kochkünsten. Unser Menü besteht aus Salat mit Joghurtsoße, Kamel (das lasse ich aus …), Dhal und Reis mit frischem Gemüse. Von allem, wie im arabischen Raum üblich, viel zu viel. Doch die Hauptsache ist: es schmeckt wieder köstlich 😋!

Nach dem Abendritual – wer gestern aufgepasst hat, weiß, wovon ich rede – erwartet uns eine stürmische Nacht. Wir bauen unsere Zelte aus diversen Gründen ohne Überzelt auf. Und so werde ich mitten in der Nacht nicht nur vom heftigen Flattern des Zeltes, sondern auch vom sanft, aber stetig auf mich nieder nieselnden Sand geweckt. Der allgemeine Versandungsgrad (Zelt, Schlafsack, Klamotten, die Elke) steigt. Und das schon am Anfang 😅! Morgen mehr.

12 Gedanken zu “Tag 5: Rub Al-Khali – Sand und Hitze

      1. Gelesen! Klingt sehr anstrengend! Diese Hitze wäre nichts für mich. Und dann dabei auch noch Sanddünen hochkraxeln…mehrere Stunden. Da könnten sie mich nach Hause tragen.😅 Sind die anderen auch so fit wie du? Wie geht ihr euch beim Fotografieren aus dem Weg? Ich finde nichts schlimmer, als wenn mir jemand ins Bild läuft und dann auch noch im Wüstenfall Sandspuren hinterlässt.😂 Euer Wohnzimmer sieht jedenfalls gar nicht so ungemütlich aus.

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        1. Es war zum Glück nicht jeden Tag so extrem heiß. Anstrengend war es trotzdem. Aber alle haben gut mitgehalten. Das mit dem Fotografieren und dem Im-Weg-Stehen ließ sich durch Absprachen gut regeln. Wir waren eine tolle Gruppe mit einem guten Miteinander. Manchmal wurde man aber auch selbst ungewollt zum Trampeltier 😅. Ja, das Wohnzimmer hatte was!

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  1. Da kann ich nur die anderen Kommentare wiederholen. Super komponierte Fotos. Das ist bestimmt nicht so einfach, da man vile mit den Sandlinien arbeiten muss. Auch die Texte lassen uns fast körperlich an den „Strapazen“ teilnehmen. Bin gespannt auf mehr. 👍👍👍

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