Gerne hätte ich heute morgen eine Kurzwanderung zum Tunnel Beach unternommen. Aber die Gezeiten machen mir einen Strich durch die Rechnung. Bei auflaufendem Wasser wird der Tunnel als einziger Zugang geflutet. Heute Nachmittag würde es klappen. Doch da habe ich schon andere Pläne. Egal, dann auf zum St. Clair Beach!

Die Buslinie 8 bringt mich bequem und komfortabel direkt an den Strand. Das ist dem alten Sack schon eindeutig zu viel Action. Also legen wir erst einmal einen Stopp in dem Café ein, das dem Outdoor-Pool angeschlossen ist. Die Brandung und die Strömungen des Meeres sind hier zu heftig für Schwimmer. Während mein grüner Begleiter seinen Magen mit einem fetten Brownie füllt, begnüge ich mich mit einer Limonade. Die neue Bescheidenheit!

Entlang der Strandpromenade beobachte ich ein paar Surfer bei ihren teils erfolgreichen, teils vergeblichen Bemühungen, sich aufrecht auf ihren Brettern zu halten.

Der ruhige Strandspaziergang tut gut. Ich erfreue mich am Anblick des Strandes, des Meeres und der Kelp-Kunst, …

… und wundere mich über den massiven Dünenschutz, der hier offenbar nötig ist.

Ich verweile noch ein Weilchen am fast menschenleeren Strand …

… und strecke oben an der Promenade noch meine vier Gehwerkzeuge aus.

Ewig nichts gegessen! In einem Strandcafé gönne ich mir eine vegetarische Platte, während der Sack im Rucksack noch mit der Verdauung des Brownies beschäftigt ist, …

… und nehme dann den Bus zurück in die Innenstadt. Auf halber Strecke ist Schichtwechsel bei den Busfahrern. Und alle Fahrgäste im Chor: „Thank you, driver!“

Auf dem Weg zu meinem nächsten Ziel fällt mir vor einem Café ein großer schwarzer Sack gefüllt mit Kaffeesatz auf. Nein, der soll auf keinen Fall dem grünen Sack Gesellschaft leisten! Der ist ja schon mit dem Kiwi leicht überfordert. Auf dem Zettel daneben steht, jeder könne sich gerne Kaffeesatz mitnehmen. Der sei als Dünger prima geeignet. Finde ich klasse!

Dann stehe ich vor dem Bahnhof. Zum eigentlichen Gebäude komme ich im Blogbeitrag zu Tag 24 zurück. Ich tausche meine Reservierung gegen ein Ticket und bestaune die Menschenmassen in der Halle und auf dem Bahnsteig. Doch damit hatte ich auch gerechnet. Eine halbe Stunde vor meinem Zug startet ein anderer, der die Küste entlang fährt. Schon mal ein ganzer Haufen Leute aus dem Weg! Und es wird noch leerer, als zehn Minuten nach dessen Abfahrt eine ganze Busladung feststellt, dass sie diesen gerade verpasst hat.

Auf dem Bahnsteig lungern auch diese beiden schicken Damen herum. Leider fahren sie nirgends mit (das unterscheidet sie von Ramblin‘ Rose, ihr erinnert euch vielleicht an meine Tour letztes Jahr zum Grand Canyon), sondern sind nur die Deko zum Bahnhof.

Und nun wird es spannend, denn ich freue mich riesig auf meine erste Bahnfahrt in Neuseeland! Erfahrene Leser dieses Blogs kennen ja meine Leidenschaft für Zugfahrten, besonders, wenn es vorbei an spektakulären Landschaften geht. Die Taieri Gorge Railway nutzt ein Teilstück der ehemaligen Bahntrasse zwischen Dunedin und Cromwell. Andere Teilstücke wurden als Trails für Wanderer und Radfahrer ausgebaut. Die Fahrt dauert hin und zurück mit zwei Stopps zwischendurch rund vier Stunden.

Der Bahnsteig ist gefüllt, aber nicht überfüllt. Es war sicher eine gute Entscheidung, den Zug nachmittags statt vormittags zu nehmen. Ich bin dann aber doch etwas überrascht, als ich den Wagen betrete, für den ich eine Platzreservierung habe. Volles Haus!

Das grenzt ja schon fast an Isolationshaft! Kurz vor der Abfahrt gesellt sich noch ein Paar aus England zu mir, das vor einer sich laut streitenden chinesischen Reisegruppe geflüchtet ist. Ich heiße sie denn auch gönnerhaft in meinem privaten Abteil herzlich willkommen. Pfiff und Abfahrt! Am Anfang ist die Strecke noch recht unspektakulär. Ich bin ja verwöhnt mittlerweile …

Doch dann schraubt sich der historische Zug ächzend, schnaufend, heftig schaukelnd und doch recht schnell die wilde Schlucht des Taieri River hoch. Ich halte mich mühsam draußen auf der Plattform zwischen zwei Wagen halbwegs aufrecht, immer die eine Hand am Geländer, die andere Hand mit Fotografieren beschäftigt. Herzlichen Dank an dieser Stelle an mein iPhone, das unter diesen erschwerten Bedingungen bei Gewackel und voller Fährt so gut mitgespielt hat. Danke auch an meinen guten Gleichgewichtssinn …

Kurzer Zwischenstopp …

… und weiter geht’s.

Weiter oben wird es wieder kahler.

Und ganz oben auf der Hochebene von Pukerangi angelangt, schaut es dann so aus:

Ja, das ist doch mal eine Zugfahrt ganz nach meinem Geschmack! Auf der Rückfahrt hinunter nach Dunedin bleibt dann auch ein wenig Zeit für interessante Unterhaltungen mit den beiden netten Engländern, die zur Zeit auf einer einjährigen Weltreise sind. Das Kontrastprogramm dazu liefern die beiden Norweger, mit denen ich zwischendurch draußen auf der Plattform um die Wette schaukele. Die beiden sind insgesamt vier Wochen unterwegs – in Neuseeland UND Australien … Straffes Programm!

A propos: Ich bin die nächsten Tage auch verstärkt on tour, streckenweise auch ohne Internet. Der nächste Blogbeitrag wird deshalb noch etwas auf sich warten lassen. Stay tuned!

9 Gedanken zu “Tag 23 – Dunedin: Strand und Zug

  1. Oh ist der Pool für jeden zugänglich oder nur gegen Cash? Ich hoffe, die Lemmy hat gemundet. Soll sich der Alte Sack doch am Brownie den Magen verderben. An deine Zugzeitreise in den USA erinnere ich mich noch gut. Die Damen hier sehen aber auch sehr fesch aus.👍Aber was hat es mit den 4(!) Gehwerkzeugen auf sich? War die Lemmy mit Schuss? Die Zugfahrt war ja ganz hübsch. Ich liebe ja Fotos, wo man vorne noch die Loks mit drauf hat. Hast du denn noch herausbekommen, warum dein Waggon im Gegensatz zum Bahnsteig dann so leer war?

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    1. Der Pool war frei zugänglich. Ja, die Lemmy hat sehr gemundet! Und der Alte Sack verdaut noch immer an dem fetten Teil … Mein Getränk war ohne Schuss. Stefan hat dich mittlerweile ja schon aufgeklärt, was es mit den vier Werkzeugen auf sich hat 😎. Das Geheimnis des leeren Waggons bleibt ein Mysterium. Es war an dem Nachmittag nicht so viel los im Zug. Ich glaube, es war einfach ein Zufall.

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  2. Glaubt doch jetzt keine Sau, dass Du dem alten Sack nicht doch alles weggefressen hast – ich kenn‘ dich doch. Selbst ich habe ja schon Schwierigkeiten mich zu wehren; und noch dazu so ein alter Mann.
    Schöne Zugreise. War die Lok so unspektakulär, dass sie kein Foto (außer klein am Rande) wert war?
    @stay tuned: einen Morgen ohne Blogbericht? Geht gar nicht, was meint die geneigte Leserschaft?
    Was macht man dann mit seiner freien Zeit??? 🚂

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    1. Der Sack hat sehr wohl den ganzen Brownie verdrückt! Ich durfte nur zahlen. Der alte Herr ist ja nicht kreditwürdig. Die Lok war in der Tat nichts Besonderes. Eine Zugaufnahme folgt aber noch im Zusammenhang mit dem schicken Bahnhof. Bin nun wieder online, Rückstand wird nach und nach abgearbeitet. Geduld, gieriges Volk!

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