Über den heutigen Tag könnte ich ein Buch schreiben. Doch das verschiebe ich auf ein anderes Mal. Aus Zeitgründen. Im Laufe des Vormittags verschaffe ich mir erst einmal einen Überblick über das hübsche Städtchen und meine Optionen für die nächsten Tage. Zu Dunedin selbst komme ich übermorgen mit Text und Fotos zurück. Denn für heute Nachmittag habe ich eine Tour gebucht, die mich inhaltlich, intellektuell und vor allem emotional voll in Anspruch nehmen wird. Das weiß ich zum Zeitpunkt der Buchung natürlich noch nicht.

Kein Besuch von Dunedin ist vollständig, ohne dass man zumindest einen Blick auf die Otago Peninsula geworfen hat. Eine reine Bootstour ist mir allerdings zu wenig. Und deshalb entscheide ich mich für eine sechsstündige kombinierte Bus-, Boots- und Wandertour mit Elm Wildlife Tours. Unsere Kleingruppe besteht aus insgesamt neun an Umwelt- und Naturthemen interessierten Teilnehmern, die von David, einem britischen Doktoranden der Meeresbiologie hier in Dunedin, kompetent, unterhaltsam und unter die Haut gehend durch die faszinierende Tierwelt in einer umwerfend schönen Landschaft geführt wird.

Eines vorweg: das Fotografieren von Tieren gehört nicht zu meinen Steckenpferden. Auch habe ich kein entsprechendes Equipment. Ohne Teleobjektiv mit mindestens 200 mm Brennweite geht auf dem Gebiet nicht viel. Denn in der freien Natur heißt es: Abstand halten! Von daher habe ich mich fotografisch hauptsächlich auf die Landschaft konzentriert. Ich erlebe die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung auch viel intensiver, wenn ich nicht ständig die Kamera am Anschlag habe. Stattdessen zücke ich öfter einmal das Fernglas, das mir für die Tour zur Verfügung gestellt wird. Die schier unendliche Artenvielfalt an Vögeln, Pinguinen, Robben und Seelöwen, die hier auf Otago zuhause ist, und wie schön und berührend es ist, diese Tiere in Ihrem natürlichen Alltag zu beobachten, kann ich euch von daher nur bedingt vermitteln. Ich hoffe, ihr habt trotzdem euren Spaß – oder nehmt es als Anregung, selbst einmal hierher zu reisen! Und wenn ihr bei den Fotos ganz genau hinschaut, entdeckt ihr vielleicht doch das eine oder andere Exemplar.

So, nun aber mal los! Unser erstes Ziel an diesem Nachmittag ist eine Albatros-Kolonie auf Taiaroa Head, der wir uns mit dem Boot nähern. Dies ist weltweit die einzige Kolonie dieser weltgrößten Seevögel, die sich auf dem Festland angesiedelt hat.

Noch ganz benebelt von den vielen Albatrossen und anderem Flattervieh geht es zurück an Bord des Kleinbusses. Und ab hier wird es exklusiv. Mein Veranstalter beteiligt sich aktiv an der Erhaltung eines Naturschutzgebietes hier auf der Otago Peninsula und hat deshalb Zugang zu Gebieten, die sonst nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Bevor wir uns zu Fuß weiter bewegen, banne ich durch die Scheiben des Busses schon mal die Landschaft auf den Speicherchip.

Wie heftig der Wind hier zuschlagen kann, seht ihr an den aus allen Fugen geratenen Bäumen. Die Schafe indes stehen fest mit allen Beinen im Leben.

Nun geht es raus aus dem Bus und runter ins Naturschutzgebiet. Es fällt schwer, zügig weiter zu laufen, wenn ein Ausblick schöner als der andere ist.

Dieser wunderschöne Gelbaugen-Pinguin (die weltweit seltenste Art) zwingt uns durch stoisches Verharren auf der Stelle zu einem Umweg, denn wir wollen ihn ja nicht stören.

Hier ist er noch mal im Vordergrund vor der Gesamtkulisse zu sehen, die sich vor unseren Augen ausbreitet.

Unten am Strand angekommen, weiß ich nicht, wo ich zuerst hinschauen soll. Zu den tollen Felsformationen …

… oder zu diesem etwa acht Jahre alten Neuseeländischen Seelöwenmännchen.

Wir halten uns in sicherer Entfernung von 10 Metern Abstand, denn diese mächtigen Kolosse können an Land auf sagenhafte 20 km/h beschleunigen. Davon bin ich Lichtjahre entfernt. Und während ich bereits argwöhne, dass das Tier gar nicht mehr unter den Lebenden ist (unfassbar, wie lange die völlig regungslos herumliegen können – nicht mal eine Atembewegung ist sichtbar), sendet es uns auch schon ein winkendes Lebenszeichen.

Weiter am Strand entlang beobachten wir noch eine Weile eine Handvoll Gelbaugen-Pinguine bei ihrem Sozialverhalten, …

… bevor wir zum nächsten Beobachtungsposten weiter oben aufbrechen. Dort sehen wir den Nistplatz eines Blue Penguins-Paares, das sich das Ausbrüten und die Aufzucht der Jungen partnerschaftlich teilt. Eines ist schon geschlüpft, das andere lässt noch auf sich warten.

Genauere Einblicke in das Nest erhalten wir über einen Monitor in dem Unterstand, in dem wir uns aufhalten.

Weiter zu unserem nächsten Beobachtungsposten. Auch auf diesem Weg bieten sich wieder tolle Anblicke auf die Umgebung und auch auf die Spezies, die in Neuseeland wesentlich häufiger zu finden ist als der Mensch.

An unserer letzten Station warten Seelöwen und Pelzrobben auf uns. Hier ist eine ordentliche Geräuschkulisse. Geruchsintensiv ist es auch!

Auf dem Weg zurück zum Bus setzt langsam die Dämmerung ein und taucht die Landschaft in ein neues Licht.

Diesen Tag werde ich so schnell nicht vergessen.

12 Gedanken zu “Tag 22 – Dunedin/ Otago Peninsula: Wildlife

  1. Schön, weit und breit nur Natur. Da fühlt man sich doch als ganz kleines Licht, als Mensch. Ich glaub ich kann verstehen, daß man religiöse Gefühle entwickeln kann, wenn man soviel Schönheit sieht 😅 MUTTER ERDE….ich habe auch irgendwo mal gelesen, daß sich der Mensch in so weitläufigem, übersichtlichen Gelände am wohlsten fühlt. Viel Spaß noch, Elke

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  2. Wunderbare Natur, Elke, genau wie die Landschaften im neuseeländischen Film The Piano! Einfach klasse! Genieße weiterhin die wunderbare Tier- und Pflanzenwelt! Hier ist morgen Schneetreiben angesagt! Ich wünschte, ich wäre in NZL………..

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  3. Ja Hammer-Landschaft! Mir sehr gut das Bild mit dem Gelbaugenpingu im Grünen und den vielen Buntpinguinen am Strand gefallen. Sehr schön komponiert. Und natürlich die Schäflein. 😄
    Schlaf gut! 🛏🤫

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