27. – 28. Februar 2026
Schon gestern Abend habe ich mich von der Gruppe verabschiedet, denn …
… ich habe mich aus humanitären Gründen dafür entschieden, La Gomera einen Tag früher als geplant zu verlassen. Nanu? Was ist denn mit der Elke los? Die hat doch sonst eher die Tendenz, zu verlängern statt zu verkürzen?!? Stimmt! Doch zwei Gründe führten dazu, weshalb ich mich dieses Mal anders entschieden habe.
Zum einen waren alle regulär angebotenen Wanderungen schon absolviert, die Umgebung hinreichend abgegrast. An der am letzten vollen Tag fakultativ angebotenen Wanderung hätte ich, wie rund die Hälfte der Gruppe auch, aufgrund des erhöhten Schwierigkeitsgrads nicht teilgenommen.
Zum anderen – und das war der Hauptgrund – wäre der Rückreisetag sehr lang und anstrengend geworden. Das liegt vor allem an den Abfahrtszeiten der Fähren zwischen La Gomera und Teneriffa, die mehr an den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung als an denen der Touristen ausgerichtet sind.
Die einzige zu meinem Rückflug am Samstag um 16 Uhr passende Fähre wäre die um 7 Uhr morgens gewesen. Um diese rechtzeitig zu erreichen, hätte ich um 5 Uhr abgeholt werden müssen (inklusive entsprechend frühem Aufstehen 🙈), da der Bus vom Valle Gran Rey zum Fährhafen in San Sebastián auch eine Weile braucht.
Ich wäre dann um 8 Uhr in Los Cristianos/ Teneriffa am Hafen gewesen und hätte bis zum Abflug acht Stunden (abzüglich der kurzen Fahrt zum Flughafen) totschlagen müssen. Die nächste Fähre wiederum hätte ein rechtzeitiges Erscheinen am Flughafen unmöglich gemacht, selbst wenn sie pünktlich gewesen wäre.
Zwar hätte mir der Veranstalter Wikinger während der Wartezeit ein Frühstück und Gepäckaufbewahrung in einem Hotel auf Teneriffa spendiert. Doch das macht die Sache in meinen Augen kein bisschen attraktiver. Die Flugzeit nach Berlin beträgt rund fünf Stunden. Plus Warten aufs Gepäck und Fahrtzeit vom BER in die Innenstadt bedeutet in dem Fall, gegen Mitternacht zuhause zu sein. Ein verdammt langer Tag. Nicht mit mir!
Hoch lebe der Plan B! Ich nehme schon am Freitagmittag eine Fähre nach Los Cristianos, verbringe die letzte Nacht der Reise auf Teneriffa, kann am Samstag nach Lust und Laune ausschlafen, mir noch einen schönen Tag am Meer machen, einen kurzen Weg zum Flughafen haben und am Nachmittag entspannt und ausgeruht in den Flieger steigen.
Gesagt, getan! Und so sitze ich am Freitagmorgen zu sozialverträglicher Zeit auf der Fähre vom Valle Gran Rey nach San Sebastián, die mir einen äußerst heißen Ritt über die Wellen des stürmischen Atlantiks serviert. In der Hauptstadt von La Gomera verbleibt mir dann noch genügend Zeit für ein Frühstück und einen gemütlichen Spaziergang. Mein Gepäck wartet derweil am Fährhafen auf mich. Ein letztes Mal lasse ich meine Haare im gomerischen Wind flattern.
Zusammen mit ein paar der Drag Queens von der Veranstaltung gestern Abend im Valle gehe ich an Bord der 14 Uhr-Fähre. Heute sind sie „in Zivil“. Doch ich erkenne sie an den Gesichtszügen, der Körpersprache und an bestimmten Details. Gezupfte Augenbrauen oder sorgsam manikürte Hände sehe ich bei Männern ansonsten eher selten. Nun begebe ich mich also in die Hände der Olsenbande.

Wir legen pünktlich ab. Die 50-minütige Fahrt vergeht im Nu. Denn kaum habe ich mich auf dem Sitz niedergelassen, falle ich in seligen Schlummer. Nichts funktioniert bei mir als Einschlafhilfe besser als heftig schaukelnde Züge oder über stürmische See bretternde Fähren! Erst kurz vor der Einfahrt in den Hafen von Los Cristianos werde ich wach.
Per Taxi geht’s zum Hotel im Nachbarort Playa de las Americas. Für diese eine Nacht habe ich mir keine große Mühe mit der Auswahl der Unterkunft gemacht. Hauptsache nicht weit zum Meer und zum Flughafen! Und so lande ich in einem der Riesenkästen, die so typisch sind für die klassischen Orte des Massentourismus im Süden von Teneriffa.
Der Check In dauert. Doch die Entschädigung fällt mehr als großzügig aus. Man bietet mir gleich zwei Upgrades! Statt des gebuchten Standardzimmers zur Straßenseite mit Frühstück bekomme ich ein ruhig gelegenes Zimmer mit Blick zum Pool inklusive Halbpension. Das abendliche Buffet darf ich mir also auf Kosten des Hauses einverleiben. Das nehme ich dann ausnahmsweise doch gerne mal mit🎉.


Nun aber raus mit mir ins Epizentrum des Massentourismus. Ein Ort wie Playa de las Americas ist ungewohntes Terrain für mich. Und ja, viele Vorurteile und Klischees werden hier am laufenden Band bestätigt. Der künstlich angelegte Ort präsentiert sich in Teilen als Beton gewordener Alptraum. Shop till you drop, schäbige Warenauslage, Hotels mit Poollandschaften inklusive DJane und Dauerbeschallung, Entertainment, bis dir schwindelig wird.
Bierselige, hautkrebsgefährdete Engländer, wohin das Auge blickt. Sweet Caroline läuft an vielen Ecken und Enden. Hier lässt man aber auch wirklich kein Klischeefettnäpfchen aus! Sorry, wenn ich das hier so zugespitzt aus der Feder fließen lasse. Aber was ist, ist!
Kaum habe ich das Hotel verlassen, werde ich um ein Haar von einem der zahlreichen motorisierten Zweisitzer (siehe Foto Für Fußlahme weiter unten) angefahren. Da habe ich alle Ausflüge und Wanderungen auf La Gomera ohne Blessuren überlebt, und dann DAS! Zum Glück bin ich reaktionsschnell und kann mich in letzter Sekunde in Sicherheit bringen.
Die Meerespromenade, an der man kilometerlang entlang flanieren kann, ist über weite Strecken überraschend schön. Und einige der zahlreichen Shopping Malls machen zumindest von außen einen recht edlen Eindruck. Die einsetzende Dämmerung bringt auch durchaus etwas Flair in die Szenerie.




Auf zum abendlichen Buffet, das sich als sehr lecker und vielfältig herausstellt. Wie gut jedoch, dass ich hier nur an einem Abend zuschlagen kann! Wenn du als Pauschaltourist ein oder zwei Wochen in einem solchen Etablissement verbringst, drohen akute Plauzengefahr und eine bis zwei Kleidergrößen mehr als vor der Reise.
Am Samstag kann ich es wie geplant gemütlich angehen lassen. Nach dem Frühstück zieht es mich wieder ans Meer, wo die ortsübliche Promenadenmischung auf mich wartet – mit all ihren schönen und nicht ganz so schönen Seiten.










Mein subjektives Fazit nach diesem Kurzaufenthalt: Wenn Ankunfts- und/oder Abflugzeiten deines Fluges partout nicht zu den Abfahrtszeiten der Fähren nach oder von La Gomera passen, ist eine Übernachtung in Playa de las Americas oder Los Cristianos im Süden von Teneriffa perfekt. Doch machen wir uns nichts vor: mehr als einen Tag muss man hier nicht unbedingt verbringen.
Wenn jedoch Teneriffa das Ziel deiner Reise ist, empfehle ich allen, die keine reinen Strand- und/oder Pauschalurlauber sind, den Norden als Standort zu wählen. Denn dort zeigt sich die deutlich schönere Seite der Insel. Mehr dazu gerne hier.
Das Ende der Reise ist business as usual. Check out, Taxi zum Airport, Sprengstofftest. Für letzteren habe ich ein Dauerabo. Der Flug startet mit einer halbstündigen Verzögerung, weil eine sechsköpfige Reisegruppe zu spät zum Boarding erschien. Einen Teil der Verspätung holen wir während des Fluges wieder auf. Das Glück ist mir hold. Zusätzlich zum vorab gebuchten Platz am Notausgang bleibt der Mittelplatz in meiner Reihe frei. Ausreichend Platz ist auf einem fünfstündigen Flug nicht zu unterschätzen.
Nachdem wir am späteren Abend mit nur noch zehn Minuten Verspätung in Berlin gelandet sind, wartet am Gepäckband eine schöne Überraschung auf mich. Ich treffe Anne-Kathrin, die ich auf dem Hinflug kennengelernt hatte, wieder! Ihr Flieger aus La Palma landet nur wenige Minuten nach meinem. Die Koffer der Passagiere beider Flüge werden auf demselben Gepäckband ausgeladen. Wir verabreden ein Wiedersehen, sei es in Berlin oder in Leipzig. Ich freue mich darauf!
Per Taxi geht’s nach Hause, da die Berliner Verkehrsbetriebe wieder einmal streiken. Kurz vor Mitternacht kann ich mein nun müdes Haupt aufs weiche Kissen betten, bevor ich mich ab morgen dem Berliner Winter widmen darf. Schön war’s!
Mein Plan für zukünftige Winterzeiten steht. Einen Namen trägt er auch schon: La (Palma) La (Gomera) , La (nzarote). Ein Insel-Dreiklang! Klingt doch gut, oder? Doch bis zum nächsten Winter ist es noch ein Weilchen hin. Bis dahin stehen andere Reisepläne im Vordergrund. Der nächste Trip wird mich in eine meiner Lieblingsstädte auf dem europäischen Festland führen. Stay tuned!