25. – 26. Februar 2026

Diese beiden Tage stehen ganz im Zeichen des Wanderns. Letztendlich nicht ganz so wie geplant, doch …

… dazu später. Am Mittwoch bringt uns der Bus bis Arure. Von dort aus starten wir den Aufstieg hoch zum Nationalpark. Zu gerne hätte ich mich ein wenig in Arure umgesehen und die Ausblicke auf die Umgebung genossen. Doch das ist in einer Wandergruppe eben kaum möglich. Wir bleiben nur dort stehen, wo der Guide was erzählen möchte. Und das sind nicht immer unbedingt die Stellen und Standorte, die ich aus fotografischer Sicht wählen würde. Egal, werfe ich eben nur einen kurzen, sehnsüchtigen Blick zurück …

… und vertage die verpasste Besichtigung auf meinen nächsten Besuch auf La Gomera.

Schon bald erreichen wir den fantastischen Lorbeerwald im Nationalpark Garajonay. Dort herrschen deutlich andere klimatische Bedingungen. Die Temperaturen haben sich im Laufe der bisherigen Wanderstrecke glatt halbiert von 24 Grad im Tal zu 12 Grad hier oben. Vermooste und vom Wind gekrümmte Bäume, wohin man auch blickt. Dazu gesellt sich ein mystischer Nebel, der fast gespenstisch daherkommt und perfekt zur Szenerie passt. Dazwischen auf kleinen Lichtungen immer wieder überraschend Büsche in voller Blüte. Was! Für! Ein! Wald!

Nach dieser richtig tollen Wanderung wartet im Restaurant in Las Hayes eine Mästung auf uns, die es in sich hat. Die abgewanderten Kalorien werden hier gleich um ein Mehrfaches ausgeglichen. Der dazu kredenzte Rotwein tut das Seine dazu, dass ich am restlichen Nachmittag nur noch träge am und im Pool abhänge. Das übliche Abendprogramm (die sensationellen Wellen und die Trommler am Strand bewundern) schaffe ich natürlich auch noch.

Halt! Da war doch noch was! Auf dem Rückweg ins Valle Gran Rey bauen wir noch einen kurzen Stopp am Mirador del Palmarejo ein. Der von César Manrique (aufmerksame Leserinnen und Leser kennen den Herrn bereits ausführlich aus meinen Berichten über Lanzarote) geschaffene Aussichtspunkt bietet tolle Ausblicke aufs Valle Gran Rey. Natürlich dürfen seine klassischen Bau- und Kunstelemente nicht fehlen.

Der Donnerstag steht ganz im Zeichen der Improvisation. Hatten wir bisher immer einen eigenen Kleinbus für unsere Wandergruppe, so muss der lokale Busanbieter Mesa heute passen. Schlussendlich landen wir in einem großen Bus, den wir mit anderen Passagieren teilen müssen, die einen Transfer nach San Sebastián zur Fähre nach Teneriffa gebucht haben. Mal gabeln wir hier ein paar Fahrgäste auf, mal da. Nach und nach füllt sich der Bus. Das dauert ein Weilchen!

Egal, irgendwann sind wir am Ausgangspunkt unserer heutigen Wanderung, die uns zum Gipfel des Garajonay und anschließend zum Tafelberg La Fortaleza führen soll. Doch der Tag steht wettertechnisch unter keinem guten Stern. Regenwolken hingen schon unten im Valle Gran Rey drohend über uns. Doch hier oben hat es sich schon ordentlich eingeregnet, als wir aus dem Bus steigen. Kühl ist es auch. Wir wagen es trotzdem.

Unser Guide wählt den besser begehbaren, weil gepflasterten Weg statt den durch den sicher schon durchgematschten Pfad durch den Wald. Doch schon nach wenigen Gehminuten pladdert ein heftiger Regenguss auf uns nieder.

Lange wird meine Regenjacke diesen Wassermassen nicht standhalten können. Noch bevor wir den Gipfel erreichen, entscheiden sich vier von unserer Gruppe, umzudrehen und zurück zum Hotel zu trampen. Der Rest läuft tapfer weiter. Doch es soll nicht sein. Das Wetter kriegt sich bis auf kurze Regenpausen nicht mehr ein. Oben angekommen, …

… braucht es eine Menge Fantasie, sich vorzustellen, weshalb dieser Aussichtspunkt als ein Must See auf La Gomera gilt. Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Das ist doch der Gipfel!

Nach der phänomenalen Gipfeltour laufen wir ein Weilchen auf einem schmalen Pfad weiter, bis wir an einem weiteren Mirador ankommen, dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe. Ich erinnere mich jedoch an eine Skulptur, die einen Silbo-Pfeiffer darstellt. Und natürlich an das kleine Kirchlein, das uns, da geschlossen, zwar keinen Unterschlupf im Innern, aber doch wenigstens etwas Windschutz durch seine Außenmauern bietet. Denn hier und jetzt strecken wir die Waffen! Es ist zu nass, zu windig, zu kalt, zu alles. Wir haben uns bemüht, doch es sollte nicht sein.

Unser Guide Stephan ordert einen Bus, dessen Ankunft wir sehnlichst erwarten. Denn wir sind durchgefroren, klatschnass bis auf die Unterwäsche, vom starken Winde verweht. Hinein in den Bus, wenig später hinein in die Restaurant-Bar Maria, im Töpferdorf El Cercado im Hochland auf rund 1.000 Metern Höhe gelegen. Ein Barraquito ist jetzt dringend nötig! Manche Tage muss man sich einfach schön trinken 😅.

Diese Bar kommt uns gerade recht, denn sie bietet uns nicht nur Getränke, sondern auch wohlige Ofenwärme und eine Menge zum Anschauen. Ihr kennt ja meine Schwäche für Kuriositäten. Und so bin ich hier genau richtig.

Was auf den Fotos nicht so richtig auffällt, ist die umfangreiche Sammlung von Schlüsselanhängern, die sich über mehrere unterschiedliche Präsentationsflächen verteilt. Schaut mal genau hin! Zum Beispiel auf die Flächen unter den kleinen Flaschen knapp unterhalb der Decke oder am unteren Rand des mit zahlreichem Nippes vollgestellten Eckregals hinten links im Raum.

Auf unser zweites Ziel, den Tafelberg La Fortaleza, müssen wir heute verzichten. Vor diesem Hintergrund bin ich umso froher, dass ich diesen ansehnlichen Riesenstein schon letzte Woche aus der Nähe bewundern durfte. Auf dem Rückweg von meinem Tagesausflug ins Valle Gran Rey nahm ich den letzten Bus am frühen Abend zurück zu meiner Wohnung in San Sebastián. Als der Bus durch Igualero und Chipude fuhr, tunkte die untergehende Sonne die Szenerie in goldenes Licht. Das zum Glück nicht allzu schmutzige Busfenster ermöglichte mir die folgenden Aufnahmen von unterschiedlichen Stellen aus. Muss ich euch also doch nicht ohne den Fortaleza ins Ende dieses Beitrags entlassen.

Der Tag endet fröhlich. Nach dem gemeinsamen Abendessen besuche ich mit ein paar Mitwanderern den Drag Queen Kontest – Fotos siehe Sammelbeitrag über das Valle Gran Rey – im Rahmen des Karnevals im Festzelt am Hafen. Die Stimmung ist ausgelassen, wir amüsieren uns prächtig. Die Teilnehmer sind originell, die dreiköpfige Jury ebenso. Die Moderatorin läuft durch die Menge und wirft Kamelle. Fast wie in Kölle!

Ups, jetzt ist es doch recht spät geworden! Und ich habe noch gar nicht gepackt 😱. Das muss jetzt noch passieren, denn morgen früh mache ich mich vom gomerianischen Acker. Stay tuned!

Ein Gedanke zu “La Gomera – Wanderlastig

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