Heute sind wir früh am Start. Wir haben eine längere Fahrt vor uns und wollen auch noch einen touristischen Zwischenstopp einlegen. Der Tag beginnt mit einer guten Tat von Stefan. Er rettet anderen Gästen das Frühstück, indem er seine eigens mitgebrachten Teebeutel großzügig verteilt. Das Hotelrestaurant führt zwar allerlei exotische Teesorten, aber ein schlichter schwarzer Tee, wie ihn wahre Tee-Puristen bevorzugen, ist nicht darunter. O-Ton Kellnerin: „So süß!“ Nun muss sie sich nicht mehr das Gemecker anhören 😎.

Nach dem Frühstück packen wir unsere Siebensachen ins Auto und reisen ab. Das Baustellenchaos, das ich in Bezug auf Montréal bereits mehrmals erwähnte, zieht die Stadt konsequenterweise auch auf der Autobahn durch. Überflüssig, zu erwähnen, dass wir eine Weile im Stau stecken, obwohl wir antizyklisch stadtauswärts fahren.

Gut, dass wir heute in weiser Voraussicht so früh dran sind! Auch das Navi spielt verrückt. „Sie fahren in die falsche Richtung,“ wird es nicht müde zu erwähnen. Ja, was sollen wir auch machen, wenn hier auf zig Kilometern Länge das unüberschaubare Autobahngewirr komplett erneuert und erweitert wird, und wir hier und da und dort großzügig umgeschwenkt werden! Das Navi ist entsprechend verstimmt, weil wir auf das mantrahaft wiederholte „Bitte drehen Sie wenn möglich um“ nicht reagieren. So zeigt es den Weg, den wir nehmen, im grünen Nichts zwischen dem normalen Autobahngewirr, das es so nicht mehr gibt. Doch die Schilder weisen Toronto als Fahrtrichtung aus. Und so sind wir definitiv auf dem rechten Weg.

Als wir den Dunstkreis von Montréal endlich hinter uns gelassen haben, kommen wir dann aber gut und unspektakulär voran. An dieser Stelle verteile ich ein großes Lob an Stefan. Cool und souverän hat er uns überall hin chauffiert. Danke dafür 😘!

Zwischenstopp nach rund 200 Kilometern in Brockville. Das hat uns Petra gestern buchstäblich eingebrockt mit einer beiläufigen Bemerkung. Tausend Dank dafür!

Das sehr ansehnliche 22.000-Seelen-Städtchen empfängt uns am späten Vormittag mit brütenden 32 Grad und einer tollen Lage am St. Lorenz-Strom. Wir flanieren kurz am Wasser entlang, …

… genießen auf bequemen Stühlen …

… diese Aussicht, …

… und lassen uns dann durch das sehr europäisch anmutende Städtchen mit seinen zahlreichen alten Villen treiben.

Als wir an einer Fußgängerampel auf Grün warten, spricht uns ein netter Typ an und begrüßt uns herzlich in seiner Stadt. Dann outet er sich als der Bürgermeister von Brockville, David Henderson. Und so kommen wir für eine ganze Weile nicht über die Straße. Es dauert eben, bis wir komplexe Themen wie Berlin, Sport, Umwelt in Brockville und Rückkehr verschwundener Tierarten im Lawrence River sowie das nach 9/11 komplizierter gewordene Verhältnis zwischen Kanada und den USA erörtert haben.

Kaum hat er uns erzählt, dass er nach 12 Jahren im Amt bei der jetzt anstehenden Wahl nicht mehr kandidieren wird, gesellt sich ein älterer Herr zu uns. Er umarmt den verdutzten David innig, lobt ihn über den grünen Klee und bedankt sich überschwänglich für alles, was er als Bürgermeister für die Stadt und offenbar auch für ihn persönlich getan hat. Als der „Fan“ sich wieder verabschiedet hat, versichert David eiligst und verlegen grinsend, dass er diesen Auftritt weder bestellt noch bezahlt hat 😂. Und dann ist seine Mittagspause auch schon wieder vorbei. Hach, wegen solcher Begegnungen liebe ich Kleinstädte!

Doch das Beste kommt zum Schluss. Der eigentliche Grund, weswegen wir hier einen Stopp eingelegt haben, ist der Brockville Railway Tunnel! Das 500 Meter lange Bauwerk war als Kanadas erster Bahntunnel von 1860 bis in die 1970er Jahre in Betrieb. Dann lag er brach. 2016 schließlich begannen Restaurierungsarbeiten, um den Tunnel in einen bestehenden Walk- and Bike-Trail einzubeziehen. Seit kurzem ist er nun für die Öffentlichkeit zugänglich.

Was soll ich sagen? Es ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst, Architektur und Geologie! Und natürlich perfekt in Szene gesetzt durch eine sehr originelle Lightshow, bei der selbst eine virtuelle Zugdurchfahrt nicht fehlt. Ich bin schockverliebt, und das nicht nur wegen des angenehm feucht-kühlen Klimas, das dort als Kontrastprogramm zu draußen herrscht. Das erklärt an dieser Stelle auch mein Unvermögen, mich bei der Auswahl der Fotos, die ich euch hier präsentiere, zu beschränken. Dieser Tunnel sieht einfach in den unterschiedlichen Abschnitten mit seinem unterschiedlich bearbeiteten Mauerwerk und den ständig wechselnden Farben immer wieder anders und immer schön aus. Nehmt also das:

Geht es euch wie mir, und ihr habt immer noch nicht genug? Dann schaut euch noch die beiden Videos an:

Nach dem sehr späten Mittagessen sind wir wieder on the road und fahren weiter gen Süden. Wie auch in Montréal beginnt der zähfließende Verkehr bereits fast 40 km vor der Stadtgrenze Torontos. Gegen 18 Uhr erreichen wir unser Hotel. Unser Abendprogramm: Essen, Baseball schauen (das werde ich vermissen 😎), und Chillen im Hotel. Feierabend!

3 Gedanken zu “Tag 29: Von Montréal nach Toronto – Im Tunnel

  1. Hallo Elke,
    ich wiederhole mich echt gerne, wie immer ein wahnsinnstoller Bericht.
    Ist der Tunnel immer so einzigartig beleuchtet und beschallt? Oder nur zur vollen Stunde? Also rund um die Uhr? Ist ja fantastisch. Ein tolles Farb- und Klangerlebnis.
    Vielen Dank dafür!
    Liebe Grüße, Peter

    Gefällt 1 Person

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