Heute kann ich es lässig angehen, denn mein Flug zurück nach Berlin geht erst am Nachmittag. Nach Rücksprache mit der Rezeption kann ich auch meinen Check Out etwas nach hinten verschieben. Und so mache ich mich gleich nach dem Frühstück auf zum Strand.

Die Sonne ist zurück! Ich laufe meine Lieblingsroute über die Dizengoff Street nach Norden und biege dann nach Westen in den Ben Gurion Boulevard. Die vielen kleinen Kioske auf dem begrünten Mittelstreifen sind schon gut besucht.

Am Strand angekommen, schnappe ich mir einen der herumstehenden Stühle. Auch hier sitze ich in der ersten Reihe. Mein grüner Begleiter erfreut sich ebenfalls am Blick aufs Wasser. Der Wind peitscht heute ordentlich und wühlt das Meer auf. Dabei fällt mir ganz besonders auf, dass man hier am Strand und auch auf der Promenade so gut wie nichts vom Verkehrslärm der nahen Durchgangsstraße mitbekommt. Das Rauschen der Wellen ist lauter!

Ich genieße die Sonne, den Wind, die lässige Atmosphäre und den Anblick der aktiven Sportlerinnen und Sportler um mich herum. Bei vormittäglichen 16 Grad Lufttemperatur wagen sich auch ein paar ganz Hartgesottene ins Wasser. Ich erwähnte es bereits an anderer Stelle: wer hier einfach nur herumsitzt oder -liegt, ist Tourist!

Nach einem abschließenden kleinen Spaziergang am Strand kehre ich zum Hotel zurück, packe die restlichen Sachen ein und checke aus. Mir bleibt noch genügend Zeit, um die Ecke ein Sandwich als Mittagessen zu mir zu nehmen, bevor ich mit dem Bus zum Bahnhof HaHagana fahre.

Bevor ich mit dem Zug zum Flughafen fahren kann, muss ich zum Schalter, um die konkrete Strecke „freischalten“ zu lassen. Das ist vor Zugfahrten immer fällig, auch wenn man wie ich noch genügend Guthaben auf der Rav-Kav-Karte hat.

Rein in den Zug, raus am Flughafen. Ich bin mit ordentlich Zeitbudget hierher gefahren, denn es ist hinreichend bekannt, dass man bei der Ausreise mit einem mehr oder weniger ausgedehnten Interview und damit eventuell verbundenen Wartezeiten rechnen muss.

Vor den Check In-Schaltern ist es soweit. Ich werde abgefangen und an einem der in einer Reihe aufgestellten Stehpulte einer Befragung unterzogen. Ich muss nur wenige Minuten warten, bevor es losgeht. Offenbar passiert dies nur, wenn man mit Aufgabegepäck fliegt. Denn Verena und Mika, die gestern mit Handgepäck von hier abgeflogen sind, konnten unbehelligt gleich zum Sicherheitscheck gehen.

Ein junger Mann, offenbar in Verhörtechnik bestens geschult, schaut mich mit betont ausdrucksloser Mine ununterbrochen an und feuert im Stakkato seine Fragen ab. Ich bemühe mich stets, schnell und kurz zu antworten. Dann läuft es am besten. Die Fragen an sich sind größtenteils keine Überraschung. Beklemmend ist lediglich diese Verhör-Atmosphäre, die ich bisher nur aus Film und Fernsehen kannte.

„Wo fliegen Sie hin? Ist das Ihr eigentliches Ziel? Von wo aus sind Sie nach Israel eingereist? Wer hat den Koffer gepackt? War das Gepäck die ganze Zeit unter Ihrer Aufsicht? Hat Ihnen jemand etwas mitgegeben? Haben Sie gefährliche Güter oder Waffen dabei? Wo genau waren Sie in Israel? Nur in Tel Aviv? Wo überall? Warum Tel Aviv? Wer hat Ihnen Tel Aviv empfohlen (mit vollem Namen)? Wo haben Sie gewohnt? Worüber haben Sie Ihre Unterkunft gebucht? War die Unterkunft ein Hotel oder ein Apartment?Haben Sie Bekannte in Israel? Haben Sie hier jemanden getroffen?“ Und dann ganz abrupt: „Guten Flug! Ich schaue mal, an welchen Schaltern Sie Ihr Gepäck aufgeben können.“ Das Interview inklusive Antworten dauerte maximal zwei bis drei Minuten. Möglich, dass ich mich gerade nicht an alle Fragen erinnere. Doch bei „Am laufenden Band“ hätte mir die obige Aufzählung bestimmt einen Achtungserfolg beschert 😅.

Anschließend warte ich in der Caféteria darauf, dass EasyJet die Schalter öffnet. Denn es ist noch ein kleines Weilchen hin bis zum Abflug. Der Rest ist schnell erzählt: Gepäck einchecken, ab durch die Sicherheitskontrolle, rein in den Flieger. Wir fliegen pünktlich ab, der Flug verläuft unspektakulär. Mal abgesehen von dem sensationellen Farbenspiel, als sich die Sonne am späten Nachmittag in den Feierabend verabschiedet.

Am frühen Abend lande ich im dunklen und kalten Berlin. Ich hätte es gut und gerne noch eine Weile in Israel ausgehalten. Doch ich freue mich auch auf Stefan 😘.

Epilog

Vorbei! Ein dummes Wort. Denn ich genehmige mir die Aussicht darauf, in nicht allzu ferner Zukunft hierher zurückkehren zu können. In Gedanken plane ich gleich nach meiner Rückkehr schon den nächsten Trip in dieses Land, das mich „gepackt“ hat. Im Herbst möchte ich nach Jerusalem! Und am Ende möge dann bitte noch ein Abstecher nach Tel Aviv drin sein. Ich habe mich in dieser Stadt von Beginn an nicht nur wohl, sondern fast wie zuhause gefühlt.

Zum Zeitpunkt meiner Rückkehr am 20. Februar ahne ich noch nicht, dass dies wohl für längere Zeit die letzte Reise war, die mir vergönnt sein wird. Aus heutiger Sicht bin ich aber umso dankbarer, dass ich diesen tollen Trip noch realisieren konnte, bevor die Welt aus ihren Angeln gehoben wurde. Ich bleibe optimistisch. Eines Tages werde ich meine Reisepläne wieder aufgreifen können. Wenn nicht in diesem Jahr, dann hoffentlich im nächsten.

Ich habe nicht vor, dieses Blog nun auf unbestimmte Zeit seinem Schicksal zu überlassen. Einige Ideen habe ich schon, womit ich es in der nächsten Zeit, die eine reisetechnische Durststrecke werden wird, füllen kann. Ihr lest von mir. Bis dahin: bleibt gesund und zuversichtlich!

11 Gedanken zu “Tag 10: Tel Aviv – Abschied und Epilog

  1. Liebe Elke,
    noch am Anfang des Jahres hätte ich nicht geblaubt, wie es heute in der Welt aussieht. Ich hoffe genau wie du auf das nächste Jahr und dass ich möglichst viel vom schon gezahlten Geld für den Schottland Urlaub zurück erhalte. Wir werden sehen. Geduld ist jetzt angesagt. Ich habe festgestellt, dass ich noch von einigen Reisen in meinem Blog berichten kann. Mal schauen!
    Liebe Grüße und bleibe gesund, Susanne

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      1. Ich habe alles individuell gebucht. Der Flug ist von easyjet. Da warten wir ab. Wenn easyjet storniert, dann erhalten wir das Geld hoffentlich so unkompliziert wie für den Neapel Flug zurück. Alles andere habe ich über booking com gebucht. Die Unterkünfte (Hostels und Hütten) in den Nationalparks mussten wir schon bei der Buchung bezahlen. Da habe ich wenig Hoffnung, dass wir das Geld zurück erhalten, wenn wir nichrt fahren können. Bei den anderen Unterkünften ist es gemischt, manchmal ist es mit einwöchiger Stornierungsfrist und manchmal ist es fix gebucht. Wir warten ab. Das Auto hatten wir zum Glück noch nicht gebucht. Wir dachten immer, dass wir ein Auto ab Glasgow für 4 Wochen auf jeden Fall irgendwo bekommen würden. Als dann die Reisebeschränkungen anfingen, haben wir gleich entschieden, erstmal abzuwarten. 🙂
        LG Susanne

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          1. Ich habe heute morgen gelesen, dass er nun auf der Intensivstation liegt. Bitter für ihn. Ob er sich und seine Politik nach dieser Erfahrung verändern wird?

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  2. Es geht mir wie Dir, dankbar sein für das was man in diesem Jahr noch realisieren konnte. Eine kleine Hoffnung auf den Herbst und Winter hege ich allerdings noch, hängt natürlich auch davon ab, wie individuell die Länder ihre Grenzen wieder öffnen. Israel geht immer, auch Jerusalem wird Dir gefallen. Ich bin beim ersten Mal in knapp drei Wochen durchs gesamte Land gereist und egal wo ich war, Israel war immer toll. LG Sandra

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    1. Was den Herbst betrifft, so hege ich auch noch eine klitzekleine Hoffnung. Das Hotel in Jerusalem ist jedenfalls gebucht. Zur Not kann ich es bis drei Tage vor der geplanten Anreise kostenlos stornieren.

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  3. Schön, dass du dich bei so tollem Wetter und mit noch ein wenig Zeit am Strand von deiner neuen Lieblingsstadt verabschieden konntest. Ich kann verstehen, dass sie dir so gut gefällt. Auch wir hatten eine tolle Zeit da und ich kann mir sehr gut vorstellen, nochmal hinzufliegen. Und wenn es einfach nur zum Entspannen ist. Wo bekommt man schon so einen tollen Mix aus Strand-, Kultur- und Städteurlaub?!

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