Heute unternehme ich einen Tagesausflug nach Santa Fé. Der „Railrunner“ bringt mich in rund eineinhalb Stunden bequem dort hin. Ich staune immer wieder über die günstigen Zugtickets. Die Tour kostet mich hin und zurück mickrige 10 Dollar mit dem Tagespass. Nein, das ist nicht der Seniorentarif :-). 
 

 An diesem Morgen ist der Zug recht voll, hauptsächlich mit Touristen wie mir, die wegen der Balloon Fiesta in Albuquerque sind und Santa Fé dann auch noch „mitnehmen“. Das ist bitter für Pendler wie Reed, der heute wegen eines Arzttermins später zur Arbeit fährt und die Arbeit nicht wie gewohnt schon im Zug beginnen kann, weil einfach zu viel Gewusel ist. Er setzt sich zu mir, und wir kommen ins Gespräch. 

Reed wohnt in Albuquerque und arbeitet als Stadtplaner bei der Stadtverwaltung in Santa Fé. Da er, der auf die 60 zu geht, schon über 20 Jahre dabei ist und im öffentlichen Sektor beschäftigt ist, bekommt er für US-Verhältnisse üppige 25 Tage Urlaub und ist in Sachen Soziale Absicherung mit Krankenversicherung und Pensionsansprüchen gut dran. Im Gegensatz zu vielen anderen Amerikanern. Es ist interessant, was er von seiner Arbeit erzählt. Denn für die Innenstadt von Santa Fé gelten schon seit vielen Jahren sehr strenge Auflagen, um das einheitliche Stadtbild mit seiner gelungenen Mischung aus indianischer und mediterraner Bauweise nicht zu verhunzen. Gebaut wird deshalb natürlich hauptsächlich ausserhalb des Stadtkerns. Was das bedeutet, sehe ich später kurz vor der Ankunft in Santa Fé: unfassbar, wie weit sich eine kleine Stadt mit nicht mehr als 70.000 Einwohnern breit machen kann. Hier im Westen ist halt viel Platz. Und den nimmt man sich. 

Durch die Unterhaltung mit Reed verfliegt die Zeit im Nu. Wir reden über Gott und die Welt, und auch über Politik. Ich bin ja noch immer auf der Suche nach einem Trump-Anhänger, bin aber bisher noch nicht fündig geworden. Zu gerne würde ich live und in Farbe erfahren, was Leute dazu bewegt, ihn zu wählen. Doch auch bei Reed bin ich an der falschen Adresse. Er, der aus Ohio stammt und dessen Vater seinerzeit als Kongressabgeordneter für die Demokraten tätig war, ist ein erklärter Trump-Gegner, aber auch gleichzeitig überzeugt und zuversichtlich, dass Hillary gewinnen wird. Seine Eltern würden sich im Grab umdrehen, müssten sie Trumps Kandidatur und alles, was damit zusammenhängt, noch miterleben. Nun denn, meine Suche geht weiter. Irgendwer wird ihn schon wählen, aber nachher will es keiner gewesen sein :-).

Im Laufe der Fahrt kommen wir an einigen Indianerreservaten vorbei. Der Zugführer sagt durch, dass man auf keinen Fall aus dem Zug heraus oder von den Bahnhöfen aus Fotos machen soll. Das respektiere ich natürlich. Also geht ihr leer aus. 

Ankunft in Santa Fé, der Hauptstadt New Mexicos, die sich so sehr von amerikanischen Durchschnittsstädten unterscheidet. Den speziellen Baustil hatte ich schon angesprochen. Die Stadt könnte ihrer Optik nach ohne weiteres jenseits der US-Grenze nach Süden liegen. Sie stellt sich als sehr fußgängerfreundlich heraus, ist hübsch herausgeputzt und natürlich ganz auf den Tourismus ausgelegt. Wie ich von Reed erfahren habe, ist sie für viele Bewohner indes unerschwinglich geworden, nicht nur, was die Immobilienpreise betrifft.

Mich empfangen angenehme 18 bis 20 Grad, strahlende Sonne und ein erfrischendes Lüftchen. Immerhin liegt das Städtchen mit 2.200 Metern noch etwas höher als Albuquerque und verzeichnet entsprechend im Schnitt etwas niedriger Temperaturen. Genau mein Wetter!

Vom Bahnhof aus …

 … schlendere ich erstmal zum Farmers Market, der jeden Dienstag hier um die Ecke stattfindet. Dort bringen überwiegend Farmer aus der Umgebung ihre Sachen an den Mann und auch an die Frau. Sogar europäisch anmutendes Brot gibt es hier.
 

 Ein bequemer 10-minütiger Fußweg bringt mich in die Innenstadt, deren Mittelpunkt die Plaza ist, ein begrünter Platz mit Bänken und, unvermeidlich, was zu essen.
 
   Von der zentralen Plaza aus führen diverse Sträßchen entlang an unendlich vielen Restaurants, Cafés, Galerien, Schmuck- und Souvenirläden. Es ist unverkennbar ein sehr touristisches Städtchen, aber wunderschön.
 


 Überall draußen in den Straßen verkaufen Indianer aus den umliegenden pueblos (vielleicht sollte ich politisch korrekter von First Nations sprechen) ihre Waren.
 


 Ein Stückchen hinter der Plaza steht die imposante St. Francis Cathedral mit ihren für meine Augen ungewöhnlichen Statuen.
 

Ein kleiner Umweg muss drin sein, denn von einem Hügelchen am Rande der Innenstadt hat man einen schönen Blick über die Stadt und das viele Grün, das sie umgibt. 
 

 Auf meinem weiteren Weg durch die Stadt komme ich am ältesten Haus der Vereinigten Staaten vorbei. Aus europäischer Sicht wahrlich ein junger Hüpfer.
 
Kunst im öffentlichen Raum wird auch immer wieder geboten. Diese Figur finde ich so gelungen, dass ich euch zwei Ansichten davon zeigen möchte.
 


 Dann stehe ich vor dem State Capitol Building, was man zu meinem Erstaunen ohne Kontrolle betreten darf. Am Empfang werde ich gefragt, woher ich komme. Erfreut werde ich dann mit konspirativem Zwinkern von Hauptstädter zu Hauptstädter begrüßt :-). Man kann sich weitgehend frei im Innern bewegen, denn die rotundenartig angeordneten Räume bieten auf ihren Fluren diverse Ausstellungen von Gemälden und Fotos, darunter auch ein paar ungewöhnliche.
 
Hier die Innen- und Außenansicht des Gebäudes:
 


 Der Nachmittag schreitet voran. 

Ein schnuckeliger Laden, der Schokolade, Getränke und andere süße Kleinigkeiten verkauft, zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich genehmige mir einen Erdbeer-Minze-Milchshake und erfreue mich an dem Anblick. Na, läuft euch nicht auch schon das Wasser im Munde zusammen?
 

Jetzt ist es Zeit für ein wenig Kunst und Kultur. Ich besuche das wunderbare Georgia O´Keeffe Museum, das in neun Galerien zahlreiche ihrer Werke zeigt. Dieses hier gefällt mir am besten.
 

So langsam wird es Zeit, mich wieder auf in Richtung Bahnhof zu machen. Auf dem Weg entdecke ich dann noch dieses schöne Fotomotiv.
 
Ich teile den Zug am späten Nachmittag mit wenig Touristen, dafür umso mehr Pendlern. Park and Ride wird auf dieser Strecke offenbar eifrig genutzt. An jeder Bahnstation, an der wir halten, befindet sich ein riesiger Parkplatz, der sich jeweils rasant leert, sobald die Pendler aus dem Zug gestürzt sind. An manchen Stationen stehen sogar ein paar überdachte und abschließbare Fahrradgaragen.

Ohne nennenswerte Ereignisse lande ich wieder im Hotel in Albuquerque. Normalerweise schreibe ich meine Blogposts abends. Das fällt heute aus, denn ich schaue die Vice Presidential Debate in der Glotze. Um das mental unbeschadet zu überstehen, genehmige ich mir ein australisches Ginger Beer von Bundaberg. Was es alles für Zeugs gibt …
 

12 Gedanken zu “Tag 17 – Albuquerque: Ausflug nach Santa Fé

  1. Tman, bist Du krank, hast Du zuviel australisches Ginger Beer getrunken oder Dir in die Hand gehackt? Stromausfall, Mac-Abfall, Wasserfall? Wieso komme ich zum ersten Kommentar des Tages? Seltsam.
    Liebe Elke,
    ich freue mich über das Wiedersehen mit dem Herrn aus der Generation 100 plus und wie immer über den stimmungsvollen Bericht aus der Ferne. Wir können unser Fernweh und unseren hungrigen Blick zur Zeit allerdings auch hier in der Heimat stillen: in Berlin ist der Monat der Fotografie angebrochen und man weiß nicht, wo man zuerst hingehen soll. Na ja, ich habe ja sowieso keine Zeit….

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    1. Der Tman ist so sehr an die Morgenroutine in Sachen Blogberichte gewöhnt, dass er sicher zu dieser Unzeit mit nix gerechnet hat. Sei froh, kriegste auch mal eine Goldmedaille 😀. Ui, Monat der Fotografie, das ist bestimmt wieder spannend. Würde ich auch hingehen, wenn ich denn da wäre. Aber das Programm hier ist ja auch nicht schlecht 😀. Viel Spaß, wenn du mal Zeit hast!

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    2. Liebe Frau M. aus B.: Man muss doch auch mal die anderen vor lassen, denn sonst sind diese frustriert und trauen sich nicht mehr zu kommentieren, was die Schreiberin dieses Blog nicht verdient hätte, oder? 🇺🇸🚂😀

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  2. Also dann mal als zweiter: wieder sehr schöne Fotos und vor allem soziokulturelle Erlebnisse an die Du Dich auch später im Schaukelstuhl gerne erinnern wirst und Dank des Blogs auch nicht vergessen wirst. Weiter so … (Und den nächsten Beitrag bitte wieder zur gewohnten Zeit zur europäischen Frühstückszeit ☕️bitte, NICHT Erster soll hier die Ausnahme gewesen sein. 😤) Danke

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  3. Jetzt erkläre mir doch bitte, warum dir dieses Bild am besten gefällt. Interessiert mich wirklich mal.😊

    Ein Tagesausflug nach Santa Fe reicht völlig, dann hat man das Wichtigste gesehen. Du hast fast die gleichen Motive geknipst wie ich.😂 Aber ja, wunderschön und absolut sehenswert.

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