13. Juli 2021

Ah, wunderbar ausgeschlafen! Unser Frühstück im gut gefüllten Hotelrestaurant halten wir kurz. Was uns schon gestern aufgefallen ist, bestätigt sich jetzt. Hier wird die Maskenpflicht in Innenräumen nicht wirklich ernst genommen. Wären wir nicht schon vollständig geimpft, würden wir uns noch unwohler fühlen. Das lief in Spanien vor ein paar Wochen wirklich deutlich besser!

Zurück im Zimmer, erfreuen wir uns an der Tagesausgabe des Panoramablicks auf den Kulturpalast und seine im Umbruch befindliche Umgebung. Das sieht nicht nur in der Dämmerung gut aus!

Skyline

Auf den Kulturpalast werde ich in einem der kommenden Berichte noch etwas näher eingehen. Er mag unter den Polen umstritten sein. Und doch ist er das Wahrzeichen der Stadt.

Bevor wir losziehen noch schnell ein paar Worte zu der Stadt, in der wir die nächsten Tage verbringen werden. Oder anders ausgedrückt: Wo sind wir denn hier? Warschau ist nicht nur seit 1918 die Hauptstadt Polens, sondern auch das wirtschaftliche, politische und kulturelle Zentrum. Rund 1,7 Millionen Menschen bewohnen Warszawa, wie die Stadt in der Landessprache heißt.

Wie wir selbst in den kommenden Tagen feststellen werden, ist die Stadt recht großflächig angelegt. Auf rund 500 km² erstreckt sie sich links und rechts der Weichsel. Das Stadtzentrum liegt am linken Ufer, der hauptsächlich von Industrie geprägte Stadtteil Praga auf der rechten Seite. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt nach dem Warschauer Aufstand von den Deutschen zerstört. Die mittlerweile originalgetreu rekonstruierte Altstadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Warschau ist auch ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt. Die Stadt gönnt sich gleich fünf Bahnhöfe zusätzlich zu dem Internationalen Flughafen Okecie. Kurz: in Polen geht praktisch kein Weg an Warschau vorbei.

Ich nehme unseren Gesamteindruck an dieser Stelle vorweg: Warschau ist eine Stadt der Kontraste, der Widersprüche, der harten Schnitte. Ihre tragische Geschichte ist an vielen Stellen sichtbar. Ihre Zukunft als Manhattan an der Weichsel aber auch!

Nun aber raus mit uns. Zum Start unserer heutigen Tour kippt der Himmel noch eine restliche Portion Regen über uns aus. Wir laufen eine Weile um den riesigen Kulturpalast herum, dessen Besuch wir uns jedoch für ein anderes Mal aufheben. Zu schlecht wäre jetzt wohl die Weitsicht von oben herab. Zu spannend sind die vielen Details in Bodennähe!

Pommes, Kebab und Getränke
In der Pfütze

Roter Flitzer

Gegen Mittag legt der Regen noch eine Schippe drauf und treibt uns für eine Weile in die schicke Shopping Mall in der Nähe des Hauptbahnhofs. Wer uns kennt, weiß: uns steht nicht der Sinn nach einer ausgedehnten Einkaufstour, sondern nach Architektur – und einem frühen Mittagessen 😁.

Gläserne Welle
Durchblick

Wenig später hört der Regen auf. Und es dauert dann auch nicht lange, bis sich die Temperaturen wieder der 30-Grad-Marke nähern. Wir betrachten den Kulturpalast aus etwas weiterer Entfernung und aus unterschiedlichen Perspektiven, da sich nur so seine wahren Ausmaße wahrnehmen lassen. Auch wirkt er in unterschiedlichen Kontexten immer wieder anders.

Der Platzhirsch
Kreuzweise
Linientreu
Stilmix
Frühschicht

Anschließend tun wir das, weswegen wir hauptsächlich hierher gekommen sind: Stefans Hochhausliste wird „abgearbeitet“ 😎. Keine Frage, Warschau ist auf dem besten Wege, sich einen gebührenden Platz auf der Weltkarte der Architektur zu verschaffen. Noch sieht man viele Baustellen – das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben. Und doch lässt sich erahnen, was hier in Zukunft entsteht.

Zugespitzt
Kurvenstar
Maskiert
Primärfarben

Was auffällt, sind die durchaus noch zahlreichen alten Wohnbauten zwischen all den glänzenden Neubauten, die mehr in die Breite gehen als in die Höhe ragen. Sie sind wahrlich keine Augenweide. Viele wurden im Zuge der Neubebauung abgerissen. Doch einige sollen bleiben. Sicher aus gutem Grund! Seht ihr das „Loch“ in der Mitte des Hotels Intercontinental auf dem folgenden Foto? Die Bauauflagen besagten in dem Fall, dass den dahinter liegenden Wohngebäuden genügend Tageslicht verbleiben sollte.

Mut zur Lücke

Wir bewegen uns heute großteils entlang der Hauptachsen der Stadt. Dort gibt es kaum Grün, die Fläche ist hochgradig versiegelt. Der Asphalt speichert und reflektiert brutal die Hitze. Die Magistralen dieser Stadt haben den Charme der Kreuzung Mollstraße/Otto-Braun-Straße in Berlin. Wer die kennt, weiß, wovon ich rede 😁. Doch der Anblick der vielen gelungenen Neubauten lenkt uns erfolgreich davon ab. Gebt uns Stahl, Glas und Beton – und alles wird gut!

Feuerleiter
M wie Metro

Himmelsstürmer

Gekachelt

Zwischendurch begegnen uns auch immer wieder Beispiele aus den Rubriken „Alt“bau, Kunst und Kurioses.

Nicht kleckern, sondern klotzen
Schwarz auf weiß
Kaffeepause auf dem Bau

Am späteren Nachmittag streift uns ein schwereres Thema. Wir schauen uns die überschaubaren Reste der Mauer des Warschauer Ghettos an und versuchen gar nicht erst, das Unfassbare zu begreifen. Es würde uns nicht gelingen. Wir verweilen im stillen Gedenken an die Opfer und ziehen weiter unserer Wege.

Nie wieder!

Als wir die so versteckt liegenden Mauerreste verlassen, fällt auf, wie abrupt der Wechsel ins heutige Leben erfolgt. Laut, bunt und lebendig präsentiert sich Polens Hauptstadt nur wenige Meter weiter. Wir lassen uns vom Leben draußen mitreißen und sind fasziniert von den vielfältigen Facetten dieser Stadt der Kontraste. Die folgenden vier Fotos sind auf dem Rückweg zum Hotel auf einer Strecke von nicht mehr als etwa eineinhalb Kilometern entstanden.

Fragen über Fragen
Doppelpaddel
Edle Reihe
Im Gleichschritt

Gegen 18 Uhr gönnen wir uns eine späte Siesta und eine überfällige Abkühlung im Hotel. Abends drehen wir noch eine kurze Runde in der einsetzenden Dämmerung. Let the music play!

Spätschicht

11 Gedanken zu “Warschau – Stahl, Glas und Beton

  1. Sehr viel moderen Architektur und die gefällt mir ja auch ! Kurvenstar und Himmelsstürmer was für tolle Perspektiven ! Super
    Würde mir die Stadt sicherlich auch anschauen wenn ich vor Ort wäre. Extra hinreisen, ich weiß es nicht bzw. stehen da andere Städte in Europa auf meiner Wunschliste.

    Gefällt 1 Person

  2. Der Kulturpalast ist tatsächlich umstritten, doch die meisten Polen sehen ihn inzwischen pragmatisch. Als die regierende Partei ihn vor nicht allzu langer Zeit abreißen wollte, war man dagegen. Wieso? Nicht aus Sentimentalität. Doch wenn der Klotz schon mal da ist, dann ist er nun mal da, viele Polen waren der Meinung, dass es viel wichtigere „Baustellen“ gäbe, in die man investieren sollte. Und praktisch ist die hohe Spitze ja auch, so kann man sich gut orientieren, egal wo in Warschau man gerade ist 😉

    Die Sache mit den Masken, na ja… mir ist aufgefallen, dass das häufig in Ausland (hier stellvertretend Georgien, Polen, Türkei…) Auslegungssache war. Ich war oft die einzige, brave Deutsche, die sie ordnungsgerecht am Mund und Nase hatte… 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Das stimmt, Orientierung gibt der Palast wirklich! Und abreißen wäre ja der Wahnsinn. In dem riesigen Kasten sind ja auch viele Institutionen und Büros untergebracht. Und abgesehen davon finde ich ihn eigentlich recht ansehnlich! Aber klar, ich bin natürlich als Touristin „unbelastet“, was die Geschichte des Palastes betrifft.

      @Masken: in Spanien haben sich so gut wie alle an die Maskenpflicht gehalten und die Sache ernst genommen. Da fiel ich nicht so auf damit 😎.

      Gefällt 1 Person

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