Alle Jahre wieder findet Ende Mai das renommierte Fotofestival in Zingst statt. Und wir wieder mittendrin! Während im Südwesten des Landes wettertechnisch buchstäblich die Welt untergeht, zieht die deutsche Ostseeküste unbeeindruckt vom Leder und haut uns eine Woche lang Sonne satt um die Ohren. Am zweiten Tag wagt der Nebel einen kurzen Auftritt und zieht dann geschlagen von dannen.

Ein Wort vorab zu den Fotos von Ausstellungsstücken bzw. ihrer sparsamen Verwendung: unter dem Eindruck der immer schärfer und restriktiver werdenden Datenschutz-, Urheberrechts- und Copyright-Bestimmungen werde ich Fotos von Werken der diversen Künstler nur noch sehr dosiert und nicht in Nahaufnahme hier im Blog zeigen. Streng genommen müsste ich sonst jeden Künstler einzeln um Zustimmung bitten, dass ich seine Werke hier abbilden darf. Stattdessen verlinke ich auf deren jeweilige Seiten bzw. auf offizielle Presseberichte.

Als wir am Samstag den Wohnungsschlüssel bei der Zimmervermittlung einkassieren, nehmen wir gleich die erste Ausstellung in der benachbarten Leica-Galerie mit. Gideon Mendel zeigt hier ausgewählte Werke aus seiner Serie „Drowning World“, für die er seit mehr als zehn Jahren um die Welt reist. Es geht unter die Haut, in Wassermassen untergehende Städte, Landschaften, Straßen und Häuser zu betrachten. Im Mittelpunkt seiner Aufnahmen stehen vor allem die betroffenen Menschen. Eindrücklicher kann man die Folgen des Klimawandels kaum vermitteln. http://gideonmendel.com/submerged-portraits/

Am Sonntag knüpfen wir inhaltlich an diese Ausstellung an und lauschen eine Stunde lang gebannt, wie Gideon Mendel auf der Bühne des Hotels „Vier Jahreszeiten“ aus dem fotografischen Nähkästchen über das „Making of“ plaudert und die Geschichten hinter seinen Fotos auspackt. Wenn wir schon mal hier sind, nehmen wir auch gleich noch die anderen Ausstellungen im Hotel mit.

Gleich hinter dem Eingang packt uns Yann Arthus-Bertrand mit seinen spektakulären Luftbildaufnahmen zum Thema „60 Lösungen – gegen den Klimawandel“.http://www.yannarthusbertrand.org/en/books/60-solutions-face-au-cha

Weiter geht’s mit der Gruppenausstellung des Gastlandes Frankreich – Vive la France. Hier sehen wir Arbeiten aus ganz verschiedenen Bereichen der Fotografie (Mode, Akt, Baumportraits, Grafikdesigner, Street Photography, Dokumentation) von insgesamt sechs Künstlern. Und hier wage ich mal ein Foto, dass keine allzu deutlichen Details zeigt.

Eine, nein zwei haben wir noch hier in den weitläufigen Hotelhallen: „Superlative – Made in Germany“. Christoph Morlinghaus und Konsorten haben differenzierte und facettenreiche Blicke in Unternehmen und Institutionen geworfen und zeigen, was hierzulande so alles geht. http://blog.superlative-made-in-germany.de/

Auf dem Weg nach draußen erfreuen wir uns noch an dem außergewöhnlichen Lebenswerk von Heidi und Hans-Jürgen Koch, das von der immerwährenden Suche nach guten Tiergeschichten geprägt ist. http://www.lifeformphotography.com/Artist.asp?ArtistID=25775&Akey=X2PSXC57

Wieder draußen an der frischen Luft, widmen wir uns den Open-Air-Installationen an der Jordanstraße. Hier sind Werke von Studierenden zu sehen, die den ausgelobten und begehrten Förderpreis des BFF abgreifen möchten. Wie immer steht die thematische Auseinandersetzung mit ökologischen, ökonomischen und kulturellen Fragestellungen im Mittelpunkt.

Puh, jetzt sind unsere Köpfe ganz schön voll mit Fotos und Infos! Gut zu sehen ist das am leicht degenerierten Gesichtsausdruck meines mitreis(s) enden Begleiters, der ausdrücklich auf sein Recht am eigenen Bild verzichtet und seine Genehmigung zur Veröffentlichung erteilt hat 😛.

Auf zum Strand! Dort wartet Abkühlung in Form des bereits erwähnten Nebels auf uns. Mystisch!

Am Strandabschnitt links von der Seebrücke wartet der Schocker der Saison auf uns, der euch auf dem heutigen Titelbild sicher schon in helle Aufregung versetzt hat. Ein gestrandeter Pottwal am Ostseestrand! Wie konnte das passieren 😱? Dieser Artikel klärt euch auf! https://www.svz.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/pottwal-aus-plastik-gestrandet-id19941606.html Und ich zeige meine Fotoimpressionen davon. Ohne Worte.

Am Montag statten wir den possierlichen Tierchen am Postplatz einen Besuch ab. Die Open-Air-Ausstellung präsentiert in diesem Jahr tolle Aufnahmen von Tim Flach. In seiner Ausstellung „In Gefahr – bedrohte Tiere im Portrait“ zeigt er Tiere, die auf der Roten Liste stehen. Sie sind so beeindruckend „in Szene“ gesetzt! Spontan verliebe ich mich hier in den Axolotl, der mich mit seiner originellen Schönheit umhaut! http://timflach.com/work/endangered/

Im Museumshof zeigt Eva Häberle ihre Ausstellung „Was macht das Blättertier denn hier?“ Aus Blüten und Blättern gestaltet sie fantasievolle Blättertiere. Die Ergebnisse regen an, wieder mehr über die kleinen Dinge zu staunen und aufmerksamer in der Natur zu sein. https://www.zingst.de/de/veranstaltungen/fotoausstellung-eva-haeberle-was-macht-das-blaettertier-denn-hier

Auf dem Weg Richtung Hünten-Haus zieht uns die Ausstellung „Täglich Brot – was Kinder aus aller Welt essen“ von Gregg Segal in ihren Bann. In dem mittlerweile siebenjährigen Langzeitprojekt wurden Kinder aus sieben verschiedenen Nationen gebeten, ihre Mahlzeiten aus einer Woche zu dokumentieren. Greg Segal hat das dann für seine Aufnahmen mit den Kindern nachgestellt. https://www.greggsegal.com/P-Projects/Daily-Bread/1/thumbs

Jetzt aber schnell selbst was essen! Zwei leckere Flammkuchen später …

… sind wir bereit für die Werke, die das Max-Hünten-Haus uns bietet. Draußen präsentiert York Hovest „Helden der Meere“. Den zahlreichen Bedrohungen der Weltmeere setzen manche unserer Zeitgenossen ermutigende Aktionen entgegen, indem sie den noch nicht ganz verlorenen Kampf aufnehmen, die Meere doch noch zu retten, z.B. mit Korallenaufzuchtstationen. https://yorkhovest.com/projekt-ozeane/

Drinnen bewundern wir Tom Jacobis weiße Landschaftsaufnahmen. „Into the light“ ist denn auch der passende Titel dieser Ausstellung. http://www.tomjacobi.de/into-the-light/

Schon ewig nicht mehr am Strand gewesen! Und was könnte hier passender sein als Ray Collins‘ „Urkraft des Meeres“? Er fotografiert „nur“ Wasser. Aber wie! Sind seine Wellen nicht betörend?

Gleich daneben werden wir daran erinnert, dass das Fotofestival ja auch noch etwas anderes bietet als Ausstellungen, nämlich Fotokurse.

Ein paar Meter weiter dann die Steilvorlage. Ich leihe mir ein paar Requisiten beim nächsten Kleinkind aus und bastele eine mir genehme Strandszene. Welcher Horror-Schocker fällt euch dazu ein?

Und weil es gestern im Nebel so schön war, hier als Kontrast noch mal der Wal in der Sonne. Da kommt das Blut besser zur Geltung … Und die „Wissenschaftler“ auch. Von der Spiegel-Dame mal ganz zu schweigen.

Abends ist dann Romantik angesagt. Nehmt das! Fortsetzung folgt.

2 Gedanken zu “Umweltfotofestival „horizonte zingst“ 2018 – Teil I

  1. WOW! Da kann man sich gar nicht entscheiden, welche Ausstellung die beste ist. Die Bilder von Gideon Mendel sind unglaublich bedrückend! Die Luftaufnahmen total imposant und Tim Flach‘s Tierportraits einfach nur berauschend! Wahnsinn! Der Pottwal ist natürlich der Schocker schlechthin. Und er sieht soooo krass echt aus. Wenn das Thema nicht so traurig wäre… Also ich glaube, ich nehme mir das für nächstes Jahr auch mal vor.

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    1. Ja, ich könnte jetzt auch nicht sagen, welche Ausstellung mir am besten gefallen hat. Ich habe ja zu Gideon Mendels Fotos die Hintergründe gehört. Und kurioserweise sind die Geschichten rund um die Fotos nicht so bedrückend wie die Fotos selbst. Die Betroffenen waren oft voller Zuversicht, dass das alles schon wieder wird. Vor allem waren viele ohne jegliche Larmoyanz. Sehr beeindruckend! Ja, die Wal-Attrappe war wirklich täuschend echt! Sehr gut gemacht, auch die ganze Aktion drum herum. Ich kann dir wirklich empfehlen, auch mal nach Zingst zu dem Festival zu fahren. Gerüchten zufolge soll es künftig zeitlich ausgedehnt werden. Das ist für alle, die nicht unbedingt Kurse besuchen, sondern nur die Ausstellungen anschauen wollen, sicher eine interessante Option. Dann muss man nicht zwingend zu der einen „Hauptwoche“ hinfahren, auch wenn das Festival-Flair dann natürlich deutlicher zutage tritt.

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