Mount John wurde freundlicherweise von den Gletschern stehen gelassen, als sie sich in Richtung Tal wälzten. Das ist gut für die Nachwelt und vor allem für passionierte Sternengucker. Auf seiner Kuppe steht in luftigen 1.031 Metern über dem Meeresspiegel ein Observatorium, das international hohes Ansehen genießt. Das Mackenzie Country, in dem wir uns hier befinden, wurde 2012 zum größten Dark Sky Reserve der Welt erklärt. Seitdem wird rund um den Lake Tekapo konsequent Lichtsmog bekämpft. Die nächtliche Straßenbeleuchtung ist schwächer als anderswo. Keine Lampe darf nach oben strahlen. Wegen des ungetrübten Blicks auf den Sternenhimmel wurde mittlerweile ein Antrag gestellt, die gesamte Region zum UNESCO-Welterbe zu erklären.

Doch ich erklimme tagsüber den Berg hoch zum Gipfel, der sich rund 300 über dem Ufer des Lake Tekapo erhebt. Zwischendurch gönne ich mir eine kurze Verschnaufpause und betrachte, was sich meinen Augen bietet.

Ganz oben angekommen, laufe ich erst den Rundweg, der um den Gipfel herum führt. Die Aussicht auf die Umgebung ist klasse!

Danach warten schon die einschlägigen Gebäude auf mich.

Zur Abwechslung steht nun ein Besuch in einem anderen berühmten Etablissement auf dem Programm:

Ich erkämpfe mir im Gedränge einen Tee und ein Stück Käsekuchen und geselle mich zu einer dreiköpfigen Familie, an deren Tisch der einzige freie Platz im ansonsten von einer riesigen chinesischen Reisegruppe belegten Café zu haben ist. Dieser Umstand beschert mir eine kurzweilige und interessante Unterhaltung mit der Dame aus Frankreich, die mit ihrem belgischen Ehemann und der vierjährigen Adoptivtochter aus Singapur in Melbourne lebt und hier auf Kurzurlaub ist.

Auf dem Rückweg werde ich vom einsetzenden Regen den Hang hinunter gespült und lande ziemlich durchweicht unten im Dorf. Kaum sitze ich zum Mittagessen im Restaurant, wird die Dusche draußen auch schon wieder abgestellt.

Am Nachmittag mache ich es mir im Garten meines Motels gemütlich und verfasse noch einen Blogbeitrag. Später unternehme ich einen kleinen Spaziergang am Ufer des Sees Richtung Pines Beach. Auf der kleinen Landzunge …

… gerate ich dann in eine Situation, die sehr ungemütlich wird. Offenbar habe ich mich unwissentlich und auch ohne böse Absicht zu weit in ein Vogelbrutgebiet hineingewagt. Ich habe jedenfalls keine Nester wahrgenommen. Fakt ist aber, dass urplötzlich mehrere kleinere weiße Wasservögel mit spitzen roten Schnäbeln anfangen, nach Kamikaze-Art wenige Zentimeter über meinen Kopf zu sausen. Als ich merke, dass das kein Zufall ist, und die Abstände der Angriffsflüge und auch die zu meinem Schädel und meinem Gesicht immer kürzer werden, ducke ich mich und trete schnellen Schrittes den Rückzug an. Einem der aggressiven Vögel geht das aber offenbar nicht schnell genug – ey, ich bin 51, du Mistvieh! Er hackt in voller Fluggeschwindigkeit direkt auf meinen Kopf! Hat ganz schön weh getan und führt dann dazu, dass ich in hektischen Laufschritt verfalle. Kurz darauf bin ich dann offenbar weit genug weg und in Sicherheit. Dass ich mich von so einer Handvoll Tiere einmal so ins Bockshorn jagen lasse, hätte ich vorher nicht gedacht …

Zurück im Motel, warte ich die Dunkelheit ab, um mich in das berühmte Nachtleben der Gegend zu stürzen. Was soll ich sagen? Der Himmel ist sternhagelvoll! Ohne Worte. Und zu eurem Pech auch ohne Foto, denn aufgrund unglücklicher technischer Umstände kriege ich den Polfilter nicht mehr vom Objektiv runter. Und mit Filter drauf ist da nichts zu machen mit den Sternen. Jedenfalls könnt ihr mir glauben: ich habe es genossen, und das nicht zu knapp! Im Gegensatz zu dem biestigen Flattervieh sind mir die Sterne wohlgesonnen. Gute Nacht!

17 Gedanken zu “Tag 33 – Lake Tekapo: Sternhagelvoll

  1. Nachdem ich ja schon den Sukkulenten zugesprochen habe, sind nun also die Leguminosen (hier: Lupinen) dran. Es sieht dort ja schon fast nach einer Kombination aus Sommer und Herbst aus, liegt vielleicht an der Höhe, wenn die Gletscher so nahe sind. Immerhin aber noch deutlich wärmer als bei uns!
    Der Vogelangriff kommt nicht nur so: Elke und Natur, das sagt sich auch die Vogelschar, passt eigentlich nicht. Geh zurück zu Deinen Hochhäusern!! Das nächste Mal bist Du dann hoffentlich mit einer GoPro ausgerüstet! Übernimmt eigentlich die Auslandskrankenversicherung den Dachschaden? 🙂

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    1. @ Auslands KV: so was sollten die echt mal in ihren Leistungskatalog aufnehmen 😂😂😂! @ Lupinen: die haben sich in der Gegend um den Lake Tekapo in Form von riesigen Teppichen breit gemacht. Wunderschön! Und ja: es ist deutlich wärmer als bei euch. Selten unter 20 Grad gehabt hier. @ Elke versus Natur: hm, da muss ich jetzt noch mal in mich gehen … Verkauft dire eigentlich auch schon GoPros?

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  2. @Sternenhimmel: geht/ging da auch mit dem iphone nix?
    @Vögel: ah! Also wurden nicht nur die Hobbits, Mission Impossibles, Logans (Wolverine) und viele andere in NZL gefilmt, sondern auch Hitchcock war wohl schon in NZL zu drehen seiner Zeit weit voraus. „Die Vögeln“ müssen dann wohl g e n a u da gedreht worden sein.
    Was so durch unsere Bloggerin so später alles aufgeklärt wird. 😉

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  3. Oh, da hatten wohl welche Angst um ihre Eier ….dabei hattest du doch gut gefrühstückt. Der Sternenhimmel war bestimmt eine ganz besondere Erfahrung, gibt’s hier ja nur sehr gefiltert zu sehen. Schön,daß Bernd sich so um den Vogel sorgt…😅

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  4. Wow, genau mein Ding und dann kein Foto!😩 Ich wollte mal Astronomie studieren…ich liebe Observatorien. So schade. Und mit Polarisationsfilter geht da echt gar nix?

    Ein Foto dieser Killervögel hätte ich ja auch gerne gesehen.😂

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