Heute will ich es mal etwas langsamer angehen lassen und den gestrigen Tag verdauen, der mich geflasht hat. Im positiven Sinne. Doch das angekündigte schlechte Wetter ist offenbar auf später vertagt worden. Also auf in den Nationalpark. Der Shuttlebus der Red Line bringt mich zum ersten Aussichtspunkt des westlichen Teils des Rim Trails. Von den insgesamt 22 km Länge, die der Rim Trail zu bieten hat, werde ich von hier aus bis zum westlichen Ende des Trails am Hermits Rest laufen. Das ist eine Strecke von 11 km, die ich bequem und gemütlich zurücklegen kann.

Dieser Trail ist wirklich massentauglich, d.h., auch die nicht so Sportlichen, für die keiner der Wege runter in den Canyon infrage kommt, haben hier die Möglichkeit, fantastische Ausblicke zu erhaschen, ohne an ihre körperlichen Grenzen zu gehen. Der Weg hat keine Steigungen, führt durchgehend direkt am Rim entlang, ist bis auf einen kurzen Abschnitt von ein paar Hundert Metern komplett asphaltiert und auch breit genug für Kinderwagen. Ein großer Teil des Weges ist auch für Rollstuhlfahrer zugänglich. Wem auch das noch zuviel ist, der lässt sich einfach von den Shuttlebussen von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt kutschieren, genießt die Aussicht, macht ein paar Fotos und springt dann in den nächsten Bus. Sie fahren viertelstündlich. Der Großteil der Strecke entlang des Rim Trail ist für Autofahrer gesperrt, so dass auch eine himmlische Ruhe herrscht. Bis auf das Geplapper der Leute natürlich :-).

Auf geht’s! Hier ein paar Eindrücke entlang der Strecke. Auch die vielen schönen, bizarr gewachsenen und „verdrehten“ Bäume verdienen Beachtung.

 
Das Foto, das jetzt folgt, mag kein besonders gutes sein. Aber achtet mal auf die schüsselartige Ausbuchtung am oberen Bildrand in der Mitte. Dort seht ihr den Mount Trumbull. Nix besonderes? Mag sein, aber er liegt von meinem Standort aus betrachtet 100 Kilometer entfernt. Ist das nicht eine Hammersicht?!?

Am Monument Creek Vista Aussichtspunkt taucht plötzlich dieses Motiv vor mir auf.

 

Doch die Aufklärung folgt auf dem Fuße:

 
Hier ist also eine Säuberungsaktion geplant. Die Jungs und Mädels müssen sich dafür ordentlich sichern, bevor sie sich abseilen. Als ich das Band sah, dachte ich ja schon an das Schlimmste. Aber für die meisten freiwilligen und unfreiwilligen Todesstürze runter in den Canyon ist ja der etwas weiter östlich gelegene Aussichtspunkt „The Abyss“ zuständig. 

Im übrigen werden Todesopfer und Vermisste (was häufig identisch ist …) nicht sofort mit Hubschraubern gesucht und geborgen. Das wäre nicht nur zu aufwändig, sondern auch zu gefährlich. Warum Rettungskräfte unnötig in Lebensgefahr bringen? Wer hier fernab von offiziellen Wanderwegen runterstürzt, wird das wohl kaum überleben. Und so makaber es sich auch anhören mag: die Suche nach Vermissten gestaltet sich wesentlich einfacher, wenn man abwartet und schaut, wo sich eine größere Ansammlung von Vögeln breit macht … 

Nach einer Weile erreiche ich nach einem wunderbar entspannten Spaziergang das Ende des Trails, Hermits Rest. Hier beginnt ein weiterer Wanderweg. Das Haus wurde von Mary Jane Colter geplant, ebenso wie das schon erwähnte berühmte Hotel „El Tovar“ unten im Grand Canyon Village. Es dient heute als Pausenstation für Touristen, inklusive kleinem Souveniershop und Verkaufsstand. „Nebenbei“ hat man von dort aus natürlich auch eine wunderbare Aussicht auf den Canyon.

A propos: ich habe euch ein paar allgemeine Basisinfos über den Grand Canyon bisher vorbehalten. Das hole ich jetzt nach. Also: Die Gesteinsschichten des Canyons sind zwischen 260 Millionen und 1,8 Milliarden Jahre alt. Der Canyon selbst kommt auf stolze rund 5 bis 6 Millionen Jahre. Es ist streng genommen kein Canyon, sondern ein Nationalpark. Er ist 446 km lang und zwischen 13 und 26 km breit. Seine Besonderheit: er hat sich als Tal in ein Hochplateau „gefressen“. Am South Rim, wo ich bin, befinden wir uns auf rund 2.200 Metern Höhe. Das North Rim bringt es auf 2.400 Meter. Der Canyon unten auf der Ebene des Colorado River liegt etwa 700 Meter über dem Meeresspiegel. Soviel kurz und knackig auf den Punkt gebracht.

Zurück ins Canyon Village mit dem Bus. Der Himmel macht mir klar, dass das Wetter kippen wird. Am Einstieg zum Bright Angel Trail noch schnell ein paar Fotos geschossen – aufziehendes schlechtes Wetter bietet mehr Drama am Himmel – und ab in den nächsten Bus, der mich zurück nach Tusayan bringt. Auf dem Rückweg setzt dann auch schon der Regen ein. 

 
Jetzt habe ich euch aber ordentlich zugeballert mit Naturfotos. So manche(r) von euch sehnt sich sicher schon wieder nach Beton, Stahl und Glas 😀. Aber das wird auch beim nächsten Stopp wohl nix werden!

Ein weiterer schöner Tag im Canyon geht zu Ende. Morgen ziehe ich weiter. Stay tuned!

12 Gedanken zu “Tag 21 – Grand Canyon: Go west

  1. Genial, wie weit die Sicht war, die Du hattest. Und danke, dass Du die Bilder hier immer auch zum Anklicken in groß einbindest. Hab mich in die krass verformten Rinden der „verdrehten“ Bäume reingezoomt, toll.

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  2. Beim Tatort gehört: „Wir sind so gerne in der Natur, weil sie uns nicht bewertet.“. Diese Landschaft ist wirklich großartig, was für eine Pracht!

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  3. Starke Bäume und bizarre Felsen! Wird auch für mich Zeit diese Regionen zu entdecken(s. Kommentar zu Tag 20!!) Natur pur…Schmeckt denn der Ami-Kuchen Elke??

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