In diesem Hotel denkt man mit und kalkuliert ein, dass manche Gäste durchaus auch mal eine Pause beim Duschen brauchen oder generell im Sitzen duschen.
 
 
 Ebenso weitsichtig sind die hiesigen Verkehrsbetriebe. Schilder mit durchgestrichener Knarre habe ich ja auch in Chicago zuhauf gesehen. Hier gibt es die erweiterte Variante. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen.
 
 
 Doch nun zum Ernst des Lebens. Auf in die U-Bahn Richtung Hauptattraktion der Stadt, dem Gateway Arch. Ich steige ein paar Stationen weiter aus, um mich dem imposanten Teil via Flußufer bzw. quer durch die Parkanlage, die es umgibt, zu nähern. Nun, was soll ich sagen? Minneapolis und St. Louis haben sich abgesprochen. Sobald ich einen Fuß in die Stadt setze, wird gebaut. Und so stehe ich vor einem Bauzaun, der mich daran hindert, die Parkanlage zu betreten. Denn die wird komplett neu gestaltet. 


 
 Es gibt einen schmalen Weg zum Gateway, der weiter geöffnet ist. Doch dazu später. Hier als Trost eine Zukunftsvision davon, wie es einmal aussehen soll.

 
 
 Nun denn, laufe ich eben an dem fetten Mississippi entlang. Ein kurzer Abstecher zur alten Hafenanlage, dem Laclede’s Landing …
 
 
 … unter ansehnlichen Brücken hindurch …
 
 
 … hin zur Schiffsanlegestelle. Eine Bootsfahrt auf dem Mississippi möchte ich gerne machen. Gähnende Leere. Ein Schild informiert mich, dass es heute eine Rundfahrt erst um 12 Uhr gibt („Cruise times vary“, I know). Das wäre in genau zweieinhalb Stunden. Dann eben nicht. Halb so wild.
 
 
 Bewundere ich dann halt schon mal das Tor zum Westen. Der Grüne sucht sich derweil eine passende Bühne, um sich angemessen in Szene zu setzen. Er wird immer mehr zur Rampensau! Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: der versprochene Stunt vom Arch runter mit Beweisfotos wird nicht stattfinden. Er kommt einfach nicht an die Außenseite ran! Sorry, Verena …
 


 
Aber es gibt auch noch andere Zeitgenossen mit Sendungsbewusstsein.

 
 
 Doch nun zum Hauptdarsteller. Das Wahrzeichen von St. Louis steht seit 1965 am Ausgangspunkt der Lewis-und-Clark-Expedition. Hier begann die Erschließung des Westens der USA. Der beeindruckende Bogen aus Stahl und Beton misst 192 Meter, sowohl in der Höhe als auch in der Spannweite. Es ist somit das höchste Monument der USA. Man kann es besteigen bzw. sich per Aufzug bis ganz nach oben bringen lassen. Und genau das nehme ich jetzt in Angriff. 

Ich habe Glück und komme ohne Wartezeit hinein und rauf. Der frühe Vogel fängt den Wurm :-). Die wartende Menge steht vor dem sehr speziellen Aufzug und wartet, dass sich die Türen öffnen.
 
 
 Was sich meinen staunenden Augen dann präsentiert, ist nix für Klaustrophobiker.
 

 

Und so sieht es mit „Referenzobjekt“ aus, wenn einer von fünf Sitzen belegt ist.


 
 Doch wir sind auf dem Hinweg „nur“ zu viert in der Kabine (es gibt insgesamt 8 davon), auf dem Rückweg komfortablerweise nur zu zweit. 

Oben angekommen, kann man sich über schießschartenartige Fenster lehnen …
 
 
 … und die wirklich grandiose Aussicht genießen. Einmal auf die Innenstadt mit dem Old Courthouse  (Missouri-Seite) und dann noch auf East St. Louis jenseits des Mississippi auf der Illinois-Seite. Der Trip da hoch hat sich echt gelohnt! 

 

Hier das Prachtwerk auch noch mal von vorne. Die Aussichtsfenster sind bei genauem Hinsehen kurz vor der höchsten Stelle des Monuments schwach zu erkennen. 

 
 
 Zurück auf den Boden der Tatsachen. Mein erster Eindruck von Downtown St. Louis von gestern Nachmittag bestätigt sich heute: die Innenstadt ist außerhalb des Geländes um den Gateway Arch recht verwaist. Büro- und Verwaltungsgebäude, Hotels, eine Handvoll Cafés und Restaurants. Keine Läden. Kaum Leute auf der Straße. Nichts, was zum Flanieren, Verweilen und Sich-treiben-Lassen einlädt. Und so bin ich heilfroh, dass John mich mit einigen Vorschlägen versorgt hat, was ich außerhalb der Downtown noch so treiben könnte. 
 
  Noch kurz das Old Courthouse bewundert …
 

 … und wieder zurück in die Metro. Was ich heute morgen schon bemerkt habe, wiederholt sich jetzt und auf allen Fahrten, die ich heute zurücklege. Ich falle auf und werde angeschaut. Wegen meiner Hautfarbe. Mir war bekannt, dass hier mehr Schwarze als Weiße leben. Doch es sieht so aus, dass die öffentlichen Verkehrsmittel überwiegend von Schwarzen benutzt werden. Und von mir. Die restlichen Touris sind offenbar mit Autos unterwegs, genau wie der weiße Teil der Bevölkerung.

An der Station „Grand“ steige ich aus und streife durch das schöne Gelände der Universität, wo ich den Altersdurchschnitt deutlich hebe :-). Dort trinke ich einen Kaffee, bewundere altehrwürdige Häuschen …
 
 
… und schlendere wieder zurück zur Metro. Getreu dem Motto der Stadt bewege ich mich immer weiter nach Westen. Die U-Bahn bringt mich nach Delmar. Dieser Kiez mit seinem historischen Altstadtcharakter ist total schön und bietet auch einen Walk of Fame (Hollywood war gestern). Und die Kunst kommt auch nicht zu kurz. Seht selbst:
 


 
 Den aufkommenden Hunger stille ich in einem der vielen Restaurants (sehr lecker mit netter Bedienung: das „Pi“) und lasse mich dann von der Metro in den Forest Park kutschieren. Sehr weit komme ich dort nicht, denn das nahe der U-Bahn-Station gelegene Missouri History Museum lockt mich mit einer Ausstellung über die Route 66, hier mit dem speziellen Aspekt auf ihre Verbundenheit mit St. Louis und Missouri. Was für eine wunderbare Zeitreise mit tollen Ausstellungsstücken!
 

 

Oh je, die Zeit verfliegt mit Schauen, Lesen, Filme gucken und mit anderen Ausstellungsbesuchern quatschen. Als ich aus dem Museum raus in den Park trete, neigt sich der Nachmittag schon seinem Ende entgegen. Auf das eigentlich noch von mir begehrte Art Museum muss ich leider verzichten. Der Park stellt sich auch als so riesig heraus, dass ich alleine zu diesem Museum noch fast zwei Kilometer laufen müsste. Diese wunderbare Grünanlage mit ihren vielen weiteren Attraktionen (viele davon mit freiem Eintritt, da steuerfinanziert) hätte einen eigenen ganzen Tag verdient, den ich aber nicht mehr zur Verfügung habe. Next time! Ich drehe noch eine kurze Runde durch den nördlichen Teil des Parks und mache mich dann auf den Heimweg.
 
 
 Tausend Dank an John für die vielen tollen Tipps! You made my day 😀.
So, Leute, auf den nächsten Bericht müsst ihr voraussichtlich etwas warten. Ich bin morgen und übermorgen on the (rail) road. Doch frei nach Paulchen Panther sage ich: „Heute ist nicht alle Tage. Ich komm wieder, keine Frage!“

14 Gedanken zu “Tag 12 – Saint Louis: Test the West 

  1. Ha, Erster! Liebe Reisende, wieder mal ein gelungener Beitrag, vielen Dank. @🛁: für die Senioren, wie mich, eine wunderbare Idee – nicht nur für die fußlahmen Großstadtwanderer. @🔫 dann ist wohl das OFFENE Tragen von Waffen in St. L erlaubt? Na ja wundern würde es mich nicht, so als Tor zum wilden Westen ist es schon sehr gefährlich @Torbogen: fährt der Fahrstuhl auch gefühlt schräg nach oben? Oh, ich wusste gar nicht das du (eine deutlich stabilere) Sabine S. aus M. als Referenzobjekt mitgenommen hast. 😂 @Spaßlied: oh Mann, also nicht nur deutsche Barden können gruselige Texte machen, ich habs geahnt. Aber das mit dem angekündigten Päuschen im Block geht nun gar nicht. Da es Internetzugang, nicht wie in D, überall gibt, lasse ich das nicht gelten. Was sollte die sabbernde Leserschaft ohne den Morgenbericht von der R66 anfangen. Die B96 in der Stadtzeitung ist nun wirklich kein Ersatz Also bitte … Wie sehen das die anderen Follower? Protest!! Und weiterhin eine gute kuriose Reise.

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    1. Ui, da warste heute aber wirklich früh am Start! @ Waffen: was das anbetrifft, wundern wir Europäer uns eh über nix mehr, egal um welchen US-Bundesstaat es sich handelt. Was konkret mit Missouri ist, weiß ich nicht. Frag John oder Google 😀. @ Aufzug: es ruckelte zwar heftig, besonders auf dem Weg nach oben, aber ein schräges Gefühl hatte ich dabei nicht. @ Sabine: stimmt, jetzt wo du es sagst: die Ähnlichkeit ist echt verblüffend! Nur das Gewicht nicht. @ Song: Der Text war für meine Kollegin Kerstin. Die weiß schon, warum 😀. B 96 statt R66 zur Abwechslung wäre doch gar nicht schlecht. Weiß gar nicht, was du hast 🤓.

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  2. @tman: da ist jemand heute wirklich früh aufgestanden! 🙂

    Elke, das hast du gestern sehr gut gemacht! Hast fast die ganze Liste abgearbeitet! Schade nur, dass downtown nur bedingt einladend ist. Aber hoffentlich tut sich bald was. Immerhin wird gebaut/umgestaltet… Viel Spaß auf der Weiterreise. Pass auf, wenn ihr durch Hermann, MO fahrt. Der Ort wurde von deutschen Auswanderern gegründet: Oktoberfest schon wieder!

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    1. Ja, es tut sich tatsächlich eine Menge in der Innenstadt. Hoffentlich trägt das dazu bei, dass sie etwas belebter wird. Du wirst es erleben bei deinem nächsten Besuch! Auf Hermann werde ich heute achten. Danke für den Hinweis!

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  3. Oha, Sitze in der Dusche und im Aufzug. St. Louis ist offenbar seniorentauglich. Tolle Bilder, sehr schöne Beschreibung. Ist wegen eigener Abwesenheit der erste Artikel, den ich hier lese. Ich fange über’s Wochenende mal an, Deine Reise nach zu lesen und zu schauen. Hab ja nun ein paar Tage Zeit, um auf den aktuellen Stand zu kommen. 😉

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  4. Mensch Elke, ich hatte alle Hoffnung in den alten Sack gesteckt, dass er das Unmögliche möglich macht!

    Der Aufzug ist geil! Aber ob da fünf von meiner Sorte reinpassen würden? Uiuiui. Schräg fahren muss er ja aber irgendwie, ist anders wohl nicht machbar. In jedem Fall interessant!!!

    Die Ausstellung war sicher genial…wäre 100%ig was für mich gewesen. Die beste Version ist übrigens die von DM. Da geht nix dran vorbei.😉

    Ich wünsche dir eine schön kurzweilige Zugfahrt und warte gespannt!

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    1. Ja, ich hatte auch gehofft, wir könnten den spektakulären Stunt realisieren. Aber leider war das Aufsichtspersonal zu aufmerksam und zudem noch intolerant … Irgendwie fährt der Aufzug sicher schräg, aber sobald man drin sitzt, merkt man das bei der Fahrt nicht. Fünf Personen passen in so eine Kabine sicher nur rein, wenn es sich dabei um kleinwüchsige, abgemagerte Models handelt 😂. Ja, die Ausstellung war super. Und die Variante von DM stand auch zur Auswahl, aber bis dahin kam ich nicht. Muss ich mir mal auf youtube anhören.

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