7:30 Uhr am Busbahnhof. Es stellt sich heraus, dass ich nicht auf den normalen Bus gebucht bin. Aber no worries: die Elke steht auf der Liste des Busses für die Tagestouren. Egal, Hauptsache ich lande dort, wo ich hin will. Rachel, eine Transgender mit platinblonder Langhaarperücke, sichtbarer Oberweite, sorgfältigem Make-up, rosa lackierten und perfekt manikürten Fingernägeln im Kontrast zur kräftig-untersetzten Männerstatur und sehr kerliger Stimme, begrüßt mich herzlich und wuchtet mit rustikalem Schwung mein Gepäck in den Bus.

Pünktlich geht es los, vorbei am startenden Berufsverkehr, zum Glück in die entgegengesetzte Richtung. Dank des Umstands, dass ich im „falschen“ Bus bin, komme ich in den Genuss, eine Menge kurzweilig vorgetragener Infos zu Stadt, Land und Leuten zu bekommen. Rachel ist wirklich eine begnadete Erzählerin. Und so vergeht die vierstündige Fahrt, nur unterbrochen von einer halbstündigen Kaffee- und Toilettenpause in einem von deutschen Auswanderern geführten Café …

… im Nu. Der Laden befindet sich in Kaiwaka, was auf Maori eine Kombination aus Essen (kai) und Transport (waka) bedeutet. Das scheint mir eine sehr praktische Sprache zu sein. Haben wir endlich auch mal was gelernt!

Wir landen überpünktlich in Paihia, dem Dreh- und Angelpunkt oder besser gesagt der Startrampe aller Aktivitäten in der berühmten Bay of Islands. Entsprechend überschaubar und etwas gesichtslos ist diese sich hauptsächlich an der Durchgangsstraße befindliche Aneinanderreihung sämtlicher Institutionen, die für eine touristische Infrastruktur unvermeidlich sind: Info, Touranbieter, Souvenirläden, Eisläden, Cafés, Restaurants und Motels. Aber die zentrale Lage in der Bucht macht das Örtchen auch für meine Zwecke attraktiv.

Mein Motel liegt rund 400 Meter vom Hafengebäude entfernt, mit hübscher Aussicht auf die Bucht gelegen. Mein Zimmer ist glücklicherweise auch schon für mich und meinen Krempel bereit. Zeug rein und gleich wieder raus! Ich meine mich, nicht das Zeug. Nach einem kurzen Futterstopp an der Promenade schlendere ich am kleinen Strand entlang und betrachte die diversen Stillleben zu meinen Füßen (siehe auch das heutige Titelbild).

Dann erstehe ich ein Ticket für die Fähre hinüber nach Russel. Auf dem 15-minütigen Weg dorthin bekomme ich einen ersten Eindruck von der subtropisch anmutenden Bay of Islands. Es ist traumhaft schön hier!

Auftritt Russel- ich muss höllisch aufpassen, das meine Autokorrektur keinen Rüssel daraus macht! Das 1000-Seelen-Örtchen liegt idyllisch in eine Bucht geschmiegt. Genauer gesagt gleich in mehrere. Diese hier offenbart sich dem Besucher gleich zu Anfang, liegt sie doch zu Füßen der Promenade The Strand und begleitet diese bis zu ihren beiden Enden.

Russel war Anfang des 19. Jahrhunderts die erste weiße Stadt Neuseelands. Das Örtchen hatte sogar kurzzeitig die Funktionen einer Hauptstadt, bevor Gouverneur Hobson den Umzug nach Auckland veranlasste. Wir wir wissen, ist auch Auckland diesen Titel schon längst wieder los.

Es kommt, was kommen muss. Ich bin sehr angetan von diesem schnuckeligen Kleinod und komme um abgedroschene Begriffe nicht herum. Russel ist malerisch! Ein Häuschen hübscher als das andere, …

… und selbst der Friedhof mit der alten Kirche ist eine Augenweide.

Ortsübliche Kunst wird auch geboten.

Die Pflanzenwelt wächst und gedeiht ebenfalls prächtig, im zweiten Fall in der Vertikalen.

Ich bin für heute noch nicht ausgelastet und spaziere über die Hügel rüber Richtung Oneroa Bay. Auf dem Weg dorthin buhlen weitere schöne Objekte um meine Aufmerksamkeit.

Ich laufe die Bucht entlang und erklimme dann wieder den hügeligen Weg zurück, von wo aus der Blick auf die Bay noch schöner ist.

Auf dem Zig Zag Walkway, der eine begrünte Abwechslung auf verschlungenen Pfaden verspricht, bewundere ich zum wiederholten Male die tollen Farne, die hier als Bäume in Erscheinung treten.

Ui, ein Blick zum Himmel sagt mir, dass es Zeit ist, die Segel zu setzen und ans andere Ufer zurückzukehren. In Paihia angekommen, schaffe ich es gerade noch rechtzeitig vor dem fetten Regenschauer, mich unter das schützende Dach eines Restaurants am Ufer zu retten, das idealerweise dann gleich noch was für mich kocht. Macht es gut und bis morgen!

29 Gedanken zu “Tag 8 – Von Auckland nach Paihia/ Bay of Islands: Nordwärts

  1. Klasse Elke, du hast ja wirklich eine Wanderausdauer! Die Natur gefällt mir auch, aber wo sind die Menschen? Ich vermisse sie richtig! Mach’s auch weiterhin gut! Wünsche dir noch viele nette Begegnungen auf deiner Weiterreise! Bin gespannt auf deinen nächsten Beitrag.

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      1. Die muss ich gar nicht verscheuchen. Die flüchten von selbst, sobald sie mich nur von weitem erblicken! Das mit den Kiwis – ich vermute mal, du meinst den Vogel -ist echt ein trauriges Kapitel. Die sind ja mehr nachtaktiv. Und so habe ich leider, obwohl ich schon durch mehrere angebliche Kiwi-Ecken gelaufen bin, noch keinen live gesehen. Ich habe auch noch keinen getroffen, dem das gelungen ist. Aber ich habe ja noch ein paar Tage Zeit 🤓.

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    1. Ich habe es ja nicht so mit Leuten auf Fotos. Es sei denn, es sind erstklassige Portraits. Einzelne Personen als Referenzobjekte sind mir immer willkommen, wenn ich Größenverhältnisse verdeutlichen will. Ansonsten wüsste ich nicht, warum ich irgendwelche fremden Leute ablichten sollte 🤓. Aber glaube mir, es gibt sie, die Leute um mich rum!

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  2. Ah, auch auf dem Lande lassen sich hervorragende Fotomotive finden. Sehr schön komponiert. Das mit den fehlenden Menschen ist wirklich komisch. Da müssten doch auch viele Touris ausser „Elkeunterwegs“ sein, so im Frühling?!?

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  3. @Frankfurter Meal: was muss das für eine Portion Kartoffelsalat sein für fast $15, wenn eine Bratwurst nur ca. $2 kostet. Meine Vermutungen: a) die Portion ist so riesig, dass man davon eine Woche leben kann. b) die Kartoffeln müssen aus Peru mühsam per Maori-Einbaum importiert werden und die Wurst ist mit Schaf gefüllt, die ja praktisch überall rumstehen, c) tja fällt euch/dir noch was ein …..? Dinge gibts.

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    1. 😂😂😂 Ich habe das verlockende Gericht nicht probiert. Aber vielleicht liegst du mit deinen Vermutungen gar nicht so falsch. Peruanische Kartoffeln per Maoriboot 😂😂😂! Und was die Schafe betrifft: ich habe hier auf der Nordinsel bisher hauptsächlich Kühe, aber gar nicht so viele Schafe gesehen. Wenn die das Schafsfleisch immer mühsam von Süden nach Norden Karren müssen, müsste die Wurst das Teure an der Sache sein. Who knows?

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  4. Is das schön da, teilweise wie Filmkulisse….besonders der Friedhof mit der kleinen Kirche und der Baum ist natürlich „Mittelerde“. Ich hätte mich auch über ein Bild von Rachel gefreut…mit welchem Trick hält man Menschen aus Fotos raus?Süßigkeiten verteilen?“Hier ist eine Bombe“ rufen?Oder muss man was peinliches aufführen…?

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    1. Mit Mittelerde kenne ich mich als Nicht-Fan von Fantasy-Literatur ja nicht so aus 😂. Auf ein Foto von Rachel habe ich aus Respekt verzichtet. Meine Beschreibung muss reichen, sorry! Ja, wie hält man Menschen aus Fotos raus? Darüber könnte dein Bruder dir jetzt Vorträge halten. Die Kurzfassung: Geduldig warten, bis die Schusslinie frei ist oder den Bildausschnitt so setzen, dass kein Unerwünschter darin auftaucht. Gephotoshoppt habe ich nix! Und auch keinen deiner kreativen Vorschläge angewandt 😀.

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