20. Juni 2022

Ein weiterer sonniger Tag wartet heute auf mich bei 28 Grad. Ein Teil des Tages wird für Sozialkontakte draufgehen. Und das ist gut so! Sind es doch auch die Begegnungen mit den Menschen vor Ort, die das Reisen so bereichern.

Nach dem Frühstück im Hotel schlendere ich gleich in mein hiesiges Stammcafé. Ich habe es euch bereits im gestrigen Bericht vorgestellt. Die beiden Mädels hinter dem Tresen freuen sich und plaudern wieder mit mir. Dann sitze ich mit meinem Latte Macchiato gemütlich draußen.

Auch dort bleibe ich nicht lange alleine. Steve, der Vater der jungen, frischgebackenen Besitzerin des erst vor wenigen Wochen eröffneten Cafés, kommt zu Besuch vorbeigeradelt und setzt sich zu mir. Mit ihm unterhalte ich mich gut und lange. Über was? Na über Gott und die Welt. Was sonst?

Doch es kommt noch besser. Den nächsten Stopp lege ich im Out West Books, einem der beiden Buchläden in der Main Street, ein. Ich hatte ja gestern meinen Krimi zu Ende gelesen und brauche nun dringend Nachschub. Und so stöbere ich in der einschlägigen Ecke des Ladens. Es dauert nicht lange, bis sich ein Gespräch mit der neben mir stehenden Kundin ergibt. Sie hat offenbar schon von fast jedem der hier vertretenen Autoren was gelesen. Ich bin echt beeindruckt von ihrem Notizbuch, das sie dabei hat. Darin hat sie handschriftlich und seitenweise alle schon gelesenen Werke gelistet!

Es dauert nicht lange, da gesellst sich die Mitarbeiterin der Buchhandlung dazu. Und so lerne ich Christina kennen. Sie kommt ursprünglich aus dem Ahrtal, lebt aber schon seit mehr als 20 Jahren mit ihrem ebenfalls aus Deutschland stammenden Mann hier in Grand Junction. Ich sage es mal mit Christinas Worten, die unsere Begegnung später so beschreibt: „Es hat einfach geklickt zwischen uns.“ Ja, so ist es!

Wir reden eine Weile, dann muss sie sich wieder um ihre Kunden kümmern. Als ich ihr später meinen ausgelesenen Krimi vorbeibringe, macht sie mir einen Vorschlag. Sie hat morgen frei und würde dann gerne etwas Zeit mit mir verbringen. Nichts lieber als das! Darauf freue ich mich schon sehr.

Was? Jetzt ist schon der Nachmittag angebrochen? Schnell ins Main Street Bagels, um dort ein kleines Mittagessen auf die Hand zu kriegen. Schließlich habe ich demnächst noch einen wichtigen Termin. Während ich dort in der Schlange darauf warte, meine Wünsche zu äußern, komme ich ins Gespräch mit den beiden hinter mir wartenden älteren Damen.

Es stellt sich heraus, dass beide früher mehrere Jahre in Deutschland gearbeitet haben. Während die eine bei der US Army in Garmisch stationiert war, ging die andere einschlägigen und brisanten Tätigkeiten in der Abhörstation auf unserem Berliner Teufelsberg nach. Da muss ich nach über 30 Jahren in Berlin erst in eine US-Kleinstadt reisen, um dort beim Warten auf einen Bagel eine waschechte Ex-Spionin kennenzulernen, die in meiner Wahlheimat aktiv war 😅! Das Leben serviert mir bisweilen die schrägsten Zufälle.

Gesättigt und amüsiert laufe ich zurück ins Hotel, wo mir nicht allzu viel Zeit zum mentalen Verarbeiten dieses ereignisreichen Vormittags bleibt. Denn bald steht schon mein heutiger Ausflug an. Schluss mit der Geheimnistuerei! Ich werde nachher das Colorado National Monument besuchen. Dieses Anliegen war mein Hauptgrund, hier in Grand Junction einen Stopp einzulegen.

Im Vorfeld hatte ich mich nicht um Details gekümmert. Das mache ich so gut wie nie. Denn bisher war es immer und überall so, dass ich relativ spontan auch ohne eigenes Auto dort hin kam, wo ich hin wollte. Doch dieses Mal hatte ich meine liebe Mühe! Organisierte Touren gibt es nicht, und Tour Guides offenbar auch kaum. Doch letztendlich bin ich fündig geworden.

Um 15 Uhr holt mich Roxann ab. Sie wird für die nächsten drei Stunden mein privater Driver Guide sein und mir das grandiose Naturschutzgebiet des Colorado National Monument zeigen.

Der Name mag verwirrend sein. Verbinden wir im Deutschen doch den Begriff Monument nicht mit einer Landschaft. Doch in den USA wird je nach den Gründen, warum Land erhalten und geschützt werden soll, penibel unterschieden zwischen einem Nationalpark, einem National Monument, einem National Memorial und einem National Historical Park. Die Hintergründe habe ich jeweils verlinkt, denn an dieser Stelle würde es zu weit führen, näher darauf einzugehen. Merkt euch einfach: die Elke schaut sich jetzt eine schöne Landschaft an!

Vor mir liegt eine rund dreistündige Tour über den Rim Rock Drive, eine 37 Kilometer lange Panoramastrecke in besagtem Naturschutzgebiet. Dort warten 19 Aussichtspunkte und 14 Wanderwege auf die geneigten Besucher. Ich bekomme beeindruckende Canyons aus vielfarbigen Sandsteinformationen zu sehen. Sie sind durchzogen von tiefen Abbrüchen und steilen Felswänden in einem Farbspektrum, das von orange über rot und purpur bis braun reicht. Diese Farbenvielfalt verdankt das Colorado National Monument den Einlagerungen von Eisen und anderen Mineralien.

Der Weg führt bis oben aufs Hochplateau, von wo aus man in der Ferne auch die Book Cliffs sehen kann. Diese bestehen aus einer sagenhafte 320 Kilometer langen Aneinanderreihung von Tafelbergen und Klippen. Sie erstrecken sich über den westlichen Teil von Colorado bis hin zum Price Canyon in der Nähe von Helper im Osten von Utah. Die Felsformationen erinnern ein wenig an Bücherregale. So hatten sie ihren Namen weg. 

Es ist auffallend wenig los auf dem Rim Rock Drive. Roxann bekräftigt, dass es hier selten überfüllt ist. Offenbar finden wohl nicht allzu viele Touristen den Weg hierher, was dann wiederum das geringe Angebot erklärt, mit dem ich gestern zu kämpfen hatte. Die Besucher, die hierher kommen, sind in der Regel mit dem Mietwagen unterwegs.

Was sicher auch eine Rolle spielt, ist das geradezu verschwenderische Überangebot an grandiosen und spektakulären Landschaften und Nationalparks hier in Colorado und im benachbarten Utah. Tja, Moab und Co. sind eben in der Nähe und viel bekannter! Und so führt das Colorado National Monument ein wenig ein Schattendasein. Völlig zu unrecht!

Nun habe ich euch aber auf die Folter gespannt. Danke für eure Geduld! Hier ist meine Fotoausbeute:

Gestreift
Wo ist Obelix?

Unendliche Weiten
Die Mumie

Eingekesselt

Felsenfest

Fels ohne Brandung

Balanceakt

Ach, es war einfach klasse! Der Ausflug hat sich wirklich gelohnt. Und so kehre ich beeindruckt, zufrieden und beglückt wieder ins Hotel zurück.

Dort angekommen, nehme ich noch ein spätes Sonnenbad am Pool und ziehe mich dann in mein Zimmer zurück. It’s office time! So manche Korrespondenz wartet schon länger auf Erledigung. Packe ich es doch endlich an! Schließlich habe ich heute schon genug erlebt. Bis morgen!

18 Gedanken zu “Grand Junction – Colorado National Monument

  1. Wow das sind grandiose Landschauftsaufnahmen. Solche Stationen würde ich mir in Amerika sicherlich auch anschauen. Sind hier auch früher Western Filme gedreht worden ? Die Landschaft würde ja passen .
    Also hiermit hast du meinen Geschmack mal wieder voll getroffen. Danke

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  2. Wieder einmal, liebe Elke, ganz wunderbar und danke fürs Teilen dieser beeindruckenden Erfahrungen. Das Colorado National Monument hatte ich gar nicht auf dem Schirm, denn Arches, Canyonlands und auch Capitol Reef NP haben mich schon immer ganz in ihren Bann gezogen. Aber das ist ja wahrlich ein kleiner Geheimtipp. Liebe Grüße und freue mich schon auf die nächsten Posts!

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    1. Danke, Mareike! Ja, das Colorado National Monument wäre sicher ganz nach deinem Geschmack. Und den Rim Rock Drive könntest du auch prima mit dem Mountainbike fahren. Das würde dir sicher gefallen.

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  3. Herrliche Bilder! Und so wenig Menschen, das macht es umso attraktiver 😁. Ich hatte ja schon zweimal die Runde über Bryce Canyon, Canyonlands, Arches gemacht und war jedes Mal begeistert. Aber bis Grand Junction bin ich noch nicht gekommen. Wieder ein Punkt auf der ToDo-Liste 😅

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    1. Danke! Ja, es war echt verblüffend leer an diesem Nachmittag. Ich habe maximal zehn andere Autos auf der Strecke wahrgenommen. Und ein paar Radfahrer auf Trainingsfahrt.

      Wenn du schon zweimal dort in der Nähe eine Tour gemacht hast, kennst du ja das Problem mit der Qual der Wahl. Der Südwesten der USA bietet so unfassbar viele unterschiedliche Landschaften. Eine spektakulärer als die andere. Ach, ich könnte monatelang dort herumgondeln 😅.

      Jedenfalls haste jetzt ja noch einen Grund mehr, wieder hinzufliegen. Und ich schäme mich auch kein bisschen dafür, dass sich deine Liste nicht verkürzt 😁.

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  4. jetzt lese ich seit langem mal wieder diesen wunderbaren und beeindruckenden blog! Herrlich, will ich auch sofort hin, ein Ort, der noch nicht überlaufen ist!
    und vorher noch interessante und colle Leute kennengelernt! Glückwunsch

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  5. Wie es aussieht, ist es sehr einfach, mit den Menschen dort ins Gespräch zu kommen. Das ist was Schönes! Wie oft versuche ich, Menschen, die Angst vor dem Alleinreisen haben, zu erklären, dass sie auf so einer Reise keinesfalls lange alleine bleiben. Unsere Elke lebt uns das vor 😉

    Die Landschaft ist herausragend. Schon die Bilder machen was her, und ich denke, es ist nochmal ein ganz anderer Eindruck, live vor Ort zu sein und die Dimensionen zu betrachten. Wirklich beeindruckend.

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    1. Ja, in den USA, und da natürlich speziell in etwas kleineren Orten, ist es wirklich sehr leicht, mit Leuten ins Gespräch zu kommen, wenn man das möchte. Ich schätze das sehr! Noch leichter war es auf den Zugfahrten, denn da hat man ja auch ein gemeinsames Thema zum Einstieg.

      Ja, die Landschaft ist der Hammer. Im Südwesten der USA hat die Natur wirklich verschwenderisch ausgeteilt. Die wahren Dimensionen kommen auf den Fotos tatsächlich nicht so rüber. Wenn man live vor Ort ist, hat das Ganze noch mal deutlich mehr Wucht.

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  6. Liebe Elke, da geht mir das Herz auf. So viele interessante Kontakte in einem Rutsch. Fast so ähnlich wie vorhin auf dem Weihnachtsmarkt in Starnberg……Bizarr anmutende, kühne Felsformationen, die der Phantasie viel Raum geben. Toll! Tschüss Sabine

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    1. Freut mich, Sabine! Ja, die Landschaft dort ist einfach überwältigend. Und die Kontakte, die ich dort hatte, haben mich auch sehr bereichert – wie deine für dich auf dem Weihnachtsmarkt 😁.

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  7. „Elke schaut sich jetzt eine schöne Landschaft an!“ Barrierefreie Sprache, grandios verwendet!! 🤣 Wie überhaupt es wieder eine grandiose Folge war von „In 80 Blog-Tagen um die halbe Welt“. We stay tuned 😁👏🏻🙋‍♂️

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