Heute erwartet uns ein sonniger Tag mit angenehmen 19 Grad. Doch bevor wir unserem Tatendrang nachgeben, will ich mir noch schnell eine Ladung Latte Macchiato beim Alimentari in der Ludwigstraße zum Mitnehmen besorgen. Dort wurde ich bereits gestern gut verköstigt.

Wer hier schon länger mitliest, kennt sicher meinen umweltfreundlichen Mehrwegbecher in reisetauglichem Format, der immer mit an Bord ist. Nee, kennste nicht? Dann schau mal in meinem Beitrag Ich habe gekocht – es gibt Kaffee nach. Als ich den Laden betrete, fragt die nette Bedienung, ob ich das gleiche wie gestern möchte. Als ich daraufhin erfreut meine Bewunderung zum Ausdruck bringe, dass sie mich wiedererkannt habe, antwortet sie trocken: „Nee, nicht Sie, aber Ihren Becher!“ 😅

Nun aber los! Wir fahren in das nur wenige Kilometer von Garmisch entfernte Örtchen Farchant. Am Freibad wartet um diese gar nicht mehr so frühe Stunde – es ist 10:30 Uhr – ein fast leerer Parkplatz auf uns. Nur wenige Fahrzeuge verteilen sich auf dem großzügigen Gelände.

Der Weg zu unserem heutigen Ziel führt über einen ansprechend gestalteten Walderlebnispfad, bei dem sowohl die Kleinen als auch die nicht mehr ganz so Kleinen voll auf ihre spielerischen Kosten kommen.

Zwei Männlein steh’n im Walde
Verwarzt
Ding Dong

Wir kommen vorbei an dieser Sprunggrube mit motivierenden oder – je nach Gemütslage – demütigenden Bestmarken aus dem Tierreich …

Sprunghaft

… und landen dann am unteren Ende der Kuhfluchtwasserfälle. Sie bestehen aus einer Gruppe von mehreren, aufeinanderfolgenden Wasserfällen, deren Fallstufen sich auf beachtliche 270 Meter addieren. Sie gehören somit zu den höchsten in ganz Deutschland – und sind dennoch bis heute ein Geheimtipp. Ich habe gestern auch nur rein zufällig von ihnen gelesen.

Ihr Name mutet etwas merkwürdig an. Zwar haben wir dort in der Umgebung auch Kühe gesehen, doch sie wirkten auf uns nicht gerade, als ob sie auf der Flucht seien. Zwei Erklärungsversuche zur Namensgebung kursieren im Universum. Der eine vermutet den Ursprung bei den Römern, deren Begriff „confluctum“ den Zusammenfluss des hiesigen Baches mit der Loisach beschreibt. Dazu nehme man den Einfluss des örtlichen Dialektes – und schon landet man bei „Kuhflucht“. Der andere geht vom Begriff „Kuhflack“ als Ursprung aus. Dieser besagt, dass sich die Kühe im Sommer einen kühlen, schattigen Platz in Wassernähe suchen und sich dort hinflacken, sprich hinlegen. Die römische Variante gilt als die wahrscheinlichere. Aber sucht euch einfach diejenige aus, die euch einleuchtender erscheint oder besser gefällt 😎.

Nähert man sich ihnen auf dem einzig möglichen Zugang vom Ortskern von Farchant aus, kann man sie weder sehen noch hören. Auch auf unserem Weg entlang des Walderlebnispfades dringt nicht das leiseste Murmeln und Plätschern von Wasser an unsere Ohren. Umso erstaunter und überwältigter sind wir deshalb, als wir den Aufstieg an ihrem unteren Ende beginnen. Ein Wasserfall jagt den nächsten. Und einer ist schöner als der andere! Wir sind fassungslos – aber natürlich glücklich – darüber, dass an diesem wirklich spektakulären Ort so wenig los ist. Der Weg hat zwar ein paar Höhenmeter auf Lager, ist aber von wirklich guter Beschaffenheit und auch für Ungeübte gut zu bewältigen.

Und so staunen, verweilen, fotografieren und erfreuen wir uns über Stunden an diesem schönen Ort. Und schlussendlich trägt auch Stefans beharrliche und ausdauernde Gehirnwäsche Früchte: ich bin nun bereit für meine ersten „richtigen“ Stativaufnahmen (erkennbar an dem „verwischten“ Wasser auf den letzten vier Fotos), die ich aus Mangel an Geduld bisher meist gemieden habe.

Tief gefallen
Auf Holz gebaut
Kalte Dusche
Eingebrockt
Wildwasser
Treppab

Wenn man die metallene Brücke erreicht hat, hat man sicher die schönsten Seiten der Wasserfälle gesehen. Doch jenseits der Brücke geht es etwas steiler und unkomfortabler weiter. Die Neugier lockt – und so zieht es uns weiter hinauf. Und siehe da: Die Aussichten belohnen die zusätzliche Kraxelei! Wir lassen uns auch nicht von einem warnenden Schild ins Bockshorn jagen. Da lachen wir doch drüber 🤓.

Steine im Weg
Egal!
Doppelstrang

Nach einer kurzen Pause machen wir uns auf den Weg zum Parkplatz und fahren zurück nach Garmisch. Dort legen wir am Ortseingang noch einen kurzen Fotostopp an der schönen Friedhofskapelle ein …

Dorfschönheit

… und dann ab nach Hause. Ein geruhsames Stündchen auf dem Balkon kann nicht schaden, bevor wir wieder aufbrechen. Auf zur zweiten Runde Eibsee! Mal schauen, was er uns in der hereinbrechenden Dämmerung zu bieten hat. Ab 18:30 Uhr jedenfalls fast völlige Einsamkeit in vollkommener Stille! Nur kurz unterbrochen von drei mutigen und unerschrockenen Jungs, die sich johlend in ihr kurzes abendliches Bad im zu dieser Jahreszeit zwischen sieben und 12 Grad kalten See stürzen. Bei den Temperaturen hätten wir es wohl auch nicht geräuschlos ins Wasser geschafft ❄️.

Wir genießen die langsam einsetzende Dämmerung in aller Stille und drücken noch hier und da auf die Auslöser, bevor wir uns endgültig in den Feierabend verabschieden. Was für ein schöner Tag!

Liebesschwur
Der Auslöser
Stille Wasser

7 Gedanken zu “Ramsau/Garmisch: Tag 13 – Kuhflucht

  1. sehr gut die Wasserfälle mit dem Stativ zu fotografieren. Ist doch ganz gut gelungen und ich mag ja solche Wasseraufnahmen die die Dynamik zeigen.
    Der Eibsee ist für mich genauso wie die Kirche von Ramsau ! Tausende Fotos schon gesehen aber das ist ja auch wirklich ein schönes Fleckchen ! Selber war ich noch nie dort aber sollte sich die Gelegenheit mal bieten würde ich auf jedenfall auch hin !!!

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    1. Danke, Manni! Ja, so langsam verliere ich die „Scheu“ vor dem Stativ. Die Ergebnisse treiben mich an. Ja, stimmt, der Eibsee ist sicher schon zu Tode fotografiert worden. So ist das, wenn man so fotogen ist und sich in so einer traumhaften Umgebung einbettet 😎. Ja, statte dem Schönen bei Gelegenheit ruhig mal einen Besuch ab!

      Gefällt 1 Person

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