So manche*r unter euch mag sich nun fragen, was denn Kaffee bitte schön mit Reisen zu tun hat. Nun, eine ganze Menge! Zumindest für mich. Das Thema genießt bei mir geradezu Kultstatus. Lust auf eine Kaffeefahrt? Dann los!

Um das anregende und wohlschmeckende Getränk, seine Entstehung, Entwicklung und Bedeutung ranken sich Mythen und Geschichten. Eine gute, weil kurze und knackige Zusammenfassung findet ihr hier.

Ich selbst bin erst relativ spät zur Kaffeeliebhaberin geworden. In meinen jungen Jahren als Erwachsene lag mir das Gebräu lange Zeit zu bitter auf der Zunge. Bis heute kann ich es in seiner Reinform nicht genießen. Zucker brauche ich nicht dazu, aber eine ordentliche Menge aufgeschäumter Milch darf, nein, muss hinein. Langer Rede kurzer Sinn: ich bekenne mich aufrichtig zur Latte-Macchiato-Fraktion.

An welche Ort der Welt auch immer es mich hinzieht: ich starte den Tag mit einem Latte Macchiato. Wobei die Anzahl wörtlich gemeint ist, denn ich gehöre nicht zu den exzessiven Kaffeetrinkern, die dieses heiße, schwarze Nass durch den ganzen Tag begleitet.

Bei diesem lieb gewonnenen Ritual geht es mir um weit mehr als um den Geschmack und die aufputschende Wirkung des Koffeins. Wenn ich auf Reisen bin, will ich nicht nur die Sehenswürdigkeiten bewundern, umherschlendern und Neues, Überraschendes, scheinbar Unspektakuläres entdecken. Ich möchte auch innehalten, den Puls des Ortes fühlen, die Stimmung erspüren, aus der Perspektive einer Unbeteiligten das Leben auf der Straße beobachten, Gesprächsfetzen auffangen, in den Dialog mit Unbekannten treten, auf dass sie zu Bekannten werden.

Das alles macht etwas mit mir. Was ich morgens in einem Café erlebe, beeinflusst meine Stimmung, meine Sicht auf einen Ort, eine Stadt und ihre Menschen. Es trägt dazu bei, ob und in welchem Maße ich eine Stadt mag, ihr gar verfalle. Das gilt im übrigen auch für meine Wahlheimat Berlin. Auch dort bin ich gerne in den unterschiedlichen Stadtteilen und in mir unbekannten Kiezen unterwegs und sauge die Atmosphäre auf.

Je nach Situation und Stimmung nehme ich mir mal mehr, mal weniger Zeit dazu. Will ich es gemütlich und stilvoll angehen (was meistens der Fall ist) schaue ich mich um nach einem nicht zu großen Café in möglichst schöner, ruhiger Lage. Wenn mir dazu noch gratis eine gute Aussicht gewährt wird, sage ich auch nicht Nein. Der Laden darf gerne modern-stylish sein, aber nicht zu plüschig-gemütlich. Was das Publikum angeht, mag ich eine vielfältige Mischung aller gesellschaftlicher Schichten und Altersklassen, wobei ich durchaus Hipster-affin bin. Sehr gerne lasse ich mich auch in Museumscafés mit ihrer besonderen Atmosphäre und ihrem bisweilen etwas speziellen Publikum nieder. Wer hier schon eine Weile mitliest, kann sich sicher ein Bild dessen machen, was mir so vorschwebt.

Und so sitze ich ich dann eine ganze Weile vor oft liebevoll „designten“ Kaffeekreationen, erfreue mich am Leben um mich herum und genieße den Anblick, bevor ich das Kunstwerk auf Zeit durch Verzehr zerstöre.

Pflanzenwunder
Paris, Frankreich 201
5
Die große Leere
Valencia, Spanien 2017
Durch die Blume
Berlin, Deutschland 2018
Backwahn
Art Gallery of Ontario, Toronto, Kanada 2018
Bärenstark
Berlin, Deutschland 2018
Wüstenvariante
Rub al Khali, Oman 2019
Von Herzen
Berlin, Deutschland 2019
Schoko-Deko
Berlin, Deutschland 2019
Schwarzer Sonntag
Ericeira, Portugal 2019
Floral
Tel Aviv, Israel 2020

Wenn es einmal etwas schneller gehen soll – was bei mir jedoch immer noch recht ausgedehnt ausfallen kann 😎 -, ist der berühmt-berüchtigte Ketten-Gigant aus Seattle der Kaffee-Dealer meiner Wahl.

Da ihr sowieso alle wisst, von welchem Unternehmen ich rede, muss ich den Namen nicht weiter verheimlichen. Das 1971 gegründete Unternehmen wurde nach dem Steuermann Starbuck aus dem Roman „Moby Dick“ benannt. Mit diesem Namen sollte an die Seefahrerromantik und -tradition der ersten Kaffeehändler erinnert werden.

Sicher war die eine oder der andere von euch schon einmal in einer der zahllosen Filialen, die mittlerweile über die ganze Welt verstreut sind. Und deshalb wissen diejenigen auch von dem Vergnügen, das die Mitarbeiter gratis zu dem Kaffee mitliefern. Wenn ihr bei Starbucks (nein, ich bekomme für die Nennung des Namens keine Vergütung 😅) einen Kaffee oder ein sonstiges Getränk bestellt, werdet ihr nach eurem Namen gefragt, der dann in mehr oder weniger umständlicher Manier auf den Pappbecher gekritzelt wird. Nun wird es spannend und häufig auch lustig. Wird euer Name wieder falsch geschrieben? Und wenn ja: was kommt dabei an neuen Kreationen heraus?

Nun kann man die Sache auf zweierlei Weise interpretieren. Entweder erklärt man sich die kreativen Rechtschreibfehler damit, dass der Barista hinter dem Tresen deinen in seinen Ohren fremd klingenden Namen schlichtweg nicht richtig verstanden hat oder keine Leuchte in Sachen Rechtschreibung ist. Oder man unterstellt dem Unternehmen eine geniale Marketingstrategie, auch als „Becher-Verschwörung“ bekannt. Die funktioniert, verkürzt dargestellt, folgendermaßen: empörte oder belustigte Kunden, deren Namen falsch geschrieben wurden, fotografieren ihren Becher und teilen das Foto auf ihren diversen Social Media Kanälen. Eine umfassendere und billigere Werbung kann ein Unternehmen kaum bekommen. Eure Entscheidung, welcher Lesart ihr glaubt!

Ja, auch ich habe mich von dem Hype um die Rechtschreibung des Namens anstecken lassen. Einen anderen Trend jedoch habe ich ausgelassen: einen besonderen Starbucks-Namen habe ich mir nicht zugelegt, auch wenn ich kurz darüber nachgedacht hatte, mich dort künftig als „Madonna“ vorzustellen.

Gefühlt wurde mein Name in all den Jahren öfter falsch als richtig geschrieben, auch wenn die nachfolgende, chronologisch sortierte und nicht repräsentative Fotosammlung ein anderes Bild vermittelt. Die falschen Varianten wiederholten sich bis auf wenige Ausnahmen auch immer mal wieder. Aber auch bei korrekter Schreibweise mag ich den Blick auf die unterschiedlichen Handschriften.

Grüne Meerjungfrau
Berlin, Deutschland 201
5
Läuft!
Berlin, Deutschland 201
5
Aufgeladen
New York, USA 201
5
Eiskalt!
Paris, Frankreich 2016
€ oder e?
Paris, Frankreich 2016
Aufgeklebt
Chicago, USA 2016
A ha!
St. Louis, USA 2016
Das Versprechen
San Antonio, USA 2016
Bonsai-K
Lissabon, Portugal 201
7
Konkurrenz!
Auckland, Neuseeland 2017
Muslime und Alkohol 😅
Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate 2018
Verniedlicht
Montréal, Kanada 2018
Verkritzelt
Muscat, Oman 2019
Zweite Chance
Marseille, Frankreich 2019
Rot sehen
Lissabon, Portugal 2019
TechNick?
Lissabon, Portugal 2019
Frohgemut
Lissabon, Portugal 2019
Öko? Geht doch!
Berlin, Deutschland 2019

Im Laufe der Jahre hat mich nicht nur bei Starbucks, sondern auch in vielen anderen Läden zunehmend gestört, dass es immer seltener „richtige“ Tassen gab. Im Zuge der populärer werdenden To-Go-Mentalität griff das Unwesen der Einwegbecher aus schwer recyclebarem Verbundmaterial immer mehr um sich und sorgte für unfassbare Mengen an vermeidbarem Müll. Alleine in Berlin werden laut diesem Bericht 20.000 Einwegbecher verbraucht. Pro Stunde!

Dieses Spiel will ich nicht mehr mitspielen. Und so habe ich mir letztes Jahr in einem Sportladen im portugiesischen Ericeira einen genialen, wiederverwendbaren Becher zugelegt. Er ist zudem auch höchst reisetauglich, weil auf die Größe eines Eishockey-Pucks faltbar. Schön für die Umwelt, schade um den nun ausbleibenden Unterhaltungswert, weil niemand mehr meinen Namen falsch schreiben kann. Mehrwegbecher gibt es übrigens auch bereits als Pfandsystem.

LiLaLaune
Aufgeschraubt
Platzwunder

Doch trotz dieses wunderbaren Reisebegleiters: „richtige“ Cafés mit ihrer unverwechselbaren Atmosphäre und Bedienung am Platz bleiben für mich immer die erste Wahl.

Und hier schließt sich der Kreis(lauf) des Dreiklangs aus Elke, Reisen und Kaffee ♻︎. Lust auf ein Käffchen?

16 Gedanken zu “Ich habe gekocht – es gibt Kaffee!

  1. Liebe Elke, oder Elki oder Alki 😉 oder L€ke 🙂 🙂
    Du kannst dich mit Micha zusammen tun, er fotografiert unsere Kaffeetassen ebenso wie du in jedem Land wo wir Kaffee trinken.
    Für uns ist das Lebensart! Genauso wie du es beschreibst.
    Liebe Grüße von Susanne

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  2. Leider kann ich da nicht mitreden ! Für mich war Kaffee nie etwas besonderes bzw. den ich gerne trinken. Ich verstehe die Menschen nicht die auch in den Büros Kaffeemaschinen stehen haben. Muss ich auch nicht !!!!
    Klar der Kaffee gehört für viele dazu wie das tägliche Brot aber ich war und bin bis heute kein Kaffeetrinker. Es gibt Ausnahmen aber dann nur einen Cappuccino !!!!!
    Den trinke ich mal aber vermissen würde ich ihn auch nicht !!!

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    1. Zum Glück sind die Geschmäcker verschieden! Wäre sonst ja auch langweilig – oder es gäbe einen Engpass bei der Kaffeeversorgung 😎. Aber du kannst dir es ja auch mit einem Tee oder einem Kaltgetränk in den Cafés und Lokalen gemütlich machen. Letztendlich geht es ja mehr um das Erlebnis und weniger um das, was man in der Tasse oder im Glas hat.

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        1. So weit liegen wir gar nicht auseinander! Tee trinke ich auch gerne. Tagsüber und auch abends Wasser. Bei Bier bin ich auch gelegentlich am Start 😎. Allerdings ist mir ein Pils lieber als ein Weizen.

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  3. als ich die Überschrift „ich habe gekocht“ gelesen habe, dachte ich, Ah, jetzt kommen klasse Rezepte…
    aber es folgte ein spannender Bericht über Elke und ihr Kaffeetrinken auf ihren Reisen. War wieder sehr spannend und witzig. Und diese Namensschreibweise…
    Besonders interessant ist der Hinweis auf den faltbaren Kaffeebecher. Genial Elke!
    auf einen blog mit Rezepten warte ich dann noch…

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    1. Rezepte? Bei mir? Niemals 😂! Höchstens mal als Link im Zusammenhang mit etwas Leckerem, was ich auf Reisen gefüttert habe – selbstverständlich zubereitet von jemand anderem 😎. Ich gehöre ja lieber zur verzehrenden Fraktion, auch wenn ich im Alltag zuhause natürlich auch koche. Aber Kochen und Reisen gehört für mich absolut nicht zusammen. Von daher müsstest du für dieses Thema auf andere, einschlägige Food-Blogs ausweichen. @ Schreibweise: ja, immer wieder äußerst unterhaltsam! Besonders hat mich „Alki“ ausgerechnet in einem muslimischen Land, in dem Alkohol tabu ist, zum Lachen gebracht. Unfreiwillig übe Komik, denn die Dame hinter dem Tresen sprach ja auch kein Deutsch,, konnte von dem Gag, den sie produzierte, also nichts ahnen. @ Faltbecher: ja, der ist großartig!

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  4. Das ist ja eine tolle Idee einen Beitrag über Kaffee zu schreiben und so viele Fotos über Kaffee zu machen. Die Namensvariationen bei Starbucks kenne ich auch und oft habe ich drüber gelacht. Eigentlich bin ich Teetrinker aber ab und zu trinke ich sehr gerne einen Latte Macchiato
    LG Andrea

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    1. Danke! Ja, das Kaffee-Thema war jetzt, da bei mir das Ende des Wegwerfbechers „droht“, einfach dran. Und bei mir hat es auch einfach einen unmittelbaren Bezug zum Reisen. Mit Tee geht das aber natürlich genauso 😎.

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    1. Freut mich, dass dir mein Beitrag gefallen hat. Den Becher habe ich in einem Surf-Shop in Ericeira/Portugal gekauft. Die Marke heißt Stojo. Die Becher kriegst du aber auch über Amazon. Hier der Link: https://www.amazon.de/s?k=stojo+becher&adgrpid=69055860697&gclid=EAIaIQobChMIramG3oa-6gIVBJ3VCh3GewG0EAAYASAAEgLpgvD_BwE&hvadid=352740533036&hvdev=t&hvlocphy=9061132&hvnetw=g&hvqmt=e&hvrand=12831808380566443546&hvtargid=kwd-315379502573&hydadcr=27927_1728695&tag=googhydr08-21&ref=pd_sl_2w5lnr7wh2_e

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  5. Aah, Schwestern im Geiste! Ich liebe es, irgendwo in einem Café zu sitzen, die Atmosphäre aufzusaugen und Leute zu beobachten. Dabei ist auch bei mir die erste Wahl der Latte Macchiato. Als Alternative kommt dann Cappuccino oder Milchkaffee in Betracht. Wenn möglich alles ohne Kuhmilch. Dem ganz normalen Kaffee, und seien die Bohnen auch noch so edel, kann ich wie du in der Tat nichts abgewinnen. So einen Faltbecher habe ich im Übrigen auch (aber lila😅) und habe fast immer entweder diesen oder einen anderen wiederverwendbaren Becher in meiner Tasche bzw. im Auto. Diese Massen an kaum recyclebaren Einwegbechern geht gar nicht!

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    1. Ja, so ist das dann wohl mit uns zwei Kaffeeschwestern 😃. Deinen Faltbecher hast du mir auf Facebook ja eben präsentiert. Deiner ist auch sehr ansprechend! Die Optik ist zwar nicht entscheidend, aber dennoch nicht unwichtig, gell? Ja, dieser unfassbare und so einfach zu vermeidende Müllberg an Einwegbechern ist auch für mich zum Unding geworden.

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