Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Da wir gestern zu spät dran waren, wollen wir uns heute nach einem guten Frühstück im Walper Hotel das benachbarte St. Jacobs ansehen. Es liegt etwa 15 Kilometer nördlich von Kitchener, inmitten von Farmland. Früher hieß das adrett herausgeputzte Städtchen Jacobstettl. Nun sind wir endgültig im Territorium der Mennoniten angelangt. Menno was? Mehr Infos gibt es hier: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Mennoniten

Immer noch nicht genug? Einen anschaulichen Artikel inklusive Hörprobe findet ihr hier: https://out-of-canada.olehelmhausen.de/mennoniten-in-kanada-telefon-im-kuhstall-pieper-im-guertel/

An diesem frühen Sonntagmorgen liegt das hübsche Städtchen wie ausgestorben. Eigentlich wollten wir ja gestern schon hier sein und die samstägliche Hauptattraktion, den Farmers Market, besuchen. Aufmerksame Leser jedoch wissen bereits, dass wir diesbezüglich gescheitert sind und warum.

Ein Parkplatz ist schnell gefunden. Und los!

Sehr weit kommen wir nicht, denn nun bringt sich Wolfgang ins Spiel. Er kommt per Fahrrad daher und sieht mit messerscharfem Kennerblick, dass da zwei Kandidaten aus seiner alten Heimat herumschleichen. Und so spricht er uns an.

Der ehemalige Deutschlehrer und Kunsthändler blickt auf 79 intensiv gelebte Jahre zurück. Dass er seit 66 Jahren in Kanada lebt, hört man ihm kaum an. Er spricht wirklich noch erstaunlich gut deutsch und ergreift die sich hier und jetzt ergebende Gelegenheit beim Schopf. Eine halbe Stunde unterhalten wir uns angeregt – beziehungsweise eher er uns 😎 – …

… bevor wir weiter unserer Wege ziehen. Ein kurzer Abstecher zum alten Bahnhof, der an Markttagen noch immer eine Zugverbindung zwischen St. Jacobs und Kitcheners Partnerstadt Waterloo aufrechterhält, …

… und anschließend weiter durchs Städtchen.

Schade übrigens, dass das Infocenter erst am Nachmittag öffnet!

Aber immerhin bekommen wir sowohl in der Stadt als später auch außerhalb so manche Live-Vorführung, die uns deutlich macht, dass hier die eine oder andere Uhr doch etwas anders tickt (siehe auch das heutige Titelbild).

Wolfgang gab uns beim Abschied noch einen heißen Tipp mit auf den Weg. Ein paar Kilometer außerhalb des Ortes, einmal quer durchs Hinterland auf einer Wiese inmitten von Nichts, findet heute die Deuce-Merc Show statt. So viel Lokalkolorit lassen wir uns natürlich nicht durch die Lappen gehen!

Habt ihr es bemerkt? Die Karre auf dem ersten Bild hat sogar einen richtigen Grill an Bord! Fasziniert betrachten wir die Szenerie und kehren dann ermattet von der schwülen Hitze wieder zu unserem eigenen unspektakulären Fahrzeug zurück. Coole Karren, skurrile Typen, auf dem Weg dorthin Mennoniten mit Kutsche, eine nette Unterhaltung und ein hübsches Städtchen. Was wollen wir mehr an diesem Urlaubstag?

Ach, komm! Da satteln wir doch locker noch einen drauf! Auf zu einer der Top-Sehenswürdigkeiten Kanadas!

Doch erst mal ein kleiner Schreck. Zu unserem Befremden funktioniert das Navi offenbar nicht für Ziele östlich von Hamilton. Naiv wie wir waren, sind wir davon ausgegangen, dass da eine komplette Kanada-Karte hinterlegt ist. Ok, dann eben Handarbeit. Flugs eine Straßenkarte an der nächsten Tanke gekauft, und das Analog-Navi Modell „Elke“ übernimmt.

Auch heute kommen wir nicht so voran wie geplant. Auf der Strecke ist am heutigen Sonntag eine Menge Verkehr. Stau folgt auf Stop and Go folgt auf Stau. Schlussendlich brauchen wir für die überschaubare Strecke von 120 Kilometern mehr als drei Stunden. Auf der Autobahn wohlgemerkt.

Am späten Nachmittag landen wir dann im Epizentrum des Tourismus, wo uns ebenso wie vorher in St. Jacobs schwül-heiße 32 Grad erwarten. Wenn ihr unbedingt einmal Urlaub in den Tropen machen wollt, kann ich euch Kanada wärmstens empfehlen!

Wir werfen schnell unser Zeug ins Hotel, denn es ist nicht mehr sonderlich viel übrig von diesem Tag. Auf zu den Fällen! Es ist eine Menge los am späten Sonntagnachmittag. Doch die Leute sind angenehm rücksichtsvoll. Letztendlich werden aus dem ersten Erkunden vier Stunden inkl. Beleuchtung und Feuerwerk um 22 Uhr! Hier unsere ersten Eindrücke. Morgen mehr!

Gegen 23 Uhr sinken wir erschöpft in die Kissen. Ein langer, ereignisreicher Tag geht zu Ende 😴.

4 Gedanken zu “Tag 10: Von Kitchener nach Niagara Falls – Zeitreise

  1. Ah, es geht weiter. Wie seid ihr denn auf den Ort gekommen? Nur wegen der Mennoniten? Die Oldtimer Show war ja bestimmt klasse. Coole Teile!👍 Kleiner Tipp: die Routennavigation per Google Maps auf dem Handy funktioniert auch offline, wenn ihr die Strecke vorher einmal bei Internet aufgerufen habt. So haben wir uns sogar durch Costa Rica bewegt.😉

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    1. Auf dem Weg zwischen Toronto und den Niagarafällen schien mir das die interessanteste und skurrilste Option. @ Navi: nach dieser Panne haben wir uns gleich im nächsten Hotel, wo wir wieder an WLAN kamen, direkt eine Navi-App auf beide Handys geladen. In der konkreten Situation war halt kein WLAN verfügbar, und vorher hatten wir uns darüber keinen Kopf gemacht. Wir hatten ja ein Auto mit Navi gemietet … Nun sind wir schlauer!

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