Heute morgen bin ich unschlüssig. Rahmen oder Pool? Der Rahmen gewinnt. Auf zu Dubais neuester Attraktion, Dubai Frame, eröffnet im Januar 2018. Doch halt, erst noch schnell den Koffer packen, das gute Stück an der Rezeption deponieren und auschecken. Ein eigentlich kurzer Ritt mit dem Taxi über die Autobahn, doch der morgendliche Berufsverkehr – sonntags startet hier die Arbeitswoche – verzögert die Anreise ein wenig. Doch schon bald stehe ich vor dem 150 Meter hohen und fast 100 Meter breiten begehbaren Bilderrahmen am Rande des Zabeel Parks. Zur einen Seite rahmt er die Ansichten auf den alten Teil der Stadt ein. Zur anderen bietet er den Anblick des neuen Dubais.

Als ich den genauen Standort des imposanten Teils sehe, wird mir klar, dass der eigentliche Gag …

… nur aus der Luft wahrnehmbar ist. Da ich weder eine Drohne zur Hand habe noch ein Hubschrauber in Reichweite ist, muss ich nehmen, was für das gemeine Fußvolk übrig ist. Aber das ist eine Menge! Zuerst versuche ich noch, wenigstens den Bruchteil des Effektes hinzukriegen und entferne mich so weit wie in diese Richtung möglich. Mit einem Fuß in einer Baustelle, mit dem anderen schon auf einer Autobahnabfahrt, gelingt mir aber nur das:

Egal, rein ins Vergnügen! Kurze Erheiterung meinerseits, als ich mutterseelenallein an die Kasse trete – es ist in dem Moment gerade kein einziger anderer Besucher zu sehen – und die Dame hinter dem Schalter allen Ernstes fragt, für wieviele Personen ich ein Ticket möchte 😂. In diesem Kulturkreis ist es schlicht undenkbar, dass man alleine etwas unternimmt.

Bevor ich mich in nicht ganz so schwindelnde Höhen begebe, umrunde ich das Glanzstück und schaue, welche Perspektiven und Detailanblicke mir geboten werden.

Ein beeindruckendes Teil, oder? Nichts wie rein mit mir. Ein gläserner Aufzug katapultiert mich in 15 Sekunden an einem der Seitenteile nach oben. Im oberen Rand des Rahmens kann man dann frei herumlaufen und mal die eine, …

… mal die andere Seite der Stadt bewundern.

Faszinierend ist auch das Teilstück des Bodens, das verglast ist. Trotz des sicheren Wissens, dass diese Fläche weit mehr als mein Kampfgewicht trägt (beim nächsten Besuch bringe ich testweise einen Elefanten mit), ist mir mulmig zumute, als ich darüber schreite.

Auch diese Horde Jungs ist schwer beeindruckt von dem freien Blick nach unten. Mich hingegen fasziniert in dem Moment mehr das harmonisch abgestimmtes Outfit der Truppe. Einer der Typen passt nicht dazu. Finde den Fehler!

Wieder auf dem Boden der Tatsachen aufgeschlagen, entscheide ich mit Blick auf die Uhr, dass noch ein kurzer Besuch im angrenzenden Zabeel Park drin ist. In dem Moment weiß ich noch nicht, das auch dieser wie ein Hochsicherheitstrakt umzäunt ist und nur einen einzigen Eingang besitzt, der von meinem Standort aus fast zwei Kilometer entfernt ist. Das ist an sich keine Riesenentfernung. Aber es ist heiß, kein Schatten in Sicht, eine mindestens zwölfspurige Straße verläuft direkt neben dem Fußgängerweg – und sooooviel Zeit habe ich eigentlich auch nicht heute. Ich muss ja schließlich noch die Stadt wechseln. Aber egal.

Immerhin werde ich noch mit dem Anblick dieses schönen Türmchens belohnt. Ihr kennt ihn schon von dem S-W-Foto weiter oben. Aber „von unten“ betrachtet hat er auch was.

Der Weg wird kurzweilig, als ich auf eine kleine Gruppe von Touristen aus Indien treffe und mit ihnen ins Gespräch komme. Als das Thema auf die unterschiedlichen Flugzeiten nach Dubai kommt, wird es lustig. Die Weltbürger aus Indien, nach einem vierstündigen Direktflug hier gelandet, stutzen, als ich erzähle, dass ich via Paris angereist bin. Wieso ich denn keinen Direktflug ab Berlin genommen habe, wollen sie wissen. Als ich berichte, dass man nur von anderen deutschen Flughäfen aus direkt nach Dubai kommt, aber nicht von Berlin, gibt es kein Halten mehr. Sie lachen sich kaputt darüber, dass man von einer Hauptstadt aus mit Zwischenstopp zu einem Ziel wie Dubai fliegen muss. Die endlose Geschichte des BER erspare ich ihnen an der Stelle. Die hätten sie mir erst recht nicht geglaubt 😂.

Endlich im Park angelangt, genieße ich etwas Schatten und suche nach originellen Perspektiven auf den Frame. Mein Favorit darf heute aufs Titelbild. Witzig finde ich auch dieses hier:

Doch jetzt muss ich los. Ab in die U-Bahn, die mich zum Hotel zurück bringt. Dort sammele ich mein Gepäck ein und nehme mir ein Taxi zum Busbahnhof. Ich bin in den letzten Tagen des öfteren Taxi gefahren und wurde oft mit sehr interessanten Gesprächen belohnt (mehr dazu in der Nachlese nach meiner Rückkehr). Doch heute wird mir die bisher beste Unterhaltung geboten!

Der junge Mann aus Bangladesh ist nicht mehr zu bremsen, als er hört, dass ich aus Deutschland komme. Er outet sich als glühender Fan der deutschen Bundesliga, stellt aber mit einem einleitenden „but I don’t like“ im gleichen Atemzug klar, was er nicht mag – ich schwöre, auf deutsch und ohne Akzent! – „mia san mia“! Direkt im Anschluss überlässt er inmitten des höllischen Verkehrs einer Hand das Lenkrad, um mit der anderen sein Mobiltelefon zu zücken. Stolz zeigt er mir das Hintergrundbild: seine Lieblingsmannschaft Borussia Dortmund. Bis kurz vor Fahrtende referiert er dann über schlechte Verkäufe (vor allem an Bayern München) und sonstige Transferdramen sowie seine zweite Leidenschaft (Lionel Messi und der FC Barcelona) inklusive detaillierter Analysen von Spieleigenschaften seines Lieblingsspielers. Logisch, dass er auch alle aktuellen Spielergebnisse kennt. Schade, dass die Fahrt nach einer halben Stunde schon vorbei ist!

Am Bahnhof Ibn Battuta befindet sich auch der Busbahnhof. Es stellt sich heraus, dass ich meine wiederaufladbare U-Bahn-Karte praktischerweise auch für den Bus nach Abu Dhabi benutzen kann. Ich lade einen überschaubaren Betrag von umgerechnet 3 EUR 20 auf die Karte und schwinge den Koffer in den bereitstehenden Reisebus. Die Busse fahren alle 20 Minuten. Das ist quasi so, als ob ich in Berlin den 104er Bus nach Neukölln nehme. Nur dass die Fahrt hier mit eineinhalb Stunden etwas länger dauert.

Die Strecke in die Hauptstadt das Landes ist verwüstet, staubtrocken, wenig abwechslungsreich und entsprechend öde. Schon bald schlafe ich ein und wache erst kurz vor dem Ziel wieder auf. Es geht doch nichts über ein entspanntes Mittagsschläfchen!

Am späten Nachmittag lande ich im Hotel, drehe zur ersten Orientierung noch eine Runde in der näheren Umgebung, besorge mir Nahrung und mache es mir dann in meinem Zimmer bequem. Ich freue mich auf Abu Dhabi und bin schon total gespannt, was mich ab morgen erwarten wird. Stay tuned!

10 Gedanken zu “Tag 6 – Alles im Rahmen: Von Dubai nach Abu Dhabi

  1. Oh, was macht denn die Skyline von Shanghai im Frame (bzw. davor im Park)? Siehste…ein weiterer Wink mit dem Zaunpfahl.😜 Ansonsten finde ich den Rahmen extrem cool! Oben hat es was vom Gateway Arch, oder? Nur nicht ganz so eng natürlich. Viel Spaß in Abu Dhabi, bin gespannt!

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  2. ⚽️😅 BuLi ist international. Dubai schön geframt und das mit dem BER kann man wirklich keinem erklären, dass versteht ja hier auch keiner. Spott und Häme schütten sie über unsere „neue“ Heimat. Armer Horst. 😅😅😅

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  3. Ein Inder und eine Deutsche sprechen in einem arabischen Taxi über Fußball und mia san mia….ich liebe es. Manchmal macht so eine Begegnung die Welt, für einen kleinen Moment, zum besseren Ort….auch das ist Reisen.Immer schön neugierig bleiben …. auf nach Abu Dhabi🐪🐪🐪🐪🐪🐪🐪🐪🐪🐪🐪

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  4. ich müsste für eine Fahrt von 4,2 km von Heusweiler nach Riegelsberg schon 3,80 € zahlen. Auf nach Dubai zum Busfahren.
    In welchem verwandtschaftlichen Verhältnis steht denn nun die Dame aus den Emiraten zu mir?????
    Komme ich auch auf die Liste der Erbberechtigten???

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    1. Die Frage nach dem Verwandschaftsgrad spielt jetzt keine Rolle mehr, da der Alte Sack sein komplettes Vermögen auf Anraten des Vaters der potentiellen Braut in dubiose Dubai-Immobilien (geschlossene Fonds) investiert hat. Das Erbe kannste vergessen!

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  5. Hallo Elke, endlich mal wieder Zeit bei Dir reinzuschauen aus Südtirol und den Giganten hier am Himmel ( die 3 Zinnen!). Bilder kommen nach.
    Warst Du hoch oben im Burj. K. Elke? In der Atmosphere Bar gibt’s das beste Knabbergebäck der Welt…. Tolles Video dazu, Danke! Ein Bad im Meer mit Blick zur Skyline ist übrigens auch der Hit!! Viel Spass in Abu Dhabi…

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