Heute habe ich eine unfassbar schöne Wanderung gemacht. Der Queen Charlotte Track ist ein 71 km langer Küstenwanderweg, den man sportlich in drei oder sozialverträglicher in vier Tagesetappen bewältigen kann. Da ich nicht so lange hier bin, picke ich mir als Tageswanderung die erste Etappe des Weges heraus, die sowohl schöne Ausblicke verspricht als auch mit 15 km bequem zu bewältigen ist. Den Transfer hin und zurück habe ich bereits gestern in der Touri-Info klargemacht. Die nette Dame dort hat denn auch eine weitere Schreibvariante meines Namens kreiert.

Das Boot von Beachcomber Cruises …

… bringt mich bei schon fast verdächtig traumhaftem Wetter (Sonne, makelloser Himmel, 23 Grad) in einem knapp einstündigen Ritt übers Wasser zum Startpunkt meiner Etappe, der Ship Cove. In dieser paradiesischen und abgeschiedenen Bucht legte Kapitän James Cook anno 1770 als erster Europäer in Neuseeland an. Denkt man sich den heutigen Bootsanleger weg, sieht die Bucht heute genauso aus wie Cook sie vor fast 250 Jahren mit seiner „Endeavour“ vorgefunden hat.

Die Bucht kommt meiner Vorstellung von Paradies schon ziemlich nahe, auch wenn dieser kleine Schreihals sein Bestes gibt, die himmlisch ruhige Idylle zu zerstören.

Unser Boot kippt einen Teil seiner Ladung in der Bucht aus. Der Rest bleibt an Bord und lässt sich weiter durch die Botanik schippern. Mit mir ist eine internationale Truppe von 15 Leuten über, äh von Bord gegangen, die sich während der nächsten Stunden großzügig die Beine vertreten möchte. Australien, die USA, Schweden und Deutschland sind würdig vertreten. Sieht es am Anfang noch nach einer Massenwanderung aus, …

… so verläuft sich die Truppe recht schnell. Die einen verweilen erst einmal eine Weile bei den Infotafeln über Cook und seine Machenschaften und schauen in Ruhe, was die Bucht sonst noch so zu bieten hat.

Andere stürmen gleich los, und das in unterschiedlichem Tempo. Ich treffe an den diversen Aussichtspunkten und Rastplätzen immer mal wieder auf die eine oder den anderen, laufe aber den Track an sich ganz für mich alleine. Diese Stille! Nur die eigenen Schritte auf dem Weg, die Vögel und in der Ferne das Plätschern von Wasser hören ist eine fantastische Sache, die ich sehr genieße.

Das erste Teilstück ist recht steil und zieht sich eine Weile hin. Doch oben angekommen, werde ich mit einer Aussicht belohnt, die wahrlich noch atemberaubender ist als der steil nach oben führende Weg hierher. Ich weiß nicht, ob meine Fotos diesen Wahnsinn auch nur annähernd transportieren können. Live und in Farbe ist es jedenfalls unbeschreiblich schön.

Von hier an verläuft der Weg wesentlich moderater mit sozialverträglichen Auf und Abs und auf Wegen mit guter Beschaffenheit.

Immer wieder öffnet die üppige Flora großzügige Sichtfenster und bietet tolle Ausblicke auf die Marlborough Sounds.

Stopps lohnen sich aber auch ohne Meerblick, denn der Wald selbst bietet ebenfalls einiges.

Sobald ich an einem Stopp Futter aus dem Rucksack nehme, tauchen wie aus dem Nichts auch schon neugierige, verfressene Wekas auf, eine Art überdimensioniertes Huhn und ebenso wie dieses und die Kiwis flugunfähig. Da kannste noch so niedlich gucken und deinen plumpen Körper auf deinen großen Füßen hin und her wiegen. Freiwillig gebe ich nichts ab! Beim Essen hört bei mir die Freundschaft bekanntlich auf.

Originelle Sitzmöbel und Kunst finden sich auf dem Weg ebenso wie Blumen.

Ein Sprung ins kühle Nass gefällig? In Buchten wie dieser wäre es möglich. Doch mein Badeanzug ruht zwar nicht in Frieden, aber zu weit entfernt im Koffer.

Zudem bin ich mir nicht sicher, ob ich meine Zeit gut eingeteilt habe, so dass ich nur kurz am Strand verweile. Mein Boot um 16:15 Uhr sollte ich jedenfalls besser nicht verpassen.

Gegen Ende der Strecke, die jetzt unten auf Uferhöhe verläuft, finden sich eine Handvoll kleiner Wohnhäuser, die nur übers Wasser zu erreichen sind. So mancher originelle Vorgarten ist auch dabei.

Zieleinlauf auf dem Gelände der Furneaux Lodge.

Dort stärke ich mich mit einem kleinen Lunch und einem kühlen Getränk. Den gesteckten Zeitrahmen habe ich leicht unterschritten, so dass mir noch mehr als eine Stunde zum Essen und Chillen am Ufer bleibt. Bleibt mir nur noch, die letzten 150 Meter zum Bootsanleger zu trödeln, wo sich auch noch andere Boote zu schaffen machen. Heute scheint hier eine Party zu steigen, allerdings eine eher spartanische.

Pünktlich taucht dann auch „mein“ Boot auf. Jacke an und rauf aufs Oberdeck! Dort treffe ich wieder auf das nette Pärchen aus Kalifornien, mit denen ich die üblichen Themen wälze: Angela Merkel und die Flüchtlinge, vor allem aber Donald Trump. Als es droht, zu anstrengend zu werden, taucht als Ablenkung zum Glück ein Trupp Delfine auf, der unser Boot hartnäckig verfolgt. Die scheinen echt Spaß zu haben! Warum auch nicht. Ich hatte den heute ja auch, und das nicht zu knapp.

8 Gedanken zu “Tag 17 – Picton: Auf königlichen Pfaden

  1. Wow! Tolle Einblicke in eine schöne Wanderung mit schöner Landschaftsfotografie. Mit Text: als wäre man selbst dabei. Man darf nur nicht aus dem Fenster schauen, dann fällt einem wieder das deutsche Schmuddelwetter unagenehm auf. Also geniiiiiieeeeeessssssssen bitte. 🙏🏻

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