Heute hatte ich einen meiner seltenen lichten Momente. Die berühmte Tram 28 mit ihrer attraktiven Streckenführung durch die Altstadtquartiere bergauf und bergab, für alle Besucher Lissabons ein Muss, ist immer rappelvoll. Wenn man denn überhaupt in absehbarer Zeit reinkommt. An einen Sitzplatz braucht man erst gar keinen Gedanken zu verschwenden. Doch auch hier gilt: der frühe Vogel fängt den Wurm! Und so entere ich morgens um 7:30 Uhr die begehrte Tram. Außer drei Einheimischen und einer japanischen Touristin, die mich verschwörerisch angrinst, ist nur noch der unvermeidliche Fahrer mit an Bord. Großartig und sehr entspannt! Schön auch der Umstand, dass es erst dann kräftig zu schütten beginnt, als ich schon drin sitze.
 

 
Bevor ich an einer der Endhaltestellen wieder in die entgegengesetzte Richtung fahren kann, muss ich raus aus der Kiste und an der Haltestelle warten. Der Regen hat aufgehört, die Sonne wagt sich raus. Den an sich recht unattraktiven Platz Martim Moniz ziert plötzlich ein wunderschöner Regenbogen. 
 

 
 Rein in die nächste Bahn, die fast genauso leer ist wie die auf der Hinfahrt. Ich fahre die Tour bis zum gar nicht bitteren Ende und genieße sie sehr! Unterwegs ergibt sich noch dieses kuriose Motiv: die Tram spiegelt sich in der Deko eines Designladens.
 

 
 Zurück ins Hotel. Das Frühstück wartet! Frisch gestärkt warte ich die neuerliche Regenphase ab und schlendere ins Städtchen. Für den Rest des Tages begleiten mich  angenehme 22 Grad und Sonne. Da ich schon lange nicht mehr von oben auf jemand oder etwas herab geschaut habe, schwinge ich mich auf die Aussichtsplattform des Triumphbogens am Praça do Comércio. Jetzt ist auch der Moment gekommen, in dem sich der Alte Sack endlich aus dem Rucksack traut. 
 

 

 
 Zurück auf dem Boden der Tatsachen, lasse ich mich durch die Innenstadt treiben und lande fast zwangsläufig am Elevador de Santa Justa, mit dem man auf die faule Tour den Höhenunterschied zwischen Unter- und Oberstadt überbrücken kann. Es ist kein Zufall, dass das imposante Teil an den Eiffelturm erinnert …
 

 
 Da ich lieber laufe als ewig in einer Warteschlange zu stehen, verzichte ich darauf, mit dem eisernen Monstrum nach oben zu fahren. Wie sich später herausstellt, gibt es die gleichen grandiosen Stadtansichten von oben auch gratis und vor allem ohne Wartezeit. Weiter Richtung Chiado, wo gestern meine Tour endete. Heute erkunde ich diese charmante Ecke mit ihrem lebhaften und doch entspannten Flair etwas genauer. Hier ein paar Impressionen davon: 
 

 
 Hinter dem Archäologischen Museum …
 

 
 … bieten sich wunderbare Ausblicke aufs Städtchen. Hier befindet man sich quasi direkt hinter dem oberen Ausgang des besagten Fahrstuhls.
 

 
 Zur Abwechslung wieder den Berg runter. Lissabons Beitrag zum Thema „Schöner abfahren“ liegt direkt um die Ecke: der Bahnhof Rossio:
 

 
 Der Nachmittag schreitet voran. Am Praça Figueira wartet die Tramlinie 12 darauf, mich faule Socke die Alfama (die „richtige“ Altstadt, ihr erinnert euch vielleicht) rauf zum Castelo de São Jorge zu kutschieren. Und wie ich da so dekorativ am Ende des Wages rumstehe, spricht mich ein junges Paar aus Südkorea an. Die beiden verbringen eine schlappe Woche in Europa, und teilen diese knappe Zeit auch noch auf zwei Länder auf. Eigentlich sollte es nur Portugal werden. Aber da der junge Mann ein glühender Fan von Réal Madrid und da vor allem von Ronaldo ist, musste eben noch Madrid eingeschoben werden. 

Konsequenterweise hat er in einer Nacht- und Nebelaktion dann auch ein Ticket für das Champions League Halbfinale letzten Mittwoch (Réal vs. Atlético) ergattert! Für ein zweites Ticket hat die Kohle nicht mehr gereicht, so dass die Liebste das Spiel via Glotze in einem Madrider Café verfolgen musste.

 Upps, fast den Ausstieg verpasst! Derart abgelenkt, habe ich auch von der Fahrt durch die spektakuläre Stadtkulisse so gut wie nichts mitgekriegt. Aber ich gehe mal davon aus, dass sie schön war 😀.
 Um euch nicht zu überfordern, halte ich den restlichen Text kurz: Besuch des besagten Castilo, das hoch oben über der Stadt thront, die Aussicht vom Mirodouro Santa Luzia genossen, den Berg runter „nach Hause“ geschlendert, Futter gerissen, Feierabend.

 

 
 Und königlichen Besuch hatten wir heute auch noch!

8 Gedanken zu “Tag 3  – Fahr’n, fahr’n, fahr’n mit der Straßenbahn

  1. Bisweilen gibt es ja Herausforderungen… Bezieht sich das jetzt auf Deinen Gesamtzustand oder die Tatsache, VOR dem Frühstück den ÖPNV zu testen?

    Den alten Sack hatte ich schon wieder total verdrängt, aber beim „königlichen Besuch“ war mit klar, was Du meinst: der arme Prinz Philipp, der alte Sack 🙂

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  2. Toll dieses gewachsene Städtchen, welches nicht den WW2 Bombenterror erleben musste, zu sehen. Da du bestimmt nicht alles in der kurzen Zeit sehen kannst, ist auch ein zweiter Besuch, dann mit deinem Gatten, sicherlich nötig sein. 😜✈️

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  3. Ja, nimm Tman mit. Vielleicht entwickelt er auch das Reisefieber. Soll ja ansteckend sein. Schöne Bilder mit schönem, blauen Himmel ……da meint der Gott der Traveller es gut mit dir.

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    1. Ja, nix wie her mit dir! Für mich ist die Küche nicht ganz so großartig, von dem Süßkram mal abgesehen. Aber heute habe ich in einem Städtchen am Atlantik ganz großartig vegan gegessen 😀! Ist ja sehr untypisch für Portugal …

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