Heute gönne ich mir ein Frühstück im Eggsperience (Wer mehr wissen und sehen will: https://www.facebook.com/EggsperiencePancakesCafeOntario/). Der Name ist Programm und wird konsequent bis ins letzte Detail umgesetzt: selbst die Motive auf den Bildern an der Wand sind Eier, die Lampendeko, na was wohl, eiförmig. Echt witzig! Um aus dem Rahmen zu fallen, ordere ich einen Bagel mit Cream Cheese und ein Granola-Muesli. Letzteres wird warm serviert. Lecker! 

Frisch gestärkt hüpfe ich in die Green Line Richtung Harlem. Heute ist mir nach ländlichem Flair. Die Wahl fällt nicht ganz zufällig auf Oak Park. Das reizende Fleckchen Erde ist nicht nur ein idyllischer Villenvorort, sondern auch der Geburtsort von Ernest Hemingway. Sein trauriges Ende fand er woanders. Richtig bekannt wurde Oak Park jedoch durch den Umstand, dass ein berühmter – na was wohl – Architekt hier lebte und sich austobte. Der Ort ist untrennbar mit dem famosen Frank Lloyd Wright verbunden. Sein „Prairie Style“ rühmt sich als erster eigenständiger amerikanischer Baustil. Und Oak Park ist geradezu übersät mit seinen Werken.

Schon früh wurde dem guten Frank klar, dass er für körperlich Arbeit ungeeignet war. Er wurde Architekt und war um die Jahrhundertwende seiner Zeit bautechnisch meilenweit voraus. Seine Karriere startete im Büro von Louis Sullivan, der ebenfalls Chicago seinen kreativen Stempel aufdrückte, und das nicht zu knapp. Die Zusammenarbeit endete im Streit um die Schwarzarbeit, in der Wright heimlich hinter dem Rücken seines Chefs das eine oder andere Häuschen konzipiert hatte. 1893 machte er sich daraufhin selbstständig und entwarf mit seiner Crew Häuser quasi wie am Fließband. Sein Stil variiert, ist aber immer organisch mit der Umgebung, sprich Natur verbunden. Ich will hier aber keinen verquasten Vortrag über Details halten, sondern zeige euch lieber ein paar Beispiele seiner Werke, die bis heute Oak Park zieren. Da sind wahrlich ein paar Schmuckstücke dabei! Das erste Foto zeigt sein Haus, in dem er wohnte und arbeitete. Es ist öffentlich zugänglich. Alle anderen Wohnhäuser, die hier zu sehen sind, sind in Privatbesitz und nur von außen von der Straße aus zu bewundern. 
 


 
 Vor lauter Wright-Begeisterung soll der gute Ernest aber auch nicht zu kurz kommen. Hier seht ihr das viktorianische Haus, in dem er geboren wurde und einige Jahre lebte. Heute ist ein Museum daran angeschlossen.


 
 Nach so viel Häuschengucken bin ich doch gleich wieder hungrig! Bei „Munch“ in der schnuckeligen kleinen Downtown von Oak Park werde ich vorzüglich abgefüttert – und am Ende überrascht. Mittlerweile daran gewöhnt, alles, aber auch wirklich alles mit Kreditkarte zu zahlen (so ist das nun mal in Amiland) werde ich hier freundlich darauf hingewiesen, dass nur Barzahlung akzeptiert wird. Nun gut, das Bargeld, das ich dabei habe, reicht gerade so für den Betrag, den ich berappen muss. Aber auch wenn es nicht gereicht hätte, zählt keine Ausrede. Ein Geldautomat ist direkt um die Ecke. Und auf den wird humorvoll mit einem Bild von Jonny Cash und den netten Worten „No Cash? No Problem!“ hingewiesen 😀.

 Zurück in die Innenstadt. Dort wartet das Museum of Contemporary Photography auf mich. Das momentane Thema ihrer Ausstellung ist etwas anstrengend, aber dennoch interessant: „Petcoke. Tracing Dirty Energy“. Wieder draußen, wird es umso amüsanter. Seht selbst:

 Zurück im Hotel, erledige ich Profanes: Klamotten waschen in der Gäste-Laundry. Wer es noch nicht mitgekriegt hat (ich erwähnte es schon auf Facebook, aber noch nicht hier im Blog): ich bin mit Gepäck im Bonsaiformat unterwegs und habe nur das Nötigste für ein paar Tage dabei. Mein kleiner Trolley wog beim Abflug gerade mal 11 Kilo. Klamotten werden bekanntlich völlig überbewertet – und können gewaschen werden. Wozu soll ich mich abschleppen? Bin ja keine Gewichtheberin 😀. Ich genieße übrigens auch den Umstand, auf dieser Reise sonst keine Hausarbeit erledigen zu müssen. Und verstehe Udo Lindenberg vollkommen, der seit Jahren im Hotel lebt …

Rechtzeitig zur Dämmerung bin ich wieder draußen im prallen Leben und genieße das sich ändernde Licht und die Stimmung. Unten auf der Uferpromenade des Chicago River spielen vier Jungs tollen Blues. Passt perfekt zur sommerlichen Abendstimmung! Und so verabschieden Chicago und ich uns für heute von euch mit einem letzten Foto im Dämmerlicht. Im Gegensatz zu seinem Namensgeber sieht der Tower gut aus und schweigt zur Politik. Bis morgen!

 

4 Gedanken zu “Tag 5 – Chicago: Frankie goes to Oak Park

  1. Tolle Beiträge und sehr schöne Fotos, Elke! Die Bilder aus dem Loop, etc. bringen Urlaubsgefühle aus dem vergangenen Monat zurück. Nun bin ich allerdings traurig, dass wir für Oak Park keine Zeit hatten. Hab weiterhin viel Spaß in dieser wunderbaren Stadt!

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