11. – 12. Mai 2024
Gerade einmal drei Wochen ist es her, seit ich aus Paris nach Berlin zurückgekehrt bin. Und nun bin ich schon wieder auf dem Weg nach Frankreich. Dieses Mal ist der Süden dran, genauer gesagt die Côte d’Azur. Warum ich nicht gleich dort geblieben bin? Tja, das frage ich mich auch!
An einem Samstag Mitte Mai freue ich mich über die moderate Abflugzeit um 14 Uhr, die mir einen gemütlichen Vormittag ohne Hetze beschert. Bei EasyJet sitze ich wiederholt in der ersten Reihe. Zum ersten Mal allerdings habe ich sie komplett für mich alleine. Daran könnte ich mich locker gewöhnen!
Pünktlich lande ich am späteren Nachmittag in Nizza, das mir für eine Woche als fester Standort dienen wird. Die schicke Tramlinie 2 bringt mich bis zur Endstation Port Lympia, dem lauschigen alten Hafen der Stadt.

Dort erwartet mich der Mann meiner Vermieterin, um mich in die wunderschöne, kleine Wohnung am Fuße des Schlosshügels mit Blick auf den alten Hafen zu begleiten. Sie ist ideal für ein bis zwei Personen. Eine klare Empfehlung von mir! Bei Interesse sprecht/schreibt mich einfach an. Ich vermittle dann gerne den Kontakt.
Da der Tag gnadenlos voranschreitet, ziehe ich gleich los, um die nähere Umgebung zu erkunden. Angenehme 22 Grad erwarten mich draußen. Nachdem ich meinen Hunger in einem italienischen Restaurant an der nahegelegenen Place Garibaldi mit einer ordentlichen Ladung Pasta statt Pizza in Nizza gestillt habe, drehe ich eine erste Runde um das Becken des alten Hafens, der sich im schönsten Nachmittagslicht präsentiert.

Gemächlich schlendere ich wieder zurück und setze meinen Weg auf der berühmten Promenade des Anglais fort, die hier am Hafen ihren Anfang nimmt. Bevor ich es mir mit einem Gläschen Wein in der lauschigen Wohnung gemütlich mache, verweile ich auf der Strandpromenade, bis sich der Tag mit einem fotogenen Sonnenuntergang verabschiedet.

Am Sonntagmorgen erwache ich bei strahlendem Sonnenschein. Bis zu 24 Grad sollen es heute werden. Höhere Temperaturen müssen für meinen Geschmack auch gar nicht sein. Da ich gestern nicht mehr eingekauft habe, gönne ich nun mir ein für französische Verhältnisse üppiges Frühstück im kleinen Café du Port um die Ecke.
Während die erste Ladung Koffein meine Lebensgeister weckt, sinniere ich über das schöne Leben. Nach dem Aufwachen aufs Meer schauen. Dabei den allmorgendlichen Kaffee in der Sonne genießen. In dieses legendäre Licht und die leuchtenden Farben eintauchen und einfach in den Tag hinein leben. Hach, da könnte ich mich dran gewöhnen!
Zum Warmlaufen drehe ich wieder eine kleine Runde um das Hafenbecken mit der wunderschönen Église Notre-Dame du Port de Nice an dessen Kopfende, …

… kehre dann zum Ausgangspunkt zurück und erklimme anschließend den Schlosshügel. Um euch und mir den Aufstieg zu versüßen, erzähle ich zur Einstimmung ein wenig über dieses wunderschöne Fleckchen Erde, auf dem ich hier gelandet bin.
Zwischen Cannes und dem nahe der italienischen Grenze gelegenen Menton erstreckt sich die Riviera, der unbestritten nobelste Teil der Côte d’Azur. Halbwegs mittig zwischen diesen beiden Eckpunkten liegt das quirlige Nizza. Das Städtchen, das so viel Lebensfreude ausstrahlt, gibt rund 350.000 Einwohnern ein Zuhause. Hm, bei dieser Größenordnung sollte ich derlei Verniedlichungen wohl besser sein lassen. Doch auch wenn Nizza formal eine Großstadt ist, so versprüht sie doch einen angenehm lässigen Kleinstadtcharme.
Ich bin nicht zum ersten Mal hier. Bereits 2016 verbrachte ich eine Woche in Nizza, seinerzeit Mitte Juni bei Temperaturen bis zu 38 Grad – und mitten in der Fußball-EM. Verdammt schlechte Planung! So musste ich immer schauen, dass ich bis spätestens 18 Uhr vor dem Fernseher im Hotelzimmer oder in einer Bar saß, um in alter Tradition möglichst lückenlos die Spiele zu verfolgen. Vereinzelt musste das auch schon um 15 Uhr sein, je nach Wichtigkeit des Spiels.
Doch dieses Mal war ich schlauer und hatte mir den fraglichen Zeitraum schon Monate vorher in den Kalender eingetragen.
So, oben angekommen! Vom Hügel aus habe ich eine hervorragende Sicht auf den mir nun zu Füßen liegenden alten Hafen, …

… und auf die Stadt mit ihrer kilometerlangen Strandpromenade.


Kurz mal näher reingezoomt …

… und flott weiter zu den beiden Friedhöfen, die oben auf dem hinteren Teil des Hügels liegen. Hinter dem jüdischen liegt der noch sehenswertere christliche Friedhof, den ich um die Mittagszeit herum fast für mich alleine habe.


Jäh werde ich aus meinen Tagträumereien gerissen, als plötzlich ein ohrenbetäubender Donnerschlag die Stille des Friedhofs zerreisst. Die berühmte Kanone auf dem Burghügel! Zwar wusste ich im Vorfeld davon, aber dennoch trifft mich ihr Einsatz unvorbereitet. Hier ist die kurze Geschichte dazu:
Schuld an dem Höllenlärm trägt Sir Thomas Coventry, ein Brite, der im 19. Jahrhundert in der Stadt lebte. Er konnte den ihm eigenen Hang zur Pünktlichkeit nur schlecht mit den hier locker gehandhabten Essenssitten vereinbaren, denen sich auch seine Frau angeschlossen hatte. Um letztere daran zu erinnern, dass das Essen pünktlich serviert wird, bat er die Stadt um Erlaubnis, täglich einen Kanonenschuss in die Luft zu feuern, damit die Gattin es auf ihren ausschweifenden Morgenspaziergängen von überall aus hören konnte. Da der Oberst alle Kosten dafür übernahm, liess die Stadt ihn gewähren. Nach seinem Tod entschied man sich, diese Tradition fortzusetzen. Und so hallt bis heute jeden Tag um Punkt 12 Uhr mittags ein lauter Donnerschlag über die Stadt.
Nun treibt es mich hinunter in die kleine Altstadt, wo ein Markt, kleine Plätze und hübsche Gässchen auf mich warten.



Dieses Licht! Diese Farben! Ich kann mich kaum daran sattsehen. Von dort ist es nicht mehr weit bis zur Place Masséna. Im Grunde genommen ist innerstädtisch hier nichts wirklich weit voneinander entfernt. Das Zentrum von Nizza ist auf angenehme Weise kompakt. Am Platz angekommen, wird mir wieder bewusst, warum ich diesen so gut in Erinnerung habe. Er ist einfach eine Augenweide.


Die Haupteinkaufs- und Flaniermeile, die vom Meer wegführt, hebe ich mir für einen anderen Tag auf. Doch einen kleinen Abstecher gönne ich mir noch, bevor ich mich dem Wasser zuwende. Zwar ist das Museum für Moderne Kunst, kurz MAMAC genannt, zur Zeit samt Umgebung geschlossen, weil unter Generalsanierung bis 2025. Doch mein momentanes Objekt der Begierde, die Tête Carrée, ein riesiger, 30 Meter hoher und 14 Meter breiter Koloss, ist durch die Bauzäune hindurch noch zu sehen. Auch unabhängig von Baumaßnahmen ist er für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Denn hier befinden sich die Büros der Stadtbibliothek.

Nun lasse ich mich wieder quer durch die Altstadt treiben, bis ich an der Promenade des Anglais und damit am Meer lande. Auf der breiten Strandpromenade flaniert, rollt, tanzt und spielt das Leben – auch wenn meine Fotos bisweilen gewollt einen anderen Eindruck vermitteln 😅. Ich richte es nach Möglichkeit eben gerne ein, dass mir nicht zu viel in die Quere kommt.




Genug gesehen für heute! Ich laufe die Promenade bis zu ihrem am Hafen gelegenen Anfang entlang und kehre in mein gemütliches temporäres Zuhause zurück. Zum Feierabend gibt es ein Gläschen Wein, das mich beim Lesen meines spannenden Krimis begleitet, bevor ich selig in die Kissen sinke. Stay tuned!
Achtung, stillgestanden! Mittagessenszeit! Schon lustig, obgleich ich denke, dass die Leute es noch immer locker halten mit den Essenszeiten. Eines würde mich interessieren: wo landet denn so eine Kanonenkugel und sind dabei schon Unfälle passiert? Loch im Dach… Loch im Oberstübchen… 🙂
Was ist es nur mit der Elke und dem Fußball… 😉 Jedenfalls kommt mir der Beitrag wie gerufen, da uns, mich und meine verrückte Familie, die guten Reisegeister in September nach Südfrankreich führen…
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Vielleicht ist es nur eine „Schrechschusskanone“? Deinen Gedanken habe ich auch immer, wenn in den Nachrichten gezeigt wird, wie irgendwelche Soldateros vor Freude mit ihren Gewehren in die Luft ballern. Irgendwo müssen die Kugeln wieder runter, denn „What goes up, must come down“.
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„Kinder, geht ins Haus, es regnet wieder Kanonenkugeln!“ lach #nichtwitzig
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Hier ist heutzutage tatsächlich Pyrotechnik am Werk 😁. Lies mal hier: https://www.cafeducycliste.com/de_de/la-gazette/the-lunchtime-boom/
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Ah verstehe. Also doch eine Schreckschusskanone.
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Genau!
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Ja, die Franzosen sehen es eher locker mit den Essenszeiten. Hauptsache, man muss sich nicht hetzen! Die „Kanone“ ist heutzutage keine mehr. Vielmehr ist hier eine Art Pyrotechnik im Einsatz, wie in diesem Bericht beschrieben: https://www.cafeducycliste.com/de_de/la-gazette/the-lunchtime-boom/
Ja, die Elke und der Fußball: eine lebenslange Liebe 😁! Schön, dass die Côte d‘Azur-Reihe für dich gerade zur rechten Zeit kommt! Dann bin ich schon gespannt auf deine neuen Abenteuer, die ja fast mehr durch die Begleiter als durch das eigentliche Reiseziel ausgelöst werden 😇. Jedenfalls kann ich dir eines schon versichern: auch in Südfrankreich gibt es Alkohol und Kühlschrankmagneten 🤣.
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Lach… Sokotra war bisher der einzige von mir besuchte Ort, an dem es keines von beiden gab. Kein Magnet, ich war untröstlich. Bzgl. Frankreich: du weißt, dass es noch etwas mit der Berichterstattung dauert, zuerst wollen sich die bereits vergangenen Reisen in Wort und Schrift verwirklichen…
Fußball: na sowas, das hätte ich nicht gedacht… hast du selbst mal gespielt oder wie kommt das?
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Ja, Sokotra steckt einfach noch in den touristischen Kinderschuhen. Das wird sich irgendwann ändern. @Frankreich: I know 😎. @Fußball: nee, selbst gespielt habe ich nie. Aktiv war ich nur in der Leichtathletik, im Tennis und im Volleyball. Irgendwie habe ich den Fußball in der DNA. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich, gerade 12 Jahre alt war, samstags die jeweils aktuelle Bundesligatabelle selbst von Hand errechnete, weil ich es nicht aushielt, bis diese am Montag in der Zeitung stand. 1978 gab es ja noch kein Internet 🤣.
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Du liebe Zeit, diese Leidenschaft 🙂 Was habe ich mit zwölf gemacht…? Hm… grübel
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Ja, ist lange her, wa? Da behält man nur die wirklich prägenden Dinge 😁.
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Wunderbar! Nizza ist ein Traum, was du in deinem Beitrag eindrucksvoll demonstrierst. Und der Sonnenuntergang war eine Wucht.
Interessieren würde mich, ob die Stadt zu deiner Reisezeit schon gnadenlos überlaufen war. Ich war im Januar vor mehr als 10 Jahren in Nizza. Damals war es nicht voll, aber das Wetter auch nicht optimal.
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Danke, Inga! Ja, Nizza ist schon ein tolles Städtchen. Mitte Mai war ich dort zwar nicht gerade alleine auf weiter Flur, aber es war keinesfalls überfüllt. Ich fand es sehr angenehm. Ja, im Januar kann es dort wettertechnisch sicherlich teilweise unangenehm sein.
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gab es da nicht auch einen Kinderfilm auf dem ein alter Kapitän auf seinem Dach eine Kanone hatte und damit rumballerte? Ich glaub das war Mary Poppins..
Wenn ich die Wahl – und vor allem das Geld – hätte, dann wäre mein Wohnort in einem der wunderschönen Städtchen unten an der Cote dAzur. Frühere Reisen brachten mich nach Le Lavandou (doch das war ein Camping-Urlaub und im Hochsommer ist schlafen in einem Zelt nicht schön), Sainte Maxime – in Spuckweite zu St. Tropez und natürlich Cannes, Nizza und Monaco.
Viele der kleinen Küstenstädte sind echte Schönheiten aber auch dass der Hafen von Nizza sich nicht hinter dem Hafen von St. Tropez oder Monaco (obwohl der für normale Bootsbesitzer von den Anlegegebühren kaum bezahlbar ist) verstecken muss wusste ich nicht.
Bei den Fotos fühle ich mich bei der Architektur, den Farben, den engen Gässchen wieder an Ungarn erinnert. Hätte Pecs einen Hafen und würde nicht mitten in der Pampa liegen – ich würde glatt umsiedeln..
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Danke für deinen ausführlichen Kommentar, Herr Dr.! Was alte Kinderfilme betrifft, so muss ich passen. Auch bei Mary Poppins. Von daher kann ich da keine qualifizierte Antwort darauf geben. Ja, ich könnte auch gut und gerne mein Domizil dauerhaft auf diesem schönen Fleckchen Erde aufschlagen. Aber da fehlt, genau wie bei dir, einfach der eine oder andere Dollar. Zum Vergleich mit Pecs kann ich ebenfalls nichts beitragen. Kenne nur Budapest und ein unbedeutendes Kaff nahe der rumänischen Grenze, dessen Namen ich schon vergessen habe. Aber wenn du es so sagst, wird es schon stimmen.
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