Tatort Frühstückssaal. Am Nachbartisch, gerade erst frisch bezogen von drei älteren Damen, die sich gerade alle am Buffet tummeln, machen sich zwei ältere Herrschaften zu schaffen. Sie beginnen, erkennbar noch unberührtes Essen, Getränke, ein Halstuch und ein Brillenetui einfach an den Rand des Tisches zu schieben, um für sich selbst Platz zu schaffen.

Normalerweise übergriffiges Verhalten scheuend, schreite ich in diesem Fall ein und erkläre den Tisch für schon besetzt. Derart ertappt, fällt ihnen erst die Kinnlade eine Etage tiefer, bevor sie sich geschlagen geben und sich mit herabhängenden Mundwinkeln an einem der zahlreichen leeren Nachbartische niederlassen. Manchen ist es schon Abenteuer genug, wenn sie nicht jeden Tag an der gleichen Stelle sitzen können 😅.

Nach dem Frühstück nehme ich den Bus zur Playa Amadores. Sie diente ursprünglich als eine Art Überlaufbecken für die benachbarten und aus allen Nähten platzenden Strände Puerto Ricos. Zwar wurden mittlerweile auch hier die Steilhänge der kargen Felsenküste weitgehend mit Hotelanlagen zugebaut. Doch noch immer geht es hier deutlich beschaulicher zu als in Puerto Rico. Auch ist die langgezogene, halbkreisförmige Bucht deutlich ansehnlicher. Die klassische touristische Infrastruktur findet sich indes natürlich auch hier.

Glanz und Gloria

Für eine bessere Welt

Nachdem ich den um diese frühe Uhrzeit noch recht leeren Strand einmal auf und ab flaniert bin, entdecke ich direkt hinter der Promenade eine richtig schön gestaltete Minigolfanlage. Hier fällt es sicher nicht leicht, sich auf das eigentliche Geschehen zu konzentrieren.

Am Ende der Playa Amadores beginnt die etwa einen Kilometer lange Meerespromenade, die, eingeklemmt zwischen der Steilküste und der Straße, bis nach Puerto Rico führt. Dort ist ungefähr so viel los wie auf’m Kudamm an einem späten Samstagmorgen. Aber dennoch lässt es sich angenehm entlanglaufen.

Mauerweg

Mir reicht’s!

Schon bald liegt mir die Bucht von Puerto Rico zu Füßen. Ich schlendere ein wenig herum, finde es nicht besonders spannend und lenke daher meine Aufmerksamkeit auf die fotografischen Leckerbissen vor meiner Nase.

Auf Montage

Ab nach Hause! Nach einer ausgedehnten Mittagspause mit meinem Krimi am Pool mache ich mich am frühen Nachmittag auf den Weg zum Bootsanleger von Puerto de Mogán. Von hier aus fährt regelmäßig ein Boot an der Südküste entlang, stoppt in zwei einschlägigen Buchten und beendet seine Fahrt nach rund 45 Minuten in Arguineguin.

Nun komme ich in den Genuss, mir die Küste einmal von der Wasserseite aus anzusehen und mir bei durchaus kuscheligen Temperaturen einen erfrischenden Wind ums Näschen wehen zu lassen.

Ausgestrahlt

Ankunft in Arguineguin. Ich bin schon sehr gespannt! Denn bereits am Tag meines Standortwechsels fuhr ich mit dem Bus durch diesen gesichtslosen, zugebauten Ort. Und dabei drängte sich mir der Gedanke auf, dass man hier besser schnell durchfährt, ohne nach links oder rechts zu schauen. Ähnlich äußert sich mein Reiseführer. Doch dankenswerterweise weist dieser auch darauf hin, dass es unten am Hafen, wenige hundert Meter abseits der Durchgangsstraße, durchaus urtümlich und lauschig zugeht.

Schon kurz, nachdem ich das Boot verlassen habe, erkenne ich: es stimmt! Gut, dass ich mich nicht von meinem ersten zwiespältigen Eindruck habe abhalten lassen, mir das Örtchen zumindest direkt unten am Wasser einmal etwas genauer anzusehen.

Positiv überrascht, genieße ich es sehr, durch das ruhige, nicht überlaufene Örtchen zu schlendern. Oft ist es einfach besser, keine Erwartungen zu haben.

Nicht nur das fahler werdende Licht erinnert mich daran, dass der Tag schon weit fortgeschritten ist. Auch mein Magen sendet unmissverständliche Alarmsignale. Und so suche ich mir ein schönes Plätzchen auf der Terrasse einer Pizzeria und lasse bei leckerem Essen und bester Aussicht den heutigen Tag gedanklich Revue passieren. Schön war’s!

Zerrupft

11 Gedanken zu “Gran Canaria – Zu Wasser und zu Lande

    1. Ja, der Süden Gran Canarias ähnelt durchaus dem Süden Teneriffas. Beide sind jeweils im nördlichen Teil deutlich schöner und weniger zugebaut. Und auch die von dir beschriebenen Unterschiede beim Wetter haben durchaus Parallelen, wenn auch die Kontraste auf Teneriffa deutlicher sind.

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  1. Irgendwie hat mich Gran Canaria bisher nicht so umgehauen… ich bewundere, wie entspannt du mit dem Massentourismus umgehst. Und vermutlich senkst du dort den Altersdurschnitt erheblich 😉

    Tatort Frühstück: tja, da kann man die dollsten Sachen beobachten. Gut, dass du den Herrn nochmal auf die Finger geklopft hast 🙂

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    1. Gran Canaria ist auch für mich nicht die Schönheitskönigin unter den Kanarischen Inseln. Aber ich konnte es dort für zwei Wochen gut genießen, zumal die erste Woche in der Hauptstadt oben im Norden von eher weniger Touristen begleitet wurde. Zwei Wochen im Süden hätten mich wohl mehr gestresst. @Altersdurchschnitt: vielen Dank für die Blumen! Ich werde ja bald auch schon 58 – was tatsächlich immer noch reicht, um den Altersschnitt zu senken 😁. @Frühstück: da sorgte so einiges für Heiterkeit!

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  2. Liebe Elke, wie immer ein Genuss, deine Gedanken zu Orten zu lesen und darüber hinaus wunderbare Bilder anzusehen! Ich muss immer schmunzeln, wenn ich die Titel deiner Bilder lese – grandios und immer auf den Punkt. Ganz toll finde ich deine Gelassenheit und Neugier, wie sich Massentourismus auf Gran Canaria gestaltet. Wir haben mal eine Wanderung in Maspalomas begonnen und waren froh, nach doch einer ganzen Weile in den Bergen im Inselinneren zu sein. Viele Grüße, Mareike

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    1. Das freut mich ja sehr, liebe Mareike. Vielen Dank! Ja, der Massentourismus im Süden der Insel kann schon herausfordernd sein. Ich kann gut nachvollziehen, dass ihr froh wart, als ihr wieder die deutlich leerere Bergwelt um euch herum hattet. Für ein paar Tage war es für mich ok im Süden. Aber länger hätte es auch nicht sein dürfen 😁.

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