15. -16. Juni 2022

Meine ambitionierten Wanderpläne für den heutigen Tag verdampfen buchstäblich in der Sonne. Ich schaffe es zwar noch bis zum Trailhead und schlage einen der Wege ein. Doch gegen zehn Uhr brennt die Sonne auf dem schattenlosen und recht steilen Weg dermaßen gnadenlos, dass ich mich spontan für einen Faulenzertag entscheide. Ehrlich gesagt ist mir ein solcher nach 12 mit Erlebnissen randvollen Tagen auch nicht gerade unrecht.

Die Aussichten für die nächsten Tage gehen auch eher in Richtung Chill Out, auch wenn es morgens vor sieben Uhr noch recht kühl anmutet.

Kuschelig

Ich laufe noch ein wenig am Roaring Fork River entlang, der sich von Aspen aus nach Glenwood Springs schlängelt und dem Colorado River sein Alleinstellungsmerkmal hier streitig macht. Am Ufer ist es etwas kühler. Stellenweise gibt es auch ein wenig Schatten auf dem Weg. Die Aussichten sind auch nicht zu verachten. Und so komme ich dann doch noch zu etwas Bewegung in der Natur.

Hitze und Schnee

Danach lasse ich im Städtchen einen leckeren Iced Latte meine durstige Kehle hinab rinnen und hänge bei der Gelegenheit noch ein wenig in dem Café ab. Kurz nach Mittag kehre ich zum Hotel zurück, halte noch ein paar Kuriositäten in der unmittelbaren Umgebung fest, …

Nur für mich!
Bei Rosi

… hüpfe in meinen Badeanzug und verschwinde im kühlen Nass des Outdoor Pools auf dem Hotelgelände. Ah, das tut gut! Ich schwimme ja total gerne. Und die Abkühlung kommt mir auch nicht gerade ungelegen. Der Schwimmrunde folgen Trockenliegen und eine kurze Siesta im Zimmer. Ja, die Elke kann auch mal „richtig“ Urlaub machen. Hättet ihr nicht gedacht, oder?

Das ist doch DIE Gelegenheit, ein, zwei Sätze zum Örtchen hier zu verlieren. Glenwood Springs ist eine reizende Kleinstadt im Herzen der Rockies. Berühmt ist sie nicht nur für ihre tolle Lage inmitten von Bergen. Viele Besucher kommen auch wegen der heißen Quellen. Hier gibt es nicht nur das größte Thermalbad der Welt (dazu morgen mehr), sondern auch die geothermisch bemerkenswerten Dampfhöhlen. Ihr wollt mehr zu Glenwood allgemein und zu seinen heißen Wässerchen im besonderen wissen? Dann lest gerne hier nach.

Und jetzt ist es auch gut mit dem Nichtstun. Raus mit mir! Als ich mich dem Bahnhof nähere, …

Schöner abfahren

… höre ich ein näher kommendes, sehr vertrautes Geräusch. Der California Zephyr in Richtung Chicago kommt gerade an! Das lasse ich mir natürlich nicht durch die Lappen gehen. Und so schleiche ich den Bahnsteig auf und ab, bis mich ein AMTRAK-Mitarbeiter zum Wiedereinstieg auffordert, denn es geht bald weiter. Ich kläre ihn auf, dass ich erst in drei Tagen wieder an Bord gehe und dann auch in die Gegenrichtung fahren werde.

Der charmante Herr hört meinen deutschen Akzent und spricht mich auf breitestem Österreichisch an 😂! Das habe er von seiner aus Wien stammenden Frau gelernt, lässt er mich wissen. Er selbst sei Amerikaner. Ich kann es kaum glauben, denn er hört sich an wie ein Muttersprachler. Wir plaudern noch ein, zwei Minütchen, dann wird es Zeit für ihn, wieder einzusteigen.

Mir dämmert erst nach der Abfahrt des Zuges, mit wem ich da gerade das Vergnügen hatte. Das war Brad Swartzwelter, der ultimative Rockstar des California Zephyr. Einen überzeugteren und leidenschaftlicheren Mitarbeiter kann sich AMTRAK sicher nicht wünschen. Er begleitet seine Fahrgäste auf dem Colorado-Streckenabschnitt zwischen Denver und Grand Junction. Mir ist er ein Begriff, seit ich Mitglied der Facebook-Gruppe Friends of the California Zephyr bin. Er ist einer der Administratoren dieser Gruppe und zeigt sich auch dort sehr engagiert. Zur Zeit schreibt er nebenbei ein Buch. Es wird euch nicht weiter überraschen, dass der Zug dabei eine Rolle spielt. Ihr wollt diesen interessanten Mann zumindest in der Theorie etwas besser kennenlernen? Dann lest doch mal diesen kurzweiligen Artikel über ihn.

Am Nachmittag werden die Temperaturen etwas milder, das Licht sanfter und satter. Jetzt ist die richtige Zeit, die Kamera auszupacken und das kleine, aber feine und in solch schöner Umgebung eingebettete Städtchen abzulichten.

Liegenschaften
Einen durchziehen
Charme einer Kleinstadt
Geladen?
Flatterhaft
Trockenübung
Verfahren?
Clubs und Lounges

Ein wenig später läuft mir zufällig Mary über den Weg. Ich hatte die sympathische New Yorkerin auf der gestrigen Zugfahrt kennengelernt. Ich bin etwas verwundert, denn sie wollte eigentlich nur eine Nacht hier im Ort verbringen und sollte von daher schon längst wieder abgereist sein. Doch der Zug, der sie am heutigen frühen Nachmittag zu ihrem nächsten Ziel bringen sollte, kommt stattdessen erst morgen früh hier an. Er fuhr bereits mit fünf Stunden Verspätung in Chicago los, weil der Dining Car defekt war. Und ohne Speisewagen auf eine Strecke gehen, die im Idealfall in 51 Stunden absolviert wird, ist absolut keine Option.

Im Laufe der Fahrt kam es dann, wie es kommen musste. Die Verspätungen schaukelten sich hoch. Sie haben die unterschiedlichsten Gründe. Zum einen ist das Equipment bei AMTRAK veraltet. Zum anderen haben die Betreiber der Frachtzüge wie z.B. Union Pacific als Besitzer der Schieneninfrastruktur stets Vorrang vor den Personenzügen – und bleiben gerne mal auf der Strecke liegen. Ist dann kein Ausweichgleis da, hängen die AMTRAK-Züge auf der Strecke fest. Dazu gesellen sich jetzt im Sommer unausweichliche Geschwindigkeitsreduzierungen wegen zu großer Hitze. Ab 95 Grad Fahrenheit – das entspricht 35 Grad Celsius – wird gedrosselt bis hinunter auf 15 Meilen pro Stunde (25 km/h), da die Schienen und Gleise bei Hitze weich und instabil werden.

Kurzum, Mary musste umplanen und verbringt nun einen weiteren Tag hier. Schön für mich, denn sie regt an, gemeinsam was essen zu gehen. Das mache ich doch gerne in solch angenehmer und unterhaltsamer Gesellschaft.

Anschließend geht’s für mich zurück ins Hotel. Im dortigen Garten genieße ich das letzte Tageslicht und bette mich dann zur Ruhe. Gute Nacht!

Am nächsten Morgen wache ich erholt und entspannt auf. Wie gut, dass ich noch gestern Abend wegen meines geplanten Ausflugs nach Aspen doch etwas genauer recherchiert habe. Denn die nicht minder berühmte Gondelfahrt hoch auf den Aspen Mountain findet bisher nur an den Wochenenden statt. Der tägliche Betrieb startet am Freitag, also morgen! Und so verschiebe ich die eigentlich für heute geplante Tour natürlich um einen Tag.

Stattdessen ziehe ich das für Freitag geplante Programm auf heute vor. Ich packe meine Schwimmsachen und mache mich gleich nach dem Frühstück auf zu den berühmten heißen Quellen. Es gibt mehrere Bäder, die man besuchen kann. Der Einfachheit und Bequemlichkeit halber entscheide ich mich für den zentral gelegenen Glenwood Hot Springs Pool.

So bin ich schon um neun Uhr am Start, bevor es an der Luft fast so warm wird wie im Quellwasser. Ich starte dieses Abenteuer in dem heißeren der beiden Pools und zucke echt zusammen, als ich meine Füße eintauche. Ist! Das! Heiß! Langsam wage ich mich vor, bis ich ganz drin bin. Wie alle anderen Verbrüh-Willigen wate ich ein Weilchen umher oder liege am Rand herum. Irgendwann aber reicht es mir. Ich werde matt und müde. Raus hier!

Jetzt füllt sich die Anlage so langsam. Der Rest der Welt ist nun auch am Start. Aber überfüllt wirkt es dennoch nicht, da das Gelände recht weitläufig ist. Ich suche mir eine freie Liege und döse ein wenig in der noch relativ milden Sonne. Doch es dauert nicht lange, bis mich der Tatendrang packt. In dem großen und nicht ganz so heißen Becken sind am hinteren Rand vier Schwimmerbahnen abgetrennt. Trotz der vielen Besucher habe ich eine Bahn für mich alleine, und das über die komplette halbe Stunde, in der ich meine Bahnen ziehe. Die anderen ziehen offenbar das Plantschen und Herumstehen vor. Mir soll es recht sein.

Gegen Mittag verlasse ich die Anlage. Es wird zu heiß – und auf die Dauer auch zu langweilig. In der Umkleide gebe ich einer überforderten Dame noch kurz Nachhilfe im Bedienen des Schließfaches, und dann bin ich weg. Draußen kommen mir Familien entgegen, die mehr Zeug ins Bad schleppen als ich Gepäck für meine fünfwöchige Reise habe 😅. Nun denn: wer‘s braucht!

Die heiße Mittagszeit verbringe ich im schattigen Garten meiner recht schönen Hotelanlage. Am späteren Nachmittag soll es dann hoch hinaus gehen. Doch ganz so selbstverständlich ist das nicht, denn der Wind frischt auf.

Gegondelt
Wackelig

Doch letztlich klappt es doch mit meiner Gondelfahrt hoch zum Glenwood Caverns Adventure Park. Nun interessieren mich Vergnügungsparks im Allgemeinen und gnadenlos mitten in eine so schöne Landschaft gebaute Exemplare im Besonderen so absolut gar nicht. Doch hier locken mich zwei Dinge: zu einen die grandiosen Aussichten auf die bergige Umgebung und hinunter aufs Städtchen, und zum anderen die beeindruckenden Tropfsteinhöhlen, die im Rahmen von geführten Touren besichtigt werden können.

Oben angekommen, drehe ich dennoch erst einmal eine Runde über das Gelände des Vergnügungsparks. Wenn mich auch die Fahrgeschäfte nicht interessieren, so bieten sich doch durchaus ein paar Fotomotive an.

Geräuchert
Auf großem Fuß

Rasen mit Aussicht
Verschaukelt
Aufgepasst!

Dabei genieße ich nicht nur nebenbei die grandiosen Aussichten auf Glenwood Springs und die Landschaft ringsherum.

Bergwelten
Aus der Luft
Verkabelt
Glenwood Canyon

Dann packt mich der kleine Hunger zwischendurch. Mit belanglosem Zeug vom Imbiss lasse ich mich an einem der zahlreichen Tische nieder und werde nebenbei und ungewollt amüsierte Zeugin des schamlosen Tuns der hiesigen Fauna. Doch das Treiben ist schnell vorbei. Mit Romantik haben die Tierchen offensichtlich nichts am Hut.

Und dann begebe ich mich ins kühle Labyrinth der riesigen Tropfsteinhöhlen, wo mich eine geniale 40-minütige Führung erwartet. Ich bin sehr beeindruckt von dem, was ich hier zu sehen bekomme. Ihr auch?

Verzahnt
Ganz tief hinunter
Erleuchtet
Zackig
Vielfalt der Formen
Nachtausgabe

Jetzt habe ich alles gesehen, was hier oben geboten wird. Und so gondele ich zurück ins Tal und sinniere über das soeben Erlebte. Auch wenn ich den Umstand, dass man oben auf einem Berg einen Vergnügungspark errichtet, an sich schon recht fragwürdig finde, so habe ich dennoch einen entspannten und lohnenswerten Nachmittag genossen. Schön war’s! Abends wechsele ich dann munter zwischen Buch und Pool. So lässt es sich aushalten 😎. Bis morgen!

13 Gedanken zu “Glenwood Springs – Süßes Fast-Nichtstun

  1. Elke und immer volles Programm ! Klar man muss die Zeit ausnutzen wenn man im Urlaub dort ist. Man will ja auch soviel wie möglich mit nach Hause nehmen.
    Heiße Quellen bei einer Aussentemperatur von über 30 Grad trifft man auch nicht alle Tage.
    Die Höhlen sind wirklich sehr schön und für Innenaufnahmen sehr gut gelungen !!

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    1. Ach, so stramm war das Programm dort eigentlich nicht. Was ich in diesem Beitrag schildere, bezog sich ja auf zwei Tage. Von daher hielt sich die Action echt in Grenzen.

      Stimmt, für einen Besuch in den heißen Quellen war es eigentlich viel zu warm. Im Winter hätte ich das deutlich mehr genießen können. Aber ich war halt neugierig und musste da unbedingt mal rein.

      @ Höhlenfotos: danke! Die waren echt beeindruckend.

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      1. ja im Winter sind so heiße Quellen echt super. Ich habe hier zwar keine aber eine Menge Thermalbäder. Da gibt es bei uns einige .
        Problem ist aber,dass die gerade in den kalten Monaten sehr überlaufen sind zumindest am Wochenende. Bin gespannt was die diesen Winter kosten wegen der Energiekrise. Der Eintritt bisher lag immer zwischen 7 und 9 Euro je nach Bad.

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  2. Glenwood Springs scheint ein amerikanisches Städtchen aus dem Bilderbuch zu sein und die Umgebung ist wunderschön. Danke fürs Mitnehmen! Für Fast- Nichtstun war du ganz schön viel unterwegs. Dein Reisestil kommt mir persönlich bekannt vor …
    Auf die Idee, die USA per Bahn zu bereisen wäre ich nicht gekommen. Hast du die gesamte Reise selbst geplant und organisiert?

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    1. Ja, Bilderbuch-Städtchen trifft es ziemlich auf den Kopf. Und die Kulisse drumherum ist das Tüpfelchen auf dem I.

      So viel war ich eigentlich nicht unterwegs. Was ich in diesem Bericht erzähle, bezieht sich ja auf zwei Tage. Von daher war das Pensum für meine Verhältnisse fast geriatrisch 😂. Aber das kennst du ja, wenn du beim Reisen genauso tickst wie ich.

      Ja, ich habe die komplette Reise selbst geplant und organisiert. Ich bin schon häufiger mit dem Zug durch die USA gereist. Es ist eine wunderbare Art, entschleunigt dort unterwegs zu sein. Man sieht eine Menge und trifft – wenn man das möchte – immer auf interessante und unterhaltsame Gesprächspartner. Wenn du auch mal Lust auf so eine Tour dort hast, sprich mich gerne an! Ich gebe dir gerne Tipps für die Planung 😎.

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  3. Ich glaube, der Vergnügungspark wäre echt was für mich gewesen. Vor allem, wenn es ein Riesenrad gegeben hätte 🙂 Und die Hörnchen taten recht daran, keine Zeit zu verlieren, der Sommer ist kurz. Auf eine Nuss einladen kann man sich auch später noch 😉

    Der Besuch der heißen Quellen hört sich sehr entspannend an. Wenn ich mich in einer solchen Umgebung befinde (dampfig und heiß), so werden meine Lebensgeister soweit gedrosselt, dass ich den ganzen Tag da verbringen könnte, lesend, badend und vor mich hin dösend… Alles schon vorgekommen!

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    1. An so was Harmloses wie ein Riesenrad kann ich mich jetzt nicht erinnern 😁. Da waren mehr so Hardcore-Fahrgeschäfte am Start. @Hörnchen: stimmt, auf eine Nuss kann man sich in der Tat auch später noch einladen 😂!

      Ja, wenn man da so in diesen heißen Quellbecken herumliegt, verdampft tatsächlich jegliche Energie. Man wird dösig und schlapp, was für ein Weilchen ja auch mal ganz schön ist. Doch einen ganzen Tag hätte ich da nicht ausgehalten! Das lag aber sicher auch daran, dass auch die Außentemperaturen ziemlich hoch waren. Im Winter hätte ich die Hitze im Wasser sicher mehr und auch länger genießen können.

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    1. Immer gerne. Ja, ein Helm mit Gemüsedeckel, davon träumste, wa? Ich könnte jetzt natürlich behaupten, dieser Fotogag sei beabsichtigt gewesen. Aber ich will ehrlich sein: ich habe diese Situationskomik nicht bewusst herbeigeführt. Sie ist mir erst beim Auslesen der Fotos aufgefallen 😁.

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