Heute verschlägt es mich in den äußersten Norden der Insel. Wie immer mit dem Bus unterwegs, lande ich im Laufe des Vormittags in Port de Pollença. Wie fast überall zur Zeit sind auch hier nur wenige Leute unterwegs. Es ist sonnig und ruhig. Die im Vergleich zu anderen Stellen Mallorcas angenehm lockere Bebauung, die schöne Bucht und das ansehnliche Hinterland sorgen insgesamt für ein angenehmes Setting.

Gute Ausgangslage
Ausgesetzt

Darf ich meinem Reiseführer glauben, so befindet sich in der Bucht von Pollença die schönste Fußgängerpromenade der ganzen Insel. Und in der Tat lässt es sich hier, angenehm beschattet durch uralte Kiefern, ortsauswärts vorbei an schönen Villen und Hotels der Gründerzeit flanieren.

Schräg drauf

Immer wieder halte ich inne, schaue über das spiegelglatt daliegende Mittelmeer und staune über die knorrigen, alten Bäume hier und da.

Zerfetzt
Verzweigt

So toll der Weg auch ist: irgendwann ist er zu Ende. Ich kehre um und laufe, weil es so schön war, exakt die gleiche Strecke immer am Wasser entlang zurück. Passend dazu fordert mein Magen energisch seine Rechte ein. Wie gut, dass Carla mich für diesen Ort mit einem exzellenten Restauranttipp versorgt hat. Das Bellaverde serviert vegane und vegetarische Gerichte vom Feinsten! Und da ja zur Zeit insgesamt so wenig los ist, bekomme ich hier heute auch ohne Reservierung einen Tisch. Genauer gesagt bin ich anfangs sogar der einzige Gast, obwohl es mit 13:30 Uhr jetzt nicht soooo wahnsinnig früh ist für ein Mittagessen 😎. Erst als ich das Curry und die Lebkuchen-Mousse …

Hmmmmmhhhh!
Das süße Leben

… schon fast vernichtet habe, füllen sich nach und nach überschaubare fünf Tische in dem idyllischen, mit urigen Feigenbäumen bestandenen Garten des Lokals. Ach, hier könnte ich auch den Rest des Nachmittags vor mich hin dämmern! Doch es zieht mich weiter. Der nächste Bus bringt mich nach Pollença, ein paar Kilometer weiter landeinwärts gelegen.

Das wunderschöne, kleine Städtchen wird von rund 16.000 Menschen bewohnt. Ich habe gelesen, dass hier ein ganz eigener Dialekt gesprochen wird. Doch da ich zwar etwas Spanisch spreche, aber kein Wort Mallorqui verstehe, erschließen sich mir die Eigenheiten der hier gesprochenen Sprache nicht.

In Pollença pflegt man das Handwerk und insbesondere das Kunsthandwerk. Zahlreiche Kunstgalerien und das alljährliche internationale Musikfestival heben den Ort von anderen Orten der Insel ab. Letztendlich ist es auch die Kunst, die mich heute hierher zieht. Erst einmal aber lasse ich mich gemächlich durch die Gässchen und über die lauschigen Plätze treiben.

Gassenhauer
Platz da!
Alte Zeiten
Aufgebäumt

Erwartungsvoll nähere ich mich dann den berühmten 365 Treppenstufen, die mich hinauf zum Calvari und der kleinen Wallfahrtskirche mit dem großen Blick auf die Umgebung geleiten sollen. Von weitem schon sehe ich die ersten Figuren …

… und hoffe auf mehr. Doch wenig später reibe ich mir verwundert die Augen: die Treppe ist leer! Wo sind all die Skulpturen des von hier stammenden und auch ansässigen Künstlers Joan Bennàssar, von denen mir Carla so vorgeschwärmt und tolle Fotos gezeigt hat? Ich stürme in den nächsten Laden und frage nach. Die freundliche Verkäuferin klärt mich auf, dass es sich mitnichten um eine Dauerinstallation der steinernen Figuren handelt, sondern um eine Wanderausstellung! Und deshalb sind die unerwartet mobilen Kunstwerke vor drei Wochen nach Inca umgezogen. Ok, muss ich meine Pläne für heute doch noch geringfügig anpassen und noch einen weiteren Ort ansteuern 😂. Wie gut, dass es um diese Jahreszeit so lange hell ist und Inca auf meiner Busstrecke zurück nach Palma liegt!

Auf den Schreck tobe ich mich aber erst einmal konditionell und fotografisch auf den Treppenstufen aus und genieße die tollen An- und Aussichten im satt-goldenen Nachmittagslicht. Aus der Puste kommen müsst ihr jedoch nicht. Doch die Fotos dürft ihr euch gerne anschauen.

Abgestuft
Katzenjammer
Mit Weitblick
Gelber Pieks
Gestreift
Grün hinter den Ohren

Bevor ich den nächsten Bus Richtung Palma nehme, gönne ich mir noch einen kühlen Orangensaft in einer kleinen Bar. Dann auf nach Inca! Dieses unspektakuläre und recht untouristisch wirkende Städtchen im Inselinneren gewährt mir einen Einblick in das ungeschminkte, normale Leben der Einheimischen. Das hat was! Dadurch, dass die Skulpturen des Bildhauers und Malers Joan Bennàssar an gleich drei verschiedenen Stellen in der Stadt verteilt sind, bekomme ich einen recht guten Eindruck.

Zwei der drei Standorte liegen recht nahe beieinander in der Innenstadt. Diese suche ich zuerst auf. Während sich die Einheimischen bereits, lebhaft in Gespräche vertieft, ihren Aperitifs widmen und sich so langsam fürs Abendessen in den Restaurants warmlaufen, bin ich gefühlt die einzige, die sich den Skulpturen widmet. Jetzt habe ich sie schon so oft angekündigt, dass es höchste Zeit wird, sie auch zu zeigen! Wer die Infos und Hintergründe zur Ausstellung lesen möchte, bekommt hier und da einen guten Überblick. Zur Website des Künstlers nehmt bitte diesen Weg. Doch jetzt zu den eigenwilligen Gesellen aus Eisen, Drahtgitter und Beton!

Der dritte und gleichzeitig schönste Standort liegt etwas außer- und oberhalb der Innenstadt auf dem Gelände des Klosters Sant Bartomeu. Was für ein gelungenes Setting!

Paarweise

Verkopft
Umarmt

Was soll ich sagen? Dieser zusätzliche, vorab nicht geplante Stopp hat sich absolut gelohnt! Am frühen Abend bringt mich der Bus zurück nach Palma. Im Hotel lege ich gemütlich die Füße hoch, lasse diesen tollen Tag gedanklich Revue passieren und die Statistik für sich sprechen 😎. Bis morgen!

18 Gedanken zu “Mallorca: Tag 6 – Betonköpfe

  1. Die eine Hälfte der Urlaubserlebnisse verdanken wir unserer Planung, die andere aber unterliegt zum Zufall. Oft ist es das Unvorhergesehene, dass für besondere Erinnerungen sorgt. In Deinem Fall durftest Du eine Stadt mehr besuchen. Und wie ich sehe hat es sich gelohnt…

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Elke,

    vierundzwanzig Tausend Schritte? Da hast du ganz schön was geschafft an dem Tag, Respekt! Bestimmt qualmten abends die Sohlen 😉 Die schöne Strandpromenade lud aber sicher regelrecht dazu ein, dort entlang zu spazieren.
    Die Kunstwerke… jetzt suche ich nach den richtigen Wörtern… ich glaube, eigenwillig trifft das am besten 😉 Wäre ich vor Ort gewesen, hätte ich es vermutlich den Einheimischen gleichgetan und mich der inspirierenden Wirkung eines Aperitifs ergeben…

    Liebe Grüße
    Kasia

    Gefällt 1 Person

  3. Oh, das Hafenstädtchen ist ja wieder zuckersüß! Sehr einladend! Die extrem schiefen Bäume würden mich als Anwohner aber sicherlich etwas abschrecken.😅
    17 km! Das ist eine ordentliche Strecke. Aber das kennt man ja von dir.😉
    Die Skulpturen sind interessant. Schade, dass sie nicht mehr auf der Treppe sind. Das ist ein sehr origineller Ort. Die Treppe ist ja auch keine typische Treppe, wie ich finde. Welche Figur wäre deinem Wohnzimmer denn würdig?😃

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, Port de Pollença war echt charmant. Welche Skulptur ich wählen würde? Hm, vermutlich die beiden von der Mauer vor dem Kloster, die sich umschlungen halten. Oder die Dame in Yogapose im Innenhof des Klosters. Ach, eigentlich würde ich mich mit jeder dieser Figuren zufriedengeben 😅! Und ja, es war wirklich schade, dass sie nicht mehr auf der Treppe in Pollença weilten. Das war wirklich ein ganz besonderes Setting.

      Gefällt 1 Person

Schreibe eine Antwort zu coffeenewstom Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s