Frühstück im „Anastasia“. Von diesem veganen Restaurant hatte ich euch bereits im Bericht zu Tag 1 vorgeschwärmt. Ich habe das große Glück, das es zu den drei Partner-Restaurants meines Hotels zählt, in denen mein Frühstücks-Voucher akzeptiert wird. Satt und zufrieden starte ich anschließend zur nächsten Entdeckungsrunde durch die Stadt.

Tel Aviv ist bekannt als die Stadt mit den meisten Bauhaus-Gebäuden weltweit. Gleich 4.000 davon wurden zwischen 1931 und 1937 gebaut. Seit die sogenannte „Weiße Stadt“ 2003 zum Weltkulturerbe ernannt wurde, steht etwa die Hälfte davon unter Denkmalschutz. Sie sind nur teilweise in gutem Zustand, vom Klima angegriffen und oft mehr grau als weiß. Will die Stadt, dass sich das ändert, muss sie den Eigentümern wohl noch etwas mehr entgegenkommen und die strengen Denkmalschutzauflagen lockern. Wer mehr wissen möchte, lese bitte diesen guten und informativen Artikel, den ich für euch rausgesucht habe.

Die sehr sehenswerten Bauten verteilen sich über die ganze Stadt, haben jedoch ihren Schwerpunkt rund um den Dizengoff Square, der fußläufig zu meinem Hotel liegt. Um den Platz herum gruppieren sich in bester Streber-Manier wahre Vorzeige-Bauten. Jeder wurde von einem anderen Architekten geplant. Und dennoch bilden sie eine harmonische und ästhetische Einheit mitsamt des in der Mitte thronenden Brunnens.

Schönheit in Weiß

Der Musterschüler unter den Strebern ist das heutige Hotel Cinema im Gebäude des ehemaligen Esther Kinos. Es weist alles auf, was typisch ist für den Tel Aviver Bauhaus-Stil: strahlendes Weiß, Pfahlvorbau und Flachdach.

Schmuckstück

Die Neugier treibt mich ins Innere. Brav frage ich an der Rezeption, ob ich drinnen ein wenig herumlaufen und fotografieren darf. Verständnislosigkeit auf der anderen Seite des Tresens. „Aber selbstverständlich!“, lautet die Antwort. Lediglich die Dachterrasse ist den Hotelgästen vorbehalten. Und so schaue ich mich ein wenig in den öffentlichen Bereichen um, die gefüllt sind mit Gegenständen aus dem früheren Kino.

Von Vorsicht getriebene Höflichkeitsfragen sind den Leuten hier unbegreiflich. Das hatte ich ja schon gestern durch das Gespräch mit Daniel an der Rezeption meines Hotels gelernt – und einen Tag später schon wieder vergessen.

Coffee Break im Nahat Café direkt am Dizengoff Square. Was? Schon wieder Pause? Die ist doch gerade erst losmarschiert! Ja, stimmt. Doch heute morgen beim Frühstück habe ich mich mit Tee begnügt. Denn so gerne ich vegan esse: Kaffee mit Soja-, Hafer- oder Mandelmilch kriege ich nicht runter. Und so hole ich mir den täglichen Koffein-Kick eben hier in diesem schicken Laden in einem der Vorzeigebauten des Platzes. Der Service lässt sich Zeit, aber der Kaffee ist göttlich 👍. Nachzulesen auch hier.

Edles Ambiente

Ich setze mich, da das Café gut besucht ist, zu einer anderen Frau an den Tisch, nachdem ich – unverbesserlich – mal wieder gefragt habe, ob das in Ordnung ist. Aber selbstverständlich! Die Dame rückt sogar extra ein Stückchen zur Seite und will mir den Platz an der Sonne schmackhaft machen, obwohl auf der anderen Seite des Tisches genügend Platz ist. Ja, in dieser Stadt geben sie mir permanent das Gefühl, willkommen zu sein.

Anschließend schleiche ich noch ein wenig in den umliegenden Straßen herum und erfreue mich an der Architektur.

Früher Klinik, heute Kabbalah
Thermometerhaus
Direkter Draht
Scharfe Kurven

Weiter geht’s, immer entlang der Dizengoff Street gen Süden. Auch hier stoppe ich das eine oder andere Mal für ein Foto.

Rund und eckig

Ich passiere den großen Shopping-Komplex des Dizengoff Centers, …

Shoppen und Wohnen

… und nähere mich dem Platz der Kultur mit dem HaBima Theater und dem Bronfman Auditorium. Auf den ersten Blick wirkt das Ensemble mit dem originellen, tiefer gelegten Garten in seiner Mitte …

Versenkt

… etwas betonbrachial. Doch der zweite Blick sagt mir: tolle Fotospots!

Flotter Dreier
Im Rahmen
Musik im Spiegel

Von dort aus laufe ich in nordöstlicher Richtung zum Tel Aviv Performing Arts Center. Dort ist seit 1994 die Oper der Stadt zuhause.

Schalltrichter

Doch das eigentliche Objekt meiner Begierde wartet auf dem Platz dahinter auf mich: das Tel Aviv Museum of Art! Nähere Infos sowie Aufnahmen vom Inneren serviere ich euch an Tag 9. Doch am attraktiven Äußeren der neueren Bauten …

Bischofsmütze
Im Gegenlicht

… und speziell des Herta and Paul Amir Building (eines von mehreren Gebäuden des Museums) lasse ich euch gerne jetzt schon teilhaben.

Origami

Die Skulpturen auf dem öffentlich zugänglichen Außengelände kredenze ich euch als Nachspeise gerne auch gleich noch dazu.

Errötet
Täuschend echt
Eleganz im Schatten
Gehörnt

Fast um die Ecke, jedoch nicht auf direktem, kurzen Weg zu erreichen liegt das Azrieli Center, das mit zu den höchsten Gebäuden Tel Avivs zählt und zudem eine der größten Shopping Malls der Stadt beheimatet.

Von Weitem
Von Nahem
Von innen

Innen interessiert mich – ihr kennt das schon – natürlich nur die Architektur. Und so bin ich bald wieder draußen und laufe den kleinen Hügel hoch, aus dessen Richtung ich vorher kam. Dort lauern noch weitere schicke Hochhäuser auf mich, …

Abgebogen
Verdreht

… bevor ich in unmittelbarer Nachbarschaft auf das krasse Kontrastprogramm treffe. Denn direkt daneben liegt die ehemalige deutsche Templer-Kolonie Sarona, die, recht frisch restauriert, heute eine angenehme Mischung aus kleinen Läden, Cafés und Grünanlagen bietet.

Grüne Stadtoase
Spiegelvarianten

Von dort laufe ich zurück zum HaBima Theater, das ihr schon von meinem Hinweg kennt. An dieser Stelle beginnt der berühmte Rothschild Boulevard, DIE Flaniermeile der Stadt schlechthin mit ihren zahllosen, von exotischen Bäumen beschatteten Kaffee-Kiosken, flankiert von der Start-Up-Szene.

Doch bevor ich den Boulevard bis zu seinem südlichen Ende entlang flaniere, werde ich Augenzeugin einer politischen Demo von Anhängern der Oppositionspartei Kachol-Lawan (Weiß-Blau), Fernsehaufnahmen inklusive. Da ich kein Wort von dem verstehe, um was es da geht, ergreife ich die nächstbeste Gelegenheit und spreche einen der Wortführer an. Er freut sich über mein Interesse und legt los. Die Zusammenfassung für euch: Zum dritten Mal innerhalb eines Jahres findet im März eine Parlamentswahl in Israel statt. Die links orientierten Weiß-Blauen stellen bis dato die größte Fraktion in der Knesset und auch in Tel Aviv. Und sie wollen das Naheliegende: ihren der Korruption angeklagten Premier endlich loswerden.

Irgendwann reiße ich mich los und setze meinen Weg entlang des besagten Boulevards fort. Ihr wollt euch auch ein wenig die Beine vertreten? Dann los!

Wo sind die Kugeln?
Selfmademan
Formschön
Im Chor
Verwischt

Uff, für heute reicht es jetzt aber! Ich nehme den Bus „nach Hause“ und statte der famosen Dachterrasse meines Hotels zur einsetzenden Dämmerung noch einen kurzen Besuch ab. Dort beschallt mich wie überall in den öffentlichen Bereichen des Hauses Musik der unterschiedlichsten Art. „Don’t get me wrong“ von den Pretenders überrascht mich in dem Setting jetzt nicht. Als der Sonnenuntergang jedoch von BAP’s „Müsli Män“ musikalisch untermalt wird, muss ich dann aber doch herzlich lachen 😅.

Ganz oben
Skyline

Bevor ich endgültig den Feierabend einläute, streife ich auf der Suche nach Futter noch ein wenig durch die nähere Umgebung. Und so endet der heutige Tag, wo er begonnen hat. Mit einer Nachtaufnahme des Brunnens auf dem Dizengoff Square schließt sich mein heutiger Kreis. In diesem Sinne: bis morgen!

Geplätscher

20 Gedanken zu “Tag 3: Tel Aviv – Mekka der Architektur

  1. Die drei Fotos vom Habima Square sind wirklich gut gelungen.👍 Die drei Chorsänger habe ich glaube auch geknipst.😅 Ich liebe ja auch das Origami-Haus. Was für ein tolles Gebäude! Im Azrieli Shopping Center „musste“ ich übrigens Rolltreppen ohne Ende fahren!🤣 Hach, es war schon echt schön da. Und in Anbetracht der jetzigen Lage hatten wir so verdammtes Glück mit unserem Reisezeitpunkt.

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    1. @ HaBima: danke! @ Chor: die drei kann man auch schlecht ignorieren, wenn man den Boulevard hinunter läuft 😅. @ Rolltreppen: ich sehe Mika förmlich vor mir, wie er, wild das Holzschwert schwingend, hoch und runter fährt 😂. Ja, es war verdammt schön in Tel Aviv – und wir hatten beide das Glück, gerade noch rechtzeitig dort gewesen zu sein.

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    1. Nachdem ich deinen Kommentar gelesen hatte, habe ich gleich mal gegoogelt, wie der Brunnen vorher aussah. In bunt war er auch schön. Doch ich finde die jetzige, etwas „nüchternere“ Ausführung auch gut. Freut mich, dass dir der Bericht gefallen hat. Und ja: es war durchaus abzusehen, dass die Architektur dort voll meinen Geschmack trifft.

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        1. der Platz hieß 2017 auch noch anders 😂 Insgesamt wurde viel geschraubt und gewerkelt in den letzten 7 Jahren. 2012 hab ich der Bauhausarchitektur nicht mehr lange gegeben….80% der Häuser waren nur noch heruntergekommen und abrissreif. Habe 2012 den Hype um TA nicjt verstanden. 2017 war die Stadt eine einzige Baustelle, auch am Strand wurden viele der Hochhäuser aufgemotzt und nun sieht man das Ergebnis👍

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          1. Die eine oder andere Bruchbude habe ich schon abgelichtet. Manche tauchen auch, mehr oder weniger versteckt, im Blog auf. Aber klar: der Focus liegt natürlich hauptsächlich auf den schönen Seiten des Lebens 😎.

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  2. Danke, Elke, die weißen Gebäude sind ganz nach meinem Geschmack. 🙂
    Wir als Berliner müssen nochmal speziel lernen, dass Höflichkeit normal sein kann. Das ist schon innerhalb Deutschlands zu merken. In München ist alles höflicher als in Berlin.
    Ich wünsche dir einen schönen Wochenbeginn, die Sicherheitsmaßnahmen werde ja immer stärker und ich richte mich auf einen gemütlichen Tag in meiner Atelierwohnung ein.
    Susanne

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  3. Ach, Elke, was für eine kleine Seelenmassage das ist, deine lebhaften Berichte zu lesen und vor allem die tollen Fotos zu sehen – wie ich Tel Aviv jetzt wieder vermisse …! Aber dank deines Blogs fühle ich mich auch wieder ein bisschen in meinem Urlaub zurückversetzt! Auch wenn ich feststellen muss, dass ich doch viel nicht gesehen und verpasst habe!! 😅 du warst wirklich sehr ‚gründlich‘ unterwegs! Danke und ich freue mich auf mehr!

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    1. Freut mich, wenn ich deine Stimmung mit meinen Berichten etwas aufpäppeln kann, liebe Carla! Was bleibt uns zur Zeit auch anderes übrig, als in der Erinnerung an schöne Reisen zu schwelgen, während wir zuhause bleiben müssen. Mir geht es beim Bearbeiten der Fotos und beim Verfassen der Texte übrigens genauso: ich vermisse Tel Aviv! Und gleichzeitig bin ich sehr dankbar, dass ich diese Reise noch machen konnte. Die Fotos katapultieren mich immerhin gedanklich zurück. Wenn du den Eindruck hast, so vieles noch nicht gesehen zu haben, solltest du unbedingt eines Tages dorthin zurückkehren. Es kommen auch wieder bessere Zeiten. Und ja, ich war wirklich sehr gründlich dort unterwegs 😅!

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      1. Ja, so muss man das sehen! Und vor allem dankbar sein, dass wir schon viele tolle Reisen machen konnten! Ich werde sicherlich ganz bald wieder nach TLV zurückreisen! Und bis dahin in Erinnerungen schwelgen 😉

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