Gleich morgens reiten wir vom Hof des Hotels, verlassen die Hauptstadt und damit gleichzeitig Ontario. Bonjour Québec!

Dass hier ganz eigene Regeln gelten, und zwar nicht nur die Sprache betreffend, merken wir schon bald auf der Autobahn. Vorbei ist es mit der für Nordamerika so typischen vornehmen Zurückhaltung und Rücksichtnahme. Hier wird ein heißer französischer Reifen gefahren, dicht aufgefahren und gedrängelt. Fast wie in Südeuropa … Hier gelten zwar die gleichen Geschwindigkeitsbeschränkungen wie im Rest des Landes, aber gefühlt sind wir die einzigen, die sich daran halten 😅.

In einem kleinen Örtchen mit dieser hübschen Kirche …

… nehmen wir unser Mittagessen in einem Selbstbedienungs-Restaurant ein. Ich lasse Stefan bestellen. Doch die Dame hinter dem Tresen kämpft mehr mit der englischen Sprache als wir! Und so langsam freunde ich mich mit dem Gedanken an, während unserer restlichen Zeit hier in Kanada gleich mit zwei Fremdsprachen jonglieren zu müssen. Dass das hier gesprochene Französisch auf alte normannische und bretonische Dialekte zurückgeht und sich in manchen Punkten vom modernen Französisch unterscheidet, muss ich nun sportlich nehmen 😅. Die Leute jedenfalls reagieren sehr positiv darauf, wenn man sich als ausländischer Besucher bemüht, in der Landessprache zu kommunizieren und sind entsprechend freundlich und geduldig.

In der Schlacht von Québec 1759 verlor Frankreich seine Kolonie in der neuen Welt. Doch die französischen Siedler blieben. Ihre Nachfahren stellen heute rund 30 Prozent der kanadischen Bevölkerung. Um ihre kulturelle und sprachliche Eigenständigkeit wird immer mal wieder gerungen, bis hin zur vollständigen Loslösung Québecs von Kanada. Die letzte Abstimmung dazu fand 1995 statt und ging denkbar knapp aus. Eine Mehrheit jedoch stimmte für den Verbleib. Zur Zeit herrscht Ruhe an der „Separatistenfront“.

Was sofort auffällt, wenn man per Auto hier unterwegs ist: die Straßenschilder sind nur noch auf französisch beschriftet. In Ontario waren sie mehrheitlich zweisprachig gestaltet. Die für ganz Kanada vereinbarte Zweisprachigkeit wird hier also ganz entspannt ignoriert. Wie sich in den kommenden Tagen noch herausstellen wird, gibt es auch in manchen Restaurants, die nicht vorrangig auf Touristen fixiert sind, Speisekarten nur auf französisch. Doch um es vorwegzunehmen: wir sind nicht verhungert!

Die rund 450 Kilometer, die heute zwischen Start und Ziel liegen, sind mit diesen beiden Fotos hinreichend auf den Punkt gebracht. Brandenburg lässt grüßen!

Am Nachmittag erreichen wir Québec City und finden nach drei Ehrenrunden um den Block dann doch noch unser Hotel. Ich sag nur: tote Winkel (ha, da ist ja plötzlich doch ein Schriftzug an der Hausfassade!) gibt es auch vorne im Auto …

Nachdem der Wagen geparkt und das Hab und Gut im Zimmer verstaut ist, brechen wir zu einem ersten Rundgang durch die Altstadt auf. Genauer gesagt führt unser erster Weg in die Oberstadt.

Zwar sind es von unserem Hotel aus nur knapp 1.000 Meter bis dorthin, doch die Strecke hat es in sich, denn wir müssen ordentlich Höhenmeter absolvieren auf dem kurzen Stück. Sehr erhaben thront die mittelalterlich wirkende Oberstadt mit ihrer sie umgebenden Stadtmauer, den winkligen Gassen, dem Kopfsteinpflaster und den trutzigen Gebäuden über dem übrigen Stadtgebiet.

Und schon bald stehen wir vor dem berühmten Château Frontenac. Hitchcock-Fans dürfte es aus „Ich beichte“ bekannt sein. Das imposante Luxushotel …

… steht direkt an der besten Flaniermeile der Stadt, der Terrasse Dufferin.

Von dieser aus hat man den besten Ausblick! Nicht nur auf die Unterstadt (siehe heutiges Titelfoto) und die Oberstadt …

… sowie den Hügel hinauf, …

… sondern auch auf den St. Lorenz-Strom, der sich, immer breiter werdend, an der Stadt vorbei schlängelt.

Das soll für heute genügen! Morgen ist auch noch ein Tag. Mit einer Aufnahme des schicken Schlösschens in der Dämmerung verabschiede ich mich bis zum nächsten Beitrag. Stay tuned!

2 Gedanken zu “Tag 18: Von Ottawa nach Québec City – Unter Galliern

  1. Da gibt’s ja einen ganz schönen Stilmix: englisch, französisch, mittelalterlich…umgehauen hat mich Quebec jetzt noch nicht, auch wenn das mit der Ober-/Unterstadt ganz interessant klingt. Ich warte mal ab, was da noch so kommt.😉

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