Am frühen Donnerstagmorgen sitze ich im Bus in Richtung der historischen Hauptstadt der Provence. Warum das denn? Wo doch der viel schnellere TGV …

… Marseille mit dem rund 30 Kilometer entfernten Aix-en-Provence verbindet! Doch das ist ein Trugschluss. Der Hochgeschwindigkeitszug braucht für die Strecke zwar nur sensationelle 11 Minuten. Aber der TGV hält nicht etwa im Zentrum von Aix, sondern in einem eigens für die Schnellverbindung gebauten Bahnhof 15 Kilometer außerhalb des Stadtzentrums. Und die Busverbindungen von diesem Bahnhof in die Stadt passen nicht unbedingt zu den Fahrtzeiten des TGV. Selbst wenn der Umstieg halbwegs passen sollte, sparst du in der Regel keine Zeit, sondern zahlst einfach mehr fürs Ticket und musst auch noch das Transportmittel wechseln.

Der Bus hingegen bringt dich zuverlässig und ohne Umstieg in 30 bis 40 Minuten – je nach Verkehrslage – direkt in die Stadt. Alternativ kannst du für die Strecke natürlich den Regionalzug TER nehmen, der am im Zentrum gelegenen „normalen“ Bahnhof von Aix hält. Für mich passte heute morgen jedoch der Bus von den Abfahrtzeiten her besser.

Ankunft in Aix. Jetzt erst mal frühstücken! Bei Maison Nosh sitze ich gemütlich im Schatten und werde gut bewirtet. Nun kann’s losgehen!

Kurz und knackig ein paar Worte zur Stadt. Aix-en-Provence gilt als historische Hauptstadt und gleichzeitig als Aushängeschild der Provence. Das 30 Kilometer nördlich von Marseille gelegene, 150.000 Einwohner zählende Universitätsstädtchen besticht mit architektonischem Reichtum, lauschigen Plätzen mit originellen Brunnen, einer nahezu unversehrten barocken Altstadt, seiner lebendigen, unbeschwerten Lebensart und seinem schon fast unwirklich sensationellen Licht.

Kein Wunder, dass die Heimatstadt von Paul Cézanne seit jeher Künstler anzieht und als Eldorado für Kunst und Kultur gilt. Auch Pablo Picasso lebte zeitweise hier.

So, das waren jetzt aber eine Menge Vorschusslorbeeren. Dann lasst uns mal ins Getümmel stürzen. Schon nach wenigen Minuten wird mir klar: Aix-en-Provence ist unfassbar schön – aber auch ganz schön überfüllt! Im Vergleich dazu geht es in der Großstadt Marseille richtig beschaulich zu.

Was mir bei meinem Ausflug nach Cassis zugute kam, fällt mir hier auf die Füße. Es ist Markttag! Und das zieht Besucher natürlich in Scharen an. Ich hielt mich ja für besonders schlau, meinen Besuch der bekanntesten Stadt der Provence auf den Donnerstag statt auf den Samstag zu legen. Dabei hatte ich jedoch großzügig übersehen, dass der gefühlt jeden Quadratzentimeter der Altstadt einnehmende Markt nicht nur am Wochenende, sondern auch dienstags und donnerstags stattfindet.

Und so strömen Menschenmassen durch die wunderschönen, aber engen Gassen. Die sie sich auch noch mit PKW und Transportern teilen müssen, die die Waren für Geschäfte und Gastronomie liefern. Klar, auch ich bin hier als Touristin unterwegs und somit Teil des Problems. Doch insgesamt dominieren hier große Reisegruppen, an denen weder ein Vorbei- noch ein Durchkommen ist. Wenn du 50 Leute auf einem Haufen vor, neben oder hinter dir hast, ist das eine ganz andere Hausnummer, als wenn sich z.B. 25 Paare in deiner Nähe tummeln.

Genug auf hohem Niveau gejammert! Abseits der gängigsten Hauptrouten sieht die Flanierwelt schon besser aus. Fokussieren wir uns doch lieber auf die schönen Seiten des provenzalischen Lebens und lassen die Fotos für sich sprechen.

Na, was sagt ihr? Die Stadt hat schon was, finde ich. Ich hatte einen richtig schönen Tag hier. Beim nächsten Mal würde ich mir allerdings keinen der drei Markttage für einen Besuch aussuchen.

Zum Schluss noch Bonusmaterial. Ich liebe ja kuriose Alltagsszenen! Vor allen Dingen dann, wenn mir der eigentliche, durch optische Täuschung entstandene Gag beim Fotografieren gar nicht auffällt, sondern erst beim späteren Betrachten der Fotos ins Auge springt. Na, seht ihr, was ich meine?

Am späten Nachmittag nehme ich die Regionalbahn zurück nach Marseille. Dieses Mal passt es mit den Abfahrtzeiten.

Einen Ausflug habe ich noch in petto. Demnächst mehr. Stay tuned!

2 Gedanken zu “Aix-en-Provence – Voll(er Leben)

  1. Das gefällt mir sehr gut! Aix steht schon länger auf der Liste, aber wir haben es noch nie hin geschafft. Ein Grund mehr, nach Frankreich zu reisen…

    Die Fotos sind wie immer super, besonders das am Brunnen 😃

    Eine Reisegruppe auf dem Markt ist aber auch der Endgegner…

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