12. Oktober 2025
Die Nacht zu Sonntag verläuft unruhig. Feueralarm! Morgens dann die Aufklärung.
Ein Hotelgast hatte zu sehr später Stunde zu heiß geduscht. Ich sag euch: danach waren wir wach! Muss am Morgen eben eine Extraportion Koffein her. Und dann ziehen wir los.
Wettertechnisch verläuft der Sonntag wie der Tag zuvor. Bis um die Mittagszeit herum sorgt feucht-kühle Luft für eine bleierne Stimmung à la grau in grau. Zunächst zieht es uns in die Gegend um King‘s Cross herum. Kaum heraus aus der U-Bahn, fällt uns ein interessantes Gebäude auf. Es ist das Francis Crick Institute, das für seine Forschung auf dem Gebiet der Biomedizin bekannt ist.

Der Hauptgrund, weswegen wir hierher gekommen sind, ist jedoch der Bahnhof St. Pancras, auf den ich im Sommer des vergangenen Jahres buchstäblich im Vorbeilaufen aufmerksam wurde. Aus akuter Zeitnot, verursacht durch diverse Turbulenzen auf meiner Rückreise aus Birmingham, konnte ich ihm seinerzeit nicht die Aufmerksamkeit widmen, die er verdient. Story verpasst? Dann schau hier.
Zurück zum Bahnhof. St. Pancras International wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eröffnet. Der Bahnhof dient zum einen als Hauptdrehkreuz für die Eurostarverbindungen nach Paris, Brüssel und Amsterdam. Zum anderen gilt er als eines der Meisterwerke viktorianischer Ingenieurskunst. Er ist ein richtiges Schmuckstück!
Fun fact: Im Bahnhof befindet sich die längste Champagner-Bar Europas. Auf einer Länge von fast 90 Metern bietet sie den durstigen Reisenden direkt auf dem Bahnsteig den exklusiven Luxus, vor der Abfahrt der Eurostar-Züge ein Gläschen zu sich zu nehmen. Vielleicht braucht auch der eine oder andere Fahrgast das edle Schlückchen, um die anschließende Fahrt durch den Tunnel mental zu verkraften.


Direkt angrenzend befindet sich der Bahnhof King’s Cross, der durch das berühmte Gleis 9 ¾ (Harry Potter lässt grüßen) bekannt ist. Doch nicht nur deshalb lohnt dieser Bahnhof einen Besuch. Zu den Rubriken Architektur und Soziokulturelles trägt er auch einiges bei.





Als wir wieder nach draußen treten, hat dieselbe höhere Macht wie gestern den Wetterschalter umgelegt. Nun begleitet uns ein blauer Himmel mit schönen Wölkchen bei angenehmen 17 Grad. Per U-Bahn geht’s zum Picadilly Circus.




Hier gönne ich mir einen stärkenden Kaffee. Die kurze Nacht, ihr wisst schon. Eigentlich wollte ich heute zwischendurch eine kleine Mittagspause im Hotel einlegen. Doch letztendlich sage ich mir: Keine Zeit für Müdigkeit!
Wir laufen die edle Regent Street hinunter …


… bis zu den BBC Headquarters am Langham Place, …


… und drehen dann ab in Richtung des Stadtteils Bloomsbury. Bevor wir uns der Kunst widmen, füllen wir unsere Mägen in einem indischen Restaurant, das uns – wir hätten es wissen müssen! – mit einem leckeren, aber deutlich zu scharfen Essen konfrontiert. Da nützt auch die im Vorfeld geäußerte Bitte nichts, das Würzen mild ausfallen zu lassen. Denn was man darunter konkret versteht, definiert jeder nach seiner eigenen Schmerzgrenze.
Zentrales Herzstück des vor akademischen Einrichtungen, Buchhandlungen, Cafés und eleganten georgianischen Stadthäusern strotzenden Bloomsbury ist das British Museum. Auch wenn man sich nicht im Detail für die dort gezeigten Ausstellungen interessiert, so empfiehlt es sich doch, sich wenigstens die bemerkenswerte Architektur zu Gemüte zu führen. Die moderne Eingangshalle trägt eindeutig die Handschrift von Sir Norman Foster.




Als wir wieder draußen sind, betrachte ich versonnen die äußeren Säulengänge. Da war doch was anno 2012 bei unserem letzten Besuch! Ich denke spontan an meine Freundin Ortrud, die seinerzeit mit ihrer Familie kurz vorher in London weilte. Sie wussten, dass wir uns in dieser Stadt fast die Klinke in die Hand gegeben hätten.
Und so kamen sie auf eine glorreiche und witzige Idee. Sie schrieben mir ein Rätsel, das ich in Form einer Schnitzeljagd lösen musste. Als Belohnung hatten sie eine kleine Süßigkeit an einer unauffälligen Stelle in der Umgebung einer bestimmten Säule draußen am Museum versteckt. Den Weg dorthin galt es zu finden.
Kurzum: ich löste das Rätsel, und die zuckrige Belohnung war tatsächlich noch da! Danke, liebe Ortrud, dass du meinem löchrigen Gedächtnis auf der Suche nach den Details der Story auf die Sprünge geholfen hast.
Zum Abschluss des heutigen Tages laufen wir in Richtung Leicester Square, dem Herz der Stadt, zumindest für die Einheimischen. Dort ist an diesem sonnigen Sonntagnachmittag noch eine Menge los. Und mittendrin sitzt stoisch die einschlägige Prominenz.




Am frühen Abend gehen wir wieder in den Untergrund, der hier seinem Namen alle Ehre macht.

Die U-Bahn, die uns zurück zum Hotel bringt, ist brechend voll. Selbst vorher in den Gängen innerhalb des Bahnhofs laufen und stehen wir im Stau. London ist vielfältig, multikulturell, toll – und voll! Wir sind hier eben in einer echten Metropole, die uns Berlin im Vergleich wie ein beschauliches Dörfchen vorkommen lässt.
Auf wundersame Weise ergattern wir später im Laufe der Fahrt tatsächlich einen Sitzplatz. Entspannt lehne ich mich zurück, schließe die Augen und lausche fasziniert der Kakophonie, die uns bis zum Ende der Fahrt umgibt. Hört mal rein! And stay tuned.
Der Bahnhof ist wirklich gigantisch. Das kann nur Stuttgart 21 toppen! 😁
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sehr schön . Der Bahnhof erinnert mich sehr an die Victoria Station in Mumbai. Vermutlich zur gleichen Zeit gebaut und den Architekten gleich mit exportiert.
Gibt’s dort wirklich eine Verleihung zum Klo des Jahres? Ist ja eigentlich schon wichtig für Reisende. Ich erinnere mich noch an ein Debakel in Stuttgart, als ich kein Kleingeld für die Toilette hatte, aber die Blase zum Bersten voll war 😕
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