19. – 20. November 2021

Auf zu neuen Ufern! Ich freue mich aufs Meer. Vormittags nehme ich den Regionalzug nach Cádiz. Dieser braucht wegen der häufigeren Stopps zwar etwa 15 Minuten mehr als der Schnellzug. Doch ein solcher würde erst deutlich später fahren. Der Glücklichen schlägt keine Stunde. Was ist da schon ein Viertelstündchen?

Eine Besonderheit bei der Abfahrt der Regionalbahnen lerne ich auf diesem Wege auch gleich kennen. Das Abfahrtsgleis wird erst sehr kurzfristig bekanntgegeben, und zwar erst sechs oder sieben Minuten, bevor es losgeht. Doch meine aufkommende Panik ist unbegründet. Denn im Gegenzug entfallen sowohl Gepäck-Check als auch Ausweis- und Fahrkartenkontrolle vor Fahrtantritt auf dem Bahnsteig.

Gegen Mittag erreiche ich Cádiz nach einer Stunde und 45 Minuten Fahrtzeit. Zur Begrüßung pfeift mir die Stadt was, und zwar mit satten 50 Stundenkilometern! Ich laufe die wenigen hundert Meter bis zu meinem Hotel. Die kurze Wartezeit an der Rezeption versüße ich mir damit, originelle Übersetzungen zu lesen. Wer sich sowas wohl immer ausdenkt 😂!?!

Bevollmächtigt

Mein Zimmer ist schon bezugsfertig. Hinein mit dem Gepäck und los! Sonne und Wolken wechseln sich ab bei angenehmen 20 Grad. Wie sich später herausstellen wird, kühlt es auch abends nach Sonnenuntergang nur um ein einziges mickriges Grad ab. Das war bei den vorherigen Zielen deutlich anders. In den im Inland gelegenen Städten wurde es zwar tagsüber etwas wärmer. Doch morgens und abends war es dafür im Gegenzug deutlich kühler, oft gar im einstelligen Bereich.

Ein paar Worte zu dem Städtchen, in dem ich für zwei Tage weile. Cádiz, im 11. Jahrhundert vor Christus von den Phöniziern gegründet, ist die älteste Stadt Europas. Hier leben rund 120.000 Menschen. Die charmante Hafenstadt mit eher rauem Charme ist dank ihrer Lage auf einer Landzunge von drei Seiten vom Atlantik umschlossen. Zu den Wasserseiten hin ist sie von einem Mauerring umgeben.

Bekannt ist Cádiz nicht nur für sein pulsierendes Leben, die schöne Altstadt und seine Strände, sondern auch für den größten Karneval Spaniens.

Ich drehe eine erste Runde durch die Altstadt, an deren zum Hafen gelegenen Rand ich wohne. Ich schlendere mehr oder weniger ziellos durchs Barrio del Pópulo, vorbei am Rathaus und der Kathedrale als DEM Blickfang der Stadt und werfe einen ersten kurzen Blick über die Mauer aufs Meer.

Weihnachtlich
Um die Ecke
Lampenladen

Und dann schlägt der Hunger zu! Zum Glück liegt der Mercado Central gleich um die Ecke. Dort stärke ich mich mit sättigenden Tapas, bewundere die Kunst auf der Außenseite seiner Mauern …

Seufz …

… und lasse mich weiter durch die Gässchen treiben.

Treiben lassen
Gezuckert
Im Gegenlicht
Flüssignahrung

Am Nachmittag lege ich einen kurzen Stopp im Hotel ein, lasse meinen Blick von dessen Dachterrasse schweifen, …

Überdacht

… und mache mich dann wieder auf den Weg. Dieses Mal zieht es mich zu der Strecke auf der Mauer und an Meer entlang. Eine gute Wahl! Die Zeit verfliegt, denn ein Fotomotiv jagt das nächste, ein Anblick ist schöner als der andere.

Strandschönheit
Goldhelm
Auf dem Trockenen
Aufgebäumt
Stadt am Meer
Im Knäuel

Und schon setzt die Dämmerung ein. Auch wenn der Sonnenuntergang wegen zunehmender Bewölkung ausfällt, lohnt es sich, zu verweilen und im richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken.

Auf dem Weg zurück zum Hotel durchquere ich die pulsierende Altstadt und sortiere gedanklich meine ersten Eindrücke von der Stadt. Verglichen mit den vormals besuchten klassischen ‚Vorzeige‘-Städten Granada, Córdoba und Sevilla zeigt sich Cádiz deutlich weniger touristisch. Die Metallindustrie und der entsprechend geprägte Hafen machen Cádiz auch zu einer Arbeiterstadt mit dem entsprechenden Flair. In manchen Ecken der Stadt mutet es bodenständig, stellenweise auch etwas ärmlich und abgenutzt an. Hier und da ist der Lack buchstäblich ab.

Doch insgesamt zeigt sich Cádiz sehr authentisch und lebensfroh! Es mag keine Stadt für die Liebe auf den ersten Blick sein – schon gar nicht, wenn man gerade Granada, Córdoba und Sevilla frisch hinter sich hat. Sie biedert sich den Besuchern nicht an, steht auch zu den Seiten, die nicht auf repräsentativen Hochglanz poliert sind. Und gerade deswegen hat Cádiz mich mit seinem herben Charme gepackt. Ich mag das Rohe, Unpolierte mit Ecken und Kanten ja grundsätzlich gerne. Denn das passt zu mir 😎.

Nach einer erholsamen Nacht beginne ich den nächsten Tag mit einem Blick von der Dachterrasse auf die Szenerie im schönsten Morgenlicht.

Morgenstunde
Die Kreuzfahrer

Dann stürze ich mich ins pralle Leben. Heute will ich Meer! Vorbei am Hafen …

Field Goal!

… und am Rand des Barrio de Santa María entlang …

Bei der Arbeit
Unter Palmen

… gelange ich auf die Promenade oberhalb der Küste. Ich komme nur langsam voran, denn immer wieder zwingt mich die Aussicht dazu, innezuhalten. Ich laufe hinunter an den Strand Playa Santa María del Mar, der nahtlos in zwei weitere Strände übergeht. Milde 20 Grad verwöhnen mich. Es weht heute ein deutlich schwächerer Wind, doch die Spuren von gestern sind hier und da noch zu sehen. Noch ist kaum was los an diesem noch recht frühen Samstagmorgen.

Gute Aussichten
Vom Winde verweht

Je weiter ich mich von der Altstadt entferne, desto zweckmäßiger wird die Bebauung. Auch das ist Cádiz.

Zweckmäßig

Um 11 Uhr macht die nächstgelegene Strandbar auf. Das lasse ich mir doch nicht durch die Lappen gehen! Im Tirabuzón genieße ich einen frischen Orangensaft, die Sonne, Zeit und Aussicht. Auf dem Rückweg zur Innenstadt halte ich mehrmals an, um mich an der Szenerie zu ergötzen. Was will ich mehr?

Beach Life
Kathedrale am Meer
Perspektivwechsel

Auf dem Weg zurück nehme ich das Barrio de Santa María gleich mit. Ich schlendere durch dessen gemütliche Gassen und nehme von dort den kürzesten Weg zum Mercado Central. Dort ist die kulinarisch Auswahl so lecker und vielfältig, dass ich glatt zur Wiederholungstäterin werde. Dieses Mal bekochen mich die ‚Niñas Veganas‘.

Vegane Mädels

Dann zieht es mich wieder hoch auf die Mauerpromenade mit Aussicht. Davon kann ich einfach nie genug kriegen! Und so manch andere offenbar auch nicht 😎.

Der Würfel ist gefallen
Auf leisen Pfoten
Gelbe Seiten
Lazy afternoon
Eingemauert

Meine Tour endet auf dem Steg zum Castillo de San Sebastián, wo ich mir noch einmal eine ordentliche Brise Seeluft um die Nase wehen lasse.

Auf der Festung

Jetzt brauche ich eine Pause. Zeit für eine Siesta! Und so laufe ich am frühen Nachmittag durch die Gassen zurück ins Hotel und lege meine Füße hoch. Später wage ich mich noch einmal raus, um eine letzte kleine Runde durch die Altstadt zu drehen. Dabei kommt zum ersten Mal auf dieser Reise mein Schirm zum Einsatz. Wenigstens habe ich ihn nicht umsonst mitgenommen! Der kleine Schauer, der auf mich niedergeht, ist jedoch nicht sehr ergiebig.

Am frühen Abend steht noch ein Treffen auf dem Programm, auf das ich mich sehr freue. Andrea und Christian holen mich in der Lobby meines Hotels ab. Wir verbringen bei schmackhaftem Futter in einer der zahllosen Restaurant-Bars einen sehr schönen und kurzweiligen Abend. Es war toll, euch auch einmal außerhalb von Berlin getroffen zu haben!

Und ehe ich mich versehe, geht meine Zeit im wunderbar gechillten Cádiz auch schon zu Ende. Die Stadt verabschiedet sich von mir mit einem perfekten Abendhimmel. Morgen geht es weiter gen Süden.

Erleuchtet

21 Gedanken zu “Cádiz – Rauer Charme

    1. Danke, Marco. Ich habe jedoch davon abgesehen, das Formular auszufüllen, auch wenn die Aussicht auf eine Gratisdosis Aspirin schon sehr verlockend war. Bis ich das ausgefüllt gehabt hätte, wären die Kopfschmerzen aber vermutlich schon lange von selbst weggegangen 😁.

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  1. Traumhafte Bilder hast du da gemacht. Ich wüsste nicht, welches ich wohl am schönsten finden würde. Ich weiß nicht, für mich hat diese Stadt was. Sie ist interessant und man möchte mehr darüber erfahren. Sie hat einen Flair, der schwer zu greifen ist. So gibt sie die Stimmung deiner Aufnahmen zumindest wieder. Manchmal lohnt es sich wohl wirklich, von den touristischen Routen abzuweichen.

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  2. Für die nächste Reise empfehle ich dir El Puerto de Santa Maria auf der anderen Seite der Bucht von Cadiz (traumhaftes Frühstückslokal in einem alten Palast) und Sanlucar de Barrameda (für Sherry).

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