24. August 2021

Ein letztes Mal genießen wir unser Frühstück mit Aussicht auf Düsseldorf. Dann packen wir unsere Sachen und laufen die kurze Strecke hinüber zum Parkhaus. Dort wartet eine Szene auf uns, die uns die Lachtränen in die Augen treibt! Die Story lohnt, etwas weiter auszuholen.

Wir reisen gedanklich mindestens zehn Jahre zurück. Oder noch weiter. Stefan und ich besaßen damals noch ein eigenes Auto und waren mit diesem in England unterwegs. Unsere erste Station war London. Und da in Großstädten im Allgemeinen und in London im Besonderen kaum etwas noch weniger Sinn ergibt, als mit dem Auto unterwegs zu sein, stellten wir es für ein paar Tage in einem Parkhaus des Betreibers Q-Park in Hotelnähe ab.

Wer schon mal in London unterwegs war, weiß um das gehobene Preisniveau der Stadt, das auch vor banalen Dingen wie einem Parkhaus nicht halt macht. Und so standen wir bei der Abreise vor einem Schuldenberg in Höhe von 129 britischen Pfund (rund 150 Euro) – und scheiterten an der Technik. Wir hatten beide mehrere Kreditkarten dabei. Keine wurde von den Kassenautomaten akzeptiert. Der herbeigerufene Mitarbeiter des Etablissements riet uns, bei der jeweiligen Hausbank anzurufen und die Karten fürs Ausland freischalten zu lassen.

Das war erstens nicht zielführend, da der besagte Tag ein Samstag war und seinerzeit noch unüblich, dass man alles und jeden an sieben Tagen 24 Stunden lang erreichen konnte. Und zweitens hatten wir beide unsere Kreditkarten schon bei anderen Gelegenheiten in London benutzt – erfolgreich. An den Karten konnte es folglich nicht liegen.

Um die Sache zu beschleunigen und unbürokratisch zum Abschluss zu bringen, schlug ich dem Herrn vor Ort vor, dass wir den Betrag in bar entrichten, er uns eine Quittung darüber ausstellt und dann manuell die Schranken und uns damit den Weg in die Freiheit öffnet. Mit dem Hinweis, ihm sei untersagt, Bargeld anzunehmen, lehnte er höflich, aber bestimmt ab.

Stattdessen folgte ein zeitintensives und akribisches Erfassen aller erdenklicher Daten (sämtliche Details beider Ausweise, des Fahrzeugschein, der Führerscheine) in einer nicht enden wollenden Exceltabelle. Vollständig kopiert wurden die Dokumente auch. Mit den Worten „Sie hören von unserer Buchhaltung“ entliess er uns dann schlussendlich in die Freiheit. Was soll ich sagen? Wir haben nie wieder was von Q-Park gehört und wurden auch beim Verlassen des Landes nicht wegen „Zechprellerei“ festgesetzt 😎. Und die Verjährungsfrist dürfte längst abgelaufen sein.

Zurück in die Gegenwart. Auch unser Düsseldorfer Parkhaus gehört zur illustren Q-Park-Kette. Als Stefan zahlen will, stellt er fest, dass sämtliche Kassenautomaten ausgeschaltet sind. Ein paar entspannte Handwerker stehen in der Nähe beisammen und bemerken Stefans vergebliche Bemühungen. Einer von ihnen kommt zu uns und wirft Stefan ein freundlich-lässiges „Lassen Sie es sein, alle Schranken sind offen. Geben Sie Ihrer Frau lieber einen Kaffee aus“ zu. Na, bei zwei Tagen und 30 gesparten Euronen sollte da wohl noch etwas mehr als ein Kaffee drin sein! Unser Fazit: Parke wenn möglich immer bei Q-Park! Die haben gerne mal die Spendierhosen an 😎.

Nun aber los! Überschaubare 30 Kilometer trennen uns von unserem nächsten Standort. In Duisburg angekommen, setzt sich unsere Glückssträhne fort. Obwohl es erst 10:30 Uhr ist, ist unser Zimmer schon bezugsfertig. Drei Nächte werden wir in der Stadt mit der größten Stahlproduktion Europas verbringen.

Wenig später laufen wir los in Richtung Innenstadt, trinken dort in aller Ruhe den geschenkten Kaffee und betreiben erste Sozialstudien. Was soll ich sagen? Der Kontrast zwischen Düsseldorf und Duisburg ist enorm. Die Läden, die Leute, die Klamotten, das ganze Setting – Welten liegen dazwischen!

In Düsseldorf dominieren Geld und Glamour, in Duisburg eher Armut und Verfall. So ist zumindest unser erster Eindruck. Doch prominente Kunst im öffentlichen Raum findet sich auch in der unspektakulärsten Fußgängerzone.

Niki lässt grüßen

Weiter zum Duisburger Innenhafen. Dort sieht die Welt doch gleich ganz anders aus! Der frühere Industriehafen mit Getreidespeichern (auch als „Brotkorb des Ruhrgebiets“ bekannt) durchlief seit den 1990er Jahren eine wahre Metamorphose. Heute glänzt er mit schicken Büros, Museen, Bars, Cafés, Restaurants, diversen Freizeiteinrichtungen und einer Marina.

Die alten Industrieanlagen wurden in die Neubebauung mit einbezogen. Sehr gelungen, wie wir finden! Hier ein paar Impressionen vom Binnenhafen:

Tonnenweise
Unvollendet
Stahl, Glas und Beton
Umkurvt
Verschränkt
An der Spritze
Gespeichert
Undercover
Diskuswurf
Schiffbar
Rhapsody in red
Zeitreise

War es morgens noch ein wenig bewölkt, so kommt jetzt die Sonne raus. Es bleibt weiter angenehm bei 23 Grad. Zeit für ein Mittagessen! Wir stärken uns mit Pizza (Stefan) und Nudeln (Elke)…

Restlos verputzt 😅

… und bemühen uns gleich im Anschluss daran, einen Teil der zugeführten Kalorien in Bewegungsenergie zu verwandeln. Zu Fuß laufen wir quer durch die Stadt bis zum Rheinpark.

Die eher unansehnliche Strecke bis dorthin führt uns entlang vielbefahrener Hauptstraßen und industrieller Abnutzungserscheinungen. Kulturell und atmosphärisch interessanter wird es da schon auf der Heerstraße. Dachten wir bisher, „unser“ Berliner Kreuzberg sei die Inkarnation Istanbuls, so werden wir hier eindrucksvoll eines Besseren belehrt. Das geht also noch deutlich authentischer! Ich meine das weder ironisch noch abwertend. Ich mag es ja, wenn sich kulturelle Einflüsse im Straßenbild spiegeln.

Schließlich erreichen wir den Rheinpark. Hier wurde eine 60 Hektar große ehemalige Industriefläche in ein Naherholungsgebiet verwandelt. Sportlich Aktive kommen hier voll auf ihre Kosten. Hier kann man klettern, skaten und Basketball oder Beachvolleyball spielen. Wer lieber flanieren möchte, kann dies ausgiebig an der Uferpromenade tun. Sprayer können sich an den Relikten der alten Industrieanlagen austoben. Insgesamt überzeugt das Gelände mit einer Menge Grün und erstaunlicher Ruhe in dieser doch recht großen Stadt mit ihren rund 500.000 Einwohnern.

Wir sind mitten am Tag unter der Woche im Park unterwegs. Das erklärt, dass hier und jetzt recht wenig los ist. Das genießen wir sehr als Kontrast zur Innenstadt und dem Weg hierher.

Im grünen Bereich
Schall und Rauch
URGH!
Industrie und Poesie

In Bewegung

Am Ufer des Rheins entdecken wir das lauschig gelegene Restaurant Ziegenpeter. Dort lassen wir uns nieder und vertrödeln den Rest des Nachmittags bei Tee, Limonade und Kuchen. Das hat uns richtig gut gefallen!

Die Chiller

Aufgetischt
Gute Aussichten

Zu Fuß geht’s zurück zum Hotel. Dieses Mal achten wir darauf, dass wir die großen Achsen möglichst meiden. So lernen wir dann auch den umgestalteten Böninger Park kennen, der in den sehr dicht besiedelten angrenzenden Stadtvierteln Hochfeld und Dell als unentbehrliche grüne Lunge dient. Wer will schon dauerhaft außer Atem sein?

10 Gedanken zu “Duisburg – Melting Pott

  1. #Q-Park: wusste noch garnicht, dass man Q-aoten mit Q schreibt 😉
    Um so besser, mit der verzinsten Ersparnis aus London und der Düsseldorfer Geldspritze kamt Ihr in Duisburg sichtbar weit (siehe Pizza XXXL).
    Ansonsten ein (wie immer) munterer und respektvoller erster Bericht über eine industrie-historisch so wichtige Stadt. Erinnere mich gerne an ein paar Praktikumswochen 1991 (😳), als ich am Nordrand Düsseldorfs (Angermund) wohnte und mit dem Rennradl die grünen Ausläufer im Süden und Südosten Duisburgs bis rüber nach Mülheim/Ruhr erkundete. Erstaunlich viel Grün….
    Jedenfalls ein spannendes Reiseziel!

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    1. Ja, für die fette Pizza hat das Finanzpolster locker gereicht 😁. Danke für das Kompliment zum Bericht. Sowas freut mich natürlich immer sehr. An deine Praktikumszeit in der Ecke kann ich mich übrigens gar nicht mehr erinnern … Wo war ich denn da gedanklich wieder 🧐? Ja, das war bestimmt klasse, da endlos an Rhein und Ruhr entlang zu radeln! Und Inder Tat: die Gegend ist grüner als man es an einem Industriestandort erwartet!

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  2. war ich mal in Duisburg ? Ja einen Tag ! Hafenrundfahrt wurde auch gemacht ! Interessant den Industriehafen mal vom Wasser aus zu sehen.
    Kultkneipe “ Schumi“ auch entdeckt ( Kneipe benannt nach dem Tatortkommissar „Schimanski“ !
    ps: Ich habe mal in Basel in einem Parkhaus geparkt und hatte zur Bezahlung keine Schweizer Franken ( Euro nahm er damals nicht ). Ein Mitarbeiter vom Parkhaus hat die Schranke dann geöffnet und so blieben die Gebühren mir erspart ( War auch samstags und keine Bank hatte offen zum wechseln )
    Leckereien gab es ja genüge tolle Pizza und Kuchen !! Lecker

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    1. Das glaube ich dir gerne, dass die Hafenrundfahrt total interessant war. Irgendwie hatten wir das nicht auf dem Schirm. Nächstes Mal! Die Kneipe haben wir nicht gesehen, auch nicht aktiv danach gesucht. Haste dir in Gedenken an Schimanski auch ein zünftiges Bierchen dort gegönnt? @Parkhaus: da bist du ja dann auch an einen großzügigen Mitarbeiter geraten. Gut so!

      Gefällt 1 Person

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