Gleich nach dem Frühstück mache ich mich auf den Weg zu Palmas unterirdisch gelegenem Busbahnhof, der sich erstaunlich weitläufig unter der Plaça España breit macht. Genialerweise kann man im Bus mit Kreditkarte zahlen. Nee, nicht so, wie ihr euch das vermutlich jetzt vorstellt!

Denn man zahlt nicht das Ticket mit der Karte, sondern die Kreditkarte selbst mutiert zum virtuellen Ticket. Man hält sie vorne beim Einstieg an ein Lesegerät und später hinten beim Ausstieg ebenfalls. So wird die Strecke und damit der Preis berechnet und von der Karte abgebucht. Sehr praktisch. Und nicht nur das: der Preis liegt deutlich unterhalb dessen, was man als Barzahler berappen muss. Die Kartenvariante ist eben für das Verkehrsunternehmen mit weniger Aufwand und weniger Kosten verbunden. Und die Ersparnis gibt dieses zumindest teilweise an die Kunden weiter. Finde ich gut und praktisch!

Eigentlich wäre ich lieber mit dem berühmten Zug nach Sollér gefahren. Doch die mehr als 100 Jahre alte nostalgische Schmalspurbahn macht sich erst Anfang Juni wieder auf den Weg in den Nordwesten. Deshalb gebe ich mich mit dem Bus zufrieden. Gleich zwei Linien bedienen mein Ziel von Palma aus. Die eine (204) bringt die Fahrgäste auf dem schnellsten Weg nach Sollér, die andere (203) auf dem schönsten. Ratet, wofür ich mich entscheide 😎.

So dauert es ein Weilchen, bis ich dort ankomme. Doch der Weg ist das Ziel – und er ist wahrlich nicht hässlich. Steigt doch ein und begleitet mich ein Stück des Weges!

Durch die Scheibe

Damit euch der Weg nicht allzu lang wird, gebe ich euch hier noch ein Thema zum Nachlesen an die Hand. Es geht darum, wie die Leute hier auf Mallorca reden. Natürlich wird hier auch Spanisch verstanden und gesprochen. Doch die eigentliche Sprache ist das Mallorqui. Wer von euch schon einmal in Barcelona war, wird die Ähnlichkeit zum Katalan vielleicht herausgehört haben, ohne eine der beiden Sprachen tatsächlich zu verstehen. Identisch sind sie jedoch nicht. Mit dem Mallorqui ist es ein wenig so wie mit mancher Leute Beziehungsstatus: es ist kompliziert 😎. Doch lest selbst.

Und schon sind wir in Sollér angekommen. So beeindruckend die Bergwelt auf dem Weg dorthin und drumherum, so verschlafen das Örtchen selbst. Es hat hübsche Häuschen, lauschige Gassen, Cafés, Restaurants, die üblichen Läden und einen schönen Marktplatz. Doch ich finde, dass Mallorca spannendere Ortschaften zu bieten hat.

Wahre Größe
Grüne Flanke
Abgeseilt

Deshalb verweile ich hier nur etwas mehr als ein halbes Stündchen und fahre dann mit der alten Straßenbahn zum etwa fünf Kilometer entfernten Port de Sollér.

Platz!
Auf Schmalspur
In Wartestellung

Die Bucht von Sollér ist der einzige geschützte Hafen an der etwa 80 km langen Nordwestküste der Insel. Heute an diesem späteren Vormittag liegt sie wie ausgestorben zu meinen Füßen. Und das kommt mir gerade sehr gelegen.

Ich schlendere etwas zu gemütlich am Hafen entlang und verpasse deshalb lässig das einzige Ausflugsboot nach Sa Calobra, das heute hier ablegt. Die Vorsaison und Corona machen es möglich 😅. Ich sehe das entspannt und werde die Tour beim nächsten Mal nachholen. Wer wissen möchte, was ich versäumt habe, schaue gerne hier. Darauf erst einmal ein kühles Getränk mit dem Alten Sack!

Kühles Nass

Und während wir zwei Hochbetagten so gemütlich hier sitzen und die Ruhe genießen, kommt dann doch noch die Sonne heraus, um uns bis zum Ende des Tages auch nicht mehr zu verlassen. Sie gibt uns neuen Schwung und treibt uns weiter, immer direkt an der Hafenkante entlang.

Flotte Schnitte

Port de Sollér liegt, wie ihr unschwer auf dem obigen Foto erkennen könnt, überwiegend am Hügel. Ich erklimme einen der Hänge durch die schmalen Gässchen und genieße die Aussicht von oben auf die beschauliche Szenerie, das Spiel der Wolken und Vögel in Poser-Stimmung.

Fliegende Untertasse
Unter der Haube

Nach dem Abstieg folge ich wieder dem Weg am Wasser entlang, dieses Mal in die andere Richtung. Das zieht sich ein Weilchen hin, denn ich verweile hier, schaue da und sinniere verträumt vor mich hin. Herrlich, diese Trödelei! Dieses Örtchen eignet sich hervorragend dafür.

Schattenfächer
Triplekopf

Bevor sich die Straße am Ende der Bucht wieder den nächsten Hang hinauf windet, werde ich rechterhand auf ein wunderschön gelegenes Restaurant aufmerksam. Eine zu Besuch weilende Freundin der Inhaberin hübscht gerade die üppige Blumenpracht oben am Eingang auf und verwickelt mich in ein nettes Gespräch. Und da es gefühlte Ewigkeiten her ist, seit ich das letzte mal gechillt habe 😅, entschließe ich mich spontan, mich hier auf einem schattigen Plätzchen niederzulassen. Bei Joghurtcreme mit Obst und einem kühlen Melonensaft erfreue ich mich am Ambiente, der Aussicht und dem Leben. Solltet ihr eines Tages auch einmal hierher kommen, kann ich euch das Agapanto wärmstens empfehlen. Die Speisekarte sieht vielversprechend aus.

Das süße Leben

Auf dem Rückweg Richtung Palma entscheide ich mich spontan zum Besuch eines weiteren Ortes. Denn irgendwie fühle ich mich für heute noch nicht ausgelastet. Valldemossa liegt auf der Strecke. Und so steige ich kurz vor 17 Uhr aus dem Bus. Um diese Zeit sind die meisten Tagesgäste bereits von dannen gezogen. Und dank Corona ist momentan sowieso noch nicht allzu viel los.

In schönstem Nachmittagslicht flaniere ich durch dieses traumhaft schöne Bergdorf, das ich mir mit nur wenigen Besuchern teilen muss. Kleine Häuschen, blühende Gärten, eine Pfarrkirche, ein Karthäuserkloster und verdammt viel Atmosphäre lassen mich die Zeit, aber nicht den Auslöser der Kamera vergessen.

Verkachelt
Abgebogen
Eingebettet
Verschlossen
Hängegarten
Rettungsschirm
Eingetopft
Mauerblümchen

Mein Abendessen nehme ich draußen in einem der Restaurants in den Gassen von Valldemossa ein, bevor ich am Abend zurück nach Palma fahre. Beim Warten auf den nächsten Bus vertreibe ich mir im Klostergarten die Zeit mit ein paar launigen Masken-Selfies, die die drei gängigsten Trage-Varianten repräsentieren. Zum Ernstnehmen ungeeignet!

Zurück im Hotel, rinnt mein verdientes Feierabendbier die ausgetrocknete Kehle hinunter, während ich mich über die plötzliche Geräuschkulisse – ein Gemisch aus Autohupen und Fangesängen – wundere, die durch mein geöffnetes Fenster dringt. Eine schnelle Internet-Recherche klärt mich auf: Real Mallorca ist wieder erstklassig ⚽️! Darauf stoße ich doch gerne an.

Prost!

14 Gedanken zu “Mallorca: Tag 3 – Immer mit der Ruhe

  1. Schöner Bericht. Das Schicksal mit der Tram teilen wir. Auch, wenn ich schon mehrfach auf Mallorca war, immer war der Tren de Sóller gerade in Revision. Trotzdem empfehle ich das Ensaimada-Frühstück im Café de la Parada in einem früheren Teil des Bahnhofs. Ich hoffe Deine Reise geht so interessant weiter….

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    1. Danke! Und fast tröstet es mich, dass ich nicht die einzige bin, die auf den Zug verzichten musste. Auch wenn ich euch die Tour natürlich von Herzen gegönnt hätte. Das Frühstück im Café de la Parada steht fürs nächste Mal auf der Liste.

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  2. Schöner Beitrag aber das kennt man ja nicht anders ! Tolle Fotos und von den Untertitel reden wir nicht mehr !
    Ja wie schon geschrieben eine tolle Insel, man muss nur wissen wohin man geht ! Mallorca hat auch viel „ländliches“ zu bieten.
    Ich würde schon auch mal wieder gerne die Insel besuchen und heute mit anderen Zielen als die die ich damals im Kopf hatte.

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      1. da muss ich erst noch ein paar Machtkämpfe mit der Frau überstehen. Die ist nicht so der Mallorca Fan solange es andere Ziele gibt. Sie schwärmt wie ich für Griechenland und die Kanaren !
        Mallorca würde ich aber trotzdem jederzeit hinreisen nur eben nicht im Juli/August

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        1. Mit Griechenland und den Kanaren seid ihr dann ja auch sicher noch eine Weile ausgelastet 😎. Im Juli und August kann man Südeuropa eh vergessen. Zu heiß, zu voll, zu teuer. Aber wer nicht auf die Schulferien angewiesen ist, kommt da ja ganz gut drumherum.

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  3. Liebe Elke,
    ach, du gönnst dir auch trotzig das Corona-Bier! In Italien haben wir ausdrücklich nur dieses getrunken. Es ist lecker, das muss man schon sagen.
    Ich weiß nicht, mir haben (auf deinen Bildern) beide Orte sehr gut gefallen, aber du hast Recht, Valldemossa macht einfach mehr her. Diese Bilderbuch-Idylle! Als hätte jemand den Ort eigens für angereiste Fotobegeisterte errichtet 🙂

    Liebe Grüße
    Kasia

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  4. Der Port de Soller ist aber ein wirklich chilliger hübscher Ort. Ich mag ja so kleine Buchten mit Hafen und Promenade total, wo man einfach herumflanieren und die Seele baumeln lassen kann.
    Valdemossa hat viele zuckrige Fotomotive, die einladen fotografiert zu werden. Sehr hübsch. Schade, dass der Zug nicht fuhr. Ich habe mal einen Bericht über die Strecke und deren interessante Geschichte gesehen. Ich finde es ja auch immer süß, wenn du schreibst „nächstes Mal“. 😉 Bei deiner Bucketlist wird das doch nie was, haha.

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