In der Sprache der Algonquin, die zur Zeit der Besiedlung der Stadt unten am Fluss Handel betrieben, bedeutet Ottawa konsequenterweise „Händler“. Mit seinen rund 1.000.000 Einwohnern ist Kanadas Hauptstadt die sechstgrößte Stadt des Landes. Die Wirtschaft Ottawas wird vor allem von zwei Sektoren getragen: den Jobs bei der Regierung und den Bundesbehörden sowie in der Hochtechnologie. So verwundert denn auch nicht weiter, dass die Hauptstadt in Sachen Einkommen und Akademikeranteil landesweit die Nase vorn hat. Dank der fehlenden Industrie gehört Ottawa weltweit zu den Hauptstädten mit der besten Luftqualität. Davon allerdings, dass sie als die kälteste Hauptstadt der westlichen Welt gilt, merken wir auch heute nichts 😅.

Offiziell ist Ottawa die einzige Stadt in der Region, die zweisprachig ist. 63% der Einwohner sprechen englisch, 15% französisch, der große Rest dank der vielen Einwanderer alle möglichen Sprachen als Muttersprache. Nur einen Katzensprung entfernt, nämlich auf der anderen Seite des Ottawa River in Gatineau, sieht das schon wieder deutlich anders aus. Doch dazu morgen mehr. Auf ins Getümmel!

Der Weg von unserem Hotel mit seinem tollen Atrium …

… rüber zur Innenstadt führt wieder durch die kleine Fußgängerzone, in der wir heute noch einmal neue Ansichten entdecken.

Wir durchqueren den kleinen Confederation Park und stehen am Rideau Canal, der Centretown mit seinem Banken- und Geschäftsviertel und dem Regierungsviertel von der Downtown trennt. Von hier aus zieht uns das Shaw Centre, Ottawas neues Kongresszentrum, in seinen Bann.

Auch aus der Nähe kann es sich sehen lassen!

Das touristische Herz der Stadt schlägt in der Gegend rund um den ByWard Market. Doch obwohl es dort sehr touristisch zugeht, ist es dennoch auch sehr charmant. Ohne übertreiben zu wollen, muss ich sagen, dass die leichtere französische Lebensart hier offenbar erfolgreich aus Québec über den Ottawa River in die Hauptstadt geschwappt ist. Ottawas Innenstadt wirkt sehr lebensfroh!

Der frühere Obst- und Gemüsemarkt beherbergt heute neben dem üblichen Marktgeschehen Boutiquen, Läden und Restaurants in Hülle und Fülle. Hier findet auch Ottawas Nachtleben statt. Und so lassen wir uns hier eine Weile durch das Leben treiben.

Hier gibt es neben kulinarischen Köstlichkeiten aus aller Welt auch eine lokale Spezialität, die Beaver Tails. Natürlich handelt es sich hierbei nicht um echte Biberschwänze. Sie sehen zwar so aus, sind aber ein warmes Gebäck, wahlweise mit Marmelade, Käse, oder diversem Süßkram gefüllt. Ach ja, und irgendwie sind sie auch an der Schnittstelle zwischen Donuts und Crêpes angesiedelt … Ich gestehe: ich habe mich da nicht herangetraut 😅! Und Stefan sowieso nicht. Wenn es euch jetzt in den Fingern juckt, das Zeug selbst zu fabrizieren: hier ist das Rezept.

Hinter den Markthallen haben wir dann auch unsere erste Begegnung mit einem waschechten Frankokanadier – ups, wie wir bald lernen, mögen die so Betitelten diese Bezeichnung wohl gar nicht! Ein netter, älterer Herr spricht uns auf der Straße an, als wir gerade mit den Kameras in Aktion sind. Als ich an seinem Akzent im Englischen erkenne, wen ich vor mir habe, begehe ich den „Fehler“, zu bekennen, dass ich auch französisch spreche.

Von da an wird es etwas anstrengender 😅! In seiner „richtigen“ Muttersprache ist er noch wesentlich redseliger und auch dann nicht zu bremsen, als ich, müde vom Übersetzen für Stefan, versuche, wieder ins Englische zu wechseln. Hinzu kommt, dass der Lokalkolorit des kanadischen Französischs für ungeübte Ohren wie meine doch sehr, äh, gewöhnungsbedürftig ist. Doch interessant ist die Unterhaltung trotz alledem, denn wir erfahren eine Menge, auch in Sachen sprachpolitischer Landeskunde aus der Sicht eines Angehörigen der französischen Minderheit im englischsprachigen Ontario. Der nette Ontariorois – oder hieß es etwa Ontariois? – der auf keinen Fall Frankokanadier genannt werden will, ist am Ende dann doch so nett und wechselt, um Stefan wieder ins sprachliche Boot zu holen, ins Englische zurück. Mit gelegentlichen Wortfindungsstörungen 😉.

Nun aber weiter! Im Food Court dieser sowohl außen als auch innen schicken Shopping Mall …

… stärken wir uns mit einer leckeren vegetarischen Bowl und lassen uns dann weiter durchs Städtchen mit seinen vielen ansehnlichen Bauten – hier als Beispiele ein Bankgebäude und die US-Botschaft – treiben.

Vor der sehenswerten Basilica de Notre Dame …

… wird uns eine sehr fotogene Szene in Form einer Hochzeitsgesellschaft frei Haus geliefert. Ist die Truppe nicht wunderschön anzusehen?

Direkt gegenüber befindet sich die National Gallery of Canada, ein Kunsttempel, der sowohl Kunstwerken aller kanadischer Epochen (darunter auch die Group of Seven) als auch amerikanischen und europäischen Werken eine Heimat bietet.

Vor dem Haupteingang hat sich ein possierliches Tierchen angesiedelt, das den Vorplatz sehr dekorativ dominiert und die Kirche gegenüber auf unterschiedliche Weise gekonnt in Szene setzt.

Entlang des Sussex Drive schlendern wir vorbei an der Royal Canadian Mint

… bis hin zur alten City Hall, …

… die mit einem schickem Anbau aufwarten kann.

Und wenn wir schon auf dem idyllischen Green Island sind, schnappen wir uns doch gleich mal eine Bank im schattigen Grün und genießen die Ruhe. Zurück über dieses hübsche Brückchen …

… Richtung Innenstadt. Auf der Rückseite der National Gallery hat dauerhaft ein Blitz eingeschlagen!

Nach einer kurzen Schrecksekunde erklimmen wir den kleinen Hügel hoch zum Nepean Point …

… und genießen den ultimativen Premium-Blick auf den allgegenwärtigen Parliament Hill. Was für eine Aussicht!

Auch das altehrwürdige Luxushotel Château Laurier setzt sich von hier aus gesehen formidabel in Szene.

Im Major’s Hill Park suchen wir uns zur Abwechslung wieder eine Bank im Schatten und chillen fröhlich vor uns hin. Die für heute angekündigte Bewölkung hatte sich auf den Vormittag beschränkt. Nachmittags dominiert die Sonne mit ein paar Wölkchen, und es brezelt hoch auf schwüle 28 Grad. Genug getan für heute! Home, sweet home nach heute 16 Kilometern Fußmarsch. Und so schlendern wir zurück ins Hotel in den hochverdienten Feierabend, während sich andere gerade erst zum Ausgehen anschicken …

12 Gedanken zu “Tag 16: Ottawa – Unter Händlern

  1. Hallo, heute mal einen Gruß vom Mitgenommen der sonst vielreisenden Ehefrau. Es gibt heute ein kleines Rätsel bei dem viel Ehre zu gewinnen ist. Wahrscheinlich ist euch das erste schwarz-weiss Foto aufgefallen, auf dem der Name der Stadt, in der wir uns heute befinden, falsch herum zu sehen ist. Warum haben wir das wohl so aufgenommen? Na, wer kanns erklären?

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    1. Nun, da schon zwei Erklärungsversuche vorliegen, wollen wir doch mal Licht ins Dunkel bringen. Dass ich Ottawa von hinten, sprich rückwärts aufgenommen habe, war ja unschwer zu erkennen. Die Anspielung dahinter bezieht sich auf die Eigenart im Französischen, bestimmte Eigennamen in genau umgekehrter Reihenfolge zu buchstabieren als im Deutschen oder Englischen. So wird z.B. aus der NATO OTAN oder aus der UNO ONU. Das wollten wir bei Ottawa dann auch mal so umsetzen. Dann wird aus Ottawa eben Awatto 😎.

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  2. Hallo! Imposante Fassaden in Ottawa, ich erinnere mich. Vorallem an die Riesenspinne! Ist dort nicht auch das Völker-Heimatmuseum oder so ähnlich…? Das habe ich damals besucht. War super! Die Entscheidung zwischen Crêpes und Donut lautet für uns doch : Buchweizenpfannkuchen mit Pilzfüllung, oder?? Liebe Grüsse Sabine 🍁😊👍

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  3. Hallo Elke,
    vielen Dank für den tollen Bericht und die herrlichen Bilder. Leider muss ich zugeben, das Rätsel kann ich nicht lösen Ottawa / awatto. Außer Spiegelschrift habe ich nichts gefunden. Mist. 🙂 Keine Ahnung.
    Herzliche Grüße, Peter

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  4. Ich mutmaße: Elke sitzt im A. Oder warum hat sie ein A auf dem Shirt? Erklärt aber nicht, warum von hinten fotografiert. Oder hat das was mit dem A-llerwertesten zu tun?🤔 Ich weiß es nicht.🤯

    Das Chateau Laurier erinnert mich ans Chateau Marmont in LA. Wahnsinns-Bauwerke! Ottawa – hübsche Stadt auf jeden Fall.

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    1. Ja, das wäre auch eine klasse Idee gewesen, mich einfach mal mit meinem Allerwertesten in das A zu setzen! Wäre bestimmt bequemer gewesen als mein Dasein als stehendes T zu fristen 😅. Das Château Marmont in L.A. kenne ich noch gar nicht. Muss ich da also auch noch hin … Die Aufklärung des Rätsels steht übrigens jetzt unter dem Rätsel-Kommentar.

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