Der Tag beginnt mit einer sportlichen Einlage. Mit Sack und Pack verlassen wir Jaipur. Aber nicht ohne spontan noch einen kurzen Stopp an einem wunderschönen Tempel einzulegen. Ich bin mir nicht ganz sicher, meine mich jedoch daran zu erinnern, dass es ein Tempel der Jains war. *

Flugs die Kamera geschnappt, raus aus dem Bus und den kleinen Fußweg zum Eingang zurückgelegt. Von draußen will ich die gesamte Anlage ablichten. Doch die Kamera schweigt. Was bleibt ihr auch anderes übrig ohne Akku!

Ein Sprint zurück zum Bus, amüsiert beäugt von einer Busladung indischer Touristen. Innerhalb der Tempelanlage erfahre ich dann von dem Fotoverbot 😅. Egal, ein, zwei heimliche Schnappschüsse gönne ich mir und euch. Zumal sich die einheimischen Besucher beim Ausleben ihrer Selfie-Leidenschaft auch nicht besonders zurückhalten.

Besser heimlich als unheimlich
Überdacht

Beim nächsten Tempel, an dem wir unterwegs stoppen, wird es bunt. Ist er nicht toll? Ich jedenfalls kann mich kaum an ihm satt sehen. So viele spannende Details!

Zu bunt allerdings wird es mir erst, als sich mehrere junge Frauen an uns heften. Sie betteln mit ihren Babies auf dem Arm und erzählen alle die gleiche Story. Vater weg, kein Geld. Mag ja bei vielen von ihnen auch stimmen. Aber nein, ich möchte wirklich kein Baby kaufen und mit nach Deutschland nehmen. Auch nicht, wenn es mir gleich zehn Mal angeboten wird.

Weiter geht’s. Was uns am nächsten Stopp erwartet, – wir sind rund 90 Kilometer von Jaipur entfernt und weiterhin in Rajasthan – bringt mich echt ins Staunen! In Chand Baori wartet mit 20 Metern Tiefe der größte Stufenbrunnen Indiens und gleichzeitig einer der ältesten auf uns. Er stammt aus dem 8. oder 9. Jahrhundert. Diese Stufenbrunnen, mit denen Indien die Architekturwelt sehr originell bereichert hat, garantierten durch ihre treppenförmige Bauweise, dass die Menschen unabhängig vom Wasserstand immer an Wasser gelangen konnten. Einfach großartig! Da muss man erst einmal darauf kommen.

Abgestuft
Aufs Treppchen

Die gigantische Anlage wird umrahmt von tollen Säulengängen und ansehnlichen steinernen Figuren.

Schöner wandeln
Hindernislauf

Um den Brunnen herum gibt es neben einem kleinen Markt noch mehr zu sehen: den ungefähr ebenso alten Harshat Mata Tempel …

Für die Göttin

… und die eine oder andere praktische Verrichtung des täglichen Lebens.

Hairlich

Doch das Highlight des Tages lauert knapp 40 Kilometer südwestlich von Agra auf uns: die ehemalige Hauptstadt des Mogulreiches, Fatehpur Sikri im Bundesstaat Uttar Pradesh. Die Baudenkmäler des Palastbezirkes (heute eine Geisterstadt) gehören aus guten Gründen zum Weltkulturerbe der Menschheit.

Akbar der Große gilt als die exzentrischste und widersprüchlichste Persönlichkeit unter allen islamischen Herrschern Indiens. Im 16. Jahrhundert erkor er den Ort Sikri als Hauptstadt seines Reiches und gab den Startschuss zum Bau einer zehn Kilometer langen Stadtmauer, innerhalb derer seine Stadt gebaut wurde. Ganz unbescheiden nannte er sie nach einem erfolgreichen Feldzug Fatehpur, die Stadt des Sieges.

Doch die glorreiche Geschichte Fatehpur Sikris dauerte gerade einmal 15 Jahre. Als Akbar als oberster Feldherr gleich für mehrere Jahre unterwegs war und dann auch noch die von Beginn an problematische Wasserversorgung endgültig zusammenbrach, machte der Hofstaat Nägel mit Köpfen und verlegte sich kurzerhand nach Lahore im heutigen Pakistan.

Als es auch mit dem Mogulreich zu Ende ging, geriet Fatehpur Sikri in Vergessenheit. Einzig die Bewohner der unterhalb gelegenen Ortschaft profitierten davon. Taugten doch die verlassenen Gebäude hervorragend als Steinbruch für den Bau der eigenen Häuser.

Aber keine Panik: es stehen noch genügend grandiose Gebäude auf dem riesigen Gelände, deren Anblick man ausgiebig genießen kann. Zum Glück haben wir hier mehrere Stunden Zeit, um es auf eigene Faust zu entdecken. Keine Minute davon möchte ich missen!

Von außen
Von innen
Verspielt
Wer ist die Schönste im ganzen Land?
Gebrüstet
Lange Schatten
Überreste
Mit Publikum
Gefliest
Bienen wohnen königlich
Sattes Licht
Fast zu schön

Der spärliche Rest des Tages ist schnell erzählt. Ankunft am späten Nachmittag in Agra. Im Hotel einchecken und Gepäck umpacken (den Grund erfahrt ihr im nächsten Bericht). Duschen und essen. Hoffen, dass sowohl die Hochzeit, die im Hotel stattfindet, als auch die spätabendlichen Schweißerarbeiten am Nachbarhaus direkt vor meinem Zimmer mir die dringend nötige Nachtruhe gönnen. Dank meiner Ohrstöpsel klappt der Schlaf-Laden 😎. Es war ein toller, aber auch strammer Tag! Der Morgige wird ihm jedoch in keinster Weise nachstehen. Stay tuned!

* Edit: Unsere Reisebegleiterin Inge, die hier mitliest, hat mich netterweise darauf hingewiesen, dass es sich hier um den Birla Tempel handelt. Danke!

6 Gedanken zu “Tag 6: Von Jaipur nach Agra

  1. Wow, der Brunnen kommt auf die Bucket List! Sind in Fatehpur immer noch die Affen unterwegs? Die haben damals gerne mal zugeschnappt. Habe Vieles wiedererkannt, die Geisterstadt ist bei mir allerdings schon soooo lange her, damals gab es nur analog, digital war 2000 noch nicht erfunden. Wunderschöne Bilder, am Jain Tempel war ich auch, damals durfte man noch fotografieren. LG Sandra

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    1. @ Brunnen: Deine Bucket List wird dann halt wieder etwas länger 😅! Affen waren überall unterwegs, auch in Fatehpur. Aber ich hatte nirgends unangenehme Erfahrungen mit ihnen gemacht. Die waren mir gegenüber immer sehr zurückhaltend 😎. @ Kompliment zu den Fotos: danke! @ Tempel in Jaipur: das ist der Birla Tempel, wie ich zwischenzeitlich von unserer Reisebegleiterin erfahren habe. Wegen Fotografierverbot: das ist denen dort vielleicht im Laufe der Zeit einfach zu viel geworden.

      Liken

  2. Ach ja, der Brunnen. Den habe ich schon in Reportagen bewundert. Tolle Idee mit den Stufen, wobei es weniger sicher auch getan hätten! Aber wozu die in den Fels gehauenen Räumlichkeiten an der Stirnseite? Der bunte Tempel ist mir in der Tat zu bunt – erinnert mich an den hier in Berlin oder auch den in Kuala Lumpur. Dann doch lieber diese Geisterstadt. Super Bauwerke und so schön verziert! Bin gespannt, was es mit dem Umpacken auf sich hat (Temperaturwechsel in Nepal?).

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    1. Der Pavillon an der Stirnseite mit den drei Etagen und den hervorstehenden Terrassen diente als Bühne für Darstellende Künste. Außerdem waren auch diverse königliche Räumlichkeiten da drinnen. Die unteren Etagen des Brunnens dienten übrigens auch als Versammlungsort der Gemeinde, weil es dort um fünf bis sechs Grad kühler war als oben. Ja, die Geisterstadt ist wirklich klasse. Die Aufklärung bezüglich der Umpack-Aktion folgt im nächsten Bericht. Soviel sei jedoch vorab verraten: mit Nepal hat das nichts zu tun. Dorthin geht es erst an Tag 15.

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