Es erstaunt mich immer wieder, mit welcher Selbstverständlichkeit manche Mitmenschen ihre Umgebung mit Lärm beschallen. Im Frühstücksraum schaut ein Typ vergnügt einen Film bzw. ein Video auf seinem Tablet Computer. Ohne Kopfhörer. Das Frühstück schmeckt mir trotzdem 😎.

Packen, Check Out, Koffer in der Hotelrezeption deponiert und mit dem Bus zum Strand. Ich will wissen, warum die Plage des Catalans zu den beliebtesten Stränden der Stadt zählt.

Nun, Schönheit ist hier sicher nicht das ausschlaggebende Kriterium. Doch der Strand liegt nur 15 Gehminuten vom Vieux Port entfernt, also stadtnah. Man kann Beachvolleyball spielen, die Bucht liegt geschützt, der Strand ist für eine Bucht recht tief, der Sand ist fein, das Publikum angenehm. Es gibt eine kleine Bar, Umkleidekabinen und eine grandiose Aussicht auf die Frioul-Inseln. Mitten in der Woche vormittags, also jetzt, ist zudem wenig los. Und so lasse ich mich nieder, höre den Wellen zu und genieße ein Stündchen das Strandleben im Süden.

Mein Bewegungsdrang lässt mich weiterziehen. Ein kurzer Blick um die Ecke, wenige Meter weiter auf der kleinen Promenade hinter dem Strand. Dort offenbart sich mir, was mir schon häufiger in Marseille aufgefallen ist. Es gibt hier viel Armut, und sie versteckt sich nicht.

Gleich oberhalb dieser Szenerie als Kontrastprogramm ein schickes Apartmenthaus in erstklassiger Wasserlage.

Ähnliche Eindrücke ein paar Meter weiter oben. Auf der einen Seite sehr einladende Restaurants und Cafés in unschlagbarer Lage, …

… auf der anderen, direkt gegenüberliegenden Seite Obdachlose, die auf der Straße leben (müssen).

Trotz einiger durchaus erfolgreicher Bemühungen in den letzten Jahren, die Stadt aus dem sozialen Sumpf zu ziehen, ist es dennoch nicht ausreichend gelungen, alle Bevölkerungsschichten auf dem Weg nach oben mitzunehmen. Das ist in Berlin nicht anders. Doch hier erscheint mir die Situation extremer.

Ich könnte noch eine ganze Weile über Politik und Soziales in Frankreich und alles, was hier im Argen liegt, schwadronieren. Zuviel habe ich darüber gelesen, selbst vor Ort mitbekommen und mir entsprechend viele Gedanken darüber gemacht. Doch das würde an dieser Stelle zu weit führen. Dennoch möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass auch hier in dieser Stadt, die mir so gut gefällt und die sich in den letzten Jahren so zu ihrem Vorteil verändert hat, noch immer nicht alles Gold ist, was glänzt. Darin unterscheidet Marseille sich in nichts von anderen Städten auf dieser Welt. Doch im Leben gibt es zum Glück nicht nur Schwarz und Weiß, sondern eine Unmenge an Grautönen dazwischen.

Weiter an der Corniche entlang. Bald rückt ein monumentaler Torbogen in mein Blickfeld. Die Porte d’Orient wurde zu Ehren der im Orient gefallenen französischen Soldaten gebaut.

Dahinter wird es heiterer. Hier hat jemand die Strenge von dem vor dem Absturz ins Meer schützenden Metallzaun einfach weggefischt 😎.

Ich drehe mich um und schaue direkt ins pittoreske Vallon des Auffes mit seinem winzigen Hafenbecken.

Oben von der Brücke aus betrachtet, wird sichtbar, dass man hier die erste von zahlreichen weiteren Calanques, zu deutsch Felsbuchten, vor sich hat.

Ich finde den Anblick sehr charmant. Und so zögere ich nicht lange und schlendere durch die engen Gässchen nach unten.

Am Hafen angekommen, kriege ich die beschauliche, dörflich-gemütliche Atmosphäre mit der Tatsache, dass ich mich hier noch immer in einer Großstadt befinde, kaum noch zusammen!

Schade, dass es hier am Hafen nur Restaurants und kein Café gibt. Ansonsten hätte ich mich hier gerne auf ein Getränk niedergelassen. Mit dem Bus fahre ich zurück zum Alten Hafen und laufe die kurze Strecke zur Place Daviel hoch. Dort suche ich mir im Salon de Thé ein schattiges Plätzchen und lasse ein kühles Getränk meine durstige Kehle hinab rinnen.

Nun ist die Zeit des Abschieds gekommen. Zurück zum Hotel, mein Gepäck geschnappt und zu Fuß zum Bahnhof. Von dort aus bringt mich der Shuttlebus zum Flughafen. Die Wartezeit bis zum heute verspätet geöffneten Check In verkürze ich mit netten Gesprächen. Zuerst verquatsche ich mich mit einem Neuseeländer, dann mit einem älteren Paar aus Marseille.

Diverse technische Pannen später ist der Check In erledigt. Die Sicherheitskontrolle geht dann umso schneller, auch wenn mich – mal wieder – das Schicksal des Sprengstofftests ereilt 😅. Konsequenterweise und in Solidarität mit dem Hinflug hat auch der Rückflug eine Stunde Verspätung, verläuft aber ansonsten unspektakulär. Und so hat mich Berlin am frühen Abend wieder. Danke, liebe Leserinnen und Leser, dass ihr auch dieses Mal wieder virtuell mit an Bord wart. Bis zum nächsten Mal! Denn nach der Reise ist vor der Reise 😎.

12 Gedanken zu “Tag 6: Marseille – Abschiedsrunde in Schwarz-Weiß

  1. Hihi, war der Farbfilm schon leergeknipst? s/w war früher zumindest dann immer das Mittel der Wahl 😂

    Spaß beiseite, ich muss noch diesen und den Beitrag davor richtig lesen….

    Komm gut heim! Der Gatte wartet!

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  2. Willkommen im Club. Ich bin letztens auch wieder mit einem Wattestäbchen abgewischt worden.🙄
    Schöner Beitrag, mal was anderes so komplett in s/w. Es waren schon ein paar schöne Ecken dabei, z.B. das tolle Fort, die Kathedrale auf dem Hügel oder der pittoreske Hafen von heute. Aber trotzdem: so ganz überzeugt hat mich Marseille jetzt nicht. Mmh. Vielleicht mal irgendwann auf einer Küstentour.
    Wo geht’s als nächstes hin? Du hast es beim Stammtisch sicher erwähnt, aber ich hab’s vergessen.🙈

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    1. Ja, gib Marseille mal eine Chance. Auf einer Küsten- oder auch Provence-Tour. Ich fand die Stadt ja richtig klasse. So abwechslungsreich! Eine tolle Altstadt auf dem Hügel, ambitionierte Neubauviertel am ehemaligen Containerhafen, keine typische Großstadthektik, die geniale Lage am Wasser, das Street Art-Viertel, die Calanques gleich um die Ecke. Und eben das typische Mittelmeer-Flair. Meine nächsten Trips: aktuell bin ich gerade mit Stefan auf Sylt 😎. Im Spätsommer dann Portugal. Ich glaube übrigens, dass ich gar nichts davon erzählt hatte beim Stammtisch 😅. Da war meinerseits nur Marseille Thema.

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  3. also von mir mal ein ganz großes Kompliment zu den s/w Fotos ! Die passen wirklich perfekt ! Mein Favorit ist das Bild Nr. 3 einfach nur genial und mal was ganz anderes !
    Gibt es das mit dem „arm und reich“ nicht genauso in Deutschland ? Ich denke schon nur es fällt uns weniger auf im Alltag. Wenn man im Urlaub ist und so dieses Elend sieht kann man es sich vielleicht schlechter vorstellen warum gerade hier ?
    Man stellt sich in südlichen Länder einfach vor tolles Meer, tolle Strände , super Hotels und dann wir man mit sowas konfroniert ! Mir geht es in Griechenland immer genauso !
    Wie kann es sein dass Luxushotels und Obdachlose so dicht beieinander liegen ?
    Marseille ist nun ein Großstadt und ich denke in unseren sieht es genauso aus !!
    Die Reise war sicherlich ein Erfolg und ich habe sie verfolgt !!!
    Schönen Feiertag Morgen !!! VG Manni

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    1. Schön, dass dir die S/W-Fotos gefallen haben! Die Reise war wirklich klasse. Und ja, die Unterschiede zwischen arm und reich haben wir natürlich in Deutschland auch. In Berlin, wo ich lebe, sehe ich das jeden Tag. Ich hatte in Marseille halt den Eindruck, dass es dort noch krasser ist. Vielleicht ist auch was dran an deinem Argument, dass einem im Urlaub solche Missstände deutlicher auffallen.

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      1. Ich bleibe beim letzten Satz deines KOmmentares ! Im Urlaub erwartet man „heile Welt“ und nimmt das dann besonders war, und ich glaube dir aufs Wort dass du in Berlin täglich damit konfrontiert wirst !!! Schlimm aber leider die Wahrheit !!!

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