Heute ist ein ganz besonderer Tag, dem ich schon eine Weile entgegenfiebere. Ich werde mit dem Schiff das Fiordland (nein, kein Rechtschreibfehler, in Neuseeland steht an der Stelle ein „i“ statt einem „j“) entdecken und nehme dafür an einer Overnight Cruise teil. Der bekannteste Sound hier ist der Milford Sound, der gut über eine ausgebaute Panoramastraße erreichbar ist und deshalb auch von den meisten Touristen besucht wird. Ich habe mich jedoch für den größeren und stilleren, weil abgelegeneren Doubtfuf Sound entschieden. Ursprünglich nannte James Cook ihn Doubtful Harbour (Zweifelhafter Hafen), weil er befürchtete, seine „Endeavour“ hier nicht wieder heraus segeln zu können. Er hat dann auch tatsächlich darauf verzichtet, tiefer in den Sound hinein zu segeln. Ich hoffe, er hat es bereut! Denn er hat wirklich was verpasst.

Im übrigen handelt es sich bei den Sounds hier im Fiordland technisch gesehen um Fjorde, denn sie sind aus Gletschertälern entstanden. Die Bezeichnung „Sound“ hat sich aber durchgesetzt. So, nun habt ihr genug gelernt!

Am späteren Vormittag werde ich vor meinem Motel vom Shuttlebus abgeholt, der mich in einem halbstündigen Ritt zur Bootsanlegestelle des Lake Manapouri bringt. Dort besteige ich mit den anderen Gästen, die die gleiche Tour gebucht haben, die Schnellfähre. 45 Minuten lang dürfen wir die Fahrt über diesen wunderschönen See genießen …

… bevor wir in den nächsten Bus steigen, der uns über den Wilmot Pass chauffiert, übrigens die einzige Straße Neuseelands, die nicht mit dem übrigen Straßennetz verbunden ist. Wie gesagt, der Sound ist wirklich sehr abgelegen! Die Straße ist unbefestigt und wurde ursprünglich gebaut, um Maschinenteile zum Kraftwerk am Lake Manapouri zu transportieren. Auf dem Weg zu unserem nächsten Schiff, auf dem wir bis zum nächsten Morgen sein werden, fahren wir vorbei an beeindruckenden Moosgärten, zur Zeit sehr ausgetrockneten und von daher eher mickrigen Wasserfällen …

… und grandiosen Ausblicken vorbei. Und hier zeigt er sich auf mystische Weise zum ersten Mal. Darf ich vorstellen: der berühmte Doubtful Sound!

Er gehört zu den feuchtesten Orten der Erde. Durchschnittlich mehr als 200 Regentage im Jahr und 7.000 mm Niederschlag liefert der Himmel hier zuverlässig. Und so zieht sich der Himmel auch verlässlich zu, als wir unser Schiffchen entern.

Außer dem Schiffsmotor ist nichts zu hören, aber eine Menge Natur zu bestaunen.

Ich beziehe meine schicke Einzelkabine, …

… nehme das angebotene Nachmittagssüppchen zu mir, und schon geht es „richtig“ raus aufs Wasser in einem der kleinen Beiboote. Das Kajakfahren überlasse ich anderen, denn das würde meine Kamera im Zweifelsfall nicht überleben.

Ein sanfter Nieselregen setzt ein. Egal, ist ja nur Wasser! Wir schauen uns die Gegend quasi von unten an, …

… lauschen den Erklärungen unseres Bootsführers und kehren dann wieder an Bord zurück, nur wenig von den berühmt-berüchtigten Sandflies belästigt. Weiter geht es in einem der drei Fiordarme entlang Richtung offenes Meer.

Eine interessante Tatsache über dieses Gewässer ist, dass es sich hier nicht nur um eine Art von Wasser handelt. Die oberen Meter bestehen aus Frischwasser aus den Bergen. Die Schicht darunter ist das Salzwasser aus dem Meer. Diese beiden Schichten vermischen sich nicht. Viele Tiefseearten befinden sich deshalb gerade mal zehn Meter unter der Wasseroberfläche.

Und als wir uns dem offenen Meer nähern, die Szenerie offener, das Schaukeln des Schiffs heftiger wird, reißt plötzlich wie auf Knopfdruck der Himmel auf.

Wir sehen die hier üblichen Verdächtigen in Bestform: Delfine, Robben, Pinguine und sogar Wale! Wie vor ein paar Tagen auf der Otago Peninsula habt ihr wieder Pech: keine Tieraufnahmen bzw. nur eine wegen fehlender Technik. Aber glaubt mir: die Show ist fantastisch!

Auch als wir in den Sound zurückfahren, zeigt sich das Wetter von seiner besten Seite und zaubert ein paar hübsche Licht- und Schattenspiele.

Zurück im Sound, sucht der Käpt’n ein lauschiges Plätzchen für die Nacht und wirft den Anker. Die einsetzende Dämmerung bringt wieder neue Akzente in die Szenerie. Und für manche Aufnahmen (u.a. auch das heutige Titelbild) lasse ich doch gerne das leckere Dinnerbuffet noch ein paar Minütchen warten.

Beim Abendessen und anschließend oben an Deck führe ich einige interessante und kurzweilige Gespräche. Nebenbei wundere ich mich, wie auf diesem recht klein wirkenden Schiffchen 60 Gäste plus Crew untergebracht werden können, ohne dass man sich auf die Füße tritt. Und tatsächlich klappt das. Ein wunderbarer Tag geht zuende, und mein müdes Haupt sinkt dankbar in die Kissen. Gute Nacht!

22 Gedanken zu “Tag 25 – Te Anau/ Doubtful Sound

  1. Ist das schön dort.Ich beneide dich wirklich.Das kann man ja gar nicht überbieten.Diese Kombination von Wasser,Bergen,Wolken,Bootsfahrt❤️Ich bin gespannt auf die weiteren Tage…..gute Nacht,ElkeSabi

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  2. Sorry, es muss natürlich heißen: Wasserwelten! Mein korrektursystem – je nachdem in welche Sprache ich schreibe – bietet mir erstaunliche Beispiele…….aber die Wellen hast du bestimmt auch verstanden oder….

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  3. Jetzt gibt es nur noch eine große weiße Fläche auf dem Globus, wo du noch nicht warst. Wie wäre es mit Ozeanien, Bora-Bora, Cook-Islands und/oder auch die Antarktis. Nur die Hochhäuser müsstest du dann abschreiben. Aber das wäre eine Reise wert.

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  4. Ach, komm Bernd….bist von der Maus abgerutscht😂Taste defekt….zzzz Ich als Blog Beobachter wäre eindeutig für Südamerika als nächstes Ziel.Vielleicht können wir Elke sponsern und sie für uns um die Welt schicken. 😁

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    1. Gute Idee 👍👍👍! Ich werde hier mal meine Kontoverbindung veröffentlichen. Ich bin auch völlig hemmungslos, was das Annehmen von Spenden betrifft 😅. Falscher Stolz hat schließlich noch keinen weitergebracht!

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