Der Rio Turia floss einst mitten durch Valencia. Mitte der 1960er Jahre allerdings hat er es mit seinen Wassermengen etwas übertrieben. Nach der Überflutung der gesamten Innenstadt wurde er in den Süden der Stadt umgeleitet und sein ursprüngliches Flußbett trockengelegt. Bis in die 1970er Jahre wurde wild diskutiert, wie denn die neugewonnene Fläche, immerhin ein Streifen von 9 Kilometern Länge mitten in der Stadt, genutzt werden könnte. 

Wie auch in Berlin wurde als erstes an eine Autobahn gedacht. Nach dem Ende der Franco-Ära setzten sich dann zum Glück diverse Bürgerinitiativen gegen den erbitterten Widerstand der Immobilienbranche durch: das komplette Areal wurde als Parkanlage gestaltet. Konkret umgesetzt wurde die Panung dann in den 1990er Jahren, etwa zeitgleich mit dem Beginn der Bauarbeiten zur CAC (die Calatrava-Stadt, ihr wisst schon …), die sich am südöstlichen Ende des ehemaligen Flussbettes befindet. 

Heute leihen wir uns Fahrräder, um die Parkanlage einmal komplett zu durchqueren. Was uns sofort auffällt, ist die Stille trotz der zahlreichen Sonntagsausflügler und Sportler, die sich im Park tummeln und austoben. Dadurch, dass das Flussbett einige Meter tiefer als die umliegenden Hauptverkehrsstraßen liegt, ist der Autolärm weitgehend verbannt. Sehr angenehm! 

Unseren ersten Stopp machen wir an der schönen Brücke Puente del Mar aus dem 16. Jahrhundert. Seit 1933 ist sie für den Autoverkehr gesperrt und nur noch den Fußgängern vorbehalten.
 

Weiter geht’s vorbei an zahlreichen Yogaklassen, Fußball-und Baseballplätzen, großzügigen Spielplätzen, schattigen Rasenflächen, lauschigen Cafés und kühlenden Wasserbecken. Als nächstes fällt uns das Museo de Bellas Artes ins Auge. Die schönen Künste verschmähen wir heute zwar, aber das aparte Äußere schauen wir uns dann doch etwas genauer an.
 

 
Sehr weit kommen wir danach nicht. Die Torres de Serranos rufen uns und dürfen dann heute auch aufs Titelbild. Dieses gewaltige Nordtor ist ein Überbleibsel der Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert. Es bewachte den seinerzeit wichtigsten Eingang in die Stadt. Der Durchlass zwischen den beiden Türmen war gerade eben breit genug, um einen Reiter oder einen Wagen durchzulassen. Vom 16. bis weit ins 19. Jahrhundert beherbergten die Türme ein Gefängnis für adelige Straftäter. 

 
Heute kann man auf die oberen Plattformen steigen, was wir auch tun. Von oben hat man einen ansehnlichen Blick auf die Stadt, die uns zu Füßen liegt. Je weiter hoch man kraxelt, umso besser wird die Aussicht. Logisch, wa?
 

Der Nachmittag schreitet voran. Jetzt wird hier aber mal Strecke gemacht! Wir radeln durch bis zum Ende der Grünanlage, wo sich nahtlos der Bioparc (Zoo) anschließt und machen eine kurze Siesta im Gras unter schattigen Bäumen mit Blick auf schöne Wasserflächen. Auf dem Rückweg passieren wir den Palau de la Música, was den Alten Sack auf den Plan ruft. Da will er natürlich nicht weiter im Rucksack rumschimmeln.

 

Am späten Nachmittag geben wir die Räder ab und machen uns auf den Heimweg. An diesem wieder recht heißen Tag lassen wir den Nachmittag und Frühabend auf unserer lauschigen Dachterrasse ausklingen. Bis morgen!
 

4 Gedanken zu “Tag 7 – Mit dem Rad im Fluß

    1. Du lachst! Aber eine Dachterrasse in so einer schön warmen Gegend hat Charme, wenn man in Berlin nur eine. Balkon und zudem noch häufiger schlechtes Wetter hat 😎. @ Autobahn in Berlin: bezog sich nicht zwingend auf ein Flussbett, sondern eher auf den Umgang mit Freiflächen. In den Siebzigernund Achtzigern gab es z.B. in Kreuzberg ernsthafte Planungen, eine Autobahn durch die Oranienstraße zu ziehen, und zwar als Hochbau. Die heute unter Denkmalschutz stehenden Altbauten sollten dafür abgerissen werden. Am Oranienplatz sollte gar ein Autobahnkreuz hin. Hätte es die Hausbesetzerszene in den Achtzigern dort nicht gegeben, sähe das ehemalige SO 36 heute anders aus. Und wenn man den ehemaligen Luisenstädtischen Kanal entlang des Leuschnerdamms als Flussbett zählt, wäre auch das als Plan anzusehen, in einem Flussbett eine Autobahn zu bauen. Die Nord-Süd-Verbindung sollte da durchlaufen. Zu der Zeit ging man noch davon aus, dass die Mauer früher fällt …

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      1. Ah interessant, wusste ich noch nicht. Aber Berlin plant ja eh ganz gerne mal. Es gibt ja für die geplante Streckenführung der SO-Verbindung drei alternative Routen. Eine davon führt über unser Haus.😏

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